Interview bei Gereon Sand

Wie ich es schaffe, trotz Abitur und dem alltĂ€glichen Wahnsinn produktiv zu sein?🎓📝 Wonach ich sĂŒchtig bin? 💉🚬Was ich fĂŒr die Zukunft plane?😏 Die Antworten auf diese und weitere Fragen findet ihr im neusten Interview mit mir auf dem Blog meines Autorenkollegen Gereon Sand. http://gereonsand.com/leveret-pale-im-interview/ Ich wĂŒnsche viel Spaß beim Lesen.

Wenn ihr mehr ĂŒber Gereon Sand erfahren wollt, dann könnt ihr hier auf meinem Blog ein Interview, welches ich vor einigen Monaten mit ihm fĂŒhrte, finden: Gereon Sand im Interview.




Interview bei Creepy Creature Reviews am 25.12.2017

Am 25.12.2017 erschien auf dem Blog des BookTubers Creepy Creature Reviews ein Interview mit mir. Ihr findet es unter https://florian-jung.wixsite.com/creepy-creatures/single-post/2017/12/25/Interview-mit-Leveret-Pale Darin erzĂ€hle ich unter anderem, wie ich zum Schreiben kam, und warum ich Zigarren rauche und keine Videospiele spiele. Viel Spaß beim Lesen 😉

 




Interview im Frauenpanorama vom 16.12.2017

Am 16.12.2017 erschien ein ganz besonderes Interview mit mir im Magazin Frauenpanorama: https://frauenpanorama.de/ein-brillantes-ausnahmetalent-leveret-pale/ In keinem Interview zuvor habe ich einen so tiefen Einblick in mein Privatleben, mein Denken und FĂŒhlen erlaubt, wie in diesem. Wer sich also fĂŒr die Person hinter Leveret Pale interessiert, sollte unbedingt mal reinlesen.

Ich danke meiner Kollegin Astrid Korten fĂŒr dieses tolle Interview.




Gereon Sand im Interview

Wenn ich ehrlich bin, lese ich persönlich wenige noch lebende deutsche Autoren (es sind vielleicht ein, zwei Dutzend, was im VerhĂ€ltnis zu meinem BĂŒcherkonsum eine verschwindend geringe Menge ist) – denn die Kollegen aus dem englischsprachigen Raum sind heutzutage nicht nur den Deutschen in der QuantitĂ€t, sondern leider in der Regel auch in der QualitĂ€t und OriginalitĂ€t ĂŒberlegen. Ob das an unserem langweiligen Deutschunterricht, der die meisten jungen Autoren vergrault, liegt oder daran, dass bei den Amerikanern Creative Writing sogar ein studierbares Fach ist, werde ich aber ein anderes Mal behandeln. Heute soll es um einen Autor gehen, der weder Nietzsche, Hesse, Mann noch Fallada heißt, also noch lebt, und mich trotzdem begeistern kann. Zu den wenigen lebenden deutschen Autoren, die ich gerne lese, gehört Gereon Sand, der bisher drei Romane veröffentlicht hat.

Es freut mich daher besonders, dass ich die Gelegenheit hatte Gereon persönlich zu interviewen.

1. Gereon Sand, Du gehörst zu meinen liebsten deutschsprachigen Autoren, allerdings befĂŒrchte ich, dass Dich die meisten Leser noch nicht kennen. Möchtest Du vielleicht dich und deine BĂŒcher kurz vorstellen?

Na klar, wenn Du mich so nett fragst :). Ich bin 47 Jahre alt, arbeite in einem technischen Beruf, manage dort Projekte und schreibe in diesem Kontext hĂ€ufig Fachkonzepte und Benutzerdokumentationen. Zudem mag ich von Kindesbeinen an fantastische Welten, was sich u.a. in Pen&Paper-Rollenspielen, Trading-Card-Games, MMORPGs sowie zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romanen in meinem BĂŒcherregal niederschlĂ€gt.

Im Jahr 2011 ergab sich eine Gelegenheit, meine Arbeitszeit zu reduzieren und trotzdem noch eine Familie zu ernĂ€hren (ich bin verheiratet und habe 3 Kinder). Die dadurch gewonnene Zeit darf ich nach RĂŒcksprache mit meiner Familie zum Schreiben einsetzen, wofĂŒr ich unendlich dankbar bin und was mir unglaublich viel Spaß macht. Ich hoffe, dass sich ein wenig davon in meinen Romanen widerspiegelt.

