Gerechtigkeit und Gleichheit – was einen Staat gerecht macht

Die SPD fordert soziale Gerechtigkeit, die Opfer der Gruppenvergewaltiger von Essen fordern Gerechtigkeit vor Gericht, genauso wie jeder Mensch jeden Tag im Umgang mit seinen Mitmenschen Gerechtigkeit erwartet. Wir alle wünschen uns in einer gerechten Welt zu leben. Wir glauben auch intuitiv durch unsere soziokulturelle Prägung und unsere intrinsischen Intuitionen zu wissen, was Gerechtigkeit ist. Doch wenn wir uns miteinander unterhalten, merken wir schnell, dass es verschiedene Vorstellungen von Gerechtigkeit gibt, und dass diese Vorstellungen einen extrem starken Einfluss auf Politik und Privatleben ausüben. Vor allem politische Lager lassen sich oft durch ihre unterschiedlichen Gerechtigkeitsvorstellung definieren. Was ist jedoch Gerechtigkeit, und wie kann sie gewährleistet werden? Welche Art von Gerechtigkeit sollte vor allem herrschen und vom Staat durchgeführt werden, damit wir in einer freien Gesellschaft gut und gerecht leben können?

Gerechtigkeit ist ein abstraktes Prinzip, über dessen exakte Definition sich Philosophen seit Jahrtausenden streiten, doch stark vereinfacht, kann man Gerechtigkeit darauf reduzieren, dass ihr Ziel es ist Gleichheit herzustellen. Wesentlich bedeutet Gerechtigkeit: Wesentlich Gleiches muss gleich und wesentlich Ungleiches ungleich behandelt werden.

Gerechtigkeit beruht auf Gleichheit beziehungsweise der Herstellung von Gleichheit, und führt dadurch auf einer rein pragmatischen Ebene dazu, dass die Gesellschaft stabilisiert wird, da sie ermöglicht den Bürgern in Würde zu leben und Konflikte zwischen Ihnen zu regeln.

Es gibt allerdings drei Arten von Gleichheit, und je nachdem, welche man wie gewichtigt, ändert sich die Vorstellung davon, wie Gerechtigkeit aussehen sollte. Wenn man allerdings das Zusammenspiel dieser drei Prinzipien betrachtet, entdeckt man, dass es Konstellationen gibt aus denen sich mehr Gerechtigkeit ergibt, als aus anderen, und es entsprechend Formen von Gerechtigkeit gibt, die erstrebenswerter sind als andere.

Die Gleichheit vor Gott ist die Gleichheit vor einem metaphysischen Prinzip, das alle Menschen gleich richtet. Diese Gerechtigkeit bezeichnen wir heute vor allem als Gleichheit vor dem Recht. Ihre säkulare Manifestation findet sich in der Idee der Menschenrechte und der Gesetzbücher. Auch wenn im Westen des 21. Jahrhunderts dieses Gleichstellung vor dem Recht etwas ist, das auch Atheisten (wie ich) als gerecht wahrnehmen, hat diese Gleichheit im Westen ihre Wurzeln nicht nur, aber vor allem im judeochristlichen Denken. Die monotheistischen Religionen formulierten nämlich die Vorstellung, dass unabhängig von der Lebensführung und der Herkunft, jeder Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und damit nicht nur allein durch sein Menschsein mit bestimmten Rechten ausgestattet ist, sondern sich auch genauso wie alle seine Mitmenschen vor diesem Gott verantworten muss. Dadurch hat nicht nur jedes Individuum Rechte, die nicht von anderen verletzt werden dürfen, es ist auch Aufgabe des Staates diese Rechte zu schützen und die Verletzung dieser auszugleichen. Gerechtigkeit, die auf dem Prinzip der Gleichheit vor dem Recht beruht, versucht die verursachten Schäden an den Grundrechten eines Individuums durch ein anderes Individuum wiederherzustellen. Das heißt, wenn ein Individuum von einem anderen in seinen Rechten verletzt wird, so muss der Staat (da Gott entgegen der religiösen Vorstellung offensichtlich nicht interveniert) dafür sorgen, dass das andere Individuum den verursachten Schaden kompensiert, unabhängig von dessen Status. (Auge um Auge, Zahn um Zahn) Davon ausgehend ist Gerechtigkeit allerdings nur dazu da, Missverhältnisse zwischen Individuuen auszugleichen, und es gerecht noch zielführend, sogenannte opferlose Verbrechen, wie Drogenkonsum zu bestrafen, da hier keine Rechtsverletzung anderer begangen wurde.

Zwar ist diese Idee der Gleichheit historisch in der Religion verwurzelt, doch nur so konnte sich in den primitiven Gesellschaften die rationale Erkenntnis etablieren, dass die Gesellschaft nicht aus Kollektiven, sondern aus Individuen besteht, und diese nur durch gleiche rechtliche Behandlung langfristig kooperieren und stabile Staaten formen können. Der Bezug zur Religion findet sich auch noch in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung: „Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind.“

Im Zuge der Aufklärung und der Säkularisierung wurde die religiöse Begründung durch die Vorstellung des Naturrechts ersetzt, doch die metaphysische Natur dieser Art der Gleichheit bleibt damit bestehen, denn materialistisch und psychologisch betrachtet sind Menschen nicht alle gleich, da jeder Einzelne durch Genetik, Herkunft und Lebenslauf andere Fähigkeiten und Eigenschaften besitzt. Das metaphysische Gleichheitsprinzip, das alle Menschen vor dem Recht gleichstellt sind, ist jedoch für den Erhalt der Zivilisation und das Zusammenleben großer Menschengruppen, wie es eben Staaten sind, unabdingbar. Zwar mag es nur ein metaphysisches Prinzip sein, allerdings ermöglicht es Individuen friedlich zusammenzuleben und der Gesellschaft sich weiterzuentwickeln. Es hat damit einen pragmatischen und rationalen Wert. Das Fehlen dieses Prinzips führt zur Willkür, Machtmissbrauch, Unterdrückung und damit letztendlich zu Chaos und Barbarei. Diese Art der Gleichheit ist damit die Basis der Zivilisation und der Freiheit des Individuums, und aller Formen von funktionierender Gerechtigkeit, da die beiden anderen Prinzipien der Gleichheit ohne sie nicht existieren können. Staaten, die auf der Basis von kollektivistischen Ideologien und totalitären Systemen die individuellen Menschenrechte ablehnen, so wie es im Nationalsozialismus oder in den vom Islam geprägten Ländern der Fall war und noch leider oft ist, versinken dadurch zwangsläufig in Gewalt und Ungerechtigkeit, da sie keine Gleichheit vor dem Recht unter den Individuen mehr herstellen können.

Aus der Gleichheit vor Gott leitet sich auch die Aufgabe des Staats ab: Er soll den Bürgern dienen, indem er sie durch ein Justizsystem voreinander schützt und ihnen die Basis für ein friedliches Zusammenlebens schafft. Das Erheben von Steuern greift zwar in die persönlichen Rechte des Bürgers ein, allerdings kann es als gerecht gerechtfertigt werden, wenn der Bürger die Möglichkeit hat den Staat zu verlassen, und wenn das Erheben von Steuern sich auf das Minimum beschränkt, was benötigt wird, um Maßnahmen umszusetzen, von den alle Bürger gleich profitieren. Es ist jedoch nie gerecht Steuern zu erheben, von deren Verwendung das besteuerte Individuum nicht profitiert.

