Zwischenbericht von der Schreibfront

In den vergangenen Monaten war es hier auf  dem Blog um Leveret Pale ziemlich still. Kaum neue Artikel, kaum neue Ankündigungen, kaum Posts über neue Interviews. Wer mir aber auf meinem Instagramaccount folgt, der weiß, dass ich seit meinem Abitur im Juni alles andere als untätig war, sondern eher überbeschäftigt. An der Schreibfront hat sich für über den Sommer 2018 einiges getan, sodass es Zeit ist in einem Zwischenbericht mal Bilanz zu ziehen, vor allem im Hinblick auf die kommenden Entwicklungen.

Partys, Leserunden und Veröffentlichungen

Kreativität ist immer das Ergebnis des Tanzes von Apollon und Dionysos, von Ordnung und Chaos … und das Chaos hat man mal nach 13 Jahren bayrisches Einbildungssystem dringend gebraucht.

Klar, die ein oder andere Hausparty, den ein oder anderen Club habe ich dann auch mal heimgesucht, aber nachdem ich fließig gelernt und auf der Bühne die Abschlussrede meines Jahrgangs hielt, hatte ich es mir auch verdient. Allein n der Inspiration wegen, musste ich mal wieder aus dem verstaubten Arbeitszimmer rauskommen. Es gibt meiner Meinung kaum was schlimmeres, als sogenannte Literaten, die in ihrem Leben nie was erlebt haben, und deren Bücher zusammenfantasierte und langweilige bis unglaubwürdige „Hochliteratur“ sind, mit denen man dann Schüler quälen und nur ähnlich langweilige Germanistik-Studenten entzücken kann. Somit war etwas Eskalation eigentlich schon fast verpflichtend. Aber keine Sorge, ich bin ja nicht umsonst ein notorischer Workaholic, und so gab es auch einiges an produktiven Ereignissen im Sommerloch zu verzeichnen. Wenn ich so überlege, so war dieser Sommer trotz vieler Reisen und Feiern viel produktiver als der vergangene, durch den ich mit meiner damaligen Freundin ziemlich liebestrunken durchgerauscht war, und dabei abgesehen von einer  wissenschaftlichen Arbeit, nicht viel Langfristiges zustande gebracht habe.

Nicht nur erschien diesen Sommer mit Der Apfelsmoothie der Erkenntnis mein neuster Roman, der zugleich mein letztes Indie-Projekt ist, auch fanden vor allem auf Lovelybooks viele Aktionen wie Leserunden statt. Mittlerweile  habe ich dort über hundert Rezensionen erhalten; ein Meilenstein, der mich besonders stolz macht. Genauso wie die Tatsache, dass ihr in den kommenden Monaten Kurzgeschichten von mir in den Anthologien mehrere Verlage finden werdet (dazu aber mehr, wenn es soweit ist). Eine Neuauflage meiner zwei Jahren alten Novelle Das Erwachen des letzten Menschen erschien; und eine englischsprachige Ausgabe für den amerikanischen Markt ist zurzeit ebenfalls in Arbeit, da sich erstaunlicherweise die deutsprachige Ausgabe bereits jetzt dort drüben gut verkauft (fragt mich nicht warum. I have no idea.) Meine Entwicklung vom Indieautoren zum professionellen Verlagsautoren ist damit beinahe abgeschlossen. Ich verband darüber hinaus während der langen Sommerpause das Angenehme mit dem Nützlichen, und bereiste Europa, um für einen neuen Roman zu recherchieren, an dem ich zurzeit schreibe.

Dublin: Jordan Peterson, Whiskey, Oscar Wilde und Universitäten

Selfies durfte ich dann aber mit den Dreien nicht machen, weil im Backstage-/Signierbereich überall Personenschützer waren, die jegliches Fotografieren verboten. Aber die Autogramme und die Erinnerungen sind auch genug

Direkt nach dem Abitur reiste ich zuerst nach Dublin, wo ich auf dem Campus des Trinity College wohnte, die Wege der berühmten irischen Autoren abschritt und das War of Ideas-Event in der 3Arena besuchte. Eine Videoaufzeichnung dieses Events findet ihr auf YouTube: https://youtu.be/PqpYxD71hJU

Dabei hatte ich die unglaubliche Gelegenheit drei der größten Intellektuellen unserer Zeit, nämlich Sam Harris, Jordan Peterson und Douglas Murray persönlich zu treffen und nach der Show sogar ein paar Worte mit ihnen zu wechseln und meine Bücher signieren zu lassen. Es war ein überwältigendes Erlebnis, diesen Männern die Hand schütteln zu können und sie auch live dabei zu beobachten, wie sie ihre Gedanken ausformulieren und auf Fragen und Argumente reagieren. Etwas enttäuscht war ich von Sam Harris, der als Advokat des Atheismus und einer nichtreligiösen Spiritualität zu meinen Lieblingsphilosophen gehört. Er wirkte während des Events ziemlich müde und wurde von Jordan Peterson rheotrisch und argumentativ übertrumpft, da Peterson offensichtlich dessen neurologischen und materialistischen Positionen im Laufe der vorhergegangenen Diskussionen in sein eigenes Weltbild integriert hat. Dabei entdeckte ich meine Begeisterung für Jordan Peterson wieder, die zuvor nach einigen seiner paranoiden Anfälle und überzogenen Hetzen gegen „Neomarxisten“ stark abgekühlt war, doch die größte Neuentdeckung war für mich Douglas Murray. Im Rahmen dieses Events setzte ich mich nämlich erstmals intensiver mit ihm auseinander, da er sich als dritter im Bunde überraschend gut schlug. Ich hatte zuvor nur Medienberichte über ihn gelesen und ging demnach davon aus, es hier mit einem Vertreter der Alt-Right zutun zu haben, doch die Argumente und Gedanken, die dieser Mann aussprach, waren sehr differenziert und weit von rechten Parolen entfernt. Vor allem seine Gedanken zur Migration, nämlich, dass weder radikale Abschottung, noch radikal offene Grenzen eine Lösung sein können, sondern das ein vernünftiger, unpopulistischer Dialog notwendig ist, fand ich persönlich sehr erfrischend.

Darüber hinaus genoss ich während meines kurzen Aufenthalts in Dublin den lokalen Whiskey (und nahm gleich eine Flasche Writers Tears Red Head Single Malt mit; ja, nur wegen des Namens) und besuchte das Writers Museum. Es ist wirklich faszinierend, wie viele geniale Schriftsteller dieses kleine Land hervorgebracht hat – Wilde, Joyce, Beckett und Yeats, um nur einige zu nennen, und umso spannender war es Dublin zu erkunden und dabei sich immer wieder zu ertappen, dass man diese Stadt doch aus der Literatur bereits überraschend gut kennt, da vor allem Joyce in seinen Beschreibung unglaublich realitätsnah ist. Meine Unterkunft auf dem Campus des geschichtsträchtigen Trinity Colleges verstärkte noch dieses Gefühl auf aus literarischer Sicht heiligen Boden zu stehen.

Insgesamt hat mich diese Reise nach Dublin stark inspiriert meine eigenen intellektuellen und literarischen Fähigkeiten weiter auszubauen, und härter an mir selbst zu arbeiten. Vor allem meine Schreibdisziplin, die ich während meiner letzten Beziehung und dem Abitur stark vernachlässigt hatte, habe ich seit Dublin wieder aufgenommen. Insgesamt beschäftigte ich mich über den Sommer hinweg sehr viel mit neuer Literatur, neuen Themen, neuen Menschen und arbeitete daran meine Bildung auch nach der Schule fortzusetzen.