———————————————————————————————–

2. Gereon Sand ist ein Pseudonym. Warum verwendest Du es und wie bist Du darauf gekommen?

Der Schriftsteller bei der Arbeit … oder so Ă€hnlich sieht es vermutlich aus, wenn auch mit Computer und elektrischem Licht, wenn Gereon Sand schreibt. So genau werden wir das vielleicht nie erfahren, denn der Autor möchte in der Öffentlichkeit unerkannt bleiben.

Ich wollte einfach nicht, dass man meinen Echtnamen googlet und dann als erstes auf meine BĂŒcher stĂ¶ĂŸt. Das Pseudonym ermöglicht mir, meine Rollen als Familienvater, Angestellter und Autor so voneinander zu trennen, wie ich es fĂŒr angemessen halte. Zudem ist mein Echtname vergleichsweise sperrig und schwer zu merken.

An dem Pseudonym „Gereon Sand“ mag ich den Klang der Worte, den leicht zu merkenden Nachnamen (der im Englischen und im Deutschen die gleiche Bedeutung hat) sowie die Assoziationen, die der Name mit sich trĂ€gt. Sand poltert nicht und fĂ€llt nicht. Stattdessen zerrinnt er zwischen den Fingern, durchlĂ€uft unerbittlich den Trichter der Sanduhr, rieselt leise und unbemerkt in alle Ritzen.

———————————————————————————————–

3. Was bedeutet das Schreiben fĂŒr Dich?

So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich bin seit jeher ein kreativer Mensch, was sich z.B. in (hochnotpeinlichen!) Gedichten aus meiner Teenagerzeit, dem Songwriting fĂŒr diverse Rockbands oder Inhalten fĂŒr MMORPGs (z.B. Roleplaying-Servern) niederschlĂ€gt.

MerkwĂŒrdigerweise bin ich nicht nur kreativ, sondern auch ziemlich diszipliniert. Ich freue mich daran, wenn Dinge ihre Ordnung haben und manage meine beruflichen und privaten Projekte mit Herzblut und Leidenschaft. Ich mag es, auf ein Ziel hinzuarbeiten, Sachverhalte zu optimieren und aus gegebenen Rahmenbedingungen das Beste herauszuholen.

Das Schreiben vereint fĂŒr mich KreativitĂ€t und Ordnung in einer ganz wundervollen Weise. Die Figuren meiner Romane agieren in einem Universum, das „gemanaget“ werden will. Aus ihrer Interaktion und ihren Eigenheiten ergeben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge (KreativitĂ€t!), die aber stimmig sein und zum Universum passen mĂŒssen (Ordnung!). Ich mag dieses Zusammenspiel sehr und genieße das Privileg, Zeit dafĂŒr investieren zu dĂŒrfen.

———————————————————————————————–

4. Wie lÀuft bei dir der Prozess von der Idee bis zum fertigen Buch ab? Wie arbeitest und veröffentlichst Du? Wie findest Du Inspiration?

Oh weh, so viele Fragen auf einmal 🙂

Als ich mit Rasmus angefangen habe, gab es lediglich eine grobe Vorstellung von den FĂ€higkeiten der Propheten, ansonsten keinerlei Material ĂŒber Annstein und die Mittlande … und insbesondere keinerlei Ahnung, wie der Roman enden sollte. Die einzigen Charaktere, die zu Beginn des Romans existierten, waren Rasmus, Flemming und Stella; ein ExposĂ©e, eine Kapitelstruktur oder auch nur ein Konzept fĂŒr einen Handlungsstrang gab es nicht. Mit anderen Worten: falscher kann man es eigentlich nicht machen :).

Letztendlich hat mich die sich in jedem Kapitel verĂ€ndernde ErzĂ€hlperspektive gerettet. Nachdem ich Grubb, Nalissa, Keshar, Milan und Tjark eingefĂŒhrt hatte, gab es eine ĂŒber viele Monate andauernde Phase, in der der Roman sich wie von alleine schrieb. Die Charaktere erwachten zum Leben, wĂ€hrend sie die Welt durch ihre Augen betrachteten, entwickelten Eigenschaften, interagierten, wodurch sich neue Situationen ergaben, die wiederum Interaktion erforderten, die wiederum zu neuen Situationen fĂŒhrte … und so ging es immer weiter. LĂ€ngst lassen sich Haupt- und Nebencharaktere nicht mehr eindeutig trennen, Gut und Böse nicht mehr voneinander abgrenzen. Wenn ich drei Protagonisten nennen mĂŒsste, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind … ich mĂŒsste sehr lange ĂŒberlegen.