Die Chancengleichheit schafft die Möglichkeit, nach der jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft, seiner sozialen Stellung, seines Aussehens und seiner Genetik die gleichen Chancen auf einen Erfolg entsprechender seiner Fähigkeiten hat. Konkret bedeutet das, dass sowohl der Sohn eines reichen CEOs als auch der eines armen Handwerkers oder ein Waisenkind, die Möglichkeiten bekommen sollten, die gleichen Chancen im Leben zu bekommen. Dabei sollte auch beachtet werden, dass die kleinste Minderheit im Staat immer das Individuum ist, sodass die Politik sich danach ausrichten sollte jedem Individuum Chancengleichheit zu ermöglichen – dafür ist eine Zusammenfassung der Bürger und die Reduzierung dieser auf konstruierte kollektive Identitäten beziehungsweise Minderheiten kontraproduktiv, da sie eben das Individuum aus den Augen verliert, und damit die Gleichheit aller Individuen vor Gott beziehungsweise dem Recht. Es sollte also keine Förderung beziehungsweise Chancenschaffung für Minderheiten etabliert werden, wie es oft in der heutigen Politik getan wird, weil es pragmatischer und günstiger ist, sondern eine Förderung jedes einzelnen Individuums, unabhängig von der konstruierten Identität. In der Politik bedeutet das, dass jeder einzelne das Recht hat, eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu machen und zu studieren, unabhängig von Herkunft, Ethnie und finanzieller Lage der Eltern. Dadurch bekommt jedes Individuum die Chance sein Potential entsprechend seiner Fähigkeiten zu entfalten. Von dieser Fokussierung aufs Individuum profitiert die Gesellschaft langfristig, da durch die gleichen Startbedingungen letztendlich diejenigen Menschen eine bestimmte Position einnehmen, für die sie am besten geeigneten sind. Wenn in einer Gesellschaft zum Beispiel alle Menschen unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund die Möglichkeit haben eine Schule zu besuchen und danach zu studieren, um zum Beispiel Arzt zu werden, so werden diejenigen das Medizinstudium aufnehmen und dann auch bestehen und letztendlich Arzt werden, die sich nicht nur am meisten dafür interessieren, also die notwendige Begeisterung mitbringen, sondern auch gleichzeitig am kompetentesten dafür sind, weil sie sich gegen die anderen Bewerber durchsetzen müssen. Dadurch wird gesorgt, das kompetente Ärzte ausgebildet werden, die ihren Mitmenschen auch wirklich helfen können. Es werden  auch keine für den Arztberuf besonders begabten Menschen dadurch verschwendet, dass sie aufgrund ihrer Herkunft nicht die Möglichkeit zur Bildung haben.  Die Chancengleichheit also dafür, dass hochintelligente Menschen, Wissenschaftler werden können und nicht als Straßenfeger arbeiten müsse. Und entsprechend führt das auch dazu, dass Menschen, bei denen es besser wäre, wenn sie weder Arzt noch Wissenschaftler wären, weil es ihnen an Intelligenz oder Gewissenhaftigkeit mangelt, von ihren Chancen aus entsprechende Beruf einnehmen, auch wenn es dann ein weniger ertragreicher ist, wie der des Straßenfegers. 

Für die Gesellschaft und ihren Fortschritt, sowie für die Entfaltung und die Freiheit eines jeden einzelnen Individuums ist die Chancengleichheit eine essentielle Gleichheit. Daher sollte es Aufgabe des Staats sein, Chancengleichheit herzustellen, indem er jeden Menschen Zugang zur Bildung ermöglicht. Auch wenn dafür Steuern erhoben werden müssen, sind diese noch zu gerechtfertigten, da jeder einzelne Bürger davon profitiert, wenn er von gebildeten und kompetenten Menschen umgeben ist, die Leben nach ihren Möglichkeiten leben, und nicht frustriert sind, weil sie ihr Potential nicht entfalten konnten, oder aufgrund von mangelnder Bildung in Kriminalität verfallen oder schlicht dumme Dinge tun, die Schaden anrichten. Darüber hinaus gehört auch der Ausbau der Infrastruktur eines Landes zur Schaffung des Staates, da nur eine ausgebaute Infrastruktur es den Menschen ermöglicht sich frei zu bewegen.

Wenn allerdings ein Mensch trotz Chancengleichheit diese Chancen nicht nutzt, so ist dies seine individuelle Verantwortung und er muss mit den Konsequenzen gerechterweiser leben. Es widerspricht der Gleichheit vor dem Recht dann anderen Menschen, die ihre Chancen genutzt haben, in ihren Eigentumsrechten zu verletzten bzw. zu besteuern, damit sie dann die Konsequenzen seines verantwortungslosen Handelns tragen müssen, wie es bei der klassischen Umverteilung des modernen Sozialstaats der Fall ist. Der Staat sollte den Bürgern die Chancen geben ihre Zukunft zu gestalten, aber er kann sie auch nicht bemüttern, wenn sie ihren Bildungsweg abgeschlossen haben, schließlich kann auch nur ein Mensch wirklich erwachsen werden, der lernt auf eigenen Beinen zu stehen und sich selbst zu ernähren und dafür zu arbeiten und die Verantwortung auf sich selbst aufzunehmen.

Was ist aber mit Menschen, die trotz Chancengleichheit nun mal es nicht schaffen, sich sinnvoll in die Gesellschaft zu integrieren? Damit beschäftigt sich das dritte der Gerechtigkeit zugrundeliegende Prinzip.

