Blood Addicts – Der Musiker Lloyd Buchholz im Interview

Wie ich in dem ein oder anderen Interview selber gesagt habe, ist die größte meiner Inspirationsquellen das Leben an sich, also die Dinge, die ich erlebe und die Menschen, denen ich begegne. Eine Person, die mich dabei immer wieder inspiriert und in gemeinsamen Gesprächen auf neue Perspektiven und Ideen bringt, ist Lloyd Buchholz. Lloyd ist wie ich ein Münchener Kindl und schreibt auch – allerdings vor allem Songtexte zu einem wilden Genremix des „Acid Punk Rocks“, die er auch vertont mit seiner Band Blood Addicts aufführt. Er ist ein genialer und junger Musiker unserer jungen Gen Z, von dem ich glaube wir noch einiges sehen und hören werden. Für die Arbeit an meinem Roman „Zukunftsängste&Chill“ interviewte ich ihn daher auch einmal September 2018, um einen tieferen Einblick in die Welt des kreativen Musizierens zu erlangen (ich selber bin leider mit einer Triangel fast schon überfordert). Es entstand eine faszinierende, über vier Stunden lange Aufnahme – die ich aber entsprechend weder so komplett veröffentlichen kann, noch zu transkribieren willens bin. Wir traffen uns daher vor kurzem nocheinmal zu einem neuen und kürzeren, für die Öffentlichkeit bestimmten Interview, um die wichtigsten Kernelemente des ersten Interviews noch abzufragen und auch auf den neusten Stand zu bringen. Viel Spaß beim Lesen!

 

1.Wie kommt man auf den Bandnamen Blood Addicts?

Interessante Frage. Im Gegensatz zu dem, was viele annehmen, sind wir nämlich keine Vampire. Zwar sind der Teint der letzten 4 Monate ohne Sonne und die Schminke, die ich hin und wieder bei Live-Konzerten aufsetze, Indiz genug dafür, dass wenigstens ich einer sein könnte. Das ist aber jetzt auch diskutierbar.

Reisen wir ein wenig südlicher von Transsylvanien in das alte Griechenland zu einem sehr klugen Arzt namens Hippokrates von Kos. Er schuf nämlich die Viersaftlehre, welche wiederum die Vier-Temperamente Lehre stark beeinflusste. Um nicht zu tief in die Materie vorzudringen, versuche ich das kurz und knackig zu erklären: 

Es gibt laut dieser Theorie vier Temperamente bzw. Elemente zu welchen Menschen in verschiedenen Anteilen zugeordnet werden können. Diese heißen Choleriker, Melancholiker, Phlegamtiker und zu guter letzt Sanguiniker. Zu letzterer Gruppe habe ich mich paradoxerweise Weise in meiner nachdenklichstens Phase mit 14, 15 Jahren besonders hingezogen gefühlt.

Übersetzt bedeutet Sanguiniker nämlich der Blutsüchtige, da ihm ein rauschsuchendes und impulsives Verhalten nachgesagt wird. Und genau das macht auch den Spirit unserer Musik und Live-Performances aus, nämlich ausschweifendes Rumgetanze und lebensbejahende Parolen. Ich denke wir erwecken dadurch in jedem einen Funken Freude und Leben im Moment.

2. Wie kammst du zum Musizieren und in welchen Bands hast du vor den Blood Addicts gespielt? Und wie kam es zur Bandgründung?

Gefühlt wollte ich immer schon in einer Band spielen. Spätestens als ich damals als kleiner Bub auf MTV das Musikvideo von Clint Eastwood von Gorillaz gesehen habe. Ich muss da so 5 oder 6 gewesen sein, doch damals wusste ich sofort, dass ich das auch machen möchte. Von da ab hieß es für mich nur noch eins: Musikhören und mir dabei ausmalen wie sehr ich Bock darauf habe später einmal Rockstar zu werden. Meist habe ich damals wirklich gemalt, und zwar mich selbst wie ich dem grauen Alltag durch die Macht der Musik entfliehen kann. Eine Hürde war dann aber doch noch zu überwinden, denn ich hatte nicht die geringste Ahnung wie man ein Instrument spielt. Ich habe zwar immer schon gerne gesungen bzw. mir ab und zu selbst versucht Klavier beizubringen, um meine Lieblingslieder von den Beatles spielen zu können, aber es passierte nichts Weltbewegendes bis ich 13 wurde und endlich mit dem Gitarrespielen anfing. Es gab damals zwei Filme, die mich damals extrem beeinflussten: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, welcher mich für kurze Zeit zum Bassspielen animierte und The Song Remains The Same von Led Zeppelin. Letzterer Konzertfilm veranlasste mich nicht nur mit fast 14 den alten Bass von meinem Vater in die Ecke zu stellen sondern auch mir zum nächsten Geburtstag eine Gitarre zu wünschen und von da an jeden Tag bis zu 12 Stunden zu üben. Ich war schließlich meinen gleichaltrigen Mitmusikern ein paar Schritte zurück und musste aufholen. 

