Vom Schreiben und Polarisieren – April Nierose im Interview

Wer sich auf Instagram in der deutschen #tomorrowsauthors-Szene bewegt, kommt um April Nierose nicht herum. Vor allem in Instastories von jungen Autorinnen taucht immer wieder ihre erfolgreiche Buchreihe „Verfall“ auf. Bei den Planet Awards Berlin 2018 kürten sie die Leser zur Autorin des Jahres. Im Interview erzählt die erfolgreiche Selfpublisherin wie sie zum Schreiben kam, warum sie polarisiert und was wir in Zukunft von ihr erwarten können.

Wann und warum hast du mit dem Schreiben angefangen?

Lesen und schreiben konnte ich bereits in einem Alter von vier Jahren, aber dass es mir Spaß macht, eigene Geschichten zu verfassen, erkannte ich deutlich später. Ich dürfte zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich im Rahmen einer Hausaufgabe einen kurzen Aufsatz schreiben sollte. Ich schrieb drauf los und plötzlich waren es fünf Seiten geworden, ohne dass ich es merkte. Das ist etwas, was mir bis heute noch immer und immer wieder passiert.

Etwa in dieser Zeit entstanden einige Figuren, die man heute in abgewandelter Form in Verfall wiederfindet und die ersten Ideen zum Plot. Allerdings habe ich erst mit 17 Jahren begonnen, die Geschichte niederzuschreiben und das völlig frei Schnauze. Ich kannte weder Ratgeber noch Schreibtipps. Hätte ich sie gekannt, hätte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sofort das Interesse am Schreiben verloren, denn Regeln ersticken meine Kreativität.

Es war nicht mein Plan oder mein Wunsch, eine gefeierte Autorin zu werden oder überhaupt zu veröffentlichen. Viel eher brauchte ich ein Ventil, um meine Konflikte mit mir selbst auszutragen und um meine Wut in eine nicht destruktive Richtung zu lenken. Ehe ich mich versah, hatte ich die heutigen Bände 1 und 2 der Verfall-Reihe sowie einen groben Entwurf vom heutigen Band 3.

Dein Pseudonym „April Nierose“ ist ein Anagramm auf Polarisieren. Inwiefern polarisierst du?

Das ist eine Eigenschaft, die mir in der Jugend oft zugeschrieben wurde. Das Pseudonym an sich entstand aus einem Zufall heraus, als ein Kumpel, dem ich zuvor berichtet hatte, dass mir kein Pseudonym einfalle, auf die Idee kam, alle Begriffe, die er mit mir in Verbindung brachte, in einen Anagramm-Generator einzugeben. Dann schickte er mir seine Ergebnisse und ich wählte meinen heutigen Künstlernamen aus der Liste aus. Im Nachhinein bin ich froh darüber, diese Entscheidung getroffen zu haben, denn diese polarisierende Wirkung habe ich mit meiner Protagonistin aus Verfall tatsächlich gemeinsam. Entweder mögen Menschen mich oder sie können mich nicht leiden. Erfahrungsgemäß erlebe ich keine neutralen Reaktionen, weder auf mich selbst noch auf meine Bücher. Womöglich dachte der Kumpel bei dem Begriff „polarisieren“ auch an mein ganz junges Ich, das versuchte, sich in der Grundschule für die Abschaffung christlicher Symbolik im Klassenraum einzusetzen und die Lehrerinnen in den Wahnsinn trieb, weil es der Ansicht war, dass sie sich unfair verhielten. Somit habe ich früher auch mit meinen Handlungen tatsächlich stark polarisiert. Heute hält sich diese Eigenschaft eher in Grenzen.

Worum geht es in deiner Romanreihe „Verfall“?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage, die man mir stellen kann, denn die Reihe ist noch nicht abgeschlossen und würde ich jetzt verraten, worauf alles hinauslaufen soll, würde ich spoilern. An erster Stelle kristallisierte sich für mich bereits bei den ersten Überarbeitungen heraus, dass ich Action und Charakterentwicklung in meinen Büchern bevorzuge. Damit greife ich auf die typischen Eigenschaften von Thrillern und Romanen zurück, die sich in der literarischen Praxis beinahe zu widersprechen scheinen.

Es geht um Ereignisse, die viele Fragen aufwerfen sowie um eine komplexe Situation, die aus einem Verbrechen heraus entstanden ist. Es geht aber auch um das, was derartige Ereignisse mit den Menschen machen. Verfall handelt somit von Liebe und Hass, Freundschaft und Intrigen, eben von allem, was uns Menschen bewegt. Im Zentrum steht meine Protagonistin Hanna, die versucht, auf ihre Weise mit den vergangenen und neu eintretenden Ereignissen zurechtzukommen.

Du hast die Reihe „Verfall“ als Selfpublisherin veröffentlicht. Warum hast du dich für diesen Weg entschieden und willst ihn beibehalten?

Obwohl ohne Verlag veröffentlicht, geht die Verfall-Reihe begleitet von zahlreichen begeisterten Rezensionen bald in die vierte Runde

Die Entscheidung, Selfpublisherin zu werden, traf ich aus eigenem Entschluss. Ich habe mich bisher bei keinem einzigen Verlag beworben. Mir wurde relativ früh klar, dass ich viele fachlich verbreitete Ansichten zwar nicht ablehne, doch in meinen eigenen Büchern für untragbar halten würde. Im Internet fallen mir oft Phänomene auf, die ich als bürokratische Verkrustung beschreiben würde. Es wird ein einziger richtiger Weg propagiert, was aus meiner Sicht dem Kunstverständnis widerspricht. Würde ich einen Verlagsvertrag unterschreiben, dann wüsste ich nicht, was auf mich zukommt, ob man versuchen würde, mir als Autorin meine künstlerische Freiheit auf Kosten besserer Vermarktbarkeit zu nehmen. Wenn das passieren würde, befände ich mich in einem ständigen Kriegszustand mit dem entsprechenden Verlag, müsste meine Werke verteidigen und das aus einer unterlegenen Position heraus. Zumindest sieht mein Worstcase-Szenario so aus. Natürlich kann es auch anders kommen, aber das Risiko wäre mir mit einer Buchreihe einfach zu groß.

Dann gibt es noch die Tatsache, dass ich – und das ist eine charakterliche Angelegenheit – ungern um etwas bitte, sondern durch mein eigenes Engagement etwas erreichen will.

Oft stresst es mich, für alles verantwortlich zu sein, was meine Bücher betrifft, denn treten Fehler auf, kann ich mich hinter niemandem verstecken. Aber auf der anderen Seite genieße ich genau das, weil die Erfolge einzig und allein meine Leistung spiegeln und nicht das geschickte Marketing eines Verlags.

Von daher möchte ich diesen Weg möglichst beibehalten, auch wenn ich dadurch nur wenige Leser erreiche.

Du bist als Autorin vor allem sehr auf Instagram aktiv (ähnlich wie ich). Warum hast du dich ausgerechnet für diese Plattform entschieden und was macht Instagram insbesondere für Autoren interessant?

Tatsächlich war es eine persönliche Vorliebe für diese Plattform. Ich mag Facebook einfach nicht, obwohl es aus Sicht einiger Autoren wesentlich besser für das Marketing geeignet sein soll als Instagram und ich dort nach langem Ringen mit mir selbst sehr positive Erfahrungen gemacht habe.  

Was mir vor einigen Jahren bei Instagram im Verlauf meiner privaten Nutzung aufgefallen ist, war die Größe der Autoren- und Lesercommunity, also habe ich kurzerhand nach dem Entschluss, meine Bücher zu veröffentlichen, eine Instagram-Seite angelegt. Ich schätze Instagram wegen der einfachen Bedienung sowie der Verknüpfung von Bild und Text. Man kann dort hervorragend Zitate aus den Büchern posten, die den potenziellen Lesern ein Gefühl dafür vermitteln sollen, worum es in meinen Büchern in etwa geht. Zugleich kann man mit der Community kommunizieren. All diese Funktionen sind für mich sehr wertvoll, wenngleich diese auch von Facebook geboten werden. Im Idealfall sollte man vermutlich beide Medien und weitere Plattformen darüber hinaus verwenden, um eine möglichst große Leserzahl zu erreichen.

Woran arbeitest du zurzeit?

Zurzeit überarbeite ich Band 4, der mehr oder weniger fertig ist, schreibe an Band 5 sowie an einigen anderen Projekten, die nichts mit der Verfall-Reihe zu tun haben.

Was können wir in der Zukunft von dir an Büchern und Projekten erwarten? Hast du schon Pläne, über die du etwas verraten willst?

Es werden auf jeden Fall noch einige Verfall-Bände kommen. Parallel nehmen andere Projekte Form an, bei denen es sich um Einzelbücher handeln soll. Ich bin an einem Punkt, an dem ich etwas Neues ausprobieren möchte, auch wenn ich dadurch die sichere Komfortzone der vertrauen Verfall-Reihe verlassen würde. In meinem neuesten Projekt, das noch nicht weit fortgeschritten ist, geht es um einen Serienmörder – mehr möchte ich vorerst nicht verraten. Meine weiteren Bücher werden weiterhin einen hohen Thriller-Anteil beinhalten, denn ganz ohne Blutvergießen möchte ich nicht arbeiten, aber ich möchte auch weiterhin dem Fokus der Charakterentwicklung treu bleiben.


Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielen Dank April für dieses Interview. 🙂

Wenn ihr mehr über April Nierose und ihre Bücher erfahren wollt, könnte ihr sie auf Facebook https://www.facebook.com/aprilnierose oder Instgram https://www.instagram.com/aprilnierose/ besuchen. Ihre Bücher könnt ihr hier kaufen: https://amzn.to/2Ry5K7Y


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Interview mit dem SadWolfVerlag

Interview mit dem SadWolfVerlag auf der Frankfurter Buchmesse am 13.10.2018

In dem von etablierten Großverlagen und Übersetzungen dominierten deutschen Literaturbetrieb haben es neugegründete Verlage oft schwer Fuß zu fassen, und die wenigsten schaffen es über den Status eines Kleinverlages hinauszuwachsen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der junge deutsche SadWolfVerlag. Benannt nach den beiden Gründern Johannes Wolfers und Etienne Sadek hat sich der Verlag darauf spezialisiert Bücher zu verlegen, die die Noir Side of Life zeigen. Stetig wachsend und immer neue Erfolge verzeichnend, hat sich der ehemalige Insidertipp innerhalb von nun vier Jahren zu einer festen Größe in der Literaturlandschaft etabliert und betritt dieses Jahr mit der Veröffentlichung der englischen Bestsellerautorin Helen Hollick die internationale Bühne. Was ist das Erfolgsgeheimnis dahinter, und was können junge Verleger und Autoren daraus lernen? Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 nahmen sich die beiden idealistischen Verleger die Zeit mir für das Mitgliedermagazin des BVjA QWERTZ einige dieser Fragen zu beantworten.

 

Zusammen habt ihr beiden vor fast vier Jahren, also am 14. November 2014, den Verlag gegründet. Wie kam es dazu und wie fandet ihr diese Nische des Noir?