Die Gleichheit des Ergebnisses ist je nach Definition entweder a) die Gleichheit, nach der jeder universell für die gleiche Leistung das Gleiche bekommt (und oft als soziale Gerechtigkeit beschrieben wird) oder nach b) die Gleichheit, bei der jeder das Gleiche bekommt, allerdings nicht universell, sondern spezifisch jeder für eine konkret erbrachten Ergebnisse einer Leistung entsprechend konkret das Gleiche bekommt. Die Gleichheit nach b) lässt sich also mit dem Prinzip Jedem das Seine beschreiben, was allerdings dann natürlich keine universelle Gleichheit ist, und daher meistens nicht als Gleichheit betrachtet wird, sondern als eine logische Schlussfolgerung aus der Chancengleichheit. Zu ihren Enden gebracht, sind die nämlich Ergebnis-Gleichheiten a) und b) diametral, die eine ist die a) „Jedem das Gleiche“ und b) „Jedem das Seine“, wobei die Schaffung der Chancengleichheit wie im vorherigen Abschnitt gezeigt, theoretisch dazu führt, dass jeder das Seine beziehungsweise die entsprechende Position in der Gesellschaft bekommt. Deswegen wird in den meisten Debatten die Form b) nicht als die Gleichheit des Ergebnisses betrachtet, sondern der Chancengleichheit untergeordnet. Im Folgenden wir daher vor allem auf Form a) eingegangen.
Die universelle Gleichheit des Ergebnisses nach a) mag zwar auf den ersten Blick und in kleinen Rahmen, wie zum Beispiel der Verteilung von Geschenken beim Weihnachtsfest innerhalb der Familie, sinnvoll erscheinen, ist es jedoch in fast allen anderen Lebensbereichen nicht. Wenn zum Beispiel die fiktive Personen Justus und Dike beide jeweils einen Stuhl bauen, und Justus ein total unbegabter Handwerker ist und Dike hingegen sehr geschickt vorgeht, so wird Justus im schlimmsten Fall einen Stuhl bauen, der zusammenbricht, sobald jemand sich draufsetzt, und Dike einen perfekten Stuhl, der mitunter Jahrzehnte hält. Wenn nun die beiden ihren Stuhl verkaufen wollen würden, dann würde niemand einen Stuhl haben wollen, der sofort auseinanderfällt. Beide hatten ihre Chance einen Stuhl zu bauen, Dike wird für ihren Geld verdienen, Justus einen Verlust einstecken und gezwungen werden, einen anderen Beruf zum Gelderwerb zu suchen. Wenn man jedoch nach a) handelt, so sollten nun sowohl Justus als auch Dike für die erbrachte Leistung einen Stuhl gebaut zu haben die gleiche Summe an Geld erhalten. Dies ist jedoch nicht ohne Gewalt möglich, denn niemand will den Stuhl von Justus haben. Damit trotzdem die Gleichheit des Ergebnisses gewahrt wird, kann ein Staat intervenieren und Dike die Hälfte ihrer Einnahmen durch den Stuhl an Justus geben. Dadurch werden beide ungleich vor dem Recht behandelt, also die Gleichheit vor Gott beziehungsweise vor dem Recht aufgehoben, genauso wie die Chancengleichheit und ihr Zweck ausgehebelt werden. Die Gleichheit der Ergebnisse kommt also mit dem Preis der Gleichheit vor dem Recht und der Chancengleichheit. Darüber hinaus, ist es nicht nur paradox Dike dafür zu bestrafen, dass sie eine bessere Leistung erbracht hat, als Justus – es verhindert auch eine Selektion. Dadurch, dass Justus trotz seiner Umgebung weiter Stühle bauen und davon leben kann, wird er nicht gezwungen einen neuen Beruf zu suchen, der seinen Fähigkeiten besser entspricht, und in dem er nicht nur sich selbst mehr erfüllen, sondern auch für die Gesellschaft von größeren Nutzen wäre. Dike hingegen wird dadurch, dass sie für ihre Leistungen bestraft wird, demotiviert diese weiterhin in dieser guten Qualität zu erbringen, und sie wird dadurch in der Entfaltung ihres Potentials gehemmt. Dies ist langfristig kontraproduktiv für die Entwicklung beider und dann auch für die Gesellschaft, da ohne Selektionsprozess keine auf Individuen basierende Wirtschaft langfristig erfolgreich sein kann.

Es lässt sich also festhalten, dass Ergebnis-Gleichheit ungerecht ist, da sie diejenigen, die sich das Ergebnis verdient haben, bestraft, und diejenigen, die es nicht verdient haben, entlohnt, weshalb diese Gleichheit auch als Neid-Gleichheit bezeichnet wird. Abstrakter wird die Forderung nach dieser Gleichheit benutzt, um für soziale Gerechtigkeit und damit Programme umzusetzen, die man als Sozialstaat zusammenfassen kann, und die das Ziel haben die Ärmsten zu unterstützen.
Es wäre aber auch ungerecht, die Gleichheit vor dem Recht zu brechen und damit ungerecht zu handeln, um Menschen zu enteignen und damit zu bestrafen, die mit ihren Leistungen für die Gesellschaft nützlich sind und so aus der Symbiose profitieren, nur um dann diejenigen Menschen dafür zu belohnen, dass sie das nicht tun. Es wäre nicht gerecht, wenn Dike hart arbeitet und Stühle verkauft, und dann einen Teil ihres Einkommens an Justus abgibt, der mittlerweile nicht einmal mehr Stühle herstellt, sondern nur noch faul herum liegt, und dafür auch noch belohnt wird. Eine asymmetrische Umverteilung von Reich nach Arm wie sie in Sozialistischen Staaten stattfindet, ist nicht damit nicht gerecht, da sie gegen die ersten beiden Gleichheitsprinzipien von Gott und Chance verstößt.

Wollte man alle Menschen gerecht behandeln, so müsste man auch alle Menschen gleich besteuern und gleich unterstützten, das heißt, jeder bekommt Bafög und jeder bekommt eine Form einer Grundaufstockung, aber eine asymmetrische Verteilung von Leistenden auf Nicht-leistende ist nicht gerecht. Also, es wäre mit den beiden anderen Gleichheitsprinzipien vereinbar und damit gerecht, wenn sowohl Justus und Dike, unabhängig von ihrem Einkommen, im gleichen Umfang Nahrungsmittel, Wohnraum, den gleichen Steuersatz und den gleichen Zugang zur Bildung bekommen, aber nicht, wenn Justus Nahrung und Wohnraum auf Kosten von Dike bekommt, während Dike ihre Nahrung und ihren Wohnraum selber bezahlen muss. Da allerdings diese Nahrung und der Wohnraum usw. irgendwo herkommen müssen, das heißt, irgendwo jemand dafür arbeiten muss, kann es keinen gerechten Weg geben, wie jemand, der keine Produktivität in die Gesellschaft einbringt, wie Justus, dann diese von der Gesellschaft bekommt. (Außer wir schaffen eines Tages ein perpetuum mobile, oder zumindest eine Armee aus sich selbst reparierenden Robotern, die unsere Grundversorgung sicherstellen, sodass der Staat kostenlos Unmengen an Ressourcen selber produzieren und verteilen kann.)

Man kann zwar argumentieren, ähnlich wie bei der Bildung, dass eine Gesellschaft für alle besser ist, in der kein Justus in die Kriminalität gezwungen wird, da er sich kein Wohnraum und kein Essen leisten kann, allerdings wäre es wie aufgeführt nicht gerecht einen Sozialstaat dafür zu etablieren. Die staatlichen Sozialleistung neigen überdies dazu, den Mensch unmündig zu machen, da sie ihn in seiner Konformität bestärken und die sozialen Netze überflüssig machen und dadurch auflösen. Für diejenigen, die durchs soziale Netz fallen waren in den religiösen Gesellschaften die Almosen konzipiert, sodass die, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, durch die freiwilligen Spenden der Gläubigen trotzdem überleben können. Dieses System, bei dem diejenigen, denen es gut geht, freiwillig ein Teil ihres Wohlstands abgeben, ist das einzige gerechte Sozialsystem, da es auf Freiwiligkeit basiert und daher dafür kein Staat die Gleichheit vor dem Recht brechen muss. Fraglich ist, wie effizient die Verteilung privater Spenden, vor allem in einer zunehmen säkularisierten und damit nicht an religiöse Moral gebundenen Welt, möglich ist. Die beste Lösung dafür wäre, wenn in den Schulen nicht nur Sprachen, Mathematik und Wissen gelehrt werden, sondern die Schüler auch in Empathie, formal logischem Denken, Gerechtigkeitssinn und Tugenden geschult werden, also zu mündigen und sozialen Bürgern geformt werden. Leider existieren entsprechende Fächer und Programme bisher aufgrund von mangelnder Chancengleichheit in Deutschland vor allem nur an Privatschulen und elitären Internaten, die es nicht geben würde, wenn der Staat seinen Bildungsauftrag gewissenhaft erfüllen würde. Da der Staat sich letztendlich aber aus Individuen zusammensetzt, muss nicht nur der Staat gerecht sein, sondern auch die Bürger, die diesen Staat bilden, müssen gerecht, gebildet und empathisch sein, da nur so ein soziales und friedliches Zusammenleben möglich wird. Dies ermöglicht auch die Schaffung von sozialen Netzen, die sich um Probleme kümmern, die außerhalb des Aufgabenbereichs des Staats liegen.

