Hamlet and Identity Politics

To find and shape her or his own identity is probably the most important, but also toughest challenge everyone has to face during life. Especially for teenagers and young adults, who are transitioning into adulthood, the quest for identity plays a crucial role in everyday life. This is not only reflected in the vast amount of existing teen-subcultures and recent issues with neomarxistic-identity politics used by leftists and the alt-right to create tensions in schools and universities. The struggle for identity is also one of literatures most important themes, even embodied in its own genre of Coming-of-age-novels. With famous representants like “The Catcher in the Rye” by Salinger or “The artist as a young man” by Joyce.

But even before the emergence of the modern novel, the theme was most famously used in Shakespeares play “Hamlet”. After the murder of his father, the young Prince of Denmark struggles to decide what to do and who to be.

Though most people don´t have to decide whether or not they should revenge their father by killing their uncle, almost everybody can relate to Hamlets archetypical search for the right way. It would be hard to find a student, who can´t utter the lines “To be or not to be” from Hamlets famous soliloquy. The rapid mood swings and the confusion Hamlet expresses and his tendency for radical solutions and indecisiveness are the poetic mirror if everyone´s everyday struggle.

This is what makes “Hamlet” such a valuable play and relevant today.

Shakespeare shows us that it is human to struggle for identity, but the bloodshed at the end of the play is more than a subtle warning about what can happen if we do not remain careful about what we are willing to sacrifice for our identity.

 


Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Benjamin_West_-_Hamlet-_Act_IV,_Scene_V_(Ophelia_Before_the_King_and_Queen)_-_Google_Art_Project.jpg


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No pain, no gain – Warum Satire alles darf und muss

