Gedanken zum Unsinn von ESG-Labels auf Finanzmärkten

1. Einleitung – Sind deutsche Panzer immer böse?

Panzer und Patronen können sozial ziemlich nachhaltig, im Sinne von gut und wichtig, für das Überleben und Gedeihen einer Gesellschaft sein – und das gleiche gilt für Investitionen in diese, sei es durch Aktien, Anleihen oder Steuern. Als ich anfing für diesen Essay zu recherchieren und die ersten Notizen zu tippen, war es noch ziemlich schwierig in Deutschland für diese kontroverse Position zu argumentieren. Es gehörte fast schon zum guten Ton über die Bundeswehr und die Rüstungsindustrie herzuziehen, gar ihre Abschaffung zu fordern. In Deutschland hat sich aus der Schuld an zwei Weltkriegen ein tiefsitzender populärer Pazifismus entwickelt, eine Überzeugung man könnte den Frieden in der Welt schaffen, indem man alle Waffen abschafft und sich stets möglichst passiv und diplomatisch verhält – dabei gern ausblendend, dass Hitler und die Nazis nicht mit Blumen und Umarmungen, sondern mit Granaten und Kugeln aus der Welt geschafft wurden. (Dieser Mentalität widmete ich bereits in meinem Essay zu Hitler-Theologie eine Analyse)

Diese weitverbreitete Vorstellung, dass man das Böse dieser Welt verhindern könnte, indem man alles meidet, was generell aus einer deontologischen Position als moralisch zweifelhaft angesehen könnte, schlägt sich auch immer stärker (wenn auch nicht nur in Deutschland) beim Handeln auf den Finanzmärkten aus. Insbesondere Privatanleger wollen mit einem guten Gewissen ihr Kapital investieren und so steigt seit Jahren rasant die Nachfrage bei Finanzprodukten wie Fonds und ETFs, die sogenannten ESG-Kriterien genügen sollen. ESG steht dabei für environmental, social, and corporate governance, also drei Dimensionen, an denen theoretisch evaluiert werden kann, wie sehr ein Unternehmen im Hinblick auf zum Beispiel Klima- und Umweltschutz, Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig und ethisch agiert. Ein gängiges, in der Regel noch strikteres Pendant ist SRI (Social Resposible Investing). Unternehmen, die von Ratingagenturen wie MSCI schlechte ESG Bewertungen erhalten, fliegen entsprechend immer häufiger aus Fonds und ETFs; teilweise werden Ihnen auch Konten oder Darlehen von Banken verweigert, da auch diese selbst ihre ESG Bewertungen optimieren wollen. Insbesondere Rüstungsunternehmen, die von vielen SRI und ESG Leitlinien kategorisch als schlecht ausgeschlossen werden, leiden daher unter steigenden Kapitalkosten, die auch geschäftsschädigend sein können. Zusätzlich arbeiten mittlerweile auch Regierungen und internationale Organisationen wie die EU an eigenen ESG Taxonomien, die als Standard regeln sollen, welche Unternehmen auf Finanzmärkten als nachhaltig gelten können und welche nicht. Die Idee dahinter ist, dass staatliche Investitionen in zum Beispiel nachhaltige, grüne Energie insbesondere im Angesicht des Klimawandels nicht ausreichen, um den nötigen Strukturwandel zu stemmen.

Eine ESG Taxonomie soll es privaten Anlegern leichter machen ihre Kapitalströme in „gute“ Unternehmen umzulenken. Das ist prinzipiell eine gute Idee – aber das ist das Problem. Sie ist nur im Prinzip gut, denn die Realität ist leider komplexer und was gut und nachhaltig ist, kann nicht einfach von einer Ratingagentur oder einem Bürokraten in Brüssel errechnet werden.

Gerade bei den vielen frischen Anlegern meiner Generation Z in meinem Umfeld scheinen die jungen Portfolios dennoch fast ausschließlich mit diesen drei Buchstaben durchetikettiert zu sein, alles schön ESG. Entsprechend ertönte von nicht wenigen meiner deutschen Freunde eine gewisse Empörung, wenn sie mal in mein Depot hineinsahen. Dort liegen nämlich bereits seit langem die Aktien der wichtigsten Zulieferer der NATO-Verteidigung wie Rheinmetall, Hensoldt und Lockheed Martin – und das liegt nicht an einem Amoralismus, der mir dann manchmal vorgeworfen wurde. Als Pole bin ich kulturell nämlich mit einer etwas anderen Form von Pazifismus und Moral großgeworden, einer anderen Vorstellung von ESG sozusagen.  Am Baltikum und in Osteuropa hat sich nämlich durch das nicht immer einfache Leben zwischen so Nachbarn wie Deutschland und Russland schon lange die Erkenntnis durchgesetzt, dass die eigene friedliche Existenz nur nachhaltig gesichert werden kann, wenn man nach dem alten Prinzip si vis pacem para bellum dafür sorgt.

Als ich anfing an diesem Essay zu arbeiten, dachte ich auch nicht, dass ich die Rüstungsindustrie als ein einleitendes Beispiel für die Thematik rund um die epistemischen und normativen Probleme von ESG Leitlinien verwenden würde, aber die Welt hat sich radikal verändert. Seitdem die Bilder und die Flüchtlinge aus der unter dem barbarischen Angriffskriegs Putins leidenden Ukraine nach Deutschland strömen, macht sich auch die in Deutschland vergessene Weisheit wieder breit, dass die beste Verteidigung gegen Krieg die Abschreckung durch einen Leviathan mit geschärften Krallen ist. Plötzlich leuchtet es auch in Deutschland einer immer größeren Masse ein, warum es moralisch geboten sein könnte, wenn schon nicht aufzurüsten, dann zumindest für die Verteidigung der eigenen, demokratischen Bündnispartner adäquat gerüstet zu sein. (vgl. Kohler 2022) Ein massiver Paradigmenwechsel setzt gerade ein, wobei die Ankündigung des Kanzlers 100 Milliarden in die Instandsetzung der Bundeswehr zu investieren und die darauf folgende Rally in meinem Depot nur der Anfang zu sein scheinen, da Jahre an falschen Prioritäten neu evaluiert werden müssen. Auch bei ESG setzt ein Umdenken ein. Die von der Politik und der breiten Bevölkerung in den letzten Monaten immer wieder als falsch abgetane Forderung der Rüstungsindustrie in der kommenden EU-Taxonomie für ESG als nachhaltig eingestuft zu werden (vgl. RND 2022), erscheint plötzlich gar nicht mehr so abwegig. (vgl. Kremer 2022) Es ist, zumindest für immer mehr Menschen im Westen, nun offensichtlich, dass eine wehrhafte und damit mit einem entsprechenden militärisch-industriellen Komplex ausgestattete Demokratie, die Grundlage dafür ist, überhaupt ein friedliches Leben zu führen und damit auch nachhaltig wirtschaften zu können.

Es ist schwierig Windräder aufzustellen und Kohlekraftwerke abzuschalten, sich um die Kranken zu kümmern und zu recyceln, wenn Stromnetze, Krankenhäuser und Menschen von den thermobaren Bomben eines Schurkenstaates zerfetzt werden. Man kann nicht einmal vernünftig streiten, ob Atomkraft zur Emissionsreduktion eine sinnvolle Alternative zu fossilen Brennstoffen ist, wenn Kriegsverbrecher Raketen auf ukrainische Atomkraftwerke feuern.