Da in der Realität, vor allem in der durch Medienkonsum und Nihilismus vereinsamten postmodernen Gesellschaft des Westens, aber soziale Strukturen nicht ausreichen, um alle Menschen aufzufangen, kann es gerecht sein den Staat einzubeziehen. Man kann dafür die Chancengleichheit argumentativ so weit führen, dass man sagt, dass ein Mensch immer alle Chancen haben sollte, zurück in die Gesellschaft zu finden und an ihr teil zu nehmen. Damit kann man Systeme, die allgemein als Sozialstaat bezeichnet werden, als gerecht legitimieren. Allerdings müssen dann diese Systeme so geschaffen sein, dass sie nicht nur am Leben hält und die Betroffenen bestrafen, wenn sie versuchen sich wieder hochzuarbeiten (wie im Hartz IV System der Fall ist) sondern Anreize geschaffen werden, wieder zu arbeiten (wie zum Beispiel im Konzept des liberalen Bürgergelds, für das sich die FDP in Deutschland einsetzt).

Zusammenfassend kann man schlussfolgern, dass eine freie und zivilisierte Gesellschaft, in der jedes Individuum seinen Platz finden und in Freiheit leben kann und in der die meiste Gerechtigkeit herrscht, die ist, deren Staat nach dem Gerechtigkeitsprinzip handelt, das auf den Gleichheitsvorstellungen von der Gleichheit vor dem Recht und der Chancengleichheit beruht, und ansonsten nicht in das Leben der Bürger interveniert. Ein Staat, der eine Gleichheit der Ergebnisse anstrebt, wie es der Sozialismus beziehungsweise der Kommunismus vorsehen, hebelt nicht nur zwangsläufig die ersten beiden Gleichheitsprinzipien aus und wird ungerechter, er zerstört damit auch die Freiheit der Individuen und die Wirtschaftskraft der aus ihnen geformten Gesellschaft. Damit ein Staat durchgehend gerecht sein kann, braucht er nicht nur eine republikanische Struktur, die starke Institutionen ermöglicht, die die Gleichheit vor dem Recht durchsetzen können – er braucht auch eine durchlässige Hierarchie, in der jeder die Chance hat aufzusteigen und seinen Fähigkeiten entsprechend mitzuwirken, sowie eine engagierte und solidarische Bevölkerung, die freiwillig untereinander kooperiert. Für einen guten Staat braucht es also nicht nur die metaphysische und organisatorische Basis eines gerechten Rechts- und Bildungssystems, sondern auch die Basis aus sozialen und mündigen Individuen, wobei beides einander bedingt. Weder kann ein Staat gerecht sein, wenn die Individuen, aus denen er sich zusammensetzt, unmündig sind, noch können sich nur wenige mündigen Individuen entwickeln, wenn der Staat ungerecht ist.
Solch eine gerechte und gute Gesellschaft wäre in der Idealform eine liberale Republik, die ähnlich wie Platons Staat, mit festen Strukturen für Recht und Ordnung und damit Freiheit sorgt, von gerechten und kompetenten Menschen gelenkt wird, die sich für die Leitung qualifiziert haben und durch Sicherungssysteme und eine Teilung der Gewalten davon abgehalten werden, ihre Macht zu missbrauchen. Optimalerweise würde ein System seine Herrscher aufgrund ihres Gerechtigkeitssinns und ihrer Begabungen selbst aussuchen, da allerdings der Staat etwas ist, was durch Menschen geschaffen wird und aus ihnen besteht und eine unkorrumpierbare, von außen eingerichtete Instanz zur Herrscherwahl nicht gegeben ist, ist der beste Kompromiss ein semi-demokratisches System beziehungsweise eine liberale, republikanische beschränkte Demokratie, in der der Staat nur so viel Macht wie notwendig hat und alle Bürger vor Gericht gleich behandelt und ihnen die Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bietet. Wichtig ist hierbei zu betonen, dass eine konstitutionelle Republik einer richtigen Demokratie zu bevorzugen wäre, da richtige Demokratie Populismus und eine Tyrannei der Massen ermöglicht, die die Gerechtigkeit der Institutionen untergraben würde. Die Stimmen der einzelnen Individuen sollten daher bei der politischen Entscheidungsfindung nicht gezählt, sondern gewichtet und die Macht der Herrschenden beschränkt werden. Darüber hinaus haben allerdings die Bürger und damit jedes Individuum die Verantwortung auch selbständig und gemeinschaftlich zu handeln, und das unabhängig vom Staat. Der Staat kann nämlich nur gerecht bleiben, solange er die Gleichheit vor dem Recht nicht verletzt, und das kann er nur, solange er nur minimal in die Leben der Menschen eingreift, vor allem, um Justiz und Bildung zu sichern, aber den Rest müssen die Menschen unabhängig vom Staat und freiwilig selbst organisieren.

So wäre das Idealbild. Da unsere Gesellschaft im steten Wandel und unendlich kompliziert ist, wird es wahrscheinlich niemals einen wirklich gerechten Staat geben, da auch die akute Tagespolitik die Herrschenden dazu zwingt Ungerechtigkeiten zu begehen und Korruption und Machtgier das System korrumpieren. Die alltägliche Welt ist darüber hinaus unendlich komplex und kann daher, wie hier, nur in abstrakten Reduktionen begrifflich gemacht werden, sodass eine perfekte Beschreibung und damit perfekte Antwort auf die Probleme der Welt nicht immer möglich ist, vor allem, wenn man beginnt die zahllosen juristischen Einzelfälle zu betrachten, die jeden Tag auftreten, und die sich nicht einfach durch die Orientierung an den hier dargelegten Axiomen lösen können. Die Technologien, die das Leben und damit die Gesellschaft formen, verändern sich ebenfalls konstant, sodass kaum eine zeitlose Antwort gefunden werden kann. Aber Perfektion ist stets ein Ideal, das es sich anzustreben lohnt, auch wenn man es nie erreichen wird, so ähnlich wie man beim Boxen nie auf das Gesicht des Gegners zielt, sondern hinter sein Gesicht, um den Schlag mit mehr Wucht und auch dann zu landen, wenn er zurückweicht. Daher ist es immer lohnenswert die grundlegenden Prinzipien und Ideale wie Gerechtigkeit zu betrachten und dann das Leben und den Staat nach ihnen auszurichten. Wahrscheinlich werden diese Ideale niemals vollständig realisiert werden können, aber der Versuch diese zu Realisieren und die Annäherung an das Ideal, machen das Leben besser und damit bereits idealer.