Seit den feigen Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo 2015 und der Böhmermann-Affäre 2017 werden in Deutschland wieder die Stimmen lauter, die gegen Kurt Tucholskys berühmte Aussage „Satire darf alles“ argumentieren.
Dabei kreiden sie der Satire entweder an, dass diese oft gegen den guten Geschmack verstößt, wie zum Beispiel der Karikaturist Thomas Wizany; oder sie schieben juristische Gründe vor, wie der Medienanwalt Christian Schertz in seinem 2015 erschienen Artikel „Was die Rechtsprechung sagt – die Satire darf nicht alles“. Wieder andere pochen auf politische Korrektheit und verweisen auf die Gefühle, die Satire oft verletzt.
Wer jedoch Satire in irgendeiner Form begrenzen will, der hat offensichtlich nicht nur ihre wichtige gesellschaftliche Funktion nicht nur nicht verstanden, er offenbart auch die eigene Naivität. Denn selbst, wenn jemand ernsthaft versuchen würde, Satire einzuschränken, so wäre er langfristig zum Scheitern verurteilt. Satire darf nämlich nicht nur alles, sie kann auch alles. Es liegt in ihrer Natur, sich der Zensur zu entwinden. Satire überspitzt die Realität und bläht sie zur Absurdität auf, sodass sie für ihre Aussagen eine Umgebung des „Unernsten“ schafft, wie Jan Hedde es in seinem Artikel „Das ist Satire“ passenderweise nennt. „Eine Justiz, die Satire bewerten will, gibt sich der Lächerlichkeit preis“, und nicht nur das: sie spielt dem Satiriker dabei auch noch oft in die Hände, wie Heinrich Heines fast nur aus Leerstellen bestehendes Werk „Die deutschen Censoren“ anschaulich demonstriert.
Deswegen ist es auch absolut belanglos, dass Böhmermanns Schmähgedicht von einem Gericht im Nachhinein verboten wurde. Wenn überhaupt, dann verstärkte der Gerichtsprozess nur die Wirkungen des Gedichts und trug zu dessen Verbreitung bei, da er dessen Bekanntheit stark steigerte.
Es steht außer Frage, dass sein Gedicht geschmacklos und anstößig war. Aber das musste es auch sein.
Satire verletzt Normen, um auf die Verletzung von Normen hinzuweisen.
Nur durch die Geschmacklosigkeit konnte Böhmermann Erdogan zu dessen aggressiven Reaktionen provozieren, die ihn als neurotischen Despoten entlarvten, und die Aufmerksamkeit des Volks auf ihn richteten. Die darauffolgenden politischen und diplomatischen Turbulenzen waren für die Bundesrepublik Deutschland eine schmerzhafte und bloßstellende Erfahrung, und das ist gut so.
Den (oft humorlosen) politischen Analysten und Intellektuellen war seit langem bekannt, dass das Verhältnis der BRD zu Erdogan nicht gesund war und der Präsident selber nur begrenzt dem Idealbild eines demokratischen Herrschers entspricht. Aber solche formalen Fakten lass sich leicht verleugnen und werden von der breiten Masse eher ignoriert.
Erst als Böhmermann den Finger tief in diese Wunde rammte, sodass ein schmerzhafter Aufschrei durch die Presse und Politik ging und Erdogan tobte, richteten sich die Scheinwerfer der medialen Aufmerksamkeit und der breiten Bevölkerung auf die Missstände und zwangen die Politik zum Handeln. Damit erfüllte die Satire ihre essenzielle Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen.
Ein System, welches versucht, Satire einzuschränken, stellt sich daher doppelt selbst ein Bein, und wird damit zwangsläufig stürzen. Nicht nur ist das Bekämpfen von Satire eine Sisyphos-Arbeit, die dieser nur mehr Angriffsfläche und Aufmerksamkeit liefert – denn Satire ist immer Reaktion, und Aktionen gegen die Satire ermöglichen nur noch mehr Reaktionen – es verursacht auch Stagnation. Ohne oder durch eine eingeschränkte Satire werden der Gesellschaft und ihren Herrschern vielleicht viele Schmerzen und Peinlichkeiten erspart – aber wie es das Motto der Fitnessszene passend zusammenfasst:
„Ohne Schmerz, keine Verbesserung. No pain, no gain.“
Wenn niemand auf die Wunden deuten würde, würden sie auch nicht unbedingt rechtzeitig behandelt werden können, bevor sie septisch werden.
Der Satiriker ist daher nicht, wie es seine Opfer oft darzustellen versuchen, ein bösartiger Troll oder Nihilist, sondern ein „gekränkter Idealist“, wie Tucholsky selbst betonte, der die Welt verbessern will.
Es ist kein Zufall, dass viele oppositionelle politische Bewegungen – sei es der Vormärz, der Dadaismus, die APO, DIE PARTEI oder Böhmermanns jüngste Reconquista des Internets – entweder ihren Ursprung in der Satire haben oder zumindest durch diese Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Eine Beschränkung von Satire wäre damit die Unterdrückung einer der effektivsten Werkzeuge der Opposition, die jede Gesellschaft braucht, um die Machtverhältnisse ausgeglichen zu halten.
„Ja, aber, was ist, wenn sich Satire nicht gegen die Herrschenden richtet, sondern die Gefühle von Minderheiten oder Einzelpersonen verletzt?“, mag jetzt einer einwenden.
Darauf ist zu antworten, dass hier das Gleiche gilt, wie bei der Satire, die den Herrschenden kritisiert. Satire ist dazu da, auf Missstände hinzuweisen, ungeachtet der Gefühle der Betroffenen.
„Die Satire muß übertreiben und ist in ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht“, stellt bereits Tucholsky fest, aber dadurch bezieht sie ihre Kraft. Es geht bei Satire nicht darum, dass es jemanden gut geht – auch wenn dieser Eindruck durch ihre komödische Natur entstehen kann – es geht auch nicht darum, besonders ansprechend oder kunstvoll zu sein. Es geht darum, den Menschen und die Gesellschaft auf Fehler hinzuweisen und zu verbessern.
Wenn Missstände existieren, müssen sie von den Betroffenen akzeptiert werden. Kritikfähigkeit und Reflektion sind Ideale der Aufklärung und damit tragende Säulen der modernen Gesellschaft, weshalb sie auch in der Verfassung in Form der Berufung auf Kants Theorien fest verankert sind. Daher kann die Satire auch nicht übertreiben, wie Tucholsky bereits 1919 in seinen Artikel „Was darf Satire?“, herausarbeitet; schließlich verbreitet sie nichts als die schonungslose Wahrheit, welche „blutreinigend“ wirkt.
Wenn also zum Beispiel Moslems auf die Straßen gehen oder Islamisten Anschläge verüben, weil sie sich durch Karikaturen französischer Satiriker angegriffen fühlen, wie 2015 in Paris, dann bedeutet das nicht, dass die Satiriker zu weit gegangen sind.
Im Gegenteil; es verdeutlicht, dass sie mit ihrer Satire einen echten, wunden Punkt erwischt haben, der der Untersuchung bedarf. Es entlarvt die totalitären und ultrakonservativen Strukturen sowie die Kritikunfähigkeit und das Gewaltpotential der Ideologie Islam (und die Humorlosigkeit einiger ihrer Anhänger). Und gegen diese pathologischen Attribute des Islams können wir weder durch Akzeptanz noch Toleranz vorgehen, noch dadurch, dass wir Barbarismus mit Barbarismus vergelten und Bomben in den Nahen Osten schicken. Wir können – als aufgeklärte und mündige Menschen – nur dagegen vorgehen, indem wir immer wieder den Finger in die Wunden drücken, bis sich dieser Wunden angenommen wird. Und die besten Waffen für diesen Kampf ist die Feder (bzw. Tastatur, Stift etc.), die neben sachlichen Abhandlungen und Analysen auch Satire schafft; das zeigten in der Vergangenheit bei anderen ideologischen Konflikten bereits Werke wie George Orwells „Animal Farm“ (Satire auf Kommunismus) oder Hunter S. Thompsons „Angst und Schrecken in Las Vegas“ (Satire auf den verkommenen American Dream).
Wenn als das nächste Mal jemand Menschen tötet, Dinge sprengt oder einfach nur öffentlich ausrastet, weil ein Stück Satire seiner Pathologie den Spiegel vorgehalten hat, dann sollten wir nicht in Frage stellen, ob Satire alles darf.
Denn dass mit jemand mit primitiver Gewalt und anderen Zeugnissen der Unzivilisiertheit auf Satire reagiert, ist nicht die Schuld des Satirikers. Wie George C. Lichtenberg in seinem berühmten Aphorismus bereits anschaulich darlegt:
„Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?“
Wir sollten stattdessen also eher fragen, ob wir nicht noch mehr Satire brauchen;
und am besten noch mehr Satire machen, wie es die überlebenden Redakteure von Charlie Hebdo taten, indem sie eine Woche nach dem Anschlag ihre Titelseite mit einer Mohammed-Karikatur füllten.