NatĂŒrlich forderte diese spontane Vorgehensweise ihren Preis. Im dritten Band, der derzeit lektoriert und in 2018 veröffentlicht wird, hatte ich einige MĂŒhe, die HandlungsfĂ€den, die sich aus der „spontanen“ Interaktion der Protagonisten ergaben, wieder zusammenzubinden. So umfasst der dritte Band von Rasmus nur einen einzigen (ziemlich blutigen) Tag … und er ist dabei nicht kĂŒrzer als seine beiden VorgĂ€nger.

Gereon Sands neuster Roman „Marie“ spielt in der Zukunft und zeigt die Gefahren der technologischen Entwicklung nach dem Motto: „Share your life, share it live!“

Mit „Marie“ habe ich meine Arbeitsweise umgestellt. Sowohl zu „Marie“ als auch zum vierten Band von Rasmus, an dem ich derzeit schreibe, existierten ExposĂ©e und Kapitelstruktur von Beginn an, so dass z.B. das Ende, auf das der Roman hinarbeitet, schon vor der ersten Zeile feststand. Beide Arbeitsweisen, die spontane und die durchgeplante, haben Vor- und Nachteile bzw. ihre Daseinsberechtigung. Es wĂ€re ein eigenes Interview wert, diese gegenĂŒberzustellen.

Ich schreibe mit MSWord, fast ausschließlich am frĂŒhen Morgen oder an meinen freien Nachmittagen. Ich sitze dabei typischerweise in CafĂ©s, d.h. an öffentlichen Orten, da es zuhause an meinem Schreibtisch viel zu viele Dinge gibt, die mich ablenken. Ich schreibe meine Kapitel nicht nur stur herunter, sondern lese sie sehr hĂ€ufig Korrektur und feile immer wieder an Details. Dieser fortwĂ€hrende Korrekturprozess endet auch dann nicht, wenn alle Kapitel geschrieben sind, denn an die eigentliche Schreibphase schließen sich das Lektorat, die Covergestaltung und der technische Veröffentlichungsprozess (via createspace.com) an. Im Schnitt verstreichen eins bis anderthalb Jahre, bis ich einen fertig geschriebenen Roman letztendlich veröffentliche. Es ist m.E. wichtig, diese Nachbereitungsphase nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang anzusetzen. Man könnte unendlich lange feilen, korrigieren und verbessern … aber irgendwann muss man sich selbst dazu zwingen, einen Haken zu machen und einen Roman loszulassen.

Meine Inspiration finde ich in den Menschen um mich herum. Letztendlich geht es in all meinen Romanen um Menschen und ihre Eigenheiten. Ob die Handlung nun im einem fantastischen (Rasmus) oder technisierten (Marie) Rahmen stattfindet, ist fĂŒr mich unerheblich. Ich zeichne Menschen, aber nicht mit Pinsel und Farben, sondern mit Worten.

———————————————————————————————–

5. Dein Hauptwerk besteht aus der Fantasyreihe „Rasmus und die Gilde der Propheten“, von der mittlerweile die ersten zwei BĂ€nde erschienen sind. Kannst Du kurz skizzieren, worum es in den BĂŒchern geht und warum Leser ausgerechnet diese Reihe lesen sollten, wo der Fantasymarkt doch bereits so ĂŒbersĂ€ttigt ist? Was macht die Reihe so besonders?

In der Fantasy gibt es unendlich viele Stereotypen. Elben, Zwerge, Orks oder Drachen. Zerstreute Zauberer, mystische Feen, strahlende Helden oder grausame Monster. Ich glaube, dass die ÜbersĂ€ttigung des Marktes, die Du ansprichst, zum Großteil durch fortwĂ€hrendes Variieren dieser Stereotypen erfolgt. „Rasmus und die Gilde der Propheten“ geht hier einen völlig anderen Weg. Die Serie baut darauf, dass der Mensch alleine genĂŒgt, um gute Fantasy zu tragen. Ein Mensch kann sowohl Held als auch Monster sein, manchmal sogar in ein- und derselben Person. FĂŒr mich ist die beste Fantasy diejenige, die mit menschlichen Protagonisten arbeitet und bei der diese nicht klassisch „gut“ oder „böse“ sind, sondern ĂŒber Grautöne verfĂŒgen. George R. R. Martin ist fĂŒr mich der unangefochtene Meister dieser Disziplin, aber auch Joe Abercrombie oder Guy Gavriel Kay produzieren wunderschön ausgearbeitete Charaktere.