Und wie immer handelt es sich bei diesem Essay um meine subjektive Meinung zu der Thematik. Wie man wahrscheinlich merkt, argumentiere ich aus einer stark liberalen Position heraus, aber ich bin immer offen für neue Ideen, weshalb ich mich immer über Gegenmeinungen in den Kommentaren freue. 😉


Quelle des Beitragsbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Declaration_of_Independence_(1819),_by_John_Trumbull.jpg#/media/File:Declaration_of_Independence_(1819),_by_John_Trumbull.jpg

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Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (6) Widerlegung und Bilanz

Widerlegung und Bilanz

oder

Ein letztes Wort zum menschlichen Drogenkonsum

Drogenkonsum mag in den meisten Fällen irrational, selbstzerstörerisch und sinnlos sein, aber das hat er leider mit der menschlichen Natur gemeinsam, denn der Mensch ist mehr als nur eine rationale, biochemische Rechenmaschine. Vielleicht geht die Menschheit deshalb trotz allem, seit jeher Hand in Hand mit Drogen durch ihre Geschichte, von den Opiumfeldern im heutigen Österreich in der Jungsteinzeit vor 8 000 Jahren, zu den Lotusessern und Bierbrauern des alten Ägyptens, über den LSD-Kult in den 1970er Jahren bis hin zu dem boomenden Research Chemical und Legal High Markt im 21. Jahrhundert.

Aber Rationalität und trockener Rationalismus vermögen alleine nicht viel vollbringen, das Geordnete, Vernünftige, Apollinische alleine führt nur zur Stagnation, Trübsal und Bilanzsuizid. Der Rausch, ob durch Drogen oder durch das Leben an sich, ist die dionysische Quelle alles Schönen, Künstlerischen und Lebenswerten. Drogen und Kunst sind ein Beispiel dafür, dass es auf den verko(r)ksten Pfaden der Menschlichkeit rational sein kann, irrational zu handeln. Allerdings ist es auch rational diese Irrationalität und damit den Drogenkonsum auf den niedrigst möglichen Niveau zu halten.




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (5) Zusammenfassung

Zusammenfassung

Wenn man diese Prinzipien und Differenzen betrachtet und versucht universelle Regeln für einen rationalen Drogengebrauch daraus abzuleiten, so kommt man zu den folgenden Grundsätzen:

  • Drogen im hedonistischen Prinzip zu konsumieren ist irratonal, da die potenziellen Schäden und Risiken den möglichen Nutzen überwiegen
  • Drogen im zielorientierten Prinzip zu konsumieren kann bei Alternativlosigkeit rational sein
  • Drogen im psychonautischen Prinzip zu konsumieren kann rational sein, wenn der Konsument darauf vorbereitet ist und ein klares Ziel besteht, dem dieser psychoanalytische Eingriff dienen soll
  • es muss immer das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden und auf deren Basis entschieden werden
  • wenn es eine bessere Alternative zum Drogenkonsum gibt, sollte diese benutzt werden

=> Drogenkonsum lässt sich rational begründen, allerdings nur in wenigen Fällen, nämlich denen, die dem Zielorientierten oder Psychonautischen Prinzip zugeordnet werden können und bestimmte Auflagen, erfüllen.

Hier gibt es eine Grafik: Und unter diesem Link geht es zu Teil 6, wo ich erkläre, warum das hier alles in der Realität, wie alle ethischen Überlegungen, nur begrenzt umsetzbar und gültig ist. Ja, klingt sehr produktiv sich selbst zu widerlegen, ich weiß, aber lest selbst.

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Verschiedene Drogen lassen sich verschiedenen Prinzipien zuordnen




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (4) Das Psychonautische Prinzip

Das Psychonautische Prinzip

Die psychonautische oder erforschende Anwendung von Drogen ist heutzutage relativ selten. Sie ist am häufigsten bei intellektuellen Individuen und bei indigenen Völkern anzutreffen. Der Konsument verwendet hierbei Drogen, um seine eigene Psyche zu erforschen oder philosophische, spirituelle oder pharmakologische Experimente durchzuführen.

Für diese Ziele sind vor allem Psychedelika am besten geeignet und damit maßgebend. Das Wort psychedelisch bzw. psychedelic wurde 1956 von dem Psychiater Humphry Osmond und dem Schriftsteller Aldous Huxley geprägt und leitet sich von den griechischen Wörtern psychḗ‚ (Seele) und dẽlos (offenkundig, offenbar, manifestiert) ab. Damit soll beschrieben werden, dass Psychedelika die Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein auflösen. Das bekannteste Psychedelikum ist Lysergsäurediethylamid (LSD), welches, wie die meisten anderen auch, an den Serotoninrezeptoren 5-HT2A/C im Thalamus wirkt. Der Thalamus ist so etwas wie das Kontroll- und Zensurzentrum im Gehirn. Er entscheidet, welche Informationen aus der Umwelt und aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein gelangen und welche nicht. Durch die Wirkung eines serotogenen Psychedelikum wie LSD oder Meskalin wird der Thalamus hyperaktiv und leitet viel mehr Informationen weiter als sonst. Dies führt bei höheren Dosierungen zu den bekannten Pseudohalluzinationen, wie atmenden Wänden, spirituellen Visionen und Synästhesie, da der Visuelle Cortex irgendwann mit der Menge an Informationen überfordert ist. Hierbei handelt es sich allerdings meistens eher um eine Nebenwirkung. Die Hauptwirkung von Psychedelika besteht nämlich dabei, dass der Konsument mit seinem Unterbewusstsein konfrontiert wird. Erinnerungen, Schwächen, eigenen Fehler und mentale Blockaden tauchen auf und werden bewusst. Dies kann ein sehr belastender Zustand sein und unter Umständen, insbesondere bei schlechtem Set (physische Umgebung) und Setting (psychischer Zustand) zu sogenannten Horrortrips führen, bei dem der Konsument überfordert ist und in Panik ausbricht. Solche Horrortrips können zu langfristigen Schäden wie Traumata und Depressionen führen oder latente Psychosen auslösen (auch wenn sie keine Psychosen direkt verursachen können).

Wenn allerdings ein gutes Set und Setting eingehalten wird und der Konsument den Rausch ernsthaft angeht, kann er aus ihm sehr viel über sich selbst lernen, insbesondere über seine Probleme und wie er sie lösen kann. Auch vermögen Psychedelika den Konsumenten zu rekonditionieren, also tiefsitzende Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu verändern. Dies macht man sich in der psycholitischen Psychotherapie zunutze. Dabei wird dem Patienten MDMA[i], Psilocybin oder LSD verabreicht. Während des Rauschzustands nutzt ein dafür ausgebildeter Therapeut dann den Zugang zum Unterbewusstsein, um gezielt Fragen zu stellen und so die Ursache psychischer Probleme zu finden. Diese Therapieform hat sich als höchst effektiv bei der Behandlung von PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), Depressionen und Drogenabhängigkeit erwiesen. Psychedelikakonsumenten haben sogar statistisch gesehen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung ein niedrigeres Depressionsrisko[ii].

