Spezial: Zitatinterview mit Monika Loerchner

Monika vor dem heimischen Bücherregal bei der Lektüre ihres neusten Romans „Hexenherz“

Diesmal gibt es hier auf meinem Blog mal etwas ganz Besonderes, nämlich ein Interview; und als ob das nicht schon ungewöhnlich genug wäre, ist es nicht einmal ein normales Interview. (Wo würden wir den hinkommen, wenn ich anfange irgendetwas normal zu machen? Das wäre ja langweilig.) Meine Kollegin Monika Loerchner und ich* sind auf die Idee gekommen uns gegenseitig zu interviewen, allerdings mit der Auflage, dass wir auf die Fragen jeweils nur mit ein bis drei Zitaten aus unseren bereits veröffentlichten Werken antworten können. Hier könnt ihr meine Fragen und Monikas Zitatantworten lesen. Wenn ihr wissen wollt, wie ich mich dabei angestellt habe, und mit welche Zitaten, dann schaut auf Monikas Blog vorbei, den sie übrigens deutlich besser und ordentlicher pflegt und füttert, als ich meinen. 😛

 

  1. Warum hast du angefangen zu schreiben bzw. warum schreibst du?

     

    Von da an sah Fabian die Frau jeden Dienstag. Sie kam stets vom Supermarktparkplatz rechts auf der anderen Straßenseite, ging über den Fabian gegenüberliegenden Bürgersteig nach links und verschwand irgendwann einfach aus seinem Blickfeld. Dabei ging sie weder besonders schnell, noch auffallend langsam. Sie ging einfach und das war etwas, dass Fabian nicht in den Kopf ging. Entweder man ging wohin und hatte ein Ziel, oder man ging spazieren. Letzteres kam kaum in Frage, hier gab es nichts zu sehen als die Autos, Busse und LKW, die über die Hauptstraße rollten, den Supermarkt und die Tankstelle neben dem Bushäuschen. Wer spazieren gehen wollte, suchte sich eine bessere Gegend. Die Stadt war keine Schönheit, hatte aber durchaus ein paar hübsche Ecken. Also warum sollte die Frau ausgerechnet die Hauptstraße entlanggehen? Die hier nichts zu bieten hatte außer Straßenlärm und -Luft und hinter Vorgärten verschanzten Wohnhäusern?
    Die andere Möglichkeit war natürlich, dass die Frau ein Ziel hatte. Doch das passte einfach nicht zu ihrem Gang: Wer wohin wollte, ging irgendwie anders. Nicht unbedingt schneller, aber bestimmter. Fabian wusste selbst nicht, was ihn so sicher machte, aber für ihn stand fest, dass die Frau kein Ziel hatte.“ (Aus: „Die Dame in Lila“, Seite 94f.)

    Ich denke fieberhaft nach. Mein Gespür, nicht mehr als ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch, sagt mir, dass ich da an etwas dran bin. Noncoai. Incaono. Verdammt, so komme ich nicht weiter! Wenn ich nur etwas zu schreiben hätte!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 294.)

    Und ich hab Hummeln im Hintern!“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 23.)

    2. Man lässt ja als Autor auch immer ein bisschen die eigene Persönlichkeit in seine Bücher einfließen; gibt es Passagen, die deine gut umschreiben?

„Ich balle die Hände zu Fäusten. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist es Ungerechtigkeit!“

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ Nicht alle Autoren fröhnen verschiedenen Alkaloiden so sehr wie Leveret Pale, aber eine gewisse Affinität zu Koffein lässt sich in Schriftstellerkreisen immer wieder beobachten.

(Aus:„Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 262.)

 

„’Wenn Sie das so sagen, dann war es wohl so‘, antwortete Kurt vorsichtig. ‚Wollen Sie mir jetzt sagen, was das mit mir zu tun hat, oder noch länger drumrum reden?‘
Zu Kurts Überraschung lachte Bachmann auf.
‚Na, Sie sind ja ein ganz Direkter‘, sagte Bachmann und neigte anerkennend den Kopf. ‚Männer Ihres Formates sind selten geworden.‘
Kurt schnaubte zustimmend.
Mit Genugtuung sah er wie Bachmann bei einer etwas stärkeren Brise fröstelte und dann den Kragen seines Mantels hochschlug. So viel Geld, so viel Zeit, so viel Wolle, und wofür? Für einen Mantel, der nicht wärmte. Manchmal fragte sich Kurt, auf was für verrückte Ideen die Menschen noch so alles kommen würden.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 263f.)

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 10.)

  1. Du hast ja unter anderem Religionswissenschaften studiert. Wie stehst Du zum Thema Glaub, zu Religion usw.?

Luzena indes wurde unruhig. ‚Warum antworten sie uns nicht? Warum fragen sie uns nichts?‘, wollte sie wissen. ‚Sie haben doch auf unseren Ruf reagiert?‘
‚Ruhig.‘ Wie es seine Art war, vermittelte Reso trotz seiner Jugend Ruhe und Wohlgefühl. ‚Es scheint mir, sie haben erst ihren Göttern huldigen müssen. Wer sind wir, dass wir uns über fremde Götter erheben wollen?’“ (Aus: „Der Besuch“, Seite 204.)