Rasmus und der Gilde der Propheten“ erzĂ€hlt eine Geschichte durch die Augen verschiedenster menschlicher Protagonisten, die allesamt ihre StĂ€rken und SchwĂ€chen haben. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist nicht eindeutig; es passieren derbe und blutige Dinge (wobei ich ĂŒberzeugt bin, dass die historische RealitĂ€t noch weitaus derber und blutiger war). Wer „realistische“ Fantasy in einem mittelalterlichen Szenario mag, sollte m.E. einen Blick auf die Serie werfen, die nach meinem derzeitigen Stand der Dinge mit dem vierten und letzten Band im Jahr 2019 enden wird. Wie bereits erwĂ€hnt, verzichtet die Serie vollstĂ€ndig auf die genreĂŒblichen Klischees; ĂŒbersinnliche Dinge (wie die Magie der Propheten oder die FĂ€higkeiten der Fallenden Sterne) tauchen nur sporadisch und in kleinen Dosen auf. Es sind Menschen, die den Roman tragen. Feige, grausame, zynische, tapfere, einzigartige und unendlich zerbrechliche Menschen.

———————————————————————————————–

6. Vor kurzem erschien dein neuester Roman „Marie“, der in einem Deutschland des Jahres 2023 spielt. Damit hast du nach zwei Fantasyromanen ein Science-Fiction Buch veröffentlicht. Was brachte dich dazu das Genre zu wechseln? Werden wir in Zukunft mehr BĂŒcher in verschiedenen Genre von dir lesen können?

„Marie“ war nicht geplant, ist mir aber immer mehr zum BedĂŒrfnis geworden. Hauptberuflich arbeite ich in einem technischen Umfeld, so dass mir das Szenario, in dem „Marie“ spielt, durchaus nicht unbekannt ist. Ich finde es hochgradig bedenklich, ja sogar pervers, wie immer allgegenwĂ€rtigere Technik im Alltag StĂŒck fĂŒr StĂŒck den Umgang mit Menschen ersetzt. „Marie“ spielt mit zahlreichen Motiven, die wir derzeit noch untrennbar mit Menschen assoziieren (Geburt, Hochzeit, Tod, Advent, Weihnachten etc.) … und ersetzt dort konsequent den Menschen durch etwas anderes. Mein total vereinsamter Protagonist stolpert entsprechend von einer kĂŒnstlichen Welt in die nĂ€chste und verliert am Ende jeden Bezug zur RealitĂ€t.

Das Genre (Fantasy vs. Science-Fiction etc.) ist fĂŒr mich zweitrangig. Es bildet letztendlich nur den Rahmen, um Menschen zu beschreiben.

———————————————————————————————–

7. Was sind deine PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft als Gereon Sand?

Falls sich bei „Rasmus“ oder „Marie“ nicht ĂŒber Nacht unerwarteter Erfolg einstellt, werde ich nach dem Abschluss von „Rasmus“ vermutlich ein weiteres Mal das Genre wechseln. Ich habe zwei Ideen fĂŒr SachbĂŒcher, außerdem eine ziemlich konkrete Idee fĂŒr einen historischen Roman, der eine allseits bekannte Szene aus der Menschheitsgeschichte durch die Augen von Nebencharakteren neu erzĂ€hlt … d.h. Kapitel aus wechselnden Perspektiven wie bei Rasmus, aber dieses Mal mit einem „ja, so könnte es gewesen sein“-Anspruch.

Auf jeden Fall habe ich nicht vor, das Schreiben aufzugeben. DafĂŒr mag ich das Dasein als „Gereon Sand“ viel zu sehr!

Vielen Dank fĂŒr die spannenden Fragen und das Interesse an meiner Person. Dir selbst viel Spaß und Erfolg beim Schreiben … und bis zum nĂ€chsten Mal!