Gliederung:
No pain, no gain – Weshalb Satire alles darf und muss
1. Einleitung: Zunehmende Kritik an Tucholskys berühmten Zitat nach Charlie Hebdo und der Böhmermann-Affäre
2. Hauptteil
2.1 Immunität von Satire gegen Zensur
2.2 Die Notwendigkeit von Normbrüchen durch Satire am Beispiel Böhmermann-Erdogan
2.3 Die Wichtigkeit von Satire für die Gesellschaft trotz Schmerz und Peinlichkeit
2.4 Die idealistische Natur des Satirikers
2.5 Verletzung von Gefühlen durch Satire am Beispiel Islam
3. Appell: Mehr Satire wie die Redakteure von Charlie Hebdo


Der Text ist identisch mit dem Essay, welchen ich im bayrischen Deutschabitur 2018 zum Aufgabenteil 5 „Was darf Satire?“ schrieb – und für den ich 15 Punkte / die Note 1+ erhielt.

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Titelbild-Quelle: Von James Gillray, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=238075

Informationen Bayrisches Deutschabitur: http://www.isb.bayern.de/gymnasium/leistungserhebungen/abiturpruefung-gymnasium/deutsch/




Tod oder Transhumanismus – Die Zukunft des Lebens

Warum ich glaubte, dass wir Transhumanismus brauchen

Das fragile und einzigartige Wunder der Menschheit

Obwohl die Menschheit einigen statistischen Berechnungen folgend angesichts der gewaltigen Größe des Universums nur eine unter vielen Zivilisationen sein sollte [1], sind wir – soweit wir wissen – allein. Keine Radiowellen, keine Übertragungen, keine Dysonspähren, keine Anzeichen von Raumfahrt. Kurz: Nichts, was auf anderes intelligentes Leben im Kosmos hinweist, trotz über zehn Milliarden an bewohnbaren Planeten allein in unserer Milchstraße, und der Tatsache, dass die Erde mit ihren vier Milliarden Jahren ein recht junger Planet ist. [2] Diese Diskrepanz zwischen unseren Vermutungen, dass es mehr Zivilisationen geben müsste, und der Realität, dass wir die einzige Bekannte sind, beschreibt man als Fermi-Paradoxon. [3]

Viele Wissenschaftler, darunter Stephen Hawking, Carl Sagan und Nick Bostrom, gehen daher davon aus, dass die meisten Zivilisationen sich nie weit genug für die Raumfahrt und starke Radiosender entwickeln und in Epidemien, Naturkatastrophen, Nuklearkriegen oder Nanobots untergehen – wobei die beiden letzteren eigentlich höhere Technologie voraussetzen, wie Radiowellen, die wir noch immer nicht aufspüren konnten. (Die ersten Bilder, die potentielle Außerirdische von uns empfangen würden, wären übrigens die Übertragungen von Hitlers Reichstagen in Nürnberg, da dabei erstmalig Sender verwendet wurden, die stark genug sind. Der erste Eindruck ist ja aber bekanntlich nicht so wichtig …[4])