Die Stimmung ist entsprechend gekippt und deutsche Rüstungsunternehmen sind Raketen gleich aus ihrer Unterbewertung zum Mond geschossen, Hensoldt legte zeitweise sogar 120% in einer Woche zu. Dieser rasche Diskurswandel in der Politik und auf den Finanzmärkten bei der Einschätzung wie politisch und ethisch wünschenswert eine funktionierende Rüstungsindustrie in demokratischen Staaten wie Deutschland ist, illustriert ganz gut wie zeitlich fragil, subjektiv, kulturell vorgeprägt und oft gefährlich falsch es sein kann, sich bei der Beurteilung was nachhaltig auf den Finanzmärkten ist auf zentralisierte Institutionen wie Behörden oder Ratingagenturen zu verlassen.  Die zweifelsohne weiterhin nicht abgeschlossenen Debatten um die gegebene oder nicht gegebene Nachhaltigkeit einer Verteidigungsindustrie in demokratischen Staaten soll jedoch hier jedoch ebenso wenig wie die kulturellen Differenzen bei der Moral zwischen Deutschland und der slawischen Welt weiterverfolgt werden – das sind Themen für andere Essays. (Wobei ich diesem Thema sogar bereits selbst eins gewidmet habe.) Hier sollen als sie ein erstes einleitendes Beispiel illustrieren, dass Nachhaltigkeit in einem systematischen Kontext gar nicht so leicht und endgültig zu definieren ist, wie Investoren im Angesicht von ESG Kriterien oft glauben.

ESG Kriterien sollen es Investoren einfacher machen, ihr Geld nachhaltig und ethisch anzulegen, allerdings sind sie dafür kein adäquates Werkzeug. Im Gegenteil, sie sind oft irreführend und sie können sogar gesamtwirtschaftlich und global bei dem Strukturwandel hin zu einer besseren, nachhaltigeren Welt schaden, weil sie unter epistemischen und normativen Defiziten leiden.  Genauso wie ein rein deontologischer Pazifismus zu unterkomplex ist, um ethisch in unserer Welt zu navigieren, sind die drei ESG Kriterien viel zu unterkomplex, um komplexe, adaptive Systeme wie Finanzmärkte in einer globalen, kapitalistischen Wirtschaft nachhaltig zu gestalten.  Im Folgenden will ich aufzeigen, warum Ansätze wie die Vorgabe durch staatliche und nicht-staatliche, zentralisierte Institutionen in Form von ESG Taxonomien bei der Erreichung eines nachhaltigen Strukturwandels weder epistemisch geeignet sind, noch normativ wünschenswert sind. Investoren sollten sich nicht von ESG Ratings leiten lassen. Am Ende sollen Alternativen erörtert werden, welche epistemisch und pragmatisch effizienter und auch normativ wünschenswerter sind. Denn dass wir einen Strukturwandel brauchen hin zu einem nachhaltigeren und sozialeren Kapitalismus, lässt sich im Angesichts der massiven Bedrohung durch den Klimawandel und all des unnötigen Leidens auf dieses Welt, wohl kaum leugnen und wird daher in diesem Essay als gegeben angenommen.

2. Die epistemischen Probleme von ESG Leitlinien

Das Beispiel der Rüstungsindustrie, die vor kurzem verdammt  wurde und nun hofiert wird, zeigt, wie fragil die Wahrnehmung in Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft darüber sein kann, was als nachhaltig und sozial eingestuft wird. ESG Ratings von börsengelisteten Unternehmen versprechen dennoch Anlegern helfen zu können, ihr Kapital nicht nur mit Rendite anzulegen, sondern gleichzeitig auch die Welt dadurch zu verbessern, dass Unternehmen, die das „Gute“ tun, mehr Kapital erhalten. Solche Ratings und Taxonomien suggerieren sogar oft eine gewisse Objektivität, da sie in ihrer Terminologie Kreditwürdigkeits- bzw. Bonitätsratings imitieren, die tatsächlich anhand von objektiven Fakten wie einem gegebenen Cashflow, Eigenkapitalquoten etc. errechnet werden. Ob etwas nachhaltig, sozial gerecht oder fair ist, lässt sich allerdings nicht so leicht quantifizieren und objektiv bestimmen. Das liegt nicht nur daran, dass es keinen Konsens darüber gibt, was als nachhaltig und sozial gilt, sondern das gesamte Unterfangen unter schweren epistemischen Problemen leidet.

2.1 Greenwashing und Blackpainting durch Fehlanreize bei Institutionen

Die wenigsten Investoren haben die Zeit, um ihre Hausaufgaben zu machen und Unternehmen bis in die letzte Fußnote selbst zu prüfen, bevor sie ihr Geld investieren – sogar Profis scheitern daran regelmäßig, sogar wenn es nur um die finanziellen Fundamentaldaten geht. Bei Fragen darum, wie sehr ein Unternehmen zur globalen Erwärmung beiträgt, dagegen steuert oder wie es mit den Menschenrechten am Anfang der Lieferkette irgendwo im Kongobecken oder Xinjiang aussieht, tappen selbst oft Teile des Managements im Dunkeln, da dafür relevante Daten nicht immer erhoben geschweige denn bereitwillig kommuniziert werden (können). Viele Investoren verlassen sich daher darauf, dass spezialisierte Ratingagenturen entsprechende Informationen sammeln, auswerten und in Form ESG-Scores zur Verfügung stellen. Das Problem ist jetzt nicht nur, dass die Datenlage mit der Ratingagenturen arbeiten müssen oft ebenso dünn ist, sondern auch, dass diese Ratings systematisch irreführend sein und niemals objektiv sein können. Dadurch werden Unternehmen und in sie investierende Fonds oft einem Greenwashing unterzogen – d.h. sie werden als nachhaltig eingestuft und an Investoren als ethisch bedenkenloses Investment vermarktet, obwohl sehr zweifelhaft ist, ob sie es tatsächlich sind – und es kommt auch, wenn auch seltener, zu einem Art Blackpainting – Unternehmen werden negativer für die Welt dargestellt, als sie es vermutlich sind.

Einflussreiche, große Institutionen wie börsennotierte Ratingagenturen oder politische Mandatsträger haben viele Stakeholder und eigene Interessen – die mitunter die eigenen Entscheidungen durch entsprechende Incentives strukturell korrumpieren, sodass die Beurteilung davon, was eine ESG Richtline als nachhaltig oder nicht eingestuft ist oft stark subjektiv bis manipulativ ausfallen kann.

Ein Beispiel ist das ESG Rating, welches es von MSCI zur Verfügung gestellt wird und welches sowohl von institutionellen Anlegern als auch privaten Investoren oft hinzugezogen wird, um Investitionsentscheidungen zu filtern. Insbesondere ETFs basieren oft ihre Indexe auf MSCI Produkten. Das Marketing von MSCI und vielen Investmentfonds, die die MSCI Ratings nutzen, verleitet viele Investoren dazu zu glauben, dass MSCIs ESG Kriterien bedeuteten, dass Unternehmen, die negativ zum Klimawandel oder der Menschenrechtslage beitragen, aus entsprechenden Indexen ausgeschlossen werden. Das ist jedoch nur bedingt der Fall. „[…] there’s virtually no connection between MSCI’s “better world” marketing and its methodology. That’s because the ratings don’t measure a company’s impact on the Earth and society. In fact, they gauge the opposite: the potential impact of the world on the company and its shareholders.“ (vgl. Simpson et al. 2021) MSCI ESG Ratings messen also nicht, welche Gefahr ein Unternehmen durch sein Geschäftsmodell für die Welt darstellt, sondern viel eher, wie sehr die Welt durch regulatorische Risiken und Klimawandel das Geschäftsmodell gefährdet.

So wertet MSCI zum Beispiel bei Umweltrisiken unter „Water Stress“ nicht aus, ob ein Unternehmen nachhaltig mit der Ressource Wasser umgeht, indem es Verschmutzung und Übernutzung reduziert, wie es vielleicht ein naiver Investor auf den ersten Blick anzunehmen geneigt ist. MSCI wertet in dieser Kategorie aus, ob ein Unternehmen angesichts des Klimawandels an seinen Produktionsstandorten genug Wasser für die eigene Produktion zur Verfügung hat, unabhängig davon, welche Auswirkung die Nutzung dieses Wassers für die Umwelt hat. Ist dies der Fall, trägt das zu einem höheren Score bei, da das nach MSCIs Verständnis ESG-Risiken für ein Unternehmen reduziert. (vgl. Simpson et al. 2021)

Dies sind jedoch nicht die einzigen Designentscheidungen, die den Score verzerren. Dadurch, dass die drei Dimensionen in einen Score zusammengeworfen werden, kann das Fehlen von negativen Verhaltensweisen auf der sozialen Dimension, negative Verhaltensweise im Umweltbereich ausgleichen. Zusätzlich beziehen diese Ratings auch die Versprechen von Unternehmen mit in die Bewertung, sowie wie sich diese Unternehmen im Vergleich zu ihrer Branche verhalten. Aus einem Konvolut von Faktoren wird so ein Rating generiert, welches für die wenigsten Investoren nachvollziehbar ist und auch zu Ergebnissen führt, die intuitiv nicht korrekt zu sein scheinen. Um es mal an vier Beispiel zu verdeutlichen (die Skala ist CCC – B – BB – BBB – A – AA – AAA):

MSCI bewertet (Stand 11.03.2021) sowohl den Elektrofahrzeugbauer Tesla als auch das Ölunternehmen BP British Petroleum mit A, also beide Unternehmen als relativ durchschnittlich. Ebenfalls durchschnittlich ist mit BBB McDonalds bewertet, eine globale Fastfoodkette, die alleine jedes Jahr Emissionen von 53 Millionen Tonnen CO2 verursacht – mehr als ganz Norwegen. (vgl. Elgin 2021) Im Vergleich dazu hat das Softwareunternehmen Palantir, welches durch Datenintegration und Big-Data Lösungen Behörden und Unternehmen hilft effizienter zu arbeiten – unter anderem auch bei der Reduktion von Emissionen (vgl. Palantir 2021) – ein unterdurchschnittliches Rating von B. (vgl. MSCI 2022) Warum wird jetzt das Ölunternehmen BP, welches unter anderem für die Ölpest im Golf von Mexico im Jahr 2010 verantwortlich ist, als besser eingestuft als das kleine Softwarehaus Palantir? Die Ratio lässt sich von außen für einen Investor ohne einen exklusiven Zugang zu MSCIs gut geschützter Datenbank nicht nachvollziehen.

Tatsache ist aber auch, dass alle vier Unternehmen – inklusive Palantir und BP – sich zum Beispiel im iShares MSCI World ESG Screened UCITS ETF befinden, also einem ETF, der den populären MSCI World Index in einer ESG Variante folgt und in der Summe selbst ein MSCI-ESG Rating von AA hat. Fehlen tun BP und Palantir dann zwar im iShares MSCI World SRI UCITS ETF, der noch stärkeren Nachhaltigkeitskriterien unterliegt. Viele Privatanlegern, die jedoch in den iShares MSCI World ESG Screened UCITS ETF investieren und sich nicht die Zeit genommen haben alle 1.466 Positionen in diesem breit diversifizierten ETF zu prüfen, wären wohl verwundert, wenn sie wüssten, dass auch Ölunternehmen wie BP oder kontroverse BigData Unternehmen wie Palantir sich in ihrem ESG ETF befinden. Was beide ETFs aber definitiv nicht haben: Rüstungsunternehmen, da diese kategorisch ausgeschlossen werden. Dabei sind manche davon nicht nur bei der nachhaltigen Sicherung der Demokratie durch Lieferungen an die NATO-Mitgliedsstaaten relevant, sondern spielen auch manchmal beim Klimaschutz eine Rolle wie z.B. das deutsche Unternehmen Rheinmetall, welches ein wichtiger Lieferant für Wasserstofftechnologie wie Brennstoffzellen ist. So oder so, die Entscheidungen von privaten Anbietern wie MSCI oder BlackRock, was sie als nachhaltig einstufen, entspricht nicht immer unbedingt dem, was ein privater Investor als nachhaltig einordnen würde und den Kriterien mangelt es an Transparenz. Mitunter können sie irreführend sein, da Institutionen versuchen vom zunehmend grünen Bewusstsein durch Greenwashing zu profitieren, wie jüngste Whistleblower-Vorwürfe gegen die Deutsche Bank Tochter DWS nahelegen. (vgl. FAZ 2022)

Nun kann man an dieser Stelle argumentieren, dass das große Problem mit diesen ESG-Ratings ist, dass sie quasi gar nicht reguliert und standardisiert sind. Ratingagenturen wie MSCI nutzen das aus und profitieren von fehlenden Standards, designen aber ihre ESG Ratings auch so, dass sie besonders interessant für ihre Kunden – also institutionelle Investoren wie Vermögensverwalter und ETF-Anbieter – sind, indem sie ESG vor allem aus der Perspektive von Risiken für diese Kunden auslegen, statt im Sinne von Risken für die Welt. Zu einem ist es natürlich auch sehr schwierig objektiv zu beurteilen, was tatsächlich sozial und nachhaltig ist, wodurch solche Ratings immer höchstens eine Approximation darstellen können (dazu mehr in 2.3). Zum anderen würden verbindliche, staatliche Standards dafür sorgen, dass klar ist, wie diese Ratings im Detail funktionieren und dann könnten Investoren sie viel leichter als Entscheidungshilfen hernehmen oder ablehnen. Das stimmt zwar, allerdings leiden staatliche Institutionen unter ähnlichen systematischen Problemen und fehlleitenden Anreizstrukturen wie private Ratingagenturen. Das kann man aktuell sehr gut bei der EU-Taxonomie beobachten.

Die EU-Taxonomie soll einheitlich regeln, welche Unternehmen als nachhaltig und sozial gelten und durch eine daran gekoppelte Sustainable Finance Verordnung dann Finanzinvestoren wie Rentenfonds und ETF-Anbieter dazu zwingen, offenzulegen, ob und wie Taxonomie-konform sie investieren. Nur wenn Fonds den Vorgaben der Taxonomie entsprechen, dürfen sie sich selbst als grün bzw. nachhaltig vermarkten. Fonds könnten dann natürlich sich noch immer entscheiden, Nachhaltigkeit anders als die Taxonomie zu interpretieren, aber da sie dann nicht mehr damit effektiv werben könnten, kann man davon ausgehen, dass jene, die Investoren mit einer grünen Strategie überzeugen wollen, sich an dieser Taxonomie orientieren werden. Die Folge was Kapitalströme angeht, wären damit – zumindest anfangs (mehr dazu in 3.1) – massiv, da insbesondere die Kapitalmarkt freundlicheren Generationen Millennials und Gen Z stark auf das ESG Label setzen, um nachhaltig zu investieren, sodass die Taxonomie zur Billionen schweren Neuallokationen auf dem Kapitalmarkt führen würde. Das ist auch das Ziel der EU, die so massiv private Investitionen in den Strukturwandel hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft stimulieren will.