Psychedelika können allgemein als zweischneidiges Schwert betrachtet werden. Sie können bei der psychonautischen Anwendung viel Heil bringen, aber auch viel Schaden anrichten, weshalb der Konsum immer gut vorbereitet werden muss. Der Konsument sollte sich gut über das jeweilige Wirkungsspektrum der Substanz informieren und dafür sorgen, dass er während des Rausches sich auf sich selbst konzentrieren kann und nicht gestört wird. Auch setzt die sinnvolle Verwendung von Psychedlika eine gewisse geistige Reife und Stabilität voraus. Sind diese Bedingungen gegeben, so spricht eigentlich rational nichts gegen einen Psychedelikakonsum, da der Nutzen der Selbsterforschung höher ist, als die Risiken, von dem, was man in seinem Unterbewusstsein vorfinden könnte, langfristig geschädigt zu werden.

Auch wenn die körperliche Belastung der meisten Psychedelika sehr gering ist, so ist es bei LSD unmöglich eine tödliche Überdosis zu konsumieren, ist die psychische Belastung enorm.[iii] Der Konsument braucht nach einem psychedelischen Rausch in der Regel eine längere Zeit, um die daraus gewonnen Erkenntnisse zu verarbeiten. Aus empirischen Erfahrungen vieler Konsumenten, ist es nicht sinnvoll und sicher Psychedlika öfters als vier Mal im Jahr zu nehmen. Die meisten Psychedelika sind nicht suchterzeugend oder abhängigmachend und ihr Konsum reguliert sich selber, da die meisten Konsumenten den Konsum von Psychedlika nach einiger Zeit von selbst einstellen, weil sie keine neuen Erkenntnisse mehr daraus gewinnen können.

Einige Substanzen, wie MDMA oder gerauchtes Cannabis, weisen allerdings sowohl psychedelische, als auch euphorisierende und damit hedonistische Merkmale auf und können auch zur Sucht führen. Ihr Konsum sollte vorsichtig betrieben werden, da er schnell von einem psychonautischen zu einem hedonistischen Konsum werden kann und damit an Mehrwert verliert.

Neben den Psychedelika gibt es noch zwei weitere Substanzklassen, die sich für eine psychonautische Verwendung eignen. Dies wären einmal die Dissoziativa, von denen die wichtigsten Vertreter Ketamin, Salvinorin A und PCP sind. Von ihnen ist nur Salvinorin A eine reine psychonautische Droge, während die beiden anderen auch euphorisierend, suchterzeugend und schmerzstillend wirken und daher von den meisten Konsumenten ihm Rahmen des hedonistischen Prinzips benutzt werden. Auch sind Ketamin und PCP neurotoxisch und giftig, während bei Salvinorin A keine giftigen Effekte bekannt sind, weshalb Salvinorin A das einzige Dissoziativum ist, dessen Konsum mehr Nutzen bringen als Schaden anrichten kann, allerdings gelten hier die gleichen Sicherheitsbedingungen von Set und Setting wie bei den Psychedelika.

Die dritte, große und gefährlichste Substanzklasse der Drogen, die sich für einen psychonautischen Konsum eignen, ist die der oneirogenen (=traumerzeugenden) Drogen. Träume sind Produkte unseres Unterbewusstseins und können uns daher sehr viel über uns erzählen. Es gibt verschiedene Drogen, die Träume auch im Wachzustand erzeugen oder im Schlaf intensivieren können und so einen intensiveren Blick ins Unterbewusstsein eröffnen.

Die stärkste Substanz dieser Art ist das Ibogain, welches einen bis zu zwei Tage andauernden Wachtraumzustand hervorrufen kann und, durch bisher nicht ganz geklärte Mechanismen, sämtliche Entzugserscheinung und das Verlangen nach Drogen bei Abhängigen schlagartig und dauerhaft beseitigt. Diese Substanz wurde lange Zeit in den USA in Entzugsklinken verwendet, wird allerdings heutzutage immer seltener eingesetzt, da sie, insbesondere in Kombination mit anderen Drogen, tödliche Nebenwirkungen haben kann und schwer zu dosieren ist. Ihre Verwendung ohne ärztliche Aufsicht ist kritisch zu betrachten, da die Sicherheit eher gering ist.[iv]

Des Weiteren können einige Opioide und Opiate, insbesondere Opium und Kratom, in höheren Dosierungen zu psychedelischen Halbwachzuständen oder zu intensiven Träumen führen, allerdings wird dies auch von Euphorie und einem hohen Abhängigkeitsrisiko begleitet, weshalb die psychonautische Anwendung dieser Mittel, wenn überhaupt, höchstens alle paar Monate und nur von Konsumenten betrieben werden sollte, die eine starke Willenskraft besitzen.

Fast alle Pflanzlichen Drogen aus dem psychonautischen Spektrum wurden und werden von verschiedenen Völkern auch als Sakramente verwendet, um durch ihre halluzinogene und spirituell reinigende Wirkung vermeintlichen Kontakt mit übernatürlichen Wesen herzustellen. Beispiele dafür sind Mutterkorn im antiken Rom, Peyote in Nordamerika und Ayahuasca in Südamerika. Dieser Konsum ist aus moderner, rationaler und wissenschaftlicher Sicht, eher kritisch zu betrachten, allerdings hängt dies auch davon ab, wie hoch man Kultur und Tradition beurteilt.

 

Als sichere und gesündere Alternative zum psychonautischen Drogenkonsum können philosophische Studien und Meditation, bei der sogar fast identische halluzinogene Zustände erreicht werden können, angeführt werden. Ihre erfolgreiche Anwendung bedarf allerdings Jahrzehnte an täglicher Praxis und hoher Konzentration auf das Ziel.

 

Hier geht es weiter mit Teil 5 von 6

 

[i] The safety and efficacy of ±3,4-methylenedioxymethamphetamine-assisted psychotherapy in subjects with chronic, treatment-resistant posttraumatic stress disorder: the first randomized controlled pilot study

  von Michael C Mithoefer, Mark T Wagner, Ann T Mithoefer, Lisa Jerome und  Rick Doblin

http://jop.sagepub.com/content/25/4/439

 

[ii] Universität Alabama, Journal of Psychopharmacology doi:10.1177/0269881114565653; Jan. 2015

  1. S. Hendricks, C. B. Thorne, C. B. Clark, D. W. Coombs, M. W. Johnson: Classic psychedelic use is associated with reduced psychological distress and suicidality in the United States adult population. In: Journal of Psychopharmacology. 29, 2015, S. 280, doi:10.1177/0269881114565653.

 

[iii] Lysergic acid diethylamide (LSD) for alcoholism: meta-analysis of randomized controlled trials, von Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen, veröffentlicht 2012

 

Safety and Efficacy of Lysergic Acid Diethylamide-Assisted Psychotherapy for Anxiety Associated With

Life-threatening Diseases, von Peter Gasser, MD,* Dominique Holstein, PhD,ÞYvonne Michel, PhD,þ Rick Doblin, PhD,§ Berra Yazar-Klosinski, PhD,§ Torsten Passie, MD, MA,|| und Rudolf Brenneisen, PhD, veröffentlicht 2014

 

[iv] Screening and safety in ibogaine treated patients, Dora Weiner Foundation, Staten Island, NY

K.R. Alper, H.S. Lotsof, G.M. Frenken, D.J. Luciano, J. Bastiaans 1999 234–42.