Einige der plausibelsten neueren Erklärungen für dieses Paradoxon ist allerdings, dass intelligentes Leben nicht nur viel seltener ist, als wir bisher annehmen, sondern generell höheres Leben kaum möglich ist. Wir hatten das Glück, dass Cyanobakterien die Atmosphäre der Erde vor 2,5 Milliarden Jahren stabilisierten, und so höheres Leben erst möglich machten. Möglicherweise gelang dieser Prozess bisher erst auf der Erde. Auf Venus und Mars z.B. sind die Atmosphären zu schnell gekippt, sodass die dort eventuell vorhandenen Mikroben es nicht mehr schafften und ausgelöscht worden. [5] Des Weiteren ist die Entstehung von intelligenten Wesen wie Menschen eventuell viel seltener oder bisher nur einmal aufgetreten, da Intelligenz im Anfangsstadium nur in einer sehr spezifischen Umgebung einen Selektionsvorteil bietet. Und wenn es auftritt, dann löscht es sich sehr schnell selbst aus. Vielleicht hatten wir als einzige Zivilisation das Glück, dass wir unsere Pest überlebten und einen kalten Krieg hatten.

Doch selbst wenn es irgendwo noch primitives Leben geben sollte, so werden unsere Hoffnungen es in unserer Nähe zu finden, regelmäßig zunichte gemacht. Ein Ziel dieser Hoffnungen war bis vor kurzem noch der nur 4,25 Lichtjahre entfernte Exoplanet Proxima b im System Proxima Centauri, der die Fantasie vieler Wissenschaftler und ScienceFiction Fans beflügelte.  Man plante ihn mithilfe moderner Teleskope der nächsten Generation auf Leben zu untersuchen, bis er vor kurzem von einer Sonneneruption geröstet und sterilisiert wurde. Falls es dort jemals Leben gab, ist es spätestens jetzt nicht mehr vorhanden. [6]

Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Leben etwas extrem seltenes ist und noch seltener überlebt. Allen Anschein nach sind wir die bisher einzige Zivilisation, die es geschafft zu hat zu entstehen, nicht von Pandemien hingerafft zu werden, sich nicht mit Atomwaffen selbst auszulöschen und, wie das Beispiel von Proxima b zeigt, von einem zufälligen kosmischen Ereignis ausgelöscht zu werden.

Das Universum ist kein lebensfreundlicher Raum. Die Erde ist nichts als ein kleines Staubkörnchen in dieser weiten, tödlichen Leere. Eines Tages wird auch die Erde von einer Sonneneruption, einem Asteroiden oder anderen kosmischen Ereignissen getroffen werden, es könnte bereits in 10 Minuten so weit sein; spätestens in zwei, drei Milliarden Jahren wird die Sonne sich so weit ausdehnen, dass die Oberfläche schmilzt; allerdings wird der Klimawandel und die Verschiebung des Magnetpols den Planeten wahrscheinlich bereits in wenigen hundert bis tausend Jahren für höheres Leben unbewohnbar machen. Bereits am Ende des 21. Jahrhunderts werden Prognosen zufolge weite Teile heutiger Ballungsräume durch Hitzewellen, Überschwemmungen und Naturkatastrophen unbewohnbar. Amsterdam wird in den Fluten versinken und Mekka unter wortwörtlich tödlicher Hitze leiden.
Das bedeutet, dass das Leben auf der Erde sich in einer sehr prekären Lage befindet und früher oder später hier nicht mehr möglich sein wird. Unabhängig davon, was wir Menschen tun, ist die Erde langfristig ein verlorener Posten. Wenn die Menschheit nicht möglichst bald zu einer interstellaren Zivilisation wird, wird sie aussterben und damit langfristig auch das terrestrische Leben, und damit möglicherweise das einzige intelligente Leben, welches je existierte.

Die mögliche Zukunft des Lebens im Universum

Es gibt drei mögliche Szenarien für die langfristige Zukunft der Menschheit, und damit, wenn wir davon ausgehen, dass die Menschheit die einzige intelligente Zivilisation ist, für das gesamte Leben im Universum:

1. Tod. Leben wird ausgelöscht.

Die Menschheit stirbt aus;  sei es durch religiöse Spinner, größenwahnsinnige Präsidenten, Pandemien, Übervölkerung oder aber auch eine spontane Sonneneruption oder schlicht durch Zeit. Langfristig wird der Klimawandel und die Expansion der Sonne dazu führen, dass die Erde unbewohnbar wird, und damit wird möglicherweise das einzige intelligente Leben, welches jemals existierte, zu ende gehen. Dies wäre eine Tