Die Zukunft des Selfpublishings im BVjA

Die wilden Goldrauschzeiten des Selfpublishings sind vorbei.

Der Markt für selbstveröffentlichte Bücher wächst zwar weiterhin kontinuierlich, trotzdem ist es mittlerweile nicht mehr so einfach wie noch vor vier, fünf Jahren mit einem Titel als frischgebackener Selfpublisher einen Hit zu landen. Die Zahlen der Neueinsteiger sinken und die Investitionskosten steigen. Der Kampf um Leser wird zunehmend härter. Wer Erfolg haben will, muss sich deutlich mehr anstrengen, besser schreiben und sich mehr mit Marketing, Lektorat und Coverdesign beschäftigen.

Und das ist auch gut so, denn dies sind die Symptome einer äußerst positiven Entwicklung: Die zurzeit rund 100.000 Selfpublisher in Deutschland beginnen sich zu professionalisieren. Während zu Beginn kaum ein Selfpublisher einen Lektor beauftragte und dadurch vor allem schlecht geschriebene Wortergüsse den Markt fluteten, ist ein Lektorat zumindest bei seriösen Indieautoren mittlerweile ein inoffizieller Standard.

Nicht nur haben Selfpublisher und ihre Dienstleister immer größere Anteile an den Ausstellern bei den großen Messen; mit dem Selfpublishing Day, diversen Preisen und dem Selfpublisherverband haben sie mittlerweile eigene Institutionen und Verbände, um sich zu vernetzen und dafür zu sorgen, dass Selfpublishing nicht mehr als Literatur zweiter Klasse betrachtet wird und sich weiter professionalisiert und gesellschaftlich etabliert. Zwar ist die Szene noch immer eine Art Wilder Westen, in dem jeder nach eigenem Gutdünken schreiben und veröffentlichen kann, doch es setzt sich zunehmend der Konsens durch, dass die Qualität und der Leser dabei nicht vernachlässigt werden dürfen – was sich bei den Lesern auch herumspricht, von denen nun immer mehr auch mal was von Selfpublishern lesen und kaufen. Diese Veränderungen locken gemeinsam mit den vergleichsweise guten Margen zunehmend auch etablierte Verlagsautoren an, die auf Selfpublishing umsteigen, oder sich als Hybridautoren probieren. Auch umgekehrt werben Verlage mittlerweile um erfolgreiche Indieautoren oder gehen Kooperationen mit ihnen ein. Zeitungsartikel über und Events mit Selfpublishern sind keine Seltenheit mehr.

Diese Professionalisierung und die Etablierung von Qualitätsstandards, die dafür sorgen, dass Selfpublishing nicht nur den Lesern das liefert, was sie wirklich lesen wollen, sondern auch den Autoren ermöglicht zunehmend besser zu verdienen und freier zu schreiben, sind Veränderungen, die wir als BVjA (Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.) unterstützen wollen. Um den Indieautoren in unserem Verband dabei unter die Arme zu greifen und Konzepte zu entwickeln, die gutes Selfpublishing fördern, gibt es daher seit den letzten Vorstandswahlen den Posten des Vorstandsmitglieds für Selfpublishing, den ich als Erster bekleiden darf.

Da ich jedoch erstmal evaluieren wollten, inwiefern unter den BVjA Mitgliedern Interesse am Selfpublishing besteht, startete ich vor einigen Monaten eine ausführliche Umfrage, die über den BVjA-Newsletter und die BVjA-Facebookgruppe an alle versendet wurde. (Wer sich bei der Umfrage nochmal nachträglich beteiligen will, kann dies als BVjA Mitglied tun). Im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse und die Konsequenzen, die daraus gezogen werden.    

Zuallererst die Bestätigung dafür, dass wir den richtigen Weg gehen, denn eine überwältigende Mehrheit von über 75% der befragten BVjA-Mitglieder wünscht sich, dass mehr Artikel zum Thema Selfpublishing in der QWERTZ erscheinen. Selfpublishing wird ein immer wichtigerer Teil des Buchsmarkts, weshalb eine Auseinandersetzung damit unabdingbar ist. Wir werden diesem Wunsch daher nachgehen und bereiten für die kommenden QWERTZ-Ausgaben neue Artikel vor.

Denn obwohl mehr als die Hälfte der Befragten sich bereits gut über Selfpublishing informiert fühlt, wären dennoch noch über 80% an mehr Informationen interessiert. Bei den Einzelbefragungen kam darüber hinaus deutlich das Interesse an (vor allem online) Seminaren zum Vorschein, so wie an Artikeln über Grundinformationen und Erfahrungsberichten von bereits etablierten Indieautoren. Da Seminare recht aufwändig vorzubereiten und zu planen sind, werden wir nicht so schnell welche organisieren können, langfristig sollen aber Seminare zum Thema Selfpublishing ein fester Bestandteil unseres Repertoires werden. Artikel sind wie oben erwähnt bereits in Planung.

Erfreulich ist des Weiteren, dass auch wenn den Umfrageergebnissen nach die Mehrheit der BVjA-Mitglieder bisher nur in Verlagen veröffentlicht hat, die Akzeptanz für Indiebücher bereits sehr hoch ist und wir daher keine Zeit dafür werden verschwenden müssen Selfpublishing vom Stigma der Literatur-zweiter-Klasse zu befreien.

Ich freue mich bereits darauf, die Sparte des Selfpublishings innerhalb des BVjAs in den kommenden Monaten auszubauen. Wer hierzu Themen vorschlagen möchte, sich als erfahrener Selfpublisher einbringen will oder schlicht Fragen zu der Thematik hat oder eine Beratung braucht, kann mich jederzeit gerne via autor@leveret-pale.de kontaktieren.

 


Dieser Artikel erschien ursprünglich in der QWERTZ 03/2018, dem Mitgliedermagazin des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V, bei dem ich seit Oktober 2017 als Vorstandsmitglied tätig bin.

Quelle des Beitragsbild;

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