Dafür legte ich nun auch einen weiteren Grundstein, indem ich mich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena für den 2-Fach-Bachelor Kommunikationswissenschaften und Psychologie immartikulieren ließ, sodass ich in den kommenden Wochen Müchen verlassen und nach Jena ziehen werde, um dort ab den 1. Oktober mein Studium aufzunehmen. Diese interdisziplinäre Fächerkombination entspricht meiner aktuellen Einschätzung nach am besten meinen wissenschaftlichen, journalistischen und medialen Begabungen.

Fear and Loathing in The Hague und Jena

After a week in the sun even the Leveret ain’t so pale no more

Zwischendurch ging es dann nach Dublin natürlich auch mal wieder weniger intellektuell, und mehr hedonistisch zu, aber eine Prise Dionysos gehört ja zu der Balance eines jeden kreativen Lebens. Ich verbrachte eine Woche mit meinen beiden besten Freunden in der niederländischen Stadt Den Haag, besuchte dort das Parlament, die Smartshops und lag sonst viel pfeiferauchend und Ayn-Rand-lesend am Strand herum. Etwas Entspannung schadet ja nie, und prompt kam mir dort die Idee für eine Kurzgeschichte, die bereits bei einem kleinen Verlag ein Zuhause gefunden hat und gerade noch das Lektorat durchläuft.

Vor diesem Niederlande Urlaube hatte ich noch in Betracht gezogen dort zu studieren, vor allem im Amsterdam, aber bei näherer Betrachtung habe ich für mich festgestellt, dass vor allem Amsterdam für mich keine Stadt ist, in der ich langfristig leben will. Sie ist mir einfach zu hedonistisch und zu unruhig. Da spricht wieder der Workaholic aus mir. Ab und zu Party ist drin, aber langfristig brauche ich dann doch eher etwas Ruhiges, damit ich konzentriert an meinen Projekten arbeiten kann. Etwas, woran ich mich schon während der langen Zugfahrten hin und zurück machte. Dabei entstanden zwei Interviews, nämlich eins bei libramorum und eins bei buchfans.com.

Kaum war ich jedoch zurück in München und hatte ein paar Tage mit Schreiben, Arbeiten und dem Austausch mit Kollegen verbracht, da fuhr ich auch schon wieder nach Jena, um dort Wohnungen zu besichtigen und sowohl die Natur als auch das lokale Romantikermuseum zu bewundern. Nach dieser Reise war ich mir dann auch sicher, dass ich in Jena studieren will. Obwohl diese Stadt nur rund hunderttausend Einwohner hat, sind davon ein Viertel Stundenten, sodass die Straßen herrlich jung und belebt sind, was ein starker Kontrast ist zu dem doch sehr konservativen und alten München. Und trotzdem hat Jena ein sehr spannedes Erbe  als die Stadt vieler bekannter  Schriftsteller, vor allem aus der Frühromantik. Ich freue mich schon sehr darauf, nach Jena zu ziehen, vor allem weil ich damit gleich viel näher an Leipzig und Berlin sein werde, zwei für mich als Autor sehr wichtigen Städten.

Wien, Berlin, Interviews und neues Romanprojekt

Selfie in der Wiener Bar Travelshack. Miese Sache, die mir dann noch eine Zeit lang nachhing: Dort darf man noch rauchen, und es hat sich als die beste Methode erwiesen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Eine weitere wichtige Stadt besuchte ich dann Ende August für ganze zwei Wochen: Wien. Ich fuhr dort hin, um mir die Wiener Universität anzusehen und schnell festzustellen, dass ich Jena noch immer bevorzuge, und dann natürlich, um Inspiration zu sammeln und nochmal zu feiern, diesmal jedoch in einer für mich ganz fremden Umgebung. Allein trieb ich mich dort herum, erkundete das Literaturmuseum, die Spuren Freuds und Wittgensteins, und vor allem das faszinierende Wiener Nachtleben, welches bei mir die Initialzündung auslöste, um die Arbeit an meinem aktuellen Romanprojekt aufzunehmen. Als ich in Wien ankam, kannte ich niemand dort, doch nach vielen Nächten voller Drinks und Zigarettenqualm, kann ich nun einige geniale Persönlichkeiten von dort zu meinen Freunden zählen. Am meisten Zeit verbrachte ich dabei im Travelshack, einer Bar, die sich vor allem an Reisende, Backpacker und Expats richtet, und daher jeden Abend voll mit Menschen aus aller Welt und den abenteuerlustigsten Wienern war. Selten habe ich so viele verschiedene und extreme Personen und Dinge gesehen und erlebt, wie während meiner Erkundstouren durch die Straßen Wiens.