Die Weibchen der Fremden kamen langsam herbei und vollführten scheinbar sinnlose Gesten, taten im Grunde genommen nicht viel, außer das liegende Männchen aufzurichten und einige rätselhafte, grob hergestellte Gegenstände vor ihm abzustellen. Ob das Opfergaben waren?
Mili war fasziniert von der Szene, die sich vor ihr abspielte. Gleichzeitig schnitt es ihr ins Herz, wie traurig das Männchen offenbar war. Oder missverstand sie da nur etwas? (Aus: „Der Besuch“, Seite 205.)

‚Glaubst Du denn, die Götter hören uns noch zu?‘
‚Natürlich!‘ Luke nickt. ‚Das tun sie, kleiner Freund, ganz zweifellos. Überleg doch mal: Wie sonst wäre es möglich, zu träumen?’“ (Aus: „Der Zweifel“.)


4. … und du hast auch Friedens- und Konfliktforschung studiert. Ein Statement dazu?

Es muss doch eine Möglichkeit geben, wie alle Menschen, Männer und Frauen, gleichberechtigt und in Frieden miteinander leben können!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 27.)

Ich wünsche dir, dass du zur Einsicht kommst. Doch das wirst du nicht, nicht wahr? Du hast immer schon deinen eigenen Kopf gehabt und deinen eigenen Sinn von Gerechtigkeit. Den habe ich immer an dir bewundert, aber dieses Mal, Kleine, wird er dir zum Verhängnis werden. Eine Frau muss wissen, wann sie kämpfen und wann sie wegschauen muss.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 356.)

Wer sich gegenüber Schwächeren anders verhält als gegenüber Gleichgestellten, sollte sein Verhalten überdenken, pflegt meine Mutter immer zu sagen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 246.)

5. Du hast ja mittlerweile einige Lesungen gehalten und wir beide werden demnächst ja auch bei der Langen Lesenacht in Billerbeck aus unseren Romanen lesen. Wie empfindest du es vor Publikum aus deinem Buch zu lesen?

Schriftstellersein ist harte Arbeit … aber auch eine sehr erfüllende und wunderbare, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

‚Die Basis der Schriftstellerei ist nichts anderes als harte Arbeit.‘

‚Du willst mich wohl auf den Arm nehmen!‘ Wütend funkelt mich der Fremde an. ‚Als ob dir das

Schreiben keinen Spaß machen würde!‘

‚Doch, tut es. Es ist ein großes Glück, wenn man seiner Berufung folgen kann und die Arbeit Spaß

macht. Aber soll man sich deswegen etwa nicht mehr dafür bezahlen lassen? Und denken Sie bloß

nicht, das mir das Schreiben IMMER Spaß macht!‘

Ich schließe die Augen und denke an Kopfschmerzen und Schniefnase.“ (Aus: „Ein widerstehliches Angebot“, Seite 70.)

Wir sitzen hier, du und ich und … ich bin sicher, wir können zusammen eine ganze Menge Spaß haben! Mindestens so viel, wie wenn wir in Miami wären, ja?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 9.)

6. Wenn man deinen Roman Hexenherz liest, in dessen Welt ein oppressives Matriarchat herrscht, merkt man, dass dir das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig ist. Wie sollte eine Gesellschaft deiner Meinung nach optimalerweise aussehen?

„‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss für jeden da sein. „

Wahnsinn ist das, was diese Gesellschaft aus uns gemacht hat. Nicht alle denken so. Wir nicht und andere auch nicht. Also zog Adrian los, Gleichgesinnte zu finden. Mit ihnen wollte er leben, als Gleicher unter Gleichen, ganz egal, ob Mann oder Frau oder Fräulein. Bemessen einzig und allein an der Stärke seines Wesens, seines Charakters.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 306.)

‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss für jeden da sein. Ob groß oder klein, mächtig oder schwach, Frau oder Mann: Man kann sich nicht aussuchen, für wen die Gerechtigkeit da sein soll und für wen nicht. Man muss zu dem stehen, der man ist, und stets versuchen, so zu handeln wie der Mensch, der man sein möchte. Nur so wirst du es eines Tages schaffen, der Göttin ohne Scham gegenübertreten zu können.’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 396.)

7. … und man merkt auch, dass du zweifache Mutter bist. Wie würdest du eine optimale Mutter beschreiben?

‚Jenny’“, wiederhole ich so sanft ich kann. ‚Ich werde aller Wahrscheinlichkeit nach in den Tod gehen. Vieles im Leben erscheint einem sinnlos, Jenny, wenn man nur an sich denkt und nicht an das Morgen, das andere noch erleben werden. Ich habe diesen Jungen an Kindes statt genommen. Ich muss ihn in der Obhut einer Person wissen, der ich absolut vertrauen kann. Ihr beide seid für mich das Leben, das Weiterleben. Selbst, wenn wir anderen alle scheitern sollten. Kannst du das für mich tun?’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 375.)

Das Baby in meinem Arm ächzt im Schlaf. Es streckt Ärmchen und Beinchen von sich, zittert ein wenig und entspannt sich wieder mit einem zufriedenen Seufzer. Kire liegt völlig schlaff in meinen Armen. Sie ist so voller Vertrauen, wie sie es als Erwachsene nie wieder sein kann. Noch weiß sie nichts von dieser Welt, noch kennt sie nichts außer Liebe, Wärme und Geborgenheit. Göttin, beschütze sie!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 426.)

8. Wie schaffst du es, dich um deine Kinder zu kümmern und dich gleichzeitig so einer zeitintensiven Tätigkeit wie dem Schreiben zu widmen? Werden da manchmal die Kinder vernachlässigt?

Ich schätze, mit etwas Organisationstalent kann man das irgendwie hinkriegen?

Empfanden zwar einen Hauch Mitleid mit dem Kind, aber der Vater würde zweifellos Physiklehrer Müller werden, und der war schließlich echt in Ordnung.“ (Aus: „Der Langzeitplan“.)

9. Wie du schreibst, möchtest du deinen Lesern auch gewisse Wert vermitteln, welche sind das?

Als sich ihre Blicke trafen verliebte sich der junge Mann unsterblich in die Prinzessin, denn er hatte hinter ihrem hochmütigen Wesen ihr gutes Herz erkannt. Und ebenso verliebte sich die Prinzessin unsterblich in den jungen Mann, denn sie erahnte die Güte und Wärme hinter seinem kühlen Gebaren.“ (Aus: „Der Winterprinz“.)

Jetzt muss ich wirklich lachen. ‚Mirja, ernsthaft? Ja, wir haben uns ganz gut unterhalten. Und ehrlich gesagt haben wir mehr gemeinsam, als ich je gedacht hätte. Aber das macht doch noch lange keine Freundschaft aus. Dazu gehören Dinge wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Treue! Dinge, von denen du keine Ahnung hast!’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 218.)

 

10. Bist du eher eine Idealistin oder eine Materialistin?


„Was ich meinte, war, dass Adrian damals ein Idealist war, ein Träumer. Als ich ihn vor etlichen Jahren wiedertraf, hatte sich das geändert. Er war realistischer geworden, härter. Seinen Idealismus hat er jedoch nie ganz verloren.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 307.)

Hunger tut weh, das solltest du am besten wissen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 221.)


11. Was erwartest du dir von der Zukunft?


„Ich weiß es nicht, ist das überhaupt wichtig?“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 346.)

 

12. So, das habe ich jetzt von dir geklaut. Ich konnte sie ganz gut beantworten, weil ich mal einen passenden intertextuellen Metafiktionwitz in einer meiner Kurzgeschichten eingebaut habe (man hüte sich vor den ganzen postmodernen Autoren, die sich selbst in ihre Texte einbauen). Aber ich glaube, du wirst da eher deine Schwierigkeiten haben. Überzeuge du mich jetzt deine Bücher zu kaufen. (bzw. nochmal, ich habe sie eigentlich bereits alle mittlerweile) 😉

Ich fürchte, Sie missverstehen da etwas: Was irgendein Jurist dazu sagt, interessiert mich nicht. Ich will mein Geld. Geben Sie es mir und alles ist gut. Geben Sie es mir nicht, und … Nun: Ich bekomme immer, was ich will.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 265.)

Wie magisch wurde er von dieser Eisblume angezogen, die so wunderschön war, so einzigartig, so kühn in ihrem Muster und so anmutig zart, dass es ihm die Sprache verschlug. (Aus: „Der Winterprinz“.)

‚Entspann dich mal, Schatz!‘, hatter gesagt, ‚Ruh dich mal richtig aus‘ und ‚Lass dich mal so richtig verwöhnen, Schatz!‘, hatter gesagt. (Aus: „Ein Winterberger, Winterkrimi“, Seite 9.)

ENDE

Ich glaube, lieber Nikodem, mir hat noch nie ein Interview so viel Spaß gemacht wie dieses hier! Deine Fragen waren zugegeben sehr kniffelig, aber ich liebe Herausforderungen! Vielen lieben Dank also für dieses tolle Interview! 🙂

Danke Monika, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.

Mehr zu Monika könnt ihr hier finden:

https://monikaloerchnersite.wordpress.com
https://www.facebook.com/MonikaLoerchner/
https://www.lovelybooks.de/autor/Monika-Loerchner/
https://www.amazon.de/Monika-Loerchner/e/B01MRLT7GK/
http://www.acabus-verlag.de/autoren_31/loerchner-monika_1133.htm

Bibliographie:

*Naja, eher sie, aber ich habe sehr schnell zugestimmt und die Genialität dieser Idee erkannt und das Konzept ausgearbeitet. 😉  Ich meine, wie cool ist das, ein Zitatinterview ^^

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