Ich danke dir fĂŒr das Interview. 🙂




Spezial: Zitatinterview mit Monika Loerchner

Monika vor dem heimischen BĂŒcherregal bei der LektĂŒre ihres neusten Romans „Hexenherz“

Diesmal gibt es hier auf meinem Blog mal etwas ganz Besonderes, nĂ€mlich ein Interview; und als ob das nicht schon ungewöhnlich genug wĂ€re, ist es nicht einmal ein normales Interview. (Wo wĂŒrden wir den hinkommen, wenn ich anfange irgendetwas normal zu machen? Das wĂ€re ja langweilig.) Meine Kollegin Monika Loerchner und ich* sind auf die Idee gekommen uns gegenseitig zu interviewen, allerdings mit der Auflage, dass wir auf die Fragen jeweils nur mit ein bis drei Zitaten aus unseren bereits veröffentlichten Werken antworten können. Hier könnt ihr meine Fragen und Monikas Zitatantworten lesen. Wenn ihr wissen wollt, wie ich mich dabei angestellt habe, und mit welche Zitaten, dann schaut auf Monikas Blog vorbei, den sie ĂŒbrigens deutlich besser und ordentlicher pflegt und fĂŒttert, als ich meinen. 😛

 

  1. Warum hast du angefangen zu schreiben bzw. warum schreibst du?

     

    „Von da an sah Fabian die Frau jeden Dienstag. Sie kam stets vom Supermarktparkplatz rechts auf der anderen Straßenseite, ging ĂŒber den Fabian gegenĂŒberliegenden BĂŒrgersteig nach links und verschwand irgendwann einfach aus seinem Blickfeld. Dabei ging sie weder besonders schnell, noch auffallend langsam. Sie ging einfach und das war etwas, dass Fabian nicht in den Kopf ging. Entweder man ging wohin und hatte ein Ziel, oder man ging spazieren. Letzteres kam kaum in Frage, hier gab es nichts zu sehen als die Autos, Busse und LKW, die ĂŒber die Hauptstraße rollten, den Supermarkt und die Tankstelle neben dem BushĂ€uschen. Wer spazieren gehen wollte, suchte sich eine bessere Gegend. Die Stadt war keine Schönheit, hatte aber durchaus ein paar hĂŒbsche Ecken. Also warum sollte die Frau ausgerechnet die Hauptstraße entlanggehen? Die hier nichts zu bieten hatte außer StraßenlĂ€rm und -Luft und hinter VorgĂ€rten verschanzten WohnhĂ€usern?
    Die andere Möglichkeit war natĂŒrlich, dass die Frau ein Ziel hatte. Doch das passte einfach nicht zu ihrem Gang: Wer wohin wollte, ging irgendwie anders. Nicht unbedingt schneller, aber bestimmter. Fabian wusste selbst nicht, was ihn so sicher machte, aber fĂŒr ihn stand fest, dass die Frau kein Ziel hatte.“ (Aus: „Die Dame in Lila“, Seite 94f.)

    „Ich denke fieberhaft nach. Mein GespĂŒr, nicht mehr als ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch, sagt mir, dass ich da an etwas dran bin. Noncoai. Incaono. Verdammt, so komme ich nicht weiter! Wenn ich nur etwas zu schreiben hĂ€tte!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 294.)

    „Und ich hab Hummeln im Hintern!“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 23.)

    2. Man lĂ€sst ja als Autor auch immer ein bisschen die eigene Persönlichkeit in seine BĂŒcher einfließen; gibt es Passagen, die deine gut umschreiben?

„Ich balle die HĂ€nde zu FĂ€usten. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist es Ungerechtigkeit!“

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ Nicht alle Autoren fröhnen verschiedenen Alkaloiden so sehr wie Leveret Pale, aber eine gewisse AffinitĂ€t zu Koffein lĂ€sst sich in Schriftstellerkreisen immer wieder beobachten.

(Aus:„Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 262.)

 

„’Wenn Sie das so sagen, dann war es wohl so‘, antwortete Kurt vorsichtig. ‚Wollen Sie mir jetzt sagen, was das mit mir zu tun hat, oder noch lĂ€nger drumrum reden?‘
Zu Kurts Überraschung lachte Bachmann auf.
‚Na, Sie sind ja ein ganz Direkter‘, sagte Bachmann und neigte anerkennend den Kopf. ‚MĂ€nner Ihres Formates sind selten geworden.‘
Kurt schnaubte zustimmend.
Mit Genugtuung sah er wie Bachmann bei einer etwas stĂ€rkeren Brise fröstelte und dann den Kragen seines Mantels hochschlug. So viel Geld, so viel Zeit, so viel Wolle, und wofĂŒr? FĂŒr einen Mantel, der nicht wĂ€rmte. Manchmal fragte sich Kurt, auf was fĂŒr verrĂŒckte Ideen die Menschen noch so alles kommen wĂŒrden.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 263f.)

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 10.)