  Giannini, A. James: Drugs of Abuse, 2nd, Practice Management Information Corporation, 1997, ISBN 1-57066-053-0.H.S. Lotsof (1995). Ibogaine in the Treatment of Chemical Dependence Disorders: Clinical Perspectives

 




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (3) Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte-Pragmatische Prinzip ist das zweithäufigste Konsummuster in der westlichen Gesellschaft. Hierbei werden Drogen nicht zum Spaß oder um geistig zu wachsen benutzt, sondern als Werkzeuge, um bestimmte objektive, langfristige Ziele zu erreichen. Klassische zielorientierte Drogen sind Schmerzmittel und Stimulanzien, die genommen werden, um leistungsfähig zu bleiben und ein relevantes Ziel zu erreichen.

Diese Anwendung ist in den meisten Fällen als akzeptabel anzusehen, da sie nicht zu Konformität und Unmündigkeit verleitet und die Nutzen in der Regel die Risiken überwiegen.

Als weitverbreitetes Beispiel kann man hier den Konsum des Stimulans Koffein anführen, welches übrigens die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz der Welt ist. Koffein erhöht die Leistungsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer, sodass der Konsument in der Lage ist, mehr Arbeit in kürzerer Zeit und effektiver zu verrichten. Auf der körperlichen Seite, belastet es den Kreislauf und die Nebennieren, aber verursacht keine gravierenden körperlichen Schäden. Das größte Risiko bei Koffein ist, dass es körperlich abhängig macht, weshalb man es nicht jeden Tag konsumieren sollte, sondern nur, wenn es absolut nötig ist, da der Konsument sonst irgendwann nicht mehr in der Lage ist, ohne die Substanz zu funktionieren, was ihn unfrei macht und von vielen unangenehmen und hinderlichen Nebenwirkungen begleitet wird. Neben den Entzugserscheinungen sind die Begleiterscheinungen bei Koffeinabhängigkeit Reizbarkeit, Nervosität, Herzklopfen, Schlafstörungen und schneller Herzschlag. Psychisch ist Koffein bei moderaten Konsum ebenfalls relativ sicher. Erst bei regelmäßigen Konsum erhöht es, wie alle Stimulanzien, das Psychoserisiko. Die Nutzen-Risiken-Bilanz ist also bei unregelmäßigen Konsum höher, als bei absoluter Abstinenz und als beim regelmäßigen Konsum.

Weitere zielorientierte Drogen können andere Stimulanzien wie Methylphenidat, Amphetamin und Kokain sein, oder auch sogenannte Nootropika, Substanzen wie Modafilin, Phenibut und Kratom, die die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Psyche erhöhen. Wie immer, sollte man den Konsum möglichst geringhalten und nur betreiben, wenn es situationsbedingt absolut nötig ist z.B.: wenn man eine Arbeit innerhalb kürzester Zeit verfassen muss, oder, wenn man ein Soldat im Krieg ist, der für einen strategischen Vorteil drei Tage ohne Schlaf durchstehen muss, während er sich durch ein feindliches Gebiet kämpft. (Dies wurde zum Beispiel von der Wehrmacht beim Blitzkrieg und den U.S. Streitkräften im Vietnamkrieg praktiziert, indem man den Soldaten Methamphetamin gab, was sie aggressiver und leistungsfähiger machte). Allerdings sollte es bei dem situationsbedingten, unregelmäßigen Konsum bleiben und nicht zu einem täglichen oder hedonistischen Konsum ausufern, da dies zur Sucht und damit zu mehr Schaden, als Nutzen führen kann und damit selbstzerstörerisch und irrational ist.

Ein weiteres Anwendungsgebiet des Zielorientierten Prinzips ist die Medizin, in der z.B.: Narkotika verwendet werden, um Operationen sicherer und schmerzlos durchführen zu können. Dies ist in der Regel rational und ethisch absolut in Ordnung, da das Wohlergehen des Patienten damit sichergestellt wird. Allerdings muss natürlich auch hier je nach Situation abgewogen werden, ob es sinnvoll ist bestimmte Substanzen zu verwenden oder nicht.

Ein umstrittenes Gebiet ist hier besonders die Psychiatrie, in der häufig mit Drogen/Medikamenten lediglich die Symptome einer Störung unterdrückt werden, allerdings oft auf Kosten des langfristigen Wohlergehens des Patienten und ohne auf die eigentlichen psychologischen Ursachen der Probleme einzugehen.

Einen Schizophrenen mit Neuroleptika ruhigzustellen, ist für die Ärzte und sein Umfeld einfacher, schneller und billiger, als ihn mit einer langwierigen und anstrengenden psychoanalytischen Behandlung zu kurieren. Allerdings führt die Behandlung von Neuroleptika auf Dauer zu einer Degeneration des Gehirns und nicht selten zu einer Verschlimmerung der Symptome beim Absetzen der Mittel. Ähnliches lässt sich über die Behandlung von unruhigen Kindern mit ADHS durch Methylphenidat sagen. Hier werden die Erwartungshaltungen der Gesellschaft durch chemische Methoden auf ein Kind forciert, welches sich der Konsequenz noch gar nicht bewusst sein kann. Dies führt häufig dazu, dass diese Kinder unfreiwillig abhängig werden von Medikamenten und starke Nebenwirkungen entwickeln, an denen sie mehr leiden, als an dem nüchternen Anderssein.

In Fällen von echten psychischen Beeinträchtigungen, wie wirklich stark ausgeprägtem ADHS, ist es natürlich sinnvoll und sogar wegweisend, entsprechende Medikamte zu nehmen.

Auch ist die tendenziell immer häufigere und leichtsinnige Verschreibung von Antidepressiva anzuführen und kritisch zu betrachten, bei denen eine der häufigsten Nebenwirkungen Suizid ist.

Psychopharmaka sollten in der Psychiatrie nur dann eingesetzt werden, wenn es unausweichlich ist.

Hier muss man daher die tendenzielle Herangehensweise der modernen Psychiatrie verurteilen sofort und immer häufiger, ohne Alternativen abzuwägen, Medikamente zu verschreiben. Dies macht den Patienten häufig, statt ihn wirklich zu kurieren, zu einem Abhängigen, bei dem lediglich die Symptome unterdrückt werden, so dass er für die Gesellschaft noch vom Nutzen ist, aber er nicht mit sich selbst ins Reine kommen kann.

Ähnliches muss man aber auch denjenigen Individuen vorwerfen, die sich selbst mit Drogen behandeln. Wer zum Beispiel an einer Sozialphobie leidet und, statt diese zu konfrontieren und für alle Zeit zu überwinden, sich mit Beruhigungsmitteln selbsttherapiert, der verschlimmert diese Phobie auf Dauer nur und stürzt sich selbst in eine Abhängigkeit. Ergo er handelt langfristig gesehen selbstzerstörerisch und damit irrational.

Generell ist der Einsatz von Drogen im Zielorientierten Prinzip oft der Weg des geringsten Widerstandes, um ein Problem zu lösen, aber auch häufig der, der langfristig gesehen eher schadet als nützt. Zielorientierter Konsum ist nur akzeptabel und rational, wenn er die beste mögliche Option darstellt.

Hier geht es weiter mit Teil 4

 




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (2) Das Hedonistische Prinzip

Das Hedonistische Prinzip

Das am weitesten verbreitete Prinzip des Drogenkonsums in der modernen westlichen Gesellschaft ist das Hedonistisch-Soziale. Das Motiv des Drogenkonsums ist hier das Erreichen von Freude, und das Vergessen von Sorgen und, aber nicht zwangsläufig, die Sozialisierung mit anderen Individuen. Dies wird auch häufig betrieben, um Gruppenzwang zu entsprechen oder um Schwächen zu kompensieren oder um sich in Feierstimmung zu versetzen, was aber alles letztendlich auch auf das Ziel Freude heruntergebrochen werden kann.