Dass dadurch eventuell auch Kapital von für die EU wichtigen Bereichen, insbesondere im Energiesektor, abfließen könnte, ist man sich auch in Brüssel bewusst. Entsprechend sehen die aktuellen Entwürfe der EU vor, dass Atomkraft und Gas zur Stromerzeugung, als nachhaltig eingestuft werden, obwohl sie nicht wirklich mit dem Ideal einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft vereinbar sind. Das hat zu vielen Kontroversen geführt und es lässt sich auch nur schwer leugnen, dass hier offensichtliche politische Interessen im Spiel sind, da viele EU-Staaten wie Frankreich auf Atomenergie oder wie Deutschland auf Gas angewiesen sind. (vgl. Deutschlandfunk 2022) Begründet wird der Zug öffentlich eher damit, dass Gas und Atomkraft wichtige Übergangslösungen sind auf dem Weg von der Verbrennung fossiler Brennstoffe bis hin zu einer Versorgung mit reinem Ökostrom. Das mag durchaus wahr sein, illustriert aber zwei Probleme: Erstens, institutionelle Interessenskonflikte führen dazu, dass Definitionen und Standards nicht wirklich zuverlässig und objektiv sind, und zweitens: Nachhaltigkeit lässt sich epistemisch in einem systematischen Kontext gar nicht so leicht definieren, da ESG Ratings für einzelne Unternehmen in einer kapitalistischen Wirtschaft wenig Sinn machen.

 

2.2 Systematische Interdependenzen

Ein einzelnes Unternehmen oder einen einzelnen Sektor als gut oder böse einzustufen, kann man zu einem gewissen Grad noch im sozialen Bereich tun, wenn es darum geht zu bewerten, wie sehr Gesetze und Menschenrechte respektiert werden – auch wenn solche Bewertungen stets zeitlich fragil bleiben. Im Bezug aber auf für die meisten wichtigsten Faktoren, nämlich wie sehr ein Unternehmen oder ein Sektor zum Umwelt- und Klimaschutz beiträgt oder schadet, ist das viel schwieriger. Epistemisch lässt sich das auch in den meisten Fällen kaum rechtfertigen ein Unternehmen mit einem ESG Rating isoliert als nachhaltig oder nicht-nachhaltig zu beurteilen.

Das liegt daran, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem auf Arbeitsteilung und Handel basiert. Unternehmen spezialisieren sich, stellen einzelne Produkte oder Dienstleistungen her und verkaufen diese in der Wertschöpfungskette weiter. Jedes Unternehmen ist somit in ein komplexes Cluster von diversen In- und Outputs eingebettet und jedes Unternehmen ist selbst ein Teil zahlreicher, oft globaler Wertschöpfungsketten. Ein einzelnes Unternehmen kann dabei selbst umweltschädlich sein, jedoch ist diese Umweltschädlichkeit an dieser Stelle in der Wertschöpfungskette manchmal nicht vermeidbar und sogar notwendig, um am Ende der Wertschöpfungskette ein klima- und umweltfreundliches Produkt zu erschaffen.

Lasst uns das an einem Beispiel illustrieren, indem wir uns Windräder ansehen. Unternehmen, die Windräder produzieren und aufstellen wie zum Beispiel Ørsted, gehören mit AAA-Bewertungen in quasi allen ESG Ratings, zu den am besten bewerteten Unternehmen überhaupt. Ihre Produkte tragen schließlich ja auch zur grünen Transformation bei und ermöglichen eine weitestgehend emissionsfreie Stromversorgung. Um Windräder zu bauen, sind allerdings allerlei Industrieprodukte nötig, wie zum Beispiel zum Verkleben und Festigen der Rotorblätter der Einsatz von Epoxidharzen, wie sie von Chemieunternehmen wie BASF hergestellt werden. (vgl. Schulze, 2010) Woraus werden sie hergestellt? Aus Erdöl. Weder die Chemieunternehmen, noch die Ölunternehmen, noch die Bergbauunternehmen noch die Zementunternehmen, welche alle notwendig sind, um die Rohmaterialien für Windräder herzustellen, sind in ihrer Produktion an sich nachhaltig. Entsprechend sind sie in der Regel weit entfernt von einem AAA Rating wie Ørsted. Allerdings sind all ihre Produkte notwendig, damit ein nachhaltiges Produkt wie ein Windrad entstehen kann, welches langfristig die Energie erzeugt, die es ermöglicht, sich systematisch von fossilen Gütern wie Öl loszulösen. Ebenso brauchen wir, während wir uns von Kohle und Öl als Energieträger verabschieden, Übergangslösungen wie Atomkraft und das zumindest etwas weniger umweltschädliche Gas, da es nicht möglich ist, von einem Tag auf den nächsten komplett auf nachhaltigen, grünen Strom umzustellen, da entsprechende Speichertechnologien und nachhaltige Stromquellen wie Solar und Wind erstmal mit einem hohen Energieaufwand entwickelt und aufgebaut werden müssen – und die Energie dafür muss irgendwo herkommen. Man muss Emissionen erzeugen bzw. Energie investieren, um langfristig Emissionen zu reduzieren.

Dieses Paradoxon, dass gewisse nicht-nachhaltige Praktiken notwendig sind, um langfristig zu einem insgesamt nachhaltigen System zu gelangen, ist eine strukturelle Herausforderung, die von ESG Ratings nicht gelöst, sondern sogar verschärft wird. Wenn Investoren sich an ESG Kriterien orientieren und dadurch weniger Kapital in Unternehmen investieren, die am Anfang der Lieferketten von nachhaltigen Unternehmen stehen, dann steigen – zumindest kurzfristig, siehe 3.1 – die Kapitalkosten für diese Unternehmen, was ihre Finanzierung und letztendlich ihren Out-Put gefährden kann. Das kann dazu führen, dass der Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur teurer und langsamer wird, als gewünscht, weil sich das von ESG Leitlinien gerichtete Kapital nicht effizient entlang der Wertschöpfungskette, sondern nur an deren als nachhaltig gelabelten Ende allokiert.

Ein Beispiel, das dieses Dilemma illustriert, welches von plumpen ESG-Ratings, die sich nur auf einzelne Unternehmen konzentrieren, verschärft ist, ist der Bedarf und die Finanzierung von für nachhaltige Technologien notwendigen Rohstoffen wie Lithium und Kobalt für Batterien. Um von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Gas und Öl wegzukommen, braucht es Speichertechnologien und elektrische Mobilität, doch diese Systeme brauchen seltene Erden wie Lithium und Kobalt, die erst massenhaft abgebaut werden müssen.  Bergbauunternehmen, die aber Lithium abbauen, werden vermutlich nie ein AAA Rating bekommen, weil selbst wenn sie die Emissionen durch den Einsatz von grünem Strom und Wasserstofftechnik reduzieren, wird ihr Geschäftsmodell die Extraktion endlicher Ressourcen bleiben. Langfristig, wenn genug Ressourcen aufgebaut wurden, das Bevölkerungswachstum zum Ende dieses Jahrhunderts sich endgültig umkehrt und Recyclingmethoden eine vollständige Kreislaufwirtschaft ermöglichen könnten, wird es eventuell möglich sein Bergbau signifikant zu reduzieren. Aber bis dahin wird es notwendig sein, lokal Ressourcen wie Lithium, Kobalt oder Öl für Verbundstoffe nicht-nachhaltig aus der Erde zu extrahieren, um die Materialien zu gewinnen, die zum Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft notwendig sind. Und es wird notwendig sein, viel Kapital in diese Branchen zu investieren, damit sie sich überhaupt nachhaltig wandeln zu können – ein Bergbauunternehmen, dessen Kapitalkosten steigen, weil es ein schlechtes ESG-Rating hat, wird es auch schwieriger haben das Kapital einzusammeln, welches es braucht, um sein Geschäftsmodell in ein nachhaltigeres zu transformieren. Wenn man einem Unternehmen Investitionen verweigert, weil es noch keine elektrischen Bagger und wasserstoffbetriebene Hochöfen hat, wird es für dieses Unternehmen auch schwieriger diese anzuschaffen. Dieses Problem kann aber durch eine Welt, in der ESG Leitlinien zum Standard werden, gerade entstehen.