  1. Du hast ja unter anderem Religionswissenschaften studiert. Wie stehst Du zum Thema Glaub, zu Religion usw.?

„Luzena indes wurde unruhig. ‚Warum antworten sie uns nicht? Warum fragen sie uns nichts?‘, wollte sie wissen. ‚Sie haben doch auf unseren Ruf reagiert?‘
‚Ruhig.‘ Wie es seine Art war, vermittelte Reso trotz seiner Jugend Ruhe und WohlgefĂŒhl. ‚Es scheint mir, sie haben erst ihren Göttern huldigen mĂŒssen. Wer sind wir, dass wir uns ĂŒber fremde Götter erheben wollen?’“ (Aus: „Der Besuch“, Seite 204.)

Die Weibchen der Fremden kamen langsam herbei und vollfĂŒhrten scheinbar sinnlose Gesten, taten im Grunde genommen nicht viel, außer das liegende MĂ€nnchen aufzurichten und einige rĂ€tselhafte, grob hergestellte GegenstĂ€nde vor ihm abzustellen. Ob das Opfergaben waren?
Mili war fasziniert von der Szene, die sich vor ihr abspielte. Gleichzeitig schnitt es ihr ins Herz, wie traurig das MĂ€nnchen offenbar war. Oder missverstand sie da nur etwas? (Aus: „Der Besuch“, Seite 205.)

„‚Glaubst Du denn, die Götter hören uns noch zu?‘
‚NatĂŒrlich!‘ Luke nickt. ‚Das tun sie, kleiner Freund, ganz zweifellos. Überleg doch mal: Wie sonst wĂ€re es möglich, zu trĂ€umen?’“ (Aus: „Der Zweifel“.)


4. … und du hast auch Friedens- und Konfliktforschung studiert. Ein Statement dazu?

„Es muss doch eine Möglichkeit geben, wie alle Menschen, MĂ€nner und Frauen, gleichberechtigt und in Frieden miteinander leben können!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 27.)

„Ich wĂŒnsche dir, dass du zur Einsicht kommst. Doch das wirst du nicht, nicht wahr? Du hast immer schon deinen eigenen Kopf gehabt und deinen eigenen Sinn von Gerechtigkeit. Den habe ich immer an dir bewundert, aber dieses Mal, Kleine, wird er dir zum VerhĂ€ngnis werden. Eine Frau muss wissen, wann sie kĂ€mpfen und wann sie wegschauen muss.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 356.)

„Wer sich gegenĂŒber SchwĂ€cheren anders verhĂ€lt als gegenĂŒber Gleichgestellten, sollte sein Verhalten ĂŒberdenken, pflegt meine Mutter immer zu sagen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 246.)

5. Du hast ja mittlerweile einige Lesungen gehalten und wir beide werden demnÀchst ja auch bei der Langen Lesenacht in Billerbeck aus unseren Romanen lesen. Wie empfindest du es vor Publikum aus deinem Buch zu lesen?

Schriftstellersein ist harte Arbeit … aber auch eine sehr erfĂŒllende und wunderbare, wie ich aus eigener Erfahrung bestĂ€tigen kann.

„‚Die Basis der Schriftstellerei ist nichts anderes als harte Arbeit.‘

‚Du willst mich wohl auf den Arm nehmen!‘ WĂŒtend funkelt mich der Fremde an. ‚Als ob dir das

Schreiben keinen Spaß machen wĂŒrde!‘

‚Doch, tut es. Es ist ein großes GlĂŒck, wenn man seiner Berufung folgen kann und die Arbeit Spaß

macht. Aber soll man sich deswegen etwa nicht mehr dafĂŒr bezahlen lassen? Und denken Sie bloß

nicht, das mir das Schreiben IMMER Spaß macht!‘

Ich schließe die Augen und denke an Kopfschmerzen und Schniefnase.“ (Aus: „Ein widerstehliches Angebot“, Seite 70.)

„Wir sitzen hier, du und ich und 
 ich bin sicher, wir können zusammen eine ganze Menge Spaß haben! Mindestens so viel, wie wenn wir in Miami wĂ€ren, ja?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 9.)

6. Wenn man deinen Roman Hexenherz liest, in dessen Welt ein oppressives Matriarchat herrscht, merkt man, dass dir das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig ist. Wie sollte eine Gesellschaft deiner Meinung nach optimalerweise aussehen?

„‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss fĂŒr jeden da sein. „

„Wahnsinn ist das, was diese Gesellschaft aus uns gemacht hat. Nicht alle denken so. Wir nicht und andere auch nicht. Also zog Adrian los, Gleichgesinnte zu finden. Mit ihnen wollte er leben, als Gleicher unter Gleichen, ganz egal, ob Mann oder Frau oder FrĂ€ulein. Bemessen einzig und allein an der StĂ€rke seines Wesens, seines Charakters.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 306.)

„‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss fĂŒr jeden da sein. Ob groß oder klein, mĂ€chtig oder schwach, Frau oder Mann: Man kann sich nicht aussuchen, fĂŒr wen die Gerechtigkeit da sein soll und fĂŒr wen nicht. Man muss zu dem stehen, der man ist, und stets versuchen, so zu handeln wie der Mensch, der man sein möchte. Nur so wirst du es eines Tages schaffen, der Göttin ohne Scham gegenĂŒbertreten zu können.’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 396.)

7. … und man merkt auch, dass du zweifache Mutter bist. Wie wĂŒrdest du eine optimale Mutter beschreiben?

„‚Jenny’“, wiederhole ich so sanft ich kann. ‚Ich werde aller Wahrscheinlichkeit nach in den Tod gehen. Vieles im Leben erscheint einem sinnlos, Jenny, wenn man nur an sich denkt und nicht an das Morgen, das andere noch erleben werden. Ich habe diesen Jungen an Kindes statt genommen. Ich muss ihn in der Obhut einer Person wissen, der ich absolut vertrauen kann. Ihr beide seid fĂŒr mich das Leben, das Weiterleben. Selbst, wenn wir anderen alle scheitern sollten. Kannst du das fĂŒr mich tun?’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 375.)

„Das Baby in meinem Arm Ă€chzt im Schlaf. Es streckt Ärmchen und Beinchen von sich, zittert ein wenig und entspannt sich wieder mit einem zufriedenen Seufzer. Kire liegt völlig schlaff in meinen Armen. Sie ist so voller Vertrauen, wie sie es als Erwachsene nie wieder sein kann. Noch weiß sie nichts von dieser Welt, noch kennt sie nichts außer Liebe, WĂ€rme und Geborgenheit. Göttin, beschĂŒtze sie!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 426.)

8. Wie schaffst du es, dich um deine Kinder zu kĂŒmmern und dich gleichzeitig so einer zeitintensiven TĂ€tigkeit wie dem Schreiben zu widmen? Werden da manchmal die Kinder vernachlĂ€ssigt?

Ich schÀtze, mit etwas Organisationstalent kann man das irgendwie hinkriegen?

„Empfanden zwar einen Hauch Mitleid mit dem Kind, aber der Vater wĂŒrde zweifellos Physiklehrer MĂŒller werden, und der war schließlich echt in Ordnung.“ (Aus: „Der Langzeitplan“.)

9. Wie du schreibst, möchtest du deinen Lesern auch gewisse Wert vermitteln, welche sind das?

„Als sich ihre Blicke trafen verliebte sich der junge Mann unsterblich in die Prinzessin, denn er hatte hinter ihrem hochmĂŒtigen Wesen ihr gutes Herz erkannt. Und ebenso verliebte sich die Prinzessin unsterblich in den jungen Mann, denn sie erahnte die GĂŒte und WĂ€rme hinter seinem kĂŒhlen Gebaren.“ (Aus: „Der Winterprinz“.)

„Jetzt muss ich wirklich lachen. ‚Mirja, ernsthaft? Ja, wir haben uns ganz gut unterhalten. Und ehrlich gesagt haben wir mehr gemeinsam, als ich je gedacht hĂ€tte. Aber das macht doch noch lange keine Freundschaft aus. Dazu gehören Dinge wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Treue! Dinge, von denen du keine Ahnung hast!’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 218.)

 

10. Bist du eher eine Idealistin oder eine Materialistin?


„Was ich meinte, war, dass Adrian damals ein Idealist war, ein TrĂ€umer. Als ich ihn vor etlichen Jahren wiedertraf, hatte sich das geĂ€ndert. Er war realistischer geworden, hĂ€rter. Seinen Idealismus hat er jedoch nie ganz verloren.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 307.)

„Hunger tut weh, das solltest du am besten wissen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 221.)


11. Was erwartest du dir von der Zukunft?


„Ich weiß es nicht, ist das ĂŒberhaupt wichtig?“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 346.)