Das Individuum strebt also primär schnelles Glück und Freude an, und konsumiert entsprechend primär euphorisierende Drogen.

(An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass, entgegen eines weitverbreiteten Irrglaubens, nicht alle Drogen euphorisierend und betäubend wirken. Vor allem im Psychonautischen Spektrum findet man viele Drogen, wie z.B.: Salvinorin A[i], die dysphorisch und psychedelisch wirken.)

Die am häufigsten konsumierte und markanteste der hedonistisch genutzten Droge ist in den Industrienationen kulturell bedingt Ethanol/Trinkalkohol in Form von Wein, Bier und Spirituosen, weshalb dessen Betrachtung am geeignetsten ist, um das hedonistische Prinzip zu veranschaulichen.

Ethanol betäubt die Sinne, versetzt den Konsumenten in ein angeheitertes Delirium, bei dem er mit steigender Berauschung die Kontrolle über seine Handlung verliert. In diesem Zustand ist er nicht in der Lage klar zu denken und neigt zu emotionalen Ausbrüchen, was sich unter anderem daran widerspiegelt, dass 40% aller Gewalttaten in Deutschland von alkoholisierten Tätern begangenen werden.[ii] Dieser Zustand hat, abgesehen von Euphorie und der verstärkten Sozialisierung mit anderen Berauschten, die aber auch nüchtern erreicht werden können, keinen erkennbaren Mehrwert. Des Weiteren schadet Alkohol der persönlichen Entwicklung und kann einen Menschen unmündig machen, da es ihn vergessen lässt, was ihn an sich selbst und seinem Leben missfällt, statt ihn damit zu konfrontieren oder die Kraft zu geben sein Leben zu verändern. Wie alle euphorisierenden und betäubenden Drogen, verleitet Ethanol zur Konformität und Akzeptanz von Missständen. Wer das Glück einfach aus der Flasche kriegen kann, ist prinzipiell weniger daran interessiert Glück und Erfolg durch harte Arbeit zu erringen. Sich selbst mithilfe einer Substanz glücklich zu machen, ist Selbstbetrug, da man eigentlich nichts getan hat, worüber man glücklich sein könnte. Des Weiteren senkt ein einziger Vollrausch die Leistungsfähigkeit für mehrere Wochen und erhöht die Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken signifikant.

Auf der körperlichen Seite verursacht dieses Mittel als Zellgift bereits in nicht berauschenden Dosierungen Schäden im gesamten Körper des Konsumenten, was sich daran wiederspeigelt, dass allein in Deutschland jedes Jahr 74.000 Menschen an den Folgen von Ethanolkonsum sterben. Hinzu kommt, dass Ethanol als GABA-errege Droge körperlich abhängig machen kann und ein hohes Sucht- und Abhängigkeitspotenzial besitzt. Dieses hohe Abhängigkeitspotential wird durch die hohe kulturelle Akzeptanz und Integration der Substanz in den westlichen Industrienationen abgemindert, trotzdem gibt es allein in Deutschland 9,5 Millionen Menschen, die einen problematischen Ethanolkonsum aufweisen, von denen ungefähr 1,3 Millionen abhängig sind.[iii] Der Entzug bei Alkoholabhängigkeit kann mitunter tödlich verlaufen.

Wenn man nun den Nutzen und die Risiken des Ethanolkonsums miteinander abwägt, so stellt man fest, dass die Risiken und Schäden an Körper und Geist sehr hoch sind, der Konsum aber keinen langfristigen Nutzen oder Mehrwert für die persönliche Entwicklung hat, sondern lediglich einige Stunden sinnloser Euphorie und Verwirrung bescheren kann. Ähnlich verhält es sich mit anderen, rein hedonistischen Drogen, wie Tabak und Heroin und auch mit der hedonistischen Verwendung von tendenziell zielorientierten Drogen wie Kokain oder psychonautischen wie Cannabis. Immer besteht ein hohes Risiko von Sucht, körperlicher Degeneration und moralischer und willentlicher Korrumpierung.

Manch einer mag hierauf gegenargumentieren, dass gelegentlicher und mäßiger hedonistischer Konsum zur Erholung vom Alltagsstress für die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden förderlich sei. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Trugschluss. Die von Opioiden, Ethanol oder anderen Drogen verursachte Euphorie fühlt sich zwar subjektiv erholend an, stellt aber immer eine zusätzliche objektive Belastung für das Nervensystem dar und untergräbt auf Dauer damit die Stressresistenz des Individuums. Für das allgemeine Wohlbefinden ist absolute Abstinenz von Drogen in der Regel am förderlichsten.

Ein weiteres, starkes Argument, welches hedonistischen Konsum befürwortet, ist, dass dieser häufig enthemmend wirkt und so bestimmte soziale Interaktionen überhaupt erst ermöglicht. Auch ist er ein Teil der westlichen Kultur und des Soziallebens, den man, wenn man daran teilhaben will, nur schwer übergehen kann. Aus rationaler Sicht aber, wäre es für ein Individuum und die Gesellschaft psychisch und gesundheitlich besser, wenn auf euphorisierende Drogen verzichtet werden würde und die Menschen lernen würden, sich selbst ohne chemische Hilfe zu überwinden und daran zu wachsen. Und, jeder kann willentlich entscheiden, ob er nüchtern oder nicht nüchtern am Sozialleben teilnimmt. Beides ist möglich, weshalb es rational gesehen nicht zwingend notwendig ist Ethanol und andere Drogen zu konsumieren.

Die reinrationale Schlussfolgerung hieraus ist also, dass man diese Drogen beziehungsweise das gesamte hedonistische Prinzip, meiden sollte und Drogen niemals aufgrund von Gruppenzwang oder zum Spaß nehmen sollte, da dies Missbrauch von Drogen ist, der mehr schadet, als nützt.

Hier geht es weiter mit Teil 3

 

[i] Bronwyn Kivell, Zeljko Uzelac, Santhanalakshmi Sundaramurthy, Jeyaganesh Rajamanickam, Amy Ewald, Vladimir Chefer, Vanaja Jaligam, Elizabeth Bolan, Bridget Simonson, Balasubramaniam Annamalai, Padmanabhan Mannangatti, Thomas E. Prisinzano, Ivone Gomes, Lakshmi A. Devi, Lankupalle D. Jayanthi, Harald H. Sitte, Sammanda Ramamoorthy, Toni S. Shippenberg, :

Salvinorin A regulates dopamine transporter function via a kappa opioid receptor and ERK1/2-dependent mechanism,

Neuropharmacology, Volume 86, November 2014, Pages 228-240,

ISSN 0028-3908,

http://dx.doi.org/10.1016/j.neuropharm.2014.07.016.

 

[ii] Laut der Webseite der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und den Polizeilichen Kriminalstatistiken 2012, veröffentlicht vom Bundesministerium des Inneren (BMI); Stand: Oktober 2016

 

[iii] Quelle: Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), veröffentlicht im Rahmen des Weltdrogentages 2010