Zwei Monate später, unter anderem mit der Hilfe von meinem Gitarrenlehrer Landy Landinger, spielte ich Foxy Lady von Jimi Hendrix in der Schule vor und das nächste Jahr durfte ich in die Schulband. Mit 15 fing ich an mit meinem damals besten Freund, der beim Bassspielen geblieben war, im Keller eines Kollegen Musik zu machen. 

Die Geburtsstunde der Blood Addicts, die aus endlosen Jams und einem Cover von „Psycho Killer“ von den Talking Heads bestand.

Als ich 17 war, fragte mich die Band Zoo Escape an, ob ich bei ihnen mitspielen wollte. Ein halbes Jahr war ich dann dabei und sammelte mit ihnen meine ersten richtigen Erfahrungen als Live-Band. Danach wusste ich, dass es Zeit ist selbst etwas in die Hand zu nehmen und ich belebte die Blood Addicts mit meinem sehr guten Freund und Bassisten Fischer wieder zum Leben. Nicht lange nachdem die ersten Songs geschrieben wurden kamen auch schon Barbie Redskins und Helena an den Drums dazu und wir proben seit dem in einem kleinen aber preisgünstigem Jugendzentrum in Schwabing. 

Zusätzlich spiele ich als eine Art on /off Beziehung mit den Floating Nutshells als Gitarrist, wo aber bald mehr aus gemeinsamer Feder kommen wird.

3. Wie findest du Inspiration?

Ich habe manchmal eher das Gefühl Inspiration findet mich, als andersrum. Das klingt zwar wirklich nach dem stereotypischen Esoterik-Künstlergefasel was du unter Instagramposts von sogenannten „Personen des Öffentlichen Lebens “ finden kannst, aber es ist schon was dran. Beispielsweise kommen mir verdammt viele gute Ideen, vo rallem musikalischer Natur, beim Einschlafen oder beim Aufwachen. Dann nach einem harten Tag Durchmusizieren und komponieren, wenn mein Kopf eigentlich im Aufräummodus ist, hör ich plötzlich ein ganzes Orchester im Kopf. Oft verzauberten mich diese Momente der Trance so sehr dass ich mich entschließe einfach einzuschlafen mit den Gedanken: „*gähn* das ist so ne gute Idee, das vergessen ich doch nie in meinem ganzen Leben…“ Natürlich ist alles am nächsten Morgen weg. Seit dem mir ein paar zu oft passiert ist, überwinde ich mich jedes Mal aufs neue solche Ideen einzufangen. Manchmal schick ich kurz die Melodie und die Textfragmente meiner Freundin im WhatsApp Chat und markier sie anschließend mit einem Stern oder ich nehme wirklich einige Tonspuren in meiner DAW auf und kann dann zufrieden einschlafen.

Natürlich passiert das mit den Ideen nicht immer nur dann, wenn man es nicht erwartet. Ich spiele die meiste Zeit auf meiner Gitarre irgendwas vor mich hin, probiere neue Akkorde oder Kadenzen aus, übe vor  allem neue Techniken und Songs. Wenn ich nämlich eins gelernt habe über die 6 Jahre Gitarre spielen ist es, dass man niemals genug Wissen haben kann, in dem was man tut. Also für alle, die kreativ Songs schreiben wollt, lernt alles was ihr könnt, am besten aus den wildesten und auch schwierigsten Richtungen, das mit den Ideen kommt von selbst wenn man oft genug seine Komfortzone verlässt und hart genug übt.

4. Sind deine Lieder Einblicke in deinen Inneres oder ein Spiel mit der Wirklichkeit?

Sowohl als auch würde ich sagen. Es ist nicht immer einfach die Bedeutung eines Songtextes an die Wand zu nageln. Vor allem wenn man sich von der radiofreundlichen Popularmusik ein wenig wegbewegt, wird es oft sehr bizarr was die Instrumentierung und Lyrik einiger Stücke angeht. Da ich aber ein Mensch bin, der sich genau mit solchen Liedern, die mehr Fragen aufwerfen als sie zu beantworten, am liebsten beschäftigt, ist auch mein musikalischer Output nicht viel anders.