Wenn wir also einen nachhaltigen Strukturwandel haben und in diesen investieren wollen, reicht es nicht, sich anzusehen welches einzelne Unternehmen gerade nachhaltig ist oder verspricht nachhaltig zu werden, denn diese Perspektive bietet zu wenig Information und ist zu wenig in den komplexeren, weiteren Kontext eingebettet. Man muss sich gesamte Wertschöpfungsketten ansehen – und zum Teil muss gerade in diese Unternehmen investiert werden, die gerade noch nicht nachhaltig sind, damit diese überhaupt nachhaltig werden können oder damit das ganze System nachhaltig werden kann.

Was allerdings in diesem breiteren Kontext als nachhaltig eingestuft werden, ist nichts was zentrale Behörden wie Staaten oder Ratingagenturen normativ entscheiden können sollten – siehe 3.2 – noch tatsächlich epistemisch in der Lage sind zu beurteilen.

2.3 Anmaßung von Wissen

Was ist eigentlich wirklich nachhaltig? Ist Atomkraft nachhaltig? Oder ist es das nicht? Ist ein Chemieunternehmen nachhaltig, wenn es Epoxidharze für Windräder produziert? Was ist aber, wenn es gleichzeitig Pestizide oder Treibstoff produziert? Was ist, wenn man es im größeren Kontext essentieller Wertschöpfungsketten bei der grünen Transformation betrachtet? Selbst wenn es eine objektiv erfassbare Nachhaltigkeit oder Schädlichkeit gibt, so ist diese in einem kapitalistischen Marktsystem durch Interdependenzen so komplex, dass sie sich weder in einem einfachen Rating ausdrücken, noch zentral erfassen lässt. Das liegt daran, dass es epistemisch nicht möglich ist einer einzelnen Institution, ganz zu schweigen eine, einzelnen Individuums, die komplexe Wirklichkeit einer Weltwirtschaft vollständig zu erfassen. Wissen über die Welt ist in einer Gesellschaft immer dezentralisiert, verteilt auf unzählige Individuuen, weil jede Person, selbst wenn sie ihr ganzes Leben studiert und alle möglichen Daten zur Verfügung hat, immer nur einen Ausschnitt der ganzen Welt erlebt und verarbeitet. Eine einzelne Person oder Gruppe von Personen kann daher niemals im Alleingang ein vollständiges Wissen über globale Zusammenhänge haben. Der Versuch aber mit Ratings und Taxonomien Unternehmen oder Sektoren in ihrer Nachhaltigkeit detailliert zu bestimmen und einzuordnen ist genau der Versuch dies zu tun– und damit eine Anmaßung von Wissen, die zum Scheitern verurteilt ist. Nicht nur das, sie ist eine Anmaßung, die im besten Fall nichts und schlimmsten Fall das Gegenteil ihrer Ziele – die Schaffung einer besseren Welt – erschafft.

Wenn wir ein Wirtschaftssystem rational – und damit auch nachhaltig, denn Nachhaltigkeit ist rational – gestalten wollen, müssen wir uns der dezentralisierten Natur des Wissens bewusst sein, die erstmal F.A. Hayek prominent in seinem Essay „The Use of Knowledge in Society“ aufzeigte.

 „The peculiar character of the problem of a rational economic order is determined precisely by the fact that the knowledge of the circumstances of which we must make use never exists in concentrated or integrated form, but solely as the dispersed bits of incomplete and frequently contradictory knowledge which all the separate individuals possess. The economic problem of society is thus not merely a problem of how to allocate “given” resources-if ”given’ is taken to mean given to a single mind which deliberately solves the problem set by these “data.” It is rather a problem of how to secure the best use of resources known to any of the members of society, for ends whose relative importance only these individuals know. Or, to put it briefly, it is a problem of the utilization of knowledge not given to anyone in its totality.“ (Hayek 1945, S.1ff)

„If we can agree that the economic problem of society is mainly one of rapid adaptation to changes in the particular circumstances of time and place, it would seem to follow that the ultimate decisions must be left to the people who are familiar with these circumstances, who know directly of the relevant changes and of the resources immediately available to meet them. We cannot expect that this problem will be solved by first communicating all this knowledge to a central board which, after integrating all knowledge, issues its orders. We must solve it by some form of decentralization.“ (Hayek 1945, S.7)

Wie kann allerdings Wissen – zum Beispiel über relative Knappheiten, aber auch Nachhaltigkeit – effizient und dezentralisiert in einem Wirtschaftssystem verarbeitet werden, wenn zentralisierte Lösungen wie zum Beispiel ESG-Ratings epistemisch nicht in der Lage sind das Wissen effizient zu verarbeiten und die Wirklichkeit abzubilden? Die Lösung dafür ist tatsächlich der Markt. Märkte fungieren nämlich über den Preismechanismus wie gigantische Rechenmaschinen, bei denen das dezentralisierte Wissen einzelner Akteure durch Preise ausgedrückt und verrechnet wird. Wenn zum Beispiel ein ukrainisches Ackerfeld durch russischen Raketenbeschuss niederbrennt und die globale Weizenproduktion und damit das Angebot sinkt, steigen die Weizenpreise, wodurch Menschen am anderen Ende der Welt – selbst wenn sie nichts von dem Niederbrennen des Ackerfelds wissen – beginnen aus ökonomischer Ratio heraus, weniger Weizen zu konsumieren und zum Beispiel auf andere Grundnahrungsmittel umzusteigen. Während gleichzeitig der steigende Preis Anreize für Bauern in anderen Ländern der Welt setzt, noch mehr Weizen auszusäen oder durch Innovation die Effizienz bei der Ernte zu steigern, wodurch der Ausfall der Produktion in der Ukraine langfristig durch die Steigerung der Produktion oder Innovation durch neue Technologien an einem anderen Ort der Welt ausgeglichen wird. Ohne dass eine zentrale Stelle irgendetwas verrechnet oder entschieden hat, hat der Preismechanismus global eine soziale Koordination in Bewegung gesetzt, um Ressourcen effizient neu zu allokieren und Innovationen anzukurbeln.

