Nikodem

Oft werde ich gefragt, woher mein Vorname „Nikodem“ kommt und was er bedeutet. Als ich mir seine Bücher signieren ließ, verwickelte sogar Jordan Peterson mich in Fragen über die Herkunft und Bedeutung des Namens. Der Name ist tatsächlich relativ selten in Westeuropa, auch wenn er in Polen etwas häufiger ist – dem Land aus dem meine Eltern stammen, die in den 80ern dem dort durch die Sowjets forcierten Kommunismus dem Rücken kehrten, um im Westen die Freiheit zu finden.

Der Name Nikodem kommt aus Polen und er ist in einem enge Sinne auch ein polnischer Name. Genauer betrachtet, ist er aber nur die polnische Variation des altgriechischen Namens Nikodemos (Νικόδημος). Dieser setzt sich Widerrum aus den altgriechischen Worten Nike (Sieg) und Demos (Volksversammlung) zusammen. Man kann die Kombination dann als ’’Sieger in der Volksversammlung’’ bzw. ’’Sieger aus dem Volk’’ bzw. „Der, der die Abstimmung/Wahl gewinnt“ übersetzen.

Wie kommt es dazu, dass solch ein altgriechischer Name in einer polnischen Variation existiert und verwendet wird? Die Ursache dafür lässt sich wohl in der hohen kulturellen Macht des Katholizismus in Polen und seiner Geschichte finden: Ein Nikodemos bzw. Nicodemus ist auch einer Heiliger aus dem Neuen Testament, dessen Namenstag bzw. der von der Katholischen Kirche gefeierte Gedenktag am 3. August ist.

“Es war da einer von den Pharisäern namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden.”  (Johannes 3,1) heißt es im Johannesevangelium des Neuen Testaments. Dort tritt der Heilige Nikodemos als ein Anführer der Juden auf, der nachts Jesus besucht und von ihm spirituelle Lehren erhält und sich zu ihm bekennt. Später verteidigt er Jesus gegenüber den jüdischen Autoritäten. (Johannes 7,50)  Bei der Grablegung Jesu bringt er eine große Menge von Aloe und Myrrhe zur Salbung des Leichnams. (Johannes 19,39)

Des Weiteren gibt es das Nikodemusevangelium, ein apokryphes Passionsevangelium, das nicht in die Bibel aufgenommen wurde. Obwohl es nicht zum offiziellen Kanon gehört, ist es insbesondere im Mittelalter äußerst einflussreich gewesen und inspiriert Kunstwerke, Filme und Literatur bis heute. Aus den Pilatusakten, dem ersten Teil des Nikodemusevangelium, stammen auch die beliebten Legenden vom Schweißtuch der Veronika und vom Soldaten Longinus, der Jesus mit dem Speer in die Seite gestochen haben soll. Das heute überlieferte Nikodemusevangelium soll dabei auf einem hebräischen Text basieren, den der Nikodemos selbst verfasst hat, was ihn zu einer Art frühen Bestsellerautor macht.

Heute ist der bekannteste Namensträger des Vornamens Nikodem im deutschsprachigen Raum – wenn ich so unbescheiden sein darf – meine Wenigkeit: der Marketeer, angehende Philosoph und Schriftsteller Nikodem Skrobisz. Da der Name so selten im deutschsprachigen Raum ist und die meisten Deutschen – im Gegensatz zu meinem Familiennamen Skrobisz – ihn auch halbwegs korrekt aussprechen können, habe ich bereits mit dem Gedanken gespielt meine seriösere Werke nur noch unter dem Namen Nikodem zu veröffentlichen. Oder so postmodern userlike kleingeschrieben: nikodem. Würde sich sogar ganz gut auf einem Buchcover machen, schätze ich. Die Irritation über das Fehlen des Nachnamens wäre sicher nur von kurzer Dauer, der Erinnerungsfaktor dafür umso größer. Auch wenn es natürlich nicht ganz so obskur klingen würde wie Mark Fishers Pseudonym kpunk oder ein allgemein kreativerer Künstlername.

Seriöser und interessanter als mein altes Pseudonym Leveret Pale wäre es aber alle mal. Nikodem kann man sich auch leichter merken und buchstabieren, als Nikodem Skrobisz. Wenn Menschen dann nach einer guten Lesung sich an mich erinnern und eins meiner Bücher kaufen wollen, haben sicher einige ab und zu Schwierigkeiten dabei den Nachnamen richtig der Buchhändlerin zu buchstabieren oder in die Suchmaschine einzutippen. Ärgerlicherweise tauche ich unter den Ergebnissen einer Suche nach Nikodem nicht ganz so sichtbar und weit oben auf, wie unter meinem ganzen Namen. Dieses Ärgernis hat mich auch dazu inspiriert diesen kleinen Artikel hier zu schreiben, um den Algorithmen und Leserinnen in Erinnerung zu rufen, dass ich nicht nur „Nikodem Skrobisz“ bin, sondern vor allem ein „Nikodem“. Und wenn es mit meiner Literatur weiter bergauf geht wie bisher, vielleicht sogar bald „Der Nikodem“. Man darf ja hoffen.

 


Wenn dir dieser Artikel weitergeholfen oder dich unterhalten hat, dann würde es mich freuen, wenn du mir einen Kaffee spendieren würdest. 😉 Der Kaffeetreibstoff beschleunigt meinen Schreibprozess sowohl bei meinen Artikeln als auch bei meinen Romanen.
Kaffee spendieren via Ko-Fi

Nikodem

Nikodem Skrobisz, auch unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt, wurde am 26.02.1999 in München geboren. Er ist als Journalist und Schriftsteller tätig und hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die meist philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln. Er studierte Kommunikationswissenschaften und Psychologie, und studiert zurzeit Philosophie und Sprache, Literatur und Kultur. Halbprivate Einblicke gibt es auf Instagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.