 Ich versuche meist ein gewisses Lebensgefühl oder einen Gedanken mit einem dem Text und der dazugehörigen Melodie an den Menschen zu bringen. Natürlich sind höchst intime Vorgänge, die ich da zur Schau stelle, doch ich denke ebenfalls, dass genau das ist was es wieder universell zugänglich macht. Dadurch, dass ich mehr über die Stimmung und Vibes singe und mit bewusst gewählten Worten, die als Eckpfeiler meiner Lyrik dienen, Assoziationen bei meinen Zuhörern wecke, tue ich vermutlich beides: Ich verbiege ein wenig meine eigene Wirklichkeit, um den anderen einen Zugang zu neuen Welten und Emotionen geben zu können.

Trotzdem kann man das nicht so pauschal sagen; ich denke jeder sucht sich am Ende des Tages mehr oder weniger die eigene Bedeutung des Songs raus. Manchmal kann es der Zufall sein, dass genau ein Lied der Blood Addicts läuft während sich zwei Menschen verlieben. Manchmal ist es ein wildes Live Konzert von uns, dass die Leute an einem ganz bestimmten Nerv trifft.

Ich überlasse das jedem selbst, was er aus den Songs herausliest.

5. Vorletztes Jahr bekam der Musiker Bob Dylan den Literaturnobelpreis, was sehr kontrovers diskutiert wurde. Ist ein Lied für dich Literatur?

Kontrovers oder nicht – eins denke ich wird jeder, der sich nur ansitzweise mit dem Bob Dylan Gesamtwerk auseinandergesetzt hat, zugeben:  Dylan ist kein normaler Musiker. Natürlich hat er Melodien und Rhythmen benutzt, und selbstverständlich war er auch darin sehr ausgefuchst, doch was obendrauf, quasi als Mon Cherie auf der Kirsche auf dem Sahnehäubchen des Rieseneisbechers liegt, ist das man Dylans Texte eben auch ohne musikalische Untermalung genießen kann. Da viele seiner Texte höchst politisch oder gesellschaftskritisch beeinflusst bzw.  beeinflussend sind, ist es vielleicht auch nicht schlecht sich mal in Ruhe nur mit den Lyrics des Guten Herrn auseinanderzusetzten.

Ich finde das sollte man sowieso sehr oft machen: Für mich als Songwriter ist es ebenso wichtig einen in sich stimmigen Text zu schreiben, welcher eben noch eine Aussage oder wenigstens ein markantes Gefühl vermittelt. Die wahre Kunst aber liegt darin die beiden Formate Lyrik und reines Instrumentalstück so zu verbinden dass ihre Moleküle nicht mehr von einander trennbar sind.

5. Wo kann man eure Musik live oder auch online erleben?

Wir geben des Öfteren Live-Konzerte, die wir meist mindestens eine Woche vorher auf Instagram bekannt geben. Ebenso kann man uns gerne anschreiben falls jemand selber eine Band hat und Unterstützung von einer Vor- oder Nachband braucht oder gerne an seinem Geburtstag uns vier schräge Vögel auf seiner Party haben will, damit wir bissl Musik machen und ordentlich auf den Putz hauen. 

Vor etwa einem Monat haben wir Fünf Songs im „Taptone Studio“ aufgenommen und die kommen bald auf eine kleine, aber feine EP mit samt einiger Überraschungen. Ein genaues Release-Datum ist noch nicht bekannt, da das Album erst fertig gemischt werden muss, doch ich denke so gegen Ende Juni werden wir ein dickes Fest im Namen der Veröffentlichung feiern können. 

Ab da an kann ein jeder die CD auf Spotify, Applemusic, Tidal und Co. anhören, bei Amazon erwerben oder (für die Haptikfans unter uns) sie direkt bei unseren Konzerten abstauben.


Wenn ihr mehr über Lloyd oder seine Band Blood Addicts erfahren wollt, so findet ihr sie auf Instagram: https://www.instagram.com/bloodaddicts/, dort werden Auftritte angekündigt und Einblick in das musikalische Leben gewährt.


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Nikodem Skrobisz

Nikodem Skrobisz, auch unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt, wurde am 26.02.1999 in München geboren. Er ist als Journalist und Schriftsteller tätig und hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die meist philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln. Zurzeit ist er Vorstandsmitglied des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.. und studiert Kommunikationswissenschaften und Psychologie. Halbprivate Einblicke gibt es auf Instagram

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