In den Preismechanismus fließen jedoch nicht nur Informationen über relative Knappheiten, sondern auch das Wissen über Risiken. Wenn Risiken steigen, verlangen Akteure höhere Preise, um sich gegen diese Preise abzusichern, was das Kapital allokiert, um Absicherungen gegen diese Risiken zu schaffen oder neue Alternativen zu entwickeln. Da der Klimawandel und unsoziales Handenl – den richtigen ordnungspolitischen Rahmen vorausgesetzt – erhebliche Risiken für Unternehmen und die Welt, deren Teil wir alle sind, darstellen, werden auch diese auf Märkten durch neue Allokationen von Kapital hin zu Innovation und mehr Umweltschutz gedrängt, ohne dass ein ESG Rating notwendig wäre. (vgl. Skrobisz, 2021)

Das bedeutet allerdings auch, dass die Risiken durch Umweltzerstörung, Menschenrechtsverstöße und Klimawandel auch bereits auf den Märkten eingepreist sein sollten. Wenn das allerdings der Fall ist, wonach auszugehen ist, wozu braucht es dann ESG Ratings? Im besten Fall sind sie nutzlos und im schlimmsten Fall verzerren sie nur Perspektive von Investoren auf den Wert eines Unternehmens, was zu Fehlallokationen von Kapital führt. Womit wir zu den normativen Problemen rund um ESG Ratings und Taxonomien kommen.

3. Die normativen Probleme von ESG Leitlinien

3.1 ESG Taxonomien können Nicht-ESG Investments rentabler machen

Rendite auf dem Kapitalmarkt sind metaphorisch eine Art von Belohnung für die korrekte Allokation von finanziellen Ressourcen ergo Kapital. Wenn ein Investor sein Geld in ein Unternehmen investiert, welches in der Zukunft einen steigenden Mehrwert produziert, der sich finanziell materialisiert, so wird ein Investor mit einer Wertsteigerung seiner Investition belohnt. Wenn er sein Geld in ein Unternehmen investiert, welches in der Zukunft schlechter läuft als er dachte, wird er mit einer negativen Rendite bestraft, die bis hin zum Totalverlust reichen kann, wenn das Unternehmen insolvent geht. Hohe Risiken drücken so auf die Bewertung.

Wenn viele Investoren aufgrund ihrer Analysen und ihres Wissens der Meinung sind, dass ein Unternehmen in der Zukunft gut laufen wird, kaufen sie zum Beispiel dessen Aktien. In der Folge steigt die Nachfrage an diesen Aktien und mit ihr Preis und Bewertung. Wenn Investoren der Meinung sind, dass ein Unternehmen keine Zukunft hat, verkaufen sie die Aktie, wodurch das Angebot steigt und der Preis sinkt. Dadurch ist der Preis einer Aktie theoretisch das Ergebnis von mitunter von Millionen von Transaktionen, welche quasi das dezentralisierte Wissen einrechnen für wie wertvoll und riskant ein Unternehmen von der Summe der Marktakteure gehalten wird. Folgt man der Markteffizienzhypothese (vgl. Fama et al., 1970) werden durch diesen Prozess in einem Aktienkurs alle (öffentlich) verfügbaren Informationen verrechnet zur Lage des Unternehmens, sowohl mikro- als auch makroökonomisch. Das führt langfristig dazu, dass Kapital von Unternehmen, die keine Zukunft haben (z.B. durch fehlende Nachhaltigkeit) und nicht wirtschaftlich sind, abfließt und in zukunftsträchtige Unternehmen effizient allokiert wird. Kommen neue Informationen hinzu, dann werden sie durch den Prozess der Preiserkennung dadurch eingearbeitet, dass der Preis durch Transaktionen entsprechend nach oben oder unten korrigiert wird.

Dieser Prozess der Preiserkennung ist jedoch nur langfristig effizient, kurzfristig kann es zu Ineffizienzen kommen, weil nicht alle Marktteilnehmer rational handeln oder bestimmte Informationen falsch oder gar nicht eingepreist wurden. Auch verzerren kurzfristig oft Emotionen wie Euphorie, Panik oder eben das Bestreben in das vermeintlich moralisch Richtige mehr als es korrekt wäre zu investieren kurzfristig Preis, aber langfristig werden solche emotionalen, systematischen Fehlkalkulationen durch den Markt wieder ausgebügelt. Oder wie es die alte Börsenweisheit formuliert, die auf Benjamin Graham zurückgeht: „In the short-run, the stock market is a voting machine. Yet, in the long-run, it is a weighing machine.“ Und man kann mit Emotionen oder ESG-Labels das reale Gewicht – im Sinne des Wertes für die Welt – eines Assets nicht verändern, nur das Sentiment quasi das Voting beeinflussen.

Ein Investor, der erkennt, dass der Markt eine Information noch nicht richtig eingepreist hat oder zu emotional ist und daher eine Aktie den falschen Preis hat, kann dies ausnutzen, um eine Überperformance zu erzielen.

ESG Ratings können, insbesondere wenn sie nicht objektiv sind – was sie der Natur der Sache nie sein können, siehe 2.1 und 2.3 – zu systematischen Störungen im Prozess der Preiserkennung und damit Ineffizienzen auf dem Markt führen, die von Investoren, die gegen den Trend gehen, ausgenutzt werden können. Ein Beispiel für eine dafür sind massive Investitionen durch passive Fonds, die sich statt rational an den zukünftigen Mehrwert eines Unternehmens zu orientieren, blind ESG Kriterien folgen – oder eben Unternehmen ausschließen, weil sie nicht ESG konform sind. ESG Ratings verändern jedoch zumindest kurzfristig wenig an der fundamentalen Lage eins Unternehmens, sodass durch von ESG Rating geleiteten Investitionsentscheidungen Kapital nicht mehr effizient allokiert wird. Unternehmen, die hohe ESG Ratings haben, erhalten dann – zum Beispiel durch ESG ETFs – mehr Kapital, als sie eigentlich brauchen und wert sind, während Unternehmen, die schlechte ESG Ratings haben oder gleich ausgeschlossenen werden – weniger Kapital zugewiesen bekommen, als sie eigentlich nach der Informationslage bräuchten.

Ein praktisches Beispiel dafür ist meine persönliche Geschichte aus der Einleitung. Ich sah, dass (insbesondere deutsche) Rüstungsunternehmen 2021 historisch niedrig bewertet waren auf dem Aktienmarkt, obwohl ihre Umsätze und Gewinne stiegen und militärische Konflikte durch den ökonomischen Fallout von Coronapandemie, den wachsenden geopolitischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland und China und den Klimawandel immer wahrscheinlicher wurden. Warum sie niedrig bewertet wurden? Das lässt sich nicht zweifelsfrei sagen, aber ein maßgeblicher Faktor scheint tatsächlich der ESG Trend zu sein: Institutionelle Anleger verkauften massenhaft Rüstungsunternehmen, weil diese schlechte ESG Ratings hatten oder gar ganz von den immer populäreren SRI Finanzprodukten ausgeschlossen wurden. Der Markt verhielt sich ineffizient, weil Rüstungsunternehmen weniger stark bewertet wurden und weniger Kapital zugewiesen bekamen, als sie es angesichts ihrer Finanzlage und Zukunftsaussicht sein sollten. Individuuen wie meine Wenigkeit, die das sahen und gegen den ESG Trend und deutsche Moral gingen, konnten diese Aktien billig kaufen, und als der Mainstream der Marktakteure im Frühjahr 2022 im Angesichts der Barbarei in der Ukraine aufwachte und realisierte, dass Verteidigung doch eventuell wichtig ist, korrigierte der Markt massiv nach oben. Ich profitierte und performte mal wieder deutlich meine Freunde mit ihren MSCI ESG Produkten aus.