 

12. So, das habe ich jetzt von dir geklaut. Ich konnte sie ganz gut beantworten, weil ich mal einen passenden intertextuellen Metafiktionwitz in einer meiner Kurzgeschichten eingebaut habe (man hĂŒte sich vor den ganzen postmodernen Autoren, die sich selbst in ihre Texte einbauen). Aber ich glaube, du wirst da eher deine Schwierigkeiten haben. Überzeuge du mich jetzt deine BĂŒcher zu kaufen. (bzw. nochmal, ich habe sie eigentlich bereits alle mittlerweile) 😉

„Ich fĂŒrchte, Sie missverstehen da etwas: Was irgendein Jurist dazu sagt, interessiert mich nicht. Ich will mein Geld. Geben Sie es mir und alles ist gut. Geben Sie es mir nicht, und 
 Nun: Ich bekomme immer, was ich will.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 265.)

Wie magisch wurde er von dieser Eisblume angezogen, die so wunderschön war, so einzigartig, so kĂŒhn in ihrem Muster und so anmutig zart, dass es ihm die Sprache verschlug. (Aus: „Der Winterprinz“.)

„‚Entspann dich mal, Schatz!‘, hatter gesagt, ‚Ruh dich mal richtig aus‘ und ‚Lass dich mal so richtig verwöhnen, Schatz!‘, hatter gesagt. (Aus: „Ein Winterberger, Winterkrimi“, Seite 9.)

ENDE

Ich glaube, lieber Nikodem, mir hat noch nie ein Interview so viel Spaß gemacht wie dieses hier! Deine Fragen waren zugegeben sehr kniffelig, aber ich liebe Herausforderungen! Vielen lieben Dank also fĂŒr dieses tolle Interview! 🙂

Danke Monika, dass du dir die Zeit fĂŒr das Interview genommen hast.

Mehr zu Monika könnt ihr hier finden:

https://monikaloerchnersite.wordpress.com
https://www.facebook.com/MonikaLoerchner/
https://www.lovelybooks.de/autor/Monika-Loerchner/
https://www.amazon.de/Monika-Loerchner/e/B01MRLT7GK/
http://www.acabus-verlag.de/autoren_31/loerchner-monika_1133.htm

Bibliographie:

*Naja, eher sie, aber ich habe sehr schnell zugestimmt und die GenialitĂ€t dieser Idee erkannt und das Konzept ausgearbeitet. 😉  Ich meine, wie cool ist das, ein Zitatinterview ^^




Interview ĂŒber CrH, meine Recherchemethoden & das Autorenleben

Ich wurde vor kurzem wieder von der Plattform leserkanone.de interviewt. Das Interview war sehr ausfĂŒhrlich und ich ging darin auf den Schreib- und Rechercheprozess hinter meinem neusten Roman „Crackrauchende HĂŒhner“ ein. Wer also wissen möchte, wie das Autorenleben aussieht, der sollte definitiv mal reinlesen.

Das Interview erschien am 20. April 2017 unter diesem Link:

https://www.leserkanone.de/index.php?befehl=autoren&autor=5755&interview=463




Neues Interview mit mir

Ich wurde vor kurzem von der Bloggerin Bianca Pohlig von mordsbuch.net interviewt. Thema diesmal, wie ich zum Schreiben gekommen bin und welche Ziele ich zurzeit verfolge.

Igr findet das Interview unter https://www.mordsbuch.net/2017/01/05/interview-mit-leveret-pale/




Videoempfehlung: Interview mit BoD-Pressesprecher Thorsten Simon

Die meisten meiner BĂŒcher habe ich via BoD veröffentlicht. Wer mehr ĂŒber BoD erfahren will, dem empfehle ich ein klasse Videointerview, welches der YouTuber creepycreaturesreview mit dem BoD-Presssprecher Thorsten Simon auf der Frankfurter Buchmesse gefĂŒhrt hat.

 




Interview mit mir

Die Meldung ist eigentlich etwas Ă€lter, aber auf dem neuem Blog hier hab ich sie noch nicht an die große Glocke gehĂ€ngt, dabei ist das etwas, was viele von euch interessieren könnte:
Vor einem Monat wurde ich von leserkanon.de, einem Literaturportal mit 37.000 registrierten Nutzern, das sich selbst als „Das endgĂŒltige BĂŒchergericht“ bezeichnet, zu meiner Anthologie „Wahnsinn“ interviewt. Das Interview findet ihr hier. Ich spreche darin ĂŒber meine Motivation, meine PlĂ€ne und meinen kreativen Schreibprozess.