 

Etienne: Ich bin vom Herzen her selber Schriftsteller und lehre auch im Kreativen Schreiben, und Johannes ist Musiker. Wir hatten damals zusammen angefangen an einem dystopischen Science-Fiction-Roman zu schreiben und dabei haben wir gemerkt, dass wir zwar damit weitermachen wollen, aber auch dass viele Autoren von großen Verlagen oft kaum Mitspracherecht haben und halt nur ein kleines Rädchen im Getriebe sind.

 

Johannes: Vor allem junge Autoren haben ja auch kaum Chancen bei größeren Verlagen unterzukommen.

 

Etienne: Genau. Und eines Abends haben wir ein paar Gläser viel Whisky getrunken, und haben uns dann gesagt, wir wollen das ändern und machen etwas Eigenes. Die Entscheidung war dann zwischen Musiklabel oder Verlag. Wir konnten uns nicht entscheiden, also haben wir eine Münze geworfen, und sie fiel für den Verlag. Aber dann gab es tatsächlich schon das nächste Problem, nämlich wir hatten kein Geld. Was macht man, wenn man halb nüchtern ist und man hat zu große Träume? Man geht einfach ins Casino und spielt Poker. Wir haben dann dort tatsächlich das Gründungskapital von großartigen und weltbewegenden hundert Euro zusammengetragen, und damit haben wir den SadWolfVerlag gegründet. Die Nische das Noir kam dann erst danach, also wir hatten erst den Namen, und dann haben wir erst das Konzept entwickelt. Am Anfang haben wir alles selber machen müssen. Johannes hat korrigiert, die Webseite gemacht und gelayoutet, und ich habe lektoriert und auch korrigiert und gelayoutet. Es gab natürlich Hürden und wir haben viele Fehler gemacht, aber wir haben von Anfang gesagt, wir machen Fehler und wir machen gerne Fehler, denn aus Fehlern lernt man.

 

Johannes: Wir haben den Verlag ja vor allem aus Idealismus heraus gegründet.

 

Etienne: Genau. Und klar, am Anfang waren die Zeiten schwer, wir hatten zwölf Stunden, vierzehn Stunden Tage, und auch durchgearbeitete Tage und Nächte gab es zu Haufen. Aber wir merken immer daran, dass die Autoren auf uns zählen, dass das uns Kraft gibt. Wir sind daher kein normaler Verlag, sondern mehr wie eine Familie mit den Autoren. Weil wir einfach sagen, dass die Autoren von A bis Z Mitspracherecht haben und deshalb ist der Kontakt viel größer und stärker. Mittlerweile haben wir mehrere Mitarbeiter, sogar eine Praktikantin, und es ist großartig zu sehen, wie es sich entwickelt. Das hört sich vielleicht platt an, aber wenn man Träume hat, die groß sind, dann können sie in Erfüllung gehen. Dass wir nun auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Stand sind mit unseren Büchern, und es gibt Leute, die kommen hierher um unsere Autoren zu sehen – das ist ein großartiges Gefühl.

Aber ohne Johannes hätte ich das nie geschafft, so viel wie wir an Nächten durchgearbeitet haben, das hätte ich von keinem anderen erwartet. Und dahinter steht auch noch ein ganzes Team: Petra, Patrick, Jasmin, Stephanie, Chantal, Mel, Sabine, Sarah, die Lektoren, die Designer. Alle im Team sind hochbegeistert und hochtalentiert, und wir hatten auch einfach Glück mit unseren Autoren. Sehr viele und junge Talente, wie Petra Renée Meineke, Dominique Stalder, Vivienna Norna und Sophie Nuglisch, oder Arif Kryeziu – ein verkanntes Genie, und der ist selber Flüchtling, was zurzeit ein sehr wichtiges Thema ist. Der kam mit nichts nach Deutschland, und kann seine bitteren Erfahrungen mit so viel Herz schildern. Das ist einfach schön solchen Autoren eine Plattform bieten zu können.

 

Was ist das Wichtigste, was ihr während der Gründungszeit gelernt habt, und was würdet ihr anderen raten, die nun gerade ebenfalls einen Verlag gründen wollen?

 

Etienne: Wenn du einen Traum hast, glaube daran und arbeite daran. Du musst jeden Tag 100% geben und gute Qualität abliefern. Qualität setzt sich durch. Man muss immer dran glauben und lernen: Fehler machen und Hinfallen ist nicht schlimm. Es ist genau wie bei einem Kleinkind. Denn wie lernt ein Baby laufen? Es steht auf, geht ein paar Schritte, fällt hin, und steht wieder auf, immer wieder, bis es es irgendwann kann. Das ist ein Prozess und man darf niemals Angst davor haben, Fehler zu machen.

 

Das ist eigentlich eine Weisheit, die man auch auf das ganze Leben übertragen kann, egal ob Verlagsgründung, die Arbeit an einem Roman, Sport oder Beruf.

 

Etienne: Richtig. Aber natürlich muss man auch dafür brennen, was man tut, und herausfinden, was man im Leben liebt, und wofür man bereit ist teilweise auch achtzehn Stunden am Stück zu arbeiten.

 

Neugegründete Verlage und Kleinverlage im Allgemeinen haben es ja in den letzten Jahren sehr schwer gehabt. Euch geht es aber anscheinend entgegen dieses Trends ziemlich gut. Was ist euer Geheimnis?

 

Etienne: Einerseits natürlich diese spezialisierte Nische, durch die wir Bücher verlegen können, die nicht in die klassischen Genreschubladen der großen Verlage passen und gerade deshalb viele Leser finden. Aber am Ende ist es vor allem harte, harte Arbeit und ein tolles Team. Vor allem Johannes ist unglaublich perfektionistisch und er schafft es, immer wieder aus dem Minimalsten das Maximum herauszuholen. Johannes ist super still, weil er mehr der Vorausplanende von uns beiden ist und nicht mit seinen Erfolgen prallen will, aber wir beide sind mit unserer Leidenschaft für den Verlag beide auf der gleichen Wellenlänge, was es möglich macht so hart zu arbeiten. Man muss halt bereit sein, sein letztes Hemd zu geben und bis zum Burnout zu arbeiten, und auch darüber hinaus, denn wenn man es liebt, dann kriegt man auch keinen richtigen Burnout. Das ist letztendlich im Kern das ganze Geheimnis. Und wenn man das richtige Team hat, fragt man sich irgendwann: Ist etwas zwischen dir und mir?

 

 

Anfang 2018 kam das Reboot eures Verlags mit einer neuen Webseite und einem neuen Blog. Was hat es damit auf sich und was ist eure Vision für die Zukunft des SadWolfVerlags?

 

Johannes: Wir haben vor allem die Webseite mit einem professionelleren Design neuaufgesetzt, weil die Alte nicht mehr unser Konzept wiedergespiegelt hat. Dabei haben wir auch einen Newsletter eingerichtet und bauen gerade eine Bloggerliste auf, um auch unseren Blog regelmäßig zu füllen und unsere Reichweite auszubauen.

 

Etienne:  Wir arbeiten jetzt auch mit Verlagsvertretern zusammen, damit unsere Bücher bekannter werden und mehr in den Buchhandel kommen. Wir haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass auch Buchhändler richtig begeistert auf uns zukommen, weil Leser unsere Bücher haben wollen. Der Markt ist nämlich bereits ziemlich gesättigt von den normalen Büchern, was ja gar nichts Schlechtes ist, aber wir bringen halt mal was Anderes. Das Ziel des Reboots ist vor allem bekannter zu werden, aber wir wollen dabei auch nicht zu schnell wachsen, sondern nur so schnell, dass wir auch die Qualität unserer Bücher und die enge Zusammenarbeit mit unseren Autoren aufrechterhalten können. Wir haben uns auch Gedanken gemacht darüber, wer sind wir und wofür stehen wir? Und wir wollen einfach, dass der Leser genau weiß, er kauft ein Buch von SadWolf und erwartet eine bestimmte Qualität, und auch die Autoren haben unglaublich große Anforderungen an uns, und die wollen wir erfüllen. Das ist das Ziel. Darüber hinaus arbeiten zurzeit daran einzelne Bücher ins Englische zu übersetzen, wie jetzt 7 Tage mit Gott, und auch aus dem Englischen ins Deutsch zu übersetzen, wie jetzt mit Helen Hollick.

 

Johannes: Es geht aber auch um die Verpackung. Das Design der Cover und der Webseite sollen mit dem Konzept übereinstimmen und eine gewisse Eleganz haben.

 

Etienne, du bist selber schriftstellerisch tätig und unterrichtest auch kreatives Schreiben, weshalb wir ja auch zurzeit im Gespräch sind, dich für eins unserer Seminare einzusetzen. Was ist dein wichtigster Schreibtipp für junge Autoren?

 

Etienne: Es dauerte Jahre, teilweise Jahrzehnte, um über Nacht berühmt zu werden. Schreiben ist vielleicht 10% Talent und 90% Handwerk. Man muss sich mit dem Handwerk auskennen und sich bewusst machen, dass das ein langer Weg ist. Viele Leute werden einen nicht verstehen wollen. Man geht zum Beispiel nicht mehr auf Partys. Viele Leute waren damals irritiert, als ich mit 17 mein erstes Buch geschrieben habe, als ich gesagt habe, ich gehe heute nicht mit, sondern lese heute ein Buch oder arbeite an meinem Manuskript. Man muss auch seine eigene Stimme finden und man muss bereit sein den Preis dafür zu bezahlen und einfach dran bleiben und an sich selber glauben, auch wenn die Leute einem sagen, dass man es nicht schaffen wird. Wenn man dranbleibt und die Geduld behält, dann schafft man es auch.

 

 

Johannes: Es ist auch wichtig, dass man nicht nur seinen Verstand einschaltet, sondern auch sein Herz und dass man die Emotionen anspricht. Man muss wirklich das fühlen, was man schreibt. Wenn man Menschen berühren kann, dann hat man es eigentlich erreicht. Und selbst wenn man nur einen Leser hat, der daraus was mitnehmen kann, der richtig ergriffen ist, dann ist man ein erfolgreicher Autor.

 

Warum sollten Autoren bei euch veröffentlichen wollen?

 

Johannes: Es ist vor allem das Mitspracherecht und, dass man nicht in der Masse untergeht, wie bei anderen Verlagen. Wir machen auch nicht sehr viele Bücher, sodass die Qualität im Vordergrund steht und wir auch immer ansprechbar für unsere Autoren sind.

 

Etienne: Ja, es kann sein, dass größere Verlage mehr Budget haben, aber wir sind deutlich flexibler, auch wenn es darum geht, um auf die Wünsche der Autoren einzugehen. Wir zahlen auch immer faire Tantiemen, nämlich 10% vom Buchpreis, also wenn das Buch 15€ kostet, dann bekommt der Autor auch 1,50€. Man sollte sich niemals unter Wert verkaufen, und da ich selber Schriftsteller bin, weiß ich wie viel Zeit und Mühe da drin steckt.