Wenn immer mehr Privatanleger, sowie die Institutionellen Anleger, deren Kunden sie sind, sich entscheiden blind ESG-Ratings bei ihren Anlagen zu folgen, wird das immer mehr zu systematischen Verzerrungen und ineffizienten Allokationen von Kapital führen. Kurzfristig wird das die Folge haben, dass – wie in 2.2 skizziert – für einen nachhaltigen Strukturwandel wichtige Unternehmen mit niedrigen ESG-Ratings in der Wertschöpfungskette an steigenden Kapitalkosten leiden. Langfristig wird das durch unvermeidliche Korrekturen Anlegern, die gegen ESG wetten, überdurchschnittliche Rendite ermöglichen. Und noch langfristiger, könnte der Markt so sämtliche Versuche Kapitalströme in ESG Anlagen umzulenken wieder umkehren, da immer mehr Menschen diese Ineffizienzen ausnutzen würden, bis sie weg-arbitriert sind. Bereits jetzt gibt es Investoren, die überdurchschnittliche Rendite erzielen, indem sie auf sogenannte Sin-Stocks wetten, weil diese durch den ESG-Trend öfter häufiger unterbewertet sind. (vgl. Masters 2021)

Das wirft jedoch moralische Fragen auf: Privatanleger werden mit ESG Finanzprodukten damit gelockt, dass sie so ihr Geld mit einem guten Gewissen vermehren können. Viele, die sich wenig mit Finanzen beschäftigen wollen, schlagen zu und investieren passiv in ESG bereinigte ETFs und Fonds. Langfristig setzt sich jedoch auf Märkten die Effizienz durch, sodass die systematischen Verzerrungen weg-arbitriert werden zugunsten von Investoren, die gegen ESG-Labels wetten. Das Ergebnis wäre, dass ESG-Standards auf den Finanzmärkten Investitionen in nicht-nachhaltige Assets lukrativer gemacht hätten – auf Kosten auf Privatanlegern, die sich ein gutes Gewissen kaufen wollten.

Oder wie schon in 2.3 geschrieben: Es ist bereits eingepreist. Die Märkte sind langfristig rational und zu glauben, sie mit ESG Ratings rationaler zu machen ist eine Anmaßung von Wissen im besten Fall – Täuschung von Privatanlegern und die Tür zur Knechtschaft im schlimmsten Fall. Wenn Anleger blöd Aktien kaufen, nur weil ein grüner Sticker draufklebt, ohne eigene Untersuchungen anzustellen und Informationen einzubringen, hat das mit intelligenter und effizienter Kapitalallokation so viel zu tun wie McDonalds mit ausgewogener Ernährung. Inneffizienzen und Blähungen auf dem Markt sind damit vorprogrammiert. Aus Investorensicht kann ich die sich damit eröffnenden Profitchancen für mich nur begrüßen; als politischer Ökonom kann ich aber solch ein dummes Herdenverhalten und die Animation dazu durch Labels ethisch und damit normativ nur verurteilen.

3.2 Zentralismus und Moralismus als Weg zur Knechtschaft

Wenn ESG Taxonomien nutzlos sind, weil nach kapitalistischen Prinzipien operierende Märkte Risiken wie den Klimawandel auch von selbst einpreisen oder irrationale Allokationen wieder korrigieren, selbst wenn sie politisch erwünscht sind, liefert das politisch die Grundlage noch stärker in Finanzmärkte zu operieren. Der Wunsch Märkte politisch zu steuern – und der Versuch dies durch die zentralisierte Auswertung von Daten in Form von ESG-Taxonomien und Ratings zu tun – führt zu einer immer stärkeren Zentralisierung von Macht und nimmt bereits die Grundgedanken einer Planwirtschaft vorweg. Das ist nämlich was im Kern als Prämisse hinter dem Versuch ESG-Leitlinien zu erstellen steht: Die Überzeugung, dass Bürokraten zentralisierter Behörden besser wissen, wohin Kapital allokiert werden sollte, als der Markt; eine gefährliche Anmaßung von Wissen und eine im Prinzip anti-liberale Mentalität, die der Selbstorganisation einer freien Gesellschaft mit freien Märkten misstraut. Damit könnte der Versuch ESG Taxonomien staatlich zu standardisieren und zu forcieren, ein erster Schritt auf dem Weg zur Knechtschaft sein, wie ihn Hayek in seinem Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ von 1945 skizziert. In dem Versuch ESG Taxonomien auf Finanzmärkte und damit Moral auf Märkte aufzuzwingen, ist eine Absage an die Überzeugung dass freie Märkte effizient operieren können und ein erster Schritt zu einer Anmaßung von Wissen, wie sie planwirtschaftlichen und schließlich totalitären Denken vorausgeht. Dies kann im Hinblick auf die historischen Erfahrungen normativ nicht erwünscht sein, sodass man sich bereits gegen diese Anfänge wehren muss.

4. Alternativen zu ESG für den nachhaltigen Strukturwandel

Das Problem, welches es zu lösen gilt, ist ein systematisches: Wie schaffen wir es, die gesamte Wirtschaft in der Summe nachhaltig und sozial zu transformieren (die Wirtschaft in der Summe, jedes einzelne Unternehmen ist utopisch, siehe 2.2)? Der Ansatz von ESG hier auf der Finanzmarktebene vorzugehen, ist der falsche, denn Finanzmärkte spiegeln langfristig nur die fundamentale Realität wieder. Was wir tun müssen, ist die fundamentale wirtschaftliche Realität ändern und das tun wir, indem wir vor allem ordnungspolitisch einen Rahmen schaffen, der dafür sorgt, dass Externalitäten wie Umweltverschmutzung, Emissionen und Menschenrechtsverstöße auf Märkten stärker eingepreist werden. Hier kann und muss der Staat auf drei Weisen effektiv regulatorisch eingreifen, ohne eine Anmaßung von Wissen auf Märkten zu betreiben oder sich auf den Weg zur Knechtschaft zu begeben.

Um dabei nicht zu Störungen des Prozesses der Preiserkennung zu führen und einen Wettbewerb zu wahren, müssen diese Regularien undifferenziert alle Unternehmen betreffen, um effektiv zu sein und eine systematische Wirkung zu erzielen.

4.1 Schädliche Praktiken kriminalisieren

Das einfachste, was ein Staat tun kann, ist Praktiken, die allgemein als unerwünscht eingestuft werden, zu verbieten. Wie genau die zu verbietenden Praktiken zu ermitteln sind, ist Thema eines eigenen Essays, aber der Staat kann hier sehr weit gehen. Er kann für die Menschenrechte Kinderarbeit kriminalisieren, aber auch ausbeuterische Arbeitspraktiken; durch Lieferkettengesetze entlang der gesamten Wertschöpfungskette und weiter über die eigenen Grenzen hinaus. Genauso kann ein Staat theoretisch Technologien verbieten, die als klimaschädlich angesehen werden, was sehr effektiv sein kann, insbesondere wenn es im Zuge einer internationalen Kooperation weltweit geschieht und mit einer Frist, da dies auch die Innovation ankurbelt, da Unternehmen dann gezwungen werden neue, klimafreundlichere Technologien zu entwickeln. Das Vorhaben der EU bis 2035 alle Verbrennermotoren zu verbieten ist ein gutes Beispiel dafür (vgl. Abrahamczyk, 2021) da es effektiv Autobauer zwingt emissionsfreie Alternativen zu entwickeln und gleichzeitig ihnen genug Zeit lässt, das zu tun, ohne ihnen dirigistisch vorzuschreiben, wie sie es tun sollen. So werden die kompletten Wertschöpfungsketten zu einer Veränderung stimuliert und das dezentralisierte Wissen in der Gesellschaft mobilisiert, anders als bei Investitionen nach ESG-Leitlinien. Je härter die juristischen Strafen und Sanktionen für Verstöße gegen Menschenrechtsstandards, Umweltverschmutzung etc. desto stärker die mit ihnen verbundenen Risiken, sodass die Assoziation damit unrentabel wird, und Kapital sinnvoller in nachhaltige, gute Unternehmen allokiert wird. Ganz ohne ein Label.