Und mit besonderen Menschen ging es dann seit meiner Rückkehr dann auch weiter. Im Rahmen meiner Recherche, interviewe ich zurzeit die verschiedensten Personen meines Alters, um ein möglichst diverses Bild meiner Generation zu bekommen. Vom Flüchtling, über Transsexuellen und Antifaschisten bis hin zum Alt-Right-Anhänger, StartUp-Gründer und Musiker habe ich mittlerweile fast jeden vor mein Diktiergerät führen können. (Beziehungsweise der Memo-Funktion meines Smartphones.)

Eines dieser Interviews führte ich dabei mit dem Musiker Lloyd Buchholz, der vor kurzem in München seine Band Blood Addicts gegründet hat und zuvor unter anderem bei Zoo Escape spielte. Dieses Interview wird dabei wahrscheinlich auch das einzige sein, welches ich im Wortlaut veröffentlichen werde, da die anderen alle im Schutze der Anonymität und mit Privatpersonen entstanden. Das Interview mit Lloyd werdet ihr daher, wenn alles klappt, in der QWERTZ Ausgabe 2018/4 und irgendwann später auch auf meinem Blog nachlesen können. Für die, die es nicht wissen: Die QWERTZ ist die Mitgliederzeitschrift des BVjA (Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V.), in dessen Vorstand ich seit nun fast einem Jahr tätig bin.

Peace aus der Hauptstadt

Der Rest der Interviews wird nur in meinem neusten Roman verarbeitet und damit natürlich verzerrt erscheinen, aber bis dahin wird es noch etwas dauern, vor allem weil ich plane dieses Projekt bei einem größeren Verlag unterzubringen.

Für weitere Recherchen und Interviews war ich dann auch noch kurz für ein Wochenende in Berlin, traf mich dort mit Kollegen und alten Freunden, und fragte mich dabei immer wieder, ob ich den noch immer in Deutschland bin, oder zwischenzeitlich irgendwie in eine Parallelwelt gefallen wäre. Berlin ist für mich nach wie vor eine der kuriosesten Städte, da es mit seiner Diversität und Chaotik im krassen Kontrast zu meiner Geburtsstadt München steht, und doch zum selben Staat gehört.

Aber das habe ich ja bereits in meinem Roman Crackrauchende Hühner ausreichend thematisiert.

 

Fazit

Ingesamt habe ich den Sommer vor allem dazu genutzt, um viel Zeit und Energie darin zu investieren die Grundsteine für meine literarische und persönliche Entwicklung in den kommenden Monaten zu legen. Ich sammelte viele neue Erfahrungen, lernte viele neue Menschen kennen und häufte Inspiration und Können für neue Projekte an, die ich nun umsetzen werde.

Da das Studium und meine anderen Projekte mich viel in Beschlag nehmen werden, kann ich allerdings noch keine Versprechungen machen, was Events und Veröffentlichungen in den kommenden Monaten angeht. Lediglich, dass ich auf jeden Fall am 13. Oktober von 14:00 bis 18:00 am Stand des BVjA auf der Frankfurter Buchmesse 2018 anzutreffen sein werde, steht bereits fest.

Ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sich alles weiterentwickelt und freue mich darauf euch bald als Leveret Pale neue und noch bessere Werke präsentieren zu können.

 

 

image_pdfimage_print

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.