 

Johannes: Die Rechte für die Bücher laufen auch nur zwei Jahren und werden nicht automatisch verlängert. Das war uns auch sehr wichtig, dass wir keine Knebelverträge haben und die Autoren nicht an uns gebunden sind. Auch wenn sie den Vertrag auflösen möchten, sind wir immer gesprächsbereit. Damit setzen wir uns auch deutlich ab.

 

Etienne: Wir wollen Autoren, die gern bei uns sind und auch gerne zu uns wiederkommen, und deswegen bieten wir ihnen eine gewisse Freiheit, damit sie ihre Visionen auch richtig umsetzen können. Zufriedene Autoren schreiben nämlich gute Geschichten, und von guten Geschichten leben wir.

 

Vielen Dank für das Interview.

Die Interviewantworten wurden aus redaktionellen Gründen stellenweise gekürzt und editiert. Dieses Interview erschien usrpünglich in der QWERTZ-Ausgabe 2018/4. Das QWERTZ ist das Mitgliedermagazin des BVjA. Das Beitragsbild wurde von Etienne Sadek zur Verfügung gestellt.

Webseite des SadWolfVerlags: https://sadwolf-verlag.de


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Students for Solidarity im Interview

Am 24. November 2018 fand in der Friedrich-Schiller-Universität Jena die alljährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland statt. Wie bereits letztes Jahr regte sich gegen die Konferenz Protest und unter dem Namen Students for Solidarity formte sich eine Gegenkundgebung. Um die Ursachen des Konflikts aufzudecken, habe ich mit beiden Seiten gesprochen. Im Folgenden könnt ihr das Interview mit den Organisatoren der Students for Solidarity lesen.

Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit für das Interview nehmt. Wer sind die Students for Solidarity, wer steht dahinter und was sind eure Ziele?

Wir sind ein gruppenübergreifender, anlassbezogener Zusammenschluss bestehend aus in verschiedenen Kontexten organisierten, politisch aktiven Einzelpersonen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, dem irreführenden Freiheitsbegriff der „Students for Liberty“ auf friedliche, demokratische Weise unser Verständnis von Freiheit entgegen zu halten. Für uns bedeutet Freiheit im Gegensatz zu den „Students for Liberty“ nämlich nicht Ausschluss von Gerechtigkeit. Aufrichtige Freiheit liegt in der gerechten Freiheit des/der anderen und somit in der Solidarität.[i]

Unser vorrangigstes Ziel ist es dabei, möglichst viele Menschen über die fragwürdigen, ideologischen Wurzeln der Students for Liberty aufzuklären.

Wer sind die Students for Liberty aus eurer Sicht?

Aus unserer Sicht handelt es sich bei den „Students for Liberty“ zuallererst um eine Organisation privilegierter Personen, denen es um den Erhalt bzw. die Verschärfung des eigenen Status quo geht und die entsprechend Ideen eines entfesselten Kapitalismus im Anschluss an die sozialfeindliche Ideologie des Libertarianismus[ii] vertreten und verbreiten. Bei Gesprächen mit ihren Anhängern und der Auseinandersetzung mit den ideengeschichtlichen Ursprüngen ihrer Organisation wird schnell ersichtlich, dass sie explizit eine andere Gesellschaftsform anstreben und grundlegende gesellschaftliche Errungenschaften für die Menschenrechte wie das Recht auf Wohnen, das Recht auf Nahrung oder aber auch das Recht auf Bildung grundlegend ablehnen. Man braucht nun absolut kein*e Sozialist*in zu sein, um die essenzielle Bedeutung dieses sozialstaatlichen, demokratischen Grundkonsens anzuerkennen. 

Dabei machen es sich die „Students for Liberty“ zu Nutze, dass der ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum stammende und dort auch populärere Libertarianismus im europäischen Raum noch wenig bis kaum bekannt ist und sie somit ihren pervertierten Freiheitsbegriff samt ultrakapitalistischer Interessen unter die Leute bringen können. Sie verbreiten bewusst Fehlinformation und versuchen die Öffentlichkeit zu blenden mit allgemein positiv besetzten, mehrdeutigen Forderungen wie denen nach „Frieden“ und „Freiheit“. Dabei geben sie sich auch als Graswurzelbewegung aus und verschleiern so, dass es sich bei ihnen um eine streng hierarchische Top-Down Organisation handelt, die von ihren höchsten Ämtern als „Leaders“ spricht. 

Sie missbrauchen die Begrifflichkeit absolut notwendiger, kritischer Auseinandersetzung mit den Zuständen in realsozialistischen Staaten um ihre sozialist*innenfeindlichen Vorstellungen zu verbreiten, im Zeichen des antikommunistischen Moments ihrer Ideologie. So deuten sie sich selber als die libertäre Speerspitze, als den logischen und einzig gerechtfertigten Gegenpunkt zum aus ihrer Sicht immer zutiefst negativen Sozialismus. 

Dabei setzen sie alle sozialen Bewegungen gleich und diffamieren Gewerkschaften, Mieterinitiativen, politische Gegner*innen etc. als „Gleichmacher“.

Kurz gesagt unterstellen wir den „Students for Liberty“, ideologisch den Klassenkampf[iii] von oben vorzubereiten. 

In eurem Aufruf kritisiert ihr konkret die Teilnahme des Professor Michael Dreyer aus Jena. Warum?

Bei unserer Kritik an Professor Dreyer geht es uns dezidiert nicht um ihn als Person, sondern darum, dass er sich scheinbar unkritisch ins Zeichen dieser doch klar auf Ideologiebildung abzielenden Veranstaltung stellt. Gerade ihm als Ideengeschichts-Professor, der auch bekannt ist für seine vielen wissenschaftlichen Reisen in den US-amerikanischen Raum, muss der schwer ideologische, menschen- und demokratiefeindliche Ursprung des Libertarianismus und der Unterschied zum Liberalismus vollkommen bewusst sein.

Von daher ist es uns absolut unerklärlich, wie er sich auf diese Gruppierung einlassen, dieser dadurch Legitimation verschaffen und dabei den Kontext seines Auftritts so völlig verkennen kann. Offensichtlich sieht er nicht, dass der humanistische Freiheitsbegriff Schillers, über den er dort referiert hat, für das ultrakpitalistische, eigentumszentrierte Weltbild der „Students for Liberty“ keinerlei Bedeutung hat, sondern er ihnen lediglich als Aushängeschild zwecks Prestige und Normalisierung dient.

Seine Argumentation, dass er auch genauso in anderen politischen Kontexten auftreten würde, halten wir aus oben genannten Gründen und der implizit antidemokratischen Agenda der Libertären für Augenwischerei.

Gerade weil wir ihn für eine ansonsten demokratische, wirklich liberale Person halten, ist er so zentraler Adressat unserer Kritik.

 

Bereits letztes Jahr gab es im Rahmen der damaligen Konferenz der SfL diverse Konflikte, weshalb die Konferenz dieses Jahr von Beginn an unter Polizeischutz stand. Was haltet ihr davon? Sollten in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft nicht auch die Students for Liberty, selbst wenn sie fragwürdige pro-kapitalistische Ansichten vertreten, das Recht haben ihre Meinung frei zu äußern, ohne Polizeischutz zu brauchen?

Selbstverständlich gilt auch für uns das Recht der Rede- und Meinungsfreiheit als fundamentales Prinzip. Auch wenn wir die „Students for Liberty“ und ihre Ideen als implizit menschenfeindlich ablehnen sollte es auch ihnen möglich sein ohne Polizeischutz zu tagen. Und genau da liegt auch der Punkt:

Wir haben von Anfang an klargestellt, dass es sich bei unserem Vorhaben um eine dezidiert friedliche Veranstaltung handelt. Weder haben wir den „Students for Liberty“ in irgendeiner Weise Gewalt angedroht, noch ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in Frage gestellt. Die Realität sieht sogar so aus, dass sie uns durchgehend verleumden, beschimpfen, zutexten und persönlich angehen. Unsere Persönlichkeitsrechte haben sie konsequent durch unerlaubtes Filmen und Fotografieren missachtet und unsere Kundgebung versucht zu stören bis zu dem Punkt, dass die anwesende Polizei intervenieren musste. Somit wird recht deutlich, wer hier wen versucht einzuschüchtern und wo der Unterschied liegt zwischen klassischem Liberalismus und der aggressiven Ideologie der Libertären.

Ihr kritisiert in eurem Aufruf, dass die Students for Liberty mit Rechtsradikalen aus der „Friedrich A. von Hayek – Gesellschaft“ vernetzt wären, und selber antifeministisch und rassistisch agieren würden. Allerdings spalteten sich genau deswegen 2015 die Liberalen von der damals zunehmend rechts werdenden Hayek-Gesellschaft ab und gründeten die Nous-Gesellschaft. Die führenden deutschen SfL-Mitglieder (wie zum Beispiel Rick Wendler) sind alle in der Nous, distanzieren sich also damit klar von den Rechten. Darüber hinaus setzten sich die Students for Liberty bei ihren Veranstaltungen und in ihrem Magazin Peace Love Liberty immer wieder für offene Grenzen, Frauenrechte, Antifaschismus und die Legalisierung von Drogen ein und verurteilen in dort publizierten Essays den Überwachungsstaat und Trumpwähler. Das wirkt ja eigentlich nach genau dem Gegenteil von dem, was ihr ihnen vorwerft. Wie erklärt ihr euch das?

Wir halten diese Distanzierungen seitens der „Students for Liberty“ für reine Lippenbekenntnisse. Zum einen sind nach wie vor Redner*innen der Hayek-Gesellschaft[iv] eingeladen und die Veranstaltung wird weiterhin durch eben diese auch gefördert. Zum anderen arbeiten sie unter dem Vorwand einer „liberalen“ Auseinandersetzung aktiv gegen Feminismus und Antifaschismus und versuchen diese in ihrer Bedeutung zu delegitimieren.

Außerdem muss man sehen, dass sowohl Drogenpolitik, Überwachungsstaat als auch Grenzpolitik ihnen vor allem deshalb ein Dorn im Auge sind, weil sie ihren eigenen ultrakapitalistischen Interessen zuwiderlaufen und nicht etwa wegen der tatsächlichen Bedeutungen für Individuen und Gesellschaft.

Tatsächlich verbirgt sich hinter den leeren Phrasen von „Frieden, Liebe und Freiheit“ eine krasse Ungleichheitsideologie, die auf Vorstellungen von der Ungleichwertigkeit der Menschen und der Durchsetzung der Privilegierteren fußt.

Die Eliminierung staatlicher Regelungen zwecks Zementierung des eigenen Lebensstandards auf Kosten der Schwächergestellten unserer Gesellschaft wird dabei zur obersten Maxime.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum es sich bei dem nach außen getragenen Image der „Students for Liberty“ um pure Verblendung handelt.

 

Rückblickend: Wie bewertet ihr eure Kundgebung am 24.11.2018? Konntet ihr eure Ziele erreichen und gab es irgendwelche Zwischenfälle? Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Ablauf unserer Kundgebung. Abgesehen von den vergeblichen Störversuchen seitens der „Students for Liberty“ konnten wir in Ruhe unsere Redebeiträge halten und waren sehr glücklich über die zahlreiche Unterstützung dabei, ein Zeichen zu setzen für ein solidarisches Freiheitsverständnis. Wir haben um die 50 Leute gezählt aus verschiedensten Gruppen und waren froh eine so bunte Menge erreichen und zusammenbringen zu können.

Wie wir konkret als Students for Solidarity in Zukunft auftreten werden, halten wir uns noch offen. Feststeht aber, dass wir auch weiterhin unter dem Namen Projekte starten werden. So schnell werden uns die „Students for Liberty“ nicht mehr los.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt die Fragen so ausführlich zu beantworten.

Foto: Dominik Itzigehl ( https://www.instagram.com/d.itzi/ )

Das Interview mit Rick Wendler, den Chairman der Students for Liberty, findet ihr unter folgendem Link: https://leveret-pale.de/students-for-liberty-im-interview

Das Interview führte Nikodem Skrobisz und wurde von zwei Organisatoren der SfS beantwortet, welche jedoch anonym bleiben wollen. Wer sich selbst ein Bild machen will von den Argumenten der Gegner und der Konferenz der Students for Liberty, der findet die Texte der Kundgebung auf der Facebookseite des Students for Solidarity: https://www.facebook.com/StudentsforSolidarity-1454873574642976/ und die Videoaufnahmen der Vorträge bald auf dem YouTube Kanal der Students for Liberty: https://www.youtube.com/channel/UCpEYEFggK3cUpeRsBmnRw .

 Worterklärungen:

[i] Solidarität:   Laut Duden das unbedingte Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele, und in der linken Bewegung die sich auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander gründende gegenseitige Unterstützung.

[ii] Libertarismus: Politische und philosophische Strömung, die Ideologie umfasst, die alle an der negativen Freiheit als Ziel festhalten und vom Selbsteigentum als Grundlage ausgehen. Negativ meint damit „Frei sein von“, also vor allem frei sein von Unterdrückung und Reglementierung durch den Staat. Innerhalb der Libertären gibt es sowohl anarchokapitalistische Ideologien, die den Staat komplett abschaffen wollen, als auch diejenigen die ihn stark begrenzen wollen. Diese Ideologie ist vor allem in den USA weit verbreitet und hat viele Anhänger in der republikanischen Partei, wobei es auch eine Libertarian Party gibt, die nach den Demokraten und Republikanern die drittgrößte Partei in den USA ist.

[iii] Klassenkampf: Begriff aus dem Marxismus, der davon ausgeht, dass die Gesellschaft aus einer ausgebeuteten Arbeiterklasse und einer ausbeutenden Kapitalistenklasse besteht, deren Interessen antagonistisch sind und die sich daher gegenseitig bekämpfen. Laut Marx wird der Klassenkampf letztendlich zu einer Revolution der Arbeiterklasse führen, die dann im Kommunismus alle Klassenunterschiede aufhebt.

[iv] Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft: Nicht zu verwechseln mit der Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft oder der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung. Eine Organisation, die sich der akademischen Förderung und Vernetzung wirtschaftsliberalen Denkens verschrieben hat, allerdings in den letzten Jahren in einige Kontroversen geraten ist, weil prominente AfD-Politiker wie Beatrix von Storch, Mitglieder sind. 2015 spaltete sich die Stiftung und es entstand die Nous.


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Students for Liberty im Interview

Am 24. November 2018 fand in der Friedrich-Schiller-Universität Jena die alljährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland statt. Wie bereits letztes Jahr regte sich gegen die Konferenz Protest und unter dem Namen Students for Solidarity formte sich eine Gegenkundgebung. Um die Ursachen des Konflikts aufzudecken habe ich mit beiden Seiten gesprochen. Im Folgenden könnt ihr das Interview mit Rick Wendler, dem Chairman der Students for Liberty Deutschland, lesen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Magst du dich kurz vorstellen und deine Position bei den Students for Liberty erläutern?

Gern! Ich bin ursprünglich aus Berlin, habe hier in Jena und in Dublin Jura studiert und arbeite jetzt an meiner rechtsphilosophischen Doktorarbeit. Ich habe zusammen mit ein paar anderen vor gut zwei Jahren die Hochschulgruppe Students For Liberty Jena gegründet und bin zurzeit auch Vorsitzender der Students For Liberty Deutschland.

Welche Ziele verfolgen die Students for Liberty? Für welche Werte stehen sie ein und was unterscheidet sie von etablierten liberalen Organisationen, wie den JuLis und der FDP?

Wir verstehen uns selbst als Liberale und wollen Anlaufstelle für alle am Liberalismus Interessierten sein. Ein solches Interesse kann sehr vielseitig sein, vom klassisch Liberalen über den Neoliberalen, bis hin zum libertären Anarchisten. Liberalismus ist zwar vielseitig, aber deswegen nicht beliebig. Der Kernwert bei den Students For Liberty ist die individuelle Freiheit, also die Freiheit jedes einzelnen Menschen. Das hat natürlich politische, ökonomische und soziale Dimensionen.

Politisch gehören dazu beispielsweise Rechtsstaatlichkeit oder die Meinungsfreiheit – letztere nicht nur als Abwehrrecht gegen den Staat, sondern auch als ein liberaler Wert, der in der gesellschaftlichen Sphäre gepflegt werden muss. Das meint einen Diskurs, bei dem der Austausch von Argumenten im Mittelpunkt steht und der geprägt ist von gegenseitigem Respekt, um sich derart auf die Perspektive des Gegenübers einlassen und eventuell etwas lernen zu können. Das muss zumindest als Möglichkeit immer im Hinterkopf bleiben, wenn man sich mit anderen Menschen auseinandersetzt.

Ökonomisch meint das vor allem die Prinzipien der Marktwirtschaft. Es meint, dass wenn Menschen freiwillig miteinander kooperieren, das Wirtschaften kein Nullsummenspiel ist, sondern dass der Wohlstand aller Beteiligten steigt. Marktwirtschaft ist nicht nur die Ursache unseres Wohlstands und verantwortlich dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten in nie dagewesener Weise auf der ganzen Welt große Teile der Menschheit aus bitterer Armut entkommen sind. Sie ist auch wichtig als wirtschaftliche Freiheit, die den Menschen Autonomie und vielseitige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gibt. Das heißt nicht, dass es perfekte Märkte gäbe oder keine Probleme – aber ein System, das besser wäre als eines, das auf den Prinzipien der Marktwirtschaft basiert, ist schlicht nicht ersichtlich.

Gesellschaftliche Freiheit bedeutet für uns, grob gesagt, dass jeder sein Leben nach den eigenen Vorstellungen leben kann, so lange er damit niemand anderem einen unmittelbaren Schaden zufügt – egal ob als schwules Pärchen, als Hippie in der Kommune oder als traditionelle Familie.

Eine solche Freiheit ist unübersichtlich und herausfordernd. Sie ermöglicht keine einfachen Antworten und klaren Zielvorgaben. Manche sind von dieser Herausforderung auch überfordert und verfallen dann in antiliberale Reflexe. Um das zu verhindern und die Vorzüge der individuellen Freiheit zu verdeutlichen, engagieren wir uns als Students For Liberty.

Wir sind völlig parteiunabhängig, stehen also keiner Partei per se nahe oder sind gar organisatorisch angebunden – auch nicht an die FDP. Parteien haben grundsätzlich den Nachteil, dass sie an starre Strukturen gebunden sind und immer mit wenigstens einem Auge auf die nächste Wahl schielen müssen. Wir sind da freier. Wir können uns ganz unabhängig von äußerem Druck überlegen, welche Themen relevant sind und wie wir am besten unsere Mitmenschen damit erreichen können. Wir zielen auch nicht darauf ab, dass unsere Ideen unmittelbar in politische Maßnahmen umgesetzt werden, die dann anderen von oben herab diktiert werden. Wir wollen die Menschen in unserer Gesellschaft davon überzeugen, dass Liberalismus und individuelle Freiheit nichts sind, wovor man sich fürchten muss; dass sie niemals selbstverständlich sind und dass es sich lohnt, sich für sie einzusetzen. Deswegen setzen wir vor allem auf Bildungsveranstaltungen, wie Vortragsabende und Diskussionsrunden – oder eben unsere Konferenz, bei der wir einen ganzen Tag ein dichtes Programm mit vielen verschiedenen Formaten anbieten.

 

Warum findet eigentlich die jährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland eigentlich in Jena statt und was ist ihr Zweck?

Die Konferenz findet immer an wechselnden Orten statt. Für Jena sprach vor allem, dass wir hier eine große Lokalgruppe mit vielen aktiven Mitgliedern haben – denn so eine Konferenz zu organisieren ist schließlich viel Arbeit. Es hat uns aber auch gefreut, zum ersten mal eine Students-For-Liberty-Konferenz in Ostdeutschland abzuhalten, wo ja oft antiliberale Vorurteile noch weit verbreitet sind.

Wir wollen damit vor allem einen Austausch über unsere Ideen ermöglichen und dadurch auch neue Gedanken anstoßen. Bei uns können sich Gleichgesinnte und Interessierte treffen und gegenseitig inspirieren. Zu unseren Konferenzen kommen jedes Jahr junge Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und auch der Schweiz.

Was sagst du zu den Vorwürfen die Students for Liberty hätten Verbindungen zur rechtsextremen Szene, vor allem zur Identitären Bewegung und zur „Friedrich A. von Hayek – Gesellschaft“, zu der auch mehrere prominente AfD-Mitglieder, wie Alice Weidel und Beatrix von Storch, gehören? Und wie sieht es mit Rassismus und Antifeminismus in euren eigenen Reihen aus?

Wir stellen uns entschieden gegen jede Form des Rassismus, weil er in eklatantem Widerspruch zu unseren Werten steht. Wir haben uns in Veranstaltungen auch schon intensiv mit Rechtsextremismus in Deutschland auseinandergesetzt. Der Vorwurf, die Students For Liberty wären rechtsradikal oder hätten Kontakte zur rechtsextremen Szene, entbehrt jeder Grundlage. Mir ist kein einziger Kontakt und keine einzige Kooperation mit der identitären Bewegung bekannt. Das gleiche gilt für die AfD. Die Hayek-Gesellschaft gehört sicher nicht zur rechtsextremen Szene. Meines Wissens haben weder Beatrix von Storch noch Alice Weidel einen nennenswerten Einfluss in der Hayek-Gesellschaft. Aber der entscheidende Punkt ist, dass wir weder Frau von Storch, noch Alice Weidel, noch einen anderen AfDler zu unserer Konferenz eingeladen haben. Man versucht mit solchen vagen Verbindungen eine Nähe zu konstruieren, die tatsächlich nicht besteht. Ich finde außerdem, dass eine derartige Inflationierung des Rechtsextremismus-Vorwurfs sehr gefährlich ist. Man sollte nicht einfach alle, die eine andere Meinung haben, als Nazis beschimpfen. Das verharmlost nämlich die wirklichen Nazis und lässt die Menschen abstumpfen hinsichtlich tatsächlich gefährlicher Entwicklungen.

Wir sehen uns selbst auch nicht als „Antifeministen“. Aber die eigentliche Frage liegt etwas tiefer, denn es gibt nicht den einen Feminismus. Der klassische Feminismus, der die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht forderte, ist urliberal und wird von uns bedingungslos unterstützt. Wir haben auch schon Veranstaltungen dazu organisiert, wie ein liberaler Feminismus heutzutage aussehen kann. Nun gibt es aber Leute im linken Spektrum, die eine alleinige Deutungshoheit für alle feministischen Fragen für sich beanspruchen. Dazu gehört in der Regel ein Glaube an das Patriarchat und an einen erbitterten Kampf zwischen den Geschlechtern. Es wird dann versucht, die Menschen zu spalten aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. In dieser Gedankenwelt werden die Menschen in starr vorgegebene Kategorien eingesperrt, die der Vielschichtigkeit der individuellen Lebensentwürfe gar nicht gerecht werden können. Während das Geschlecht im klassischen Feminismus keine Rolle spielen sollte für die Rechte eines Menschen, wird es im linken Feminismus auf einmal zur alles bestimmenden Eigenschaft. Das Problem bei diesem Verständnis von Feminismus ist, dass er die Zugehörigkeit zur Gruppenidentität überhöht und damit anti-individualistisch ist. Denn die Frau wird dann nicht mehr als Individuum gesehen, das ihre ganz eigenen Präferenzen hat, sondern eben als Repräsentantin der Obergruppe „Frau“ die sich gefälligst an den linken Erwartungen zu messen habe. Es gibt sowohl Männer als auch Frauen, die Karriere machen wollen und das auch schaffen – oder eben auch dabei scheitern. Genauso gibt es sowohl Männer als auch Frauen, die andere Präferenzen haben und gar kein Interesse an einer strapaziösen Karriere haben. Wir finden, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, seinen ganz eigenen Lebensweg zu gehen – unabhängig vom Geschlecht. Wenn man den Menschen die Freiheit gibt, ihr Leben den eigenen Wünschen und Vorstellungen entsprechend zu führen, werden die Ergebnisse ganz unterschiedlich sein. Das ist aus liberaler Perspektive zu respektieren. Wenn alle Menschen aber gleich gemacht werden sollen, anstatt ihnen die gleichen Rechte zu geben, geht das nicht, ohne massiv in das Privatleben und die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger einzugreifen.

Aber ein solche differenzierte Auseinandersetzung ist von jenen, die uns hier kritisieren, wohl nicht zu erwarten. Der Vorwurf war ja sogar, wie wären „Maskulinisten“. Das soll wohl heißen, wir würden Privilegien für Männer fordern. Das wurde behauptet ohne irgendeinen Beleg oder direkten Bezug. So etwas ist an Absurdität und Unredlichkeit kaum zu überbieten.

Die Students for Liberty sind eine internationale Organisation, die in den USA gegründet wurde und von dort aus koordiniert wird. Zu den größten Geldgebern gehören die Gebrüder Koch. Inwiefern werden die Students for Liberty dadurch beeinflusst weltweit us-amerikanische Wirtschaftsinteressen, vor allem von den von Erdöl profitierenden Koch Industries, durchzusetzen? Auffällig ist ja zum Beispiel, dass einer der Sponsoren der Konferenz EIKE e.V. ist, welche als Lobbygruppe der Klimaleugnerszene in Deutschland gilt.

Was sind denn US-amerikanische Wirtschaftsinteressen? Freihandelsabkommen, wie sie noch Obama vorangetrieben hat? Oder das Aufkündigen aller Freihandelsabkommen, wie es Trump tut? Die Frage – bzw. der Vorwurf, den sie aufgreift – krankt an einem besorgniserregenden Simplizissimus. Irgendwo im Verborgenen seien geheime Mächte am Werk, die die Geschicke der Welt lenken.

Es stimmt, neben vielen anderen hat auch die Charles Koch Foundation die US-amerikanischen Students For Liberty in ihren Anfangsjahren unterstützt. Ich wüsste aber schon nicht, inwiefern diese Stiftung explizit amerikanische Wirtschaftsinteressen propagiert – noch dazu bei der Zusammenarbeit mit einer Studentenorganisation innerhalb der USA. Die Koch Foundation setzt sich für viele gesellschaftspolitische Belange ein, so zum Beispiel für eine Reform des amerikanischen Strafjustizsystems angesichts eklatanter Probleme wie der überquellenden Gefängnisse. Außerdem ist Charles Koch selbst einer der entschiedensten und einflussreichsten Kritiker Donald Trumps. Aber auch an dieser Stelle sind unsere Kritiker nicht im Ansatz an einer differenzierten Betrachtung interessiert, sondern begnügen sich mit Plattitüden, wie „Eine amerikanische Stiftung? Das muss Imperialismus sein!“, solange sie nur die eigenen Vorurteile bedienen.

Ich habe es eben schon gesagt: Marktwirtschaft ist keine Verschwörung der US-Eliten, sondern der Weg aus der Armut für viele Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. Unsere Freunde von den Students For Liberty Africa beispielsweise wären heilfroh, wenn sie mehr wirtschaftliche Freiheit und Zugang zu internationalen Märkten hätten und damit dem Dirigismus[i] der korrupten Autokraten entkämen.

Aber der ganze Vorwurf ist ohnehin eine Farce, denn in Deutschland haben wir nie finanzielle Unterstützung durch die Koch Foundation erhalten. Überhaupt – es wird von uns niemand bezahlt für das, was wir tun. In Deutschland engagieren sich bei Students For Liberty ausschließlich Studenten und das ausnahmslos ehrenamtlich. Es mag für die Linken vielleicht nur schwer vorstellbar sein, aber es gibt tatsächlich auch in Deutschland viele junge Menschen, die sich für den Liberalismus begeistern können und sich für diese Werte einsetzen wollen – ganz ohne finstere Mächte, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Dieser Glaube an Verschwörungstheorien, an verborgene Mächte, die aus dem Hintergrund alle Fäden in der Hand halten ist, ehrlich gesagt, beschämend. Teil dieser Verschwörung seien natürlich auch die Mont Pèlerin Gesellschaft oder die Friedrich-Naumann-Stiftung. Das ist das gleiche Argumentationsmuster, wie man es oft bei den Rechten findet. Mit haargenau den gleichen Ausführungen zieht ein Viktor Orban in Ungarn im Kampf gegen US-amerikanische Wirtschaftsinteressen gegen Stiftungen und Universitäten ins Feld, die von George Soros unterstützt werden. In dieser Hinsicht nehmen sich Linke und Rechte offenbar nichts.

Sie versuchen lediglich ihre eigenen Vorurteile zu reproduzieren und jeder der eine andere Meinung hat als sie, muss ein schlechter Mensch mit bösen Absichten sein. Dazu werden dann allerhand Schlagworte bemüht: neoliberal, rechtsradikal, faschistisch, rassistisch, antifeministisch. Ob davon tatsächlich etwas zutrifft ist ihnen auch ganz gleich. Denn wenn man sich einmal die Mühe macht, die Artikel zu lesen, die die „Students For Solidarity“ als Belege für ihre Behauptungen zitieren, findet sich darin nichts, was dem entsprechen würde. Es handelt sich stets um vage Anspielungen und aufgeblasene Halbwahrheiten, mit denen hier der Diskurs vergiftet wird.

Einen Einfluss auf den Inhalt unserer Konferenz in Jena oder unsere sonstige Arbeit hatte auch EIKE  offensichtlich nicht, wie man unschwer erkennen kann. Auch hier wird scheinbar nur versucht, ein möglichst abschreckendes Stigma zu erzeugen, ohne sich mit unseren Inhalten auseinanderzusetzen.

Bereits letztes Jahr gab es ja im Rahmen der damaligen Konferenz der SFL Konflikte mit dem StuRa der FSU und Probleme mit Demonstranten. Auch dieses Jahr fand eine Gegenkundgebung statt. Wie erklärst du dir diese offene und anscheinend nicht geringe Ablehnung? Wer sind die Demonstranten aus deiner Sicht?

Ich kenne davon niemanden persönlich, daher weiß ich nicht viel über sie – obwohl wir ihnen auch schon im vergangenen Jahr angeboten hatten, dass wir uns bei einem Bier zusammensetzen und die Sache respektvoll miteinander ausdiskutieren.

Sie definieren sich jedenfalls selbst als links und pflegen offenbar eine scharfe Freund-Feind-Unterscheidung. Jeder der nicht ihrer eigenen Ideologie anhängt ist für sie ein Feind und muss bekämpft werden – ganz egal ob es Liberale, Konservative oder wirkliche Rechtsextreme sind.

Dass sie uns Liberale als Feinde betrachten, sagt mehr über sie selbst aus als über uns. Wir haben beispielsweise Veranstaltungen gemacht, bei denen wir mit DDR-Zeitzeugen über ihre Erfahrungen im Sozialismus gesprochen haben. Oder wir informieren darüber, wie dank der Marktwirtschaft nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt der Wohlstand in noch nie dagewesener Weise gestiegen ist und in den letzten Jahrzehnten Milliarden von Menschen der Armut entfliehen konnten – während in sozialistischen Ländern die Entwicklung stagniert oder sogar eine Verelendung einsetzt, wie derzeit in Venezuela. Das bringt natürlich das Gedankengebäude jener, die uns da anfeinden, erheblich ins Wanken und sie wissen sich scheinbar nicht anders zu helfen, als Schimpf und Schande über uns auszuschütten. So waren auch die Texte der „Students For Solidarity“ überwiegend eine bloße Aneinanderreihung von haltlosen Verunglimpfungen. Es ist müßig, jeden dieser Vorwürfe zu entkräften, wenn das Gegenüber gar nicht an einem konstruktiven Diskurs interessiert ist.

Doch obwohl die Ablehnung dieser speziellen Szene tatsächlich nicht unerheblich ist, ist doch das Interesse an unseren Veranstaltungen in der Jenaer Studentenschaft erheblich größer. Wir haben regelmäßig abendliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, die mehr als 50 Gäste anziehen. Wir haben dieses Semester so viele Neumitglieder wie noch nie zuvor. Und zu unseren Konferenzen kommen jedes Jahr dreistellige Besucherzahlen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Es stimmt uns sehr positiv, dass unsere Arbeit insgesamt sehr gut angenommen wird und viele junge Menschen ebenfalls bereit sind, unsere Anliegen in ihrer knappen Freizeit zu unterstützen.

 

Rückblickend: Wie bewertest du die diesjährige Konferenz und die Ereignisse drumherum?

Wir hatten einen tollen Tag mit vielen interessanten Vorträgen und spannenden Diskussionen. Es haben sich neue Perspektiven auf alte Probleme eröffnet. Wir konnten sehr angeregt darüber diskutieren, unter welchen Bedingungen Wohlstand und Innovationen entstehen, was wir heute noch von Friedrich Schillers Freiheitsbegriff lernen können, welche Bedeutung Patente in einer freien Gesellschaft haben und vieles mehr. Ich freue mich, dass ich wieder einmal so viele tolle Menschen kennenlernen konnte.

Letztlich ist es schade, dass die Auseinandersetzung drumherum nicht auf einem angemessenen Niveau geführt werden konnte. Da aber alles friedlich geblieben ist, gehört das wohl schlicht zu den Herausforderungen einer liberalen Gesellschaft dazu.

Die Videos zu den Vorträgen und Podiumsdiskussionen werden bald auf unserem Youtube-Kanal zu sehen sein. Da kann sich dann jeder selbst ein Bild machen, wie „neoliberal-faschsitisch“ wir wirklich sind. Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast die Fragen so ausführlich zu beantworten.

Foto: Dominik Itzigehl ( https://www.instagram.com/d.itzi/ )

Das Interview mit den Students for Solidarity könnte ihr nachlesen: https://leveret-pale.de/students-for-solidarity-im-interview

Das Interview führte Nikodem Skrobisz und es wurde von Rick Wendler beantwortet. Wer sich selbst ein Bild machen will von den Argumenten der Gegner und der Konferenz der Students for Liberty, der findet die Texte der Kundgebung auf der Facebookseite des Students for Solidarity: https://www.facebook.com/StudentsforSolidarity-1454873574642976/ und die Videoaufnahmen der Vorträge bald auf dem YouTube Kanal der Students for Liberty: https://www.youtube.com/channel/UCpEYEFggK3cUpeRsBmnRw .

 

Worterklärungen:

[i] Dirigismus: Die vollständige zentrale Lenkung der gesamten Wirtschaft durch den (meist faschistischen) Staat mit dem Instrument der Planwirtschaft. Es werden also Produktion als auch Preise vom Staat diktiert und nicht von Angebot und Nachfrage.


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Zwischenbericht von der Schreibfront

In den vergangenen Monaten war es hier auf  dem Blog um Leveret Pale ziemlich still. Kaum neue Artikel, kaum neue Ankündigungen, kaum Posts über neue Interviews. Wer mir aber auf meinem Instagramaccount folgt, der weiß, dass ich seit meinem Abitur im Juni alles andere als untätig war, sondern eher überbeschäftigt. An der Schreibfront hat sich für über den Sommer 2018 einiges getan, sodass es Zeit ist in einem Zwischenbericht mal Bilanz zu ziehen, vor allem im Hinblick auf die kommenden Entwicklungen.

Partys, Leserunden und Veröffentlichungen

Kreativität ist immer das Ergebnis des Tanzes von Apollon und Dionysos, von Ordnung und Chaos … und das Chaos hat man mal nach 13 Jahren bayrisches Einbildungssystem dringend gebraucht.

Klar, die ein oder andere Hausparty, den ein oder anderen Club habe ich dann auch mal heimgesucht, aber nachdem ich fließig gelernt und auf der Bühne die Abschlussrede meines Jahrgangs hielt, hatte ich es mir auch verdient. Allein n der Inspiration wegen, musste ich mal wieder aus dem verstaubten Arbeitszimmer rauskommen. Es gibt meiner Meinung kaum was schlimmeres, als sogenannte Literaten, die in ihrem Leben nie was erlebt haben, und deren Bücher zusammenfantasierte und langweilige bis unglaubwürdige „Hochliteratur“ sind, mit denen man dann Schüler quälen und nur ähnlich langweilige Germanistik-Studenten entzücken kann. Somit war etwas Eskalation eigentlich schon fast verpflichtend. Aber keine Sorge, ich bin ja nicht umsonst ein notorischer Workaholic, und so gab es auch einiges an produktiven Ereignissen im Sommerloch zu verzeichnen. Wenn ich so überlege, so war dieser Sommer trotz vieler Reisen und Feiern viel produktiver als der vergangene, durch den ich mit meiner damaligen Freundin ziemlich liebestrunken durchgerauscht war, und dabei abgesehen von einer  wissenschaftlichen Arbeit, nicht viel Langfristiges zustande gebracht habe.

Nicht nur erschien diesen Sommer mit Der Apfelsmoothie der Erkenntnis mein neuster Roman, der zugleich mein letztes Indie-Projekt ist. Darüber hinaus fanden vor allem auf Lovelybooks viele Aktionen wie Leserunden statt. Mittlerweile  habe ich dort über hundert Rezensionen erhalten; ein Meilenstein, der mich besonders stolz macht. Genauso wie die Tatsache, dass ihr in den kommenden Monaten Kurzgeschichten von mir in den Anthologien mehrere Verlage finden werdet (dazu aber mehr, wenn es soweit ist). Eine Neuauflage meiner zwei Jahren alten Novelle Das Erwachen des letzten Menschen erschien; und eine englischsprachige Ausgabe für den amerikanischen Markt ist zurzeit ebenfalls in Arbeit, da sich erstaunlicherweise die deutsprachige Ausgabe bereits jetzt dort drüben gut verkauft (fragt mich nicht warum. I have no idea.) Meine Entwicklung vom Indieautoren zum professionellen Verlagsautoren ist damit beinahe abgeschlossen. Ich verband darüber hinaus während der langen Sommerpause das Angenehme mit dem Nützlichen, und bereiste Europa, um für einen neuen Roman zu recherchieren, an dem ich zurzeit schreibe.

Dublin: Jordan Peterson, Whiskey, Oscar Wilde und Universitäten

Selfies durfte ich dann aber mit den Dreien nicht machen, weil im Backstage-/Signierbereich überall Personenschützer waren, die jegliches Fotografieren verboten. Aber die Autogramme und die Erinnerungen sind auch genug

Direkt nach dem Abitur reiste ich zuerst nach Dublin, wo ich auf dem Campus des Trinity College wohnte, die Wege der berühmten irischen Autoren abschritt und das War of Ideas-Event in der 3Arena besuchte. Eine Videoaufzeichnung dieses Events findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/PqpYxD71hJU

Dabei hatte ich die unglaubliche Gelegenheit drei der größten Intellektuellen unserer Zeit, nämlich Sam Harris, Jordan Peterson und Douglas Murray persönlich zu treffen und nach der Show sogar ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und meine Bücher signieren zu lassen. Es war ein überwältigendes Erlebnis, diesen Männern die Hand schütteln zu können und sie auch live dabei zu beobachten, wie sie ihre Gedanken ausformulieren und auf Fragen und Argumente reagieren. Etwas enttäuscht war ich von Sam Harris, der als Advokat des Atheismus und einer nichtreligiösen Spiritualität zu meinen Lieblingsphilosophen gehört. Er wirkte während des Events ziemlich müde und wurde von Jordan Peterson rheotrisch und argumentativ übertrumpft, da Peterson offensichtlich dessen neurologischen und materialistischen Positionen im Laufe der vorhergegangenen Diskussionen in sein eigenes Weltbild integriert hat. Dabei entdeckte ich meine Begeisterung für Jordan Peterson wieder, die zuvor nach einigen seiner paranoiden Anfälle und überzogenen Hetzen gegen „Neomarxisten“ stark abgekühlt war, doch die größte Neuentdeckung war für mich Douglas Murray. Im Rahmen dieses Events setzte ich mich nämlich erstmals intensiver mit ihm auseinander, da er sich als dritter im Bunde überraschend gut schlug. Ich hatte zuvor nur Medienberichte über ihn gelesen und ging demnach davon aus, es hier mit einem Vertreter der Alt-Right zutun zu haben, doch die Argumente und Gedanken, die dieser Mann aussprach, waren sehr differenziert und weit von rechten Parolen entfernt. Vor allem seine Gedanken zur Migration, nämlich, dass weder radikale Abschottung, noch radikal offene Grenzen eine Lösung sein können, sondern das ein vernünftiger, unpopulistischer Dialog notwendig ist, fand ich persönlich sehr erfrischend.

Darüber hinaus genoss ich während meines kurzen Aufenthalts in Dublin den lokalen Whiskey (und nahm gleich eine Flasche Writers Tears Red Head Single Malt mit; ja, nur wegen des Namens) und besuchte das Writers Museum. Es ist wirklich faszinierend, wie viele geniale Schriftsteller dieses kleine Land hervorgebracht hat – Wilde, Joyce, Beckett und Yeats, um nur einige zu nennen, und umso spannender war es Dublin zu erkunden und dabei sich immer wieder zu ertappen, dass man diese Stadt doch aus der Literatur bereits überraschend gut kennt, da vor allem Joyce in seinen Beschreibung unglaublich realitätsnah ist. Meine Unterkunft auf dem Campus des geschichtsträchtigen Trinity Colleges verstärkte noch dieses Gefühl auf aus literarischer Sicht heiligen Boden zu stehen.

Insgesamt hat mich diese Reise nach Dublin stark inspiriert meine eigenen intellektuellen und literarischen Fähigkeiten weiter auszubauen, und härter an mir selbst zu arbeiten. Vor allem meine Schreibdisziplin, die ich während meiner letzten Beziehung und dem Abitur stark vernachlässigt hatte, habe ich seit Dublin wieder aufgenommen. Insgesamt beschäftigte ich mich über den Sommer hinweg sehr viel mit neuer Literatur, neuen Themen, neuen Menschen und arbeitete daran meine Bildung auch nach der Schule fortzusetzen.

Dafür legte ich nun auch einen weiteren Grundstein, indem ich mich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena für den 2-Fach-Bachelor Kommunikationswissenschaften und Psychologie immartikulieren ließ, sodass ich in den kommenden Wochen Müchen verlassen und nach Jena ziehen werde, um dort ab den 1. Oktober mein Studium aufzunehmen. Diese interdisziplinäre Fächerkombination entspricht meiner aktuellen Einschätzung nach am besten meinen wissenschaftlichen, journalistischen und medialen Begabungen.

Fear and Loathing in The Hague und Jena

After a week in the sun even the Leveret ain’t so pale no more

Zwischendurch ging es dann nach Dublin natürlich auch mal wieder weniger intellektuell, und mehr hedonistisch zu, aber eine Prise Dionysos gehört ja zu der Balance eines jeden kreativen Lebens. Ich verbrachte eine Woche mit meinen beiden besten Freunden in der niederländischen Stadt Den Haag, besuchte dort das Parlament, die Smartshops und lag sonst viel pfeiferauchend und Ayn-Rand-lesend am Strand herum. Etwas Entspannung schadet ja nie, und prompt kam mir dort die Idee für eine Kurzgeschichte, die bereits bei einem kleinen Verlag ein Zuhause gefunden hat und gerade noch das Lektorat durchläuft.

Vor diesem Niederlande Urlaube hatte ich noch in Betracht gezogen dort zu studieren, vor allem im Amsterdam, aber bei näherer Betrachtung habe ich für mich festgestellt, dass vor allem Amsterdam für mich keine Stadt ist, in der ich langfristig leben will. Sie ist mir einfach zu hedonistisch und zu unruhig. Da spricht wieder der Workaholic aus mir. Ab und zu Party ist drin, aber langfristig brauche ich dann doch eher etwas Ruhiges, damit ich konzentriert an meinen Projekten arbeiten kann. Etwas, woran ich mich schon während der langen Zugfahrten hin und zurück machte. Dabei entstanden zwei Interviews, nämlich eins bei libramorum und eins bei buchfans.com.

Kaum war ich jedoch zurück in München und hatte ein paar Tage mit Schreiben, Arbeiten und dem Austausch mit Kollegen verbracht, da fuhr ich auch schon wieder nach Jena, um dort Wohnungen zu besichtigen und sowohl die Natur als auch das lokale Romantikermuseum zu bewundern. Nach dieser Reise war ich mir dann auch sicher, dass ich in Jena studieren will. Obwohl diese Stadt nur rund hunderttausend Einwohner hat, sind davon ein Viertel Stundenten, sodass die Straßen herrlich jung und belebt sind, was ein starker Kontrast ist zu dem doch sehr konservativen und alten München. Und trotzdem hat Jena ein sehr spannedes Erbe  als die Stadt vieler bekannter  Schriftsteller, vor allem aus der Frühromantik. Ich freue mich schon sehr darauf, nach Jena zu ziehen, vor allem weil ich damit gleich viel näher an Leipzig und Berlin sein werde, zwei für mich als Autor sehr wichtigen Städten.

Wien, Berlin, Interviews und neues Romanprojekt

Selfie in der Wiener Bar Travelshack. Miese Sache, die mir dann noch eine Zeit lang nachhing: Dort darf man noch rauchen, und es hat sich als die beste Methode erwiesen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Eine weitere wichtige Stadt besuchte ich dann Ende August für ganze zwei Wochen: Wien. Ich fuhr dort hin, um mir die Wiener Universität anzusehen und schnell festzustellen, dass ich Jena noch immer bevorzuge, und dann natürlich, um Inspiration zu sammeln und nochmal zu feiern, diesmal jedoch in einer für mich ganz fremden Umgebung. Allein trieb ich mich dort herum, erkundete das Literaturmuseum, die Spuren Freuds und Wittgensteins, und vor allem das faszinierende Wiener Nachtleben, welches bei mir die Initialzündung auslöste, um die Arbeit an meinem aktuellen Romanprojekt aufzunehmen. Als ich in Wien ankam, kannte ich niemand dort, doch nach vielen Nächten voller Drinks und Zigarettenqualm, kann ich nun einige geniale Persönlichkeiten von dort zu meinen Freunden zählen. Am meisten Zeit verbrachte ich dabei im Travelshack, einer Bar, die sich vor allem an Reisende, Backpacker und Expats richtet, und daher jeden Abend voll mit Menschen aus aller Welt und den abenteuerlustigsten Wienern war. Selten habe ich so viele verschiedene und extreme Personen und Dinge gesehen und erlebt, wie während meiner Erkundstouren durch die Straßen Wiens.

Und mit besonderen Menschen ging es dann seit meiner Rückkehr dann auch weiter. Im Rahmen meiner Recherche, interviewe ich zurzeit die verschiedensten Personen meines Alters, um ein möglichst diverses Bild meiner Generation zu bekommen. Vom Flüchtling, über Transsexuellen und Antifaschisten bis hin zum Alt-Right-Anhänger, StartUp-Gründer und Musiker habe ich mittlerweile fast jeden vor mein Diktiergerät führen können. (Beziehungsweise der Memo-Funktion meines Smartphones.)

Eines dieser Interviews führte ich dabei mit dem Musiker Lloyd Buchholz, der vor kurzem in München seine Band Blood Addicts gegründet hat und zuvor unter anderem bei Zoo Escape spielte. Dieses Interview wird dabei wahrscheinlich auch das einzige sein, welches ich im Wortlaut veröffentlichen werde, da die anderen alle im Schutze der Anonymität und mit Privatpersonen entstanden. Das Interview mit Lloyd werdet ihr daher, wenn alles klappt, in der QWERTZ Ausgabe 2018/4 und irgendwann später auch auf meinem Blog nachlesen können. Für die, die es nicht wissen: Die QWERTZ ist die Mitgliederzeitschrift des BVjA (Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V.), in dessen Vorstand ich seit nun fast einem Jahr tätig bin.

Peace aus der Hauptstadt

Der Rest der Interviews wird nur in meinem neusten Roman verarbeitet und damit natürlich verzerrt erscheinen, aber bis dahin wird es noch etwas dauern, vor allem weil ich plane dieses Projekt bei einem größeren Verlag unterzubringen.

Für weitere Recherchen und Interviews war ich dann auch noch kurz für ein Wochenende in Berlin, traf mich dort mit Kollegen und alten Freunden, und fragte mich dabei immer wieder, ob ich den noch immer in Deutschland bin, oder zwischenzeitlich irgendwie in eine Parallelwelt gefallen wäre. Berlin ist für mich nach wie vor eine der kuriosesten Städte, da es mit seiner Diversität und Chaotik im krassen Kontrast zu meiner Geburtsstadt München steht, und doch zum selben Staat gehört.

Aber das habe ich ja bereits in meinem Roman Crackrauchende Hühner ausreichend thematisiert.

 

Fazit

Ingesamt habe ich den Sommer vor allem dazu genutzt, um viel Zeit und Energie darin zu investieren die Grundsteine für meine literarische und persönliche Entwicklung in den kommenden Monaten zu legen. Ich sammelte viele neue Erfahrungen, lernte viele neue Menschen kennen und häufte Inspiration und Können für neue Projekte an, die ich nun umsetzen werde.

Da das Studium und meine anderen Projekte mich viel in Beschlag nehmen werden, kann ich allerdings noch keine Versprechungen machen, was Events und Veröffentlichungen in den kommenden Monaten angeht. Lediglich, dass ich auf jeden Fall am 13. Oktober von 14:00 bis 18:00 am Stand des BVjA auf der Frankfurter Buchmesse 2018 anzutreffen sein werde, steht bereits fest.

Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sich alles weiterentwickelt und freue mich darauf euch bald als Leveret Pale neue und noch bessere Werke präsentieren zu können.

 


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Interview mit Libramorum

Was tue ich zurzeit so? Sollten andere Menschen sich ein Beispiel an mir nehmen? Wer ist zurzeit meine Muse? Was ist für mich Heimat? Diese und weitere Fragen beantworte ich im Interview mit dem Blogger Ray B. Dobbert von libramorum. Ihr findet es unter https://libramorum.blogspot.com/2018/07/leveret-pale.html

Seht euch bei der Gelgenheit auf dem Blog um. Die beiden Blogger Denise und Ray haben innerhalb kurzer Zeit einen tollen Buchblog aufgebaut und bieten dort einen schönen Mix diverser Beiträge, die sehr lesenswert sind.

 




Interview bei Gereon Sand

Wie ich es schaffe, trotz Abitur und dem alltäglichen Wahnsinn produktiv zu sein?🎓📝 Wonach ich süchtig bin? 💉🚬Was ich für die Zukunft plane?😏 Die Antworten auf diese und weitere Fragen findet ihr im neusten Interview mit mir auf dem Blog meines Autorenkollegen Gereon Sand. http://gereonsand.com/leveret-pale-im-interview/ Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Wenn ihr mehr über Gereon Sand erfahren wollt, dann könnt ihr hier auf meinem Blog ein Interview, welches ich vor einigen Monaten mit ihm führte, finden: Gereon Sand im Interview.




Interview bei Creepy Creature Reviews am 25.12.2017

Am 25.12.2017 erschien auf dem Blog des BookTubers Creepy Creature Reviews ein Interview mit mir. Ihr findet es unter https://creepy-creatures.jimdofree.com/2017/12/15/interview-mit-leveret-pale/ Darin erzähle ich unter anderem, wie ich zum Schreiben kam, und warum ich Zigarren rauche und keine Videospiele spiele. Viel Spaß beim Lesen 😉




Interview im Frauenpanorama vom 16.12.2017

Am 16.12.2017 erschien ein ganz besonderes Interview mit mir im Magazin Frauenpanorama: https://frauenpanorama.de/ein-brillantes-ausnahmetalent-leveret-pale/ In keinem Interview zuvor habe ich einen so tiefen Einblick in mein Privatleben, mein Denken und Fühlen erlaubt, wie in diesem. Wer sich also für die Person hinter Leveret Pale interessiert, sollte unbedingt mal reinlesen.

Ich danke meiner Kollegin Astrid Korten für dieses tolle Interview.




Gereon Sand im Interview

Wenn ich ehrlich bin, lese ich persönlich wenige noch lebende deutsche Autoren (es sind vielleicht ein, zwei Dutzend, was im Verhältnis zu meinem Bücherkonsum eine verschwindend geringe Menge ist) – denn die Kollegen aus dem englischsprachigen Raum sind heutzutage nicht nur den Deutschen in der Quantität, sondern leider in der Regel auch in der Qualität und Originalität überlegen. Ob das an unserem langweiligen Deutschunterricht, der die meisten jungen Autoren vergrault, liegt oder daran, dass bei den Amerikanern Creative Writing sogar ein studierbares Fach ist, werde ich aber ein anderes Mal behandeln. Heute soll es um einen Autor gehen, der weder Nietzsche, Hesse, Mann noch Fallada heißt, also noch lebt, und mich trotzdem begeistern kann. Zu den wenigen lebenden deutschen Autoren, die ich gerne lese, gehört Gereon Sand, der bisher drei Romane veröffentlicht hat.

Es freut mich daher besonders, dass ich die Gelegenheit hatte Gereon persönlich zu interviewen.

1. Gereon Sand, Du gehörst zu meinen liebsten deutschsprachigen Autoren, allerdings befürchte ich, dass Dich die meisten Leser noch nicht kennen. Möchtest Du vielleicht dich und deine Bücher kurz vorstellen?

Na klar, wenn Du mich so nett fragst :). Ich bin 47 Jahre alt, arbeite in einem technischen Beruf, manage dort Projekte und schreibe in diesem Kontext häufig Fachkonzepte und Benutzerdokumentationen. Zudem mag ich von Kindesbeinen an fantastische Welten, was sich u.a. in Pen&Paper-Rollenspielen, Trading-Card-Games, MMORPGs sowie zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romanen in meinem Bücherregal niederschlägt.

Im Jahr 2011 ergab sich eine Gelegenheit, meine Arbeitszeit zu reduzieren und trotzdem noch eine Familie zu ernähren (ich bin verheiratet und habe 3 Kinder). Die dadurch gewonnene Zeit darf ich nach Rücksprache mit meiner Familie zum Schreiben einsetzen, wofür ich unendlich dankbar bin und was mir unglaublich viel Spaß macht. Ich hoffe, dass sich ein wenig davon in meinen Romanen widerspiegelt.

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2. Gereon Sand ist ein Pseudonym. Warum verwendest Du es und wie bist Du darauf gekommen?

Der Schriftsteller bei der Arbeit … oder so ähnlich sieht es vermutlich aus, wenn auch mit Computer und elektrischem Licht, wenn Gereon Sand schreibt. So genau werden wir das vielleicht nie erfahren, denn der Autor möchte in der Öffentlichkeit unerkannt bleiben.