4.2 Preise für Emissionen

Ein effektives Mittel, um Nachhaltigkeit im Hinblick auf Klimaschutz entlang von Wertschöpfungsketten zu erzeugen und auch das dezentralisierte Wissen in der Gesellschaft zu mobilisieren, ist Emissionen zu bepreisen. Das kann durch von im Laufe der Zeit immer weniger werdender Zertifikate für Emissionen oder im Laufe der Zeit steigender Steuern für Emissionen geschehen. Diese zwingen Unternehmen Externalitäten noch stärker einzupreisen, was auch zu einer nachhaltigen Veränderung auf der fundamentalen Ebene führt – und nicht nur auf der Kapitalmarktebene wie bei ESG-Ratings. Gleichzeitig ermöglicht es eine Verarbeitung des Wissens zu Kosten von Umweltbelastung entlang der Wertschöpfungskette und löst weitestgehend das Paradox emissionsreicher Lieferketten; da zum Beispiel Windkraftbauer und Ökostrombetreiber dann ihre überschüssigen Zertifikate an ihre Lieferketten weiterverkaufen können. So löst der Markt mit seinen Preismechanismen dezentralisiert das Problem einer effizienten Emissions- und Kapitalallokation. Die Reduktion von Emissionszertfikaten oder der steigende Preis für Emissionen treibt dann jeweils die Innovation zu einer Dekarbonisierung voran. (vgl. Hüther 2022)

4.3 Radikale Transparenzpflicht

Damit Marktakteure ihr Kapital rational und effizient und damit langfristig auch nachhaltig anlegen können, müssen relevante Informationen öffentlich sein, damit sie im Zuge des Prozesses der Preiserkennung effizient eingepreist werden können. ESG Ratings und Taxonomien als zentralisierte Anmaßung von Wissen sind hier ineffizient bis nutzlos und kostenintensiv bis normativ fragwürdig. Der Staat sollte daher Marktakteuren es stattdessen erleichtern, die Risiken durch Klimawandel und sozial schädliches Agieren einzupreisen, indem er Unternehmen zu einer radikalen Transparenz zwingt. Zusätzlich zu finanziellen Fundamentaldaten, sollten Unternehmen in ihren Quartals- und Jahresberichten juristische Auseinandersetzungen rund um Soziales, Emissionen, Ressourcenverbrauch etc. publizieren. Des Weiteren wichtige quantifizierbare Daten zum Ressourcenverbrauch, Recyclingquote und Emissionen. Je mehr Informationen öffentlich sind, je gläserner die Unternehmen, desto besser, da so kriminelle Aktivitäten unterbunden werden und Märkte effizienter, rationaler und damit langfristig auch nachhaltiger Ressourcen und Kapital allokieren können.  Gleichzeitig erhöht eine radikale Transparenz nicht nur die Effizienz von Kapitalmärkten, sondern setzt auch starke Anreize für Unternehmen nachhaltiger und ethischer zu handeln, da sie so einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt sind und Reputationsschäden durch schädliche Praktiken wahrscheinlicher werden. (vgl. Fagotto, Graham 2007)

5. Schlussbemerkungen

Wir alle wollen in einer besseren Welt leben, doch um das zu erreichen, brauchen wir die rationalsten und effizientesten Prozesse der Ressourcenallokation. Diese bieten weder Analysten in Agenturen noch Bürokraten in Behörden, die irgendwelche Etiketten verteilen und sich anmaßen zu wissen und anzuordnen, wo lang es zu marschieren gilt. Noch können wir uns faul auf unzuverlässige Labels verlassen. Epistemisch ist kein einzelnes Individuum in der Lage zu erkennen, was das beste für die ganze Welt ist – daher müssen wir mit einer sokratischen Demut dies anerkennen und mit einer kynischen Skepsis all jenen begegnen, die behaupten, sie wüssten mit Sicherheit in welche Kategorien – ob schwarz oder weiß, ob gut oder böse, ob AAA oder B – die Welt gelabelt gehört. Jeder von uns kann aber und muss selbst in den Bereich, über den er Wissen verfügt daran arbeiten die Welt zu verbessern, die richtigen Entscheidung zu treffen, in der fundierten Hoffnung, dass in der Summe all unserer Entscheidungen, die Rationalität sich durchsetzt und der Schleier kultureller Vorprägungen, falscher Deontologieen und Vorurteile, der jeden einzelnen von uns hier und da blendet, dadurch zerschnitten wird.

Die Welt wird nur besser, wenn die ganze Menschheit in einer großen, kollektiven und dezentralisierten Anstrengung die Verbesserung der Welt angeht – und das einzige System, welches in der Lage ist solch eine globale Anstrengung rational zu ermöglichen und effizient zu koordinieren ist der kapitalistische Markt, der dies bereits tut. Das er das tut, kann und sollte für uns alle eine große Quelle der Hoffnung darstellen. Wenn die Vergangenheit der letzten Jahrzehnte ein Indikator für die Zukunft sein soll, dann wird er mit den richtigen politischen Rahmungen die Vernunft langfristig durchsetzen und mit Wundern der Innovation und des Wohlstandes die Welt für uns Menschen langfristig und nachhaltig besser und besser machen.


Bei diesem Essay handelt es sich um die Ausformulierung der persönlichen Meinung des Autors, nicht um eine qualifizierte Finanz- und/oder Anlageberatung. Dieser Essay wurde vom Autor eigenständig verfasst. Trotz sorgfältiger Recherche, sind Fehler nicht ausgeschlossen.

Mögliche Interessenskonflikte: Der Autor hält zum Zeitpunkt der Niederschrift und Abgabe (14.03.2022) dieses Essays Anteile an folgenden, im Essay direkt oder indirekt erwähnten Unternehmen: BP, Palantir, Rheinmetall, Hensoldt, AeroVironment, Raytheon und Lockheed Martin sowie das auf Kreislaufwirtschaft und Recycling spezialisierte Veolia. Des Weiteren hält er den iShares Global Clean Energy UCITS ETF, in welchem das Unternehmen Ørsted eine der größten Positionen darstellt.


Quellen

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Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz(2022): Sustainable Finance-Taxonomie. BMWI, zuletzt aktualisiert am 10.03.2022, zuletzt geprüft am 10.03.2022.


Dies ist eine Hausarbeit zum Seminar: Angewandte Themen in der Philosophie des Kapitalismus

Dozent: Dr. Matthias Brinkmann

Wintersemester 2021/2022

Ludwig-Maximilians-Universität München

Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft

Benotung:


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Nikodem

Nikodem Skrobisz, auch unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt, wurde am 26.02.1999 in München geboren. Er ist als Journalist und Schriftsteller tätig und hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die meist philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln. Er studierte Kommunikationswissenschaften und Psychologie, und studiert zurzeit Philosophie und Sprache, Literatur und Kultur. Halbprivate Einblicke gibt es auf Instagram

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