Ich wollte einfach nicht, dass man meinen Echtnamen googlet und dann als erstes auf meine Bücher stößt. Das Pseudonym ermöglicht mir, meine Rollen als Familienvater, Angestellter und Autor so voneinander zu trennen, wie ich es für angemessen halte. Zudem ist mein Echtname vergleichsweise sperrig und schwer zu merken.

An dem Pseudonym „Gereon Sand“ mag ich den Klang der Worte, den leicht zu merkenden Nachnamen (der im Englischen und im Deutschen die gleiche Bedeutung hat) sowie die Assoziationen, die der Name mit sich trägt. Sand poltert nicht und fällt nicht. Stattdessen zerrinnt er zwischen den Fingern, durchläuft unerbittlich den Trichter der Sanduhr, rieselt leise und unbemerkt in alle Ritzen.

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3. Was bedeutet das Schreiben für Dich?

So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich bin seit jeher ein kreativer Mensch, was sich z.B. in (hochnotpeinlichen!) Gedichten aus meiner Teenagerzeit, dem Songwriting für diverse Rockbands oder Inhalten für MMORPGs (z.B. Roleplaying-Servern) niederschlägt.

Merkwürdigerweise bin ich nicht nur kreativ, sondern auch ziemlich diszipliniert. Ich freue mich daran, wenn Dinge ihre Ordnung haben und manage meine beruflichen und privaten Projekte mit Herzblut und Leidenschaft. Ich mag es, auf ein Ziel hinzuarbeiten, Sachverhalte zu optimieren und aus gegebenen Rahmenbedingungen das Beste herauszuholen.

Das Schreiben vereint für mich Kreativität und Ordnung in einer ganz wundervollen Weise. Die Figuren meiner Romane agieren in einem Universum, das „gemanaget“ werden will. Aus ihrer Interaktion und ihren Eigenheiten ergeben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge (Kreativität!), die aber stimmig sein und zum Universum passen müssen (Ordnung!). Ich mag dieses Zusammenspiel sehr und genieße das Privileg, Zeit dafür investieren zu dürfen.

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4. Wie läuft bei dir der Prozess von der Idee bis zum fertigen Buch ab? Wie arbeitest und veröffentlichst Du? Wie findest Du Inspiration?

Oh weh, so viele Fragen auf einmal 🙂

Als ich mit Rasmus angefangen habe, gab es lediglich eine grobe Vorstellung von den Fähigkeiten der Propheten, ansonsten keinerlei Material über Annstein und die Mittlande … und insbesondere keinerlei Ahnung, wie der Roman enden sollte. Die einzigen Charaktere, die zu Beginn des Romans existierten, waren Rasmus, Flemming und Stella; ein Exposée, eine Kapitelstruktur oder auch nur ein Konzept für einen Handlungsstrang gab es nicht. Mit anderen Worten: falscher kann man es eigentlich nicht machen :).

Letztendlich hat mich die sich in jedem Kapitel verändernde Erzählperspektive gerettet. Nachdem ich Grubb, Nalissa, Keshar, Milan und Tjark eingeführt hatte, gab es eine über viele Monate andauernde Phase, in der der Roman sich wie von alleine schrieb. Die Charaktere erwachten zum Leben, während sie die Welt durch ihre Augen betrachteten, entwickelten Eigenschaften, interagierten, wodurch sich neue Situationen ergaben, die wiederum Interaktion erforderten, die wiederum zu neuen Situationen führte … und so ging es immer weiter. Längst lassen sich Haupt- und Nebencharaktere nicht mehr eindeutig trennen, Gut und Böse nicht mehr voneinander abgrenzen. Wenn ich drei Protagonisten nennen müsste, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind … ich müsste sehr lange überlegen.

Natürlich forderte diese spontane Vorgehensweise ihren Preis. Im dritten Band, der derzeit lektoriert und in 2018 veröffentlicht wird, hatte ich einige Mühe, die Handlungsfäden, die sich aus der „spontanen“ Interaktion der Protagonisten ergaben, wieder zusammenzubinden. So umfasst der dritte Band von Rasmus nur einen einzigen (ziemlich blutigen) Tag … und er ist dabei nicht kürzer als seine beiden Vorgänger.

Gereon Sands neuster Roman „Marie“ spielt in der Zukunft und zeigt die Gefahren der technologischen Entwicklung nach dem Motto: „Share your life, share it live!“

Mit „Marie“ habe ich meine Arbeitsweise umgestellt. Sowohl zu „Marie“ als auch zum vierten Band von Rasmus, an dem ich derzeit schreibe, existierten Exposée und Kapitelstruktur von Beginn an, so dass z.B. das Ende, auf das der Roman hinarbeitet, schon vor der ersten Zeile feststand. Beide Arbeitsweisen, die spontane und die durchgeplante, haben Vor- und Nachteile bzw. ihre Daseinsberechtigung. Es wäre ein eigenes Interview wert, diese gegenüberzustellen.

Ich schreibe mit MSWord, fast ausschließlich am frühen Morgen oder an meinen freien Nachmittagen. Ich sitze dabei typischerweise in Cafés, d.h. an öffentlichen Orten, da es zuhause an meinem Schreibtisch viel zu viele Dinge gibt, die mich ablenken. Ich schreibe meine Kapitel nicht nur stur herunter, sondern lese sie sehr häufig Korrektur und feile immer wieder an Details. Dieser fortwährende Korrekturprozess endet auch dann nicht, wenn alle Kapitel geschrieben sind, denn an die eigentliche Schreibphase schließen sich das Lektorat, die Covergestaltung und der technische Veröffentlichungsprozess (via createspace.com) an. Im Schnitt verstreichen eins bis anderthalb Jahre, bis ich einen fertig geschriebenen Roman letztendlich veröffentliche. Es ist m.E. wichtig, diese Nachbereitungsphase nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang anzusetzen. Man könnte unendlich lange feilen, korrigieren und verbessern … aber irgendwann muss man sich selbst dazu zwingen, einen Haken zu machen und einen Roman loszulassen.

Meine Inspiration finde ich in den Menschen um mich herum. Letztendlich geht es in all meinen Romanen um Menschen und ihre Eigenheiten. Ob die Handlung nun im einem fantastischen (Rasmus) oder technisierten (Marie) Rahmen stattfindet, ist für mich unerheblich. Ich zeichne Menschen, aber nicht mit Pinsel und Farben, sondern mit Worten.

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5. Dein Hauptwerk besteht aus der Fantasyreihe „Rasmus und die Gilde der Propheten“, von der mittlerweile die ersten zwei Bände erschienen sind. Kannst Du kurz skizzieren, worum es in den Büchern geht und warum Leser ausgerechnet diese Reihe lesen sollten, wo der Fantasymarkt doch bereits so übersättigt ist? Was macht die Reihe so besonders?

In der Fantasy gibt es unendlich viele Stereotypen. Elben, Zwerge, Orks oder Drachen. Zerstreute Zauberer, mystische Feen, strahlende Helden oder grausame Monster. Ich glaube, dass die Übersättigung des Marktes, die Du ansprichst, zum Großteil durch fortwährendes Variieren dieser Stereotypen erfolgt. „Rasmus und die Gilde der Propheten“ geht hier einen völlig anderen Weg. Die Serie baut darauf, dass der Mensch alleine genügt, um gute Fantasy zu tragen. Ein Mensch kann sowohl Held als auch Monster sein, manchmal sogar in ein- und derselben Person. Für mich ist die beste Fantasy diejenige, die mit menschlichen Protagonisten arbeitet und bei der diese nicht klassisch „gut“ oder „böse“ sind, sondern über Grautöne verfügen. George R. R. Martin ist für mich der unangefochtene Meister dieser Disziplin, aber auch Joe Abercrombie oder Guy Gavriel Kay produzieren wunderschön ausgearbeitete Charaktere.

Rasmus und der Gilde der Propheten“ erzählt eine Geschichte durch die Augen verschiedenster menschlicher Protagonisten, die allesamt ihre Stärken und Schwächen haben. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist nicht eindeutig; es passieren derbe und blutige Dinge (wobei ich überzeugt bin, dass die historische Realität noch weitaus derber und blutiger war). Wer „realistische“ Fantasy in einem mittelalterlichen Szenario mag, sollte m.E. einen Blick auf die Serie werfen, die nach meinem derzeitigen Stand der Dinge mit dem vierten und letzten Band im Jahr 2019 enden wird. Wie bereits erwähnt, verzichtet die Serie vollständig auf die genreüblichen Klischees; übersinnliche Dinge (wie die Magie der Propheten oder die Fähigkeiten der Fallenden Sterne) tauchen nur sporadisch und in kleinen Dosen auf. Es sind Menschen, die den Roman tragen. Feige, grausame, zynische, tapfere, einzigartige und unendlich zerbrechliche Menschen.

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6. Vor kurzem erschien dein neuester Roman „Marie“, der in einem Deutschland des Jahres 2023 spielt. Damit hast du nach zwei Fantasyromanen ein Science-Fiction Buch veröffentlicht. Was brachte dich dazu das Genre zu wechseln? Werden wir in Zukunft mehr Bücher in verschiedenen Genre von dir lesen können?

„Marie“ war nicht geplant, ist mir aber immer mehr zum Bedürfnis geworden. Hauptberuflich arbeite ich in einem technischen Umfeld, so dass mir das Szenario, in dem „Marie“ spielt, durchaus nicht unbekannt ist. Ich finde es hochgradig bedenklich, ja sogar pervers, wie immer allgegenwärtigere Technik im Alltag Stück für Stück den Umgang mit Menschen ersetzt. „Marie“ spielt mit zahlreichen Motiven, die wir derzeit noch untrennbar mit Menschen assoziieren (Geburt, Hochzeit, Tod, Advent, Weihnachten etc.) … und ersetzt dort konsequent den Menschen durch etwas anderes. Mein total vereinsamter Protagonist stolpert entsprechend von einer künstlichen Welt in die nächste und verliert am Ende jeden Bezug zur Realität.

Das Genre (Fantasy vs. Science-Fiction etc.) ist für mich zweitrangig. Es bildet letztendlich nur den Rahmen, um Menschen zu beschreiben.

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7. Was sind deine Pläne für die Zukunft als Gereon Sand?

Falls sich bei „Rasmus“ oder „Marie“ nicht über Nacht unerwarteter Erfolg einstellt, werde ich nach dem Abschluss von „Rasmus“ vermutlich ein weiteres Mal das Genre wechseln. Ich habe zwei Ideen für Sachbücher, außerdem eine ziemlich konkrete Idee für einen historischen Roman, der eine allseits bekannte Szene aus der Menschheitsgeschichte durch die Augen von Nebencharakteren neu erzählt … d.h. Kapitel aus wechselnden Perspektiven wie bei Rasmus, aber dieses Mal mit einem „ja, so könnte es gewesen sein“-Anspruch.

Auf jeden Fall habe ich nicht vor, das Schreiben aufzugeben. Dafür mag ich das Dasein als „Gereon Sand“ viel zu sehr!

Vielen Dank für die spannenden Fragen und das Interesse an meiner Person. Dir selbst viel Spaß und Erfolg beim Schreiben … und bis zum nächsten Mal!

Ich danke dir für das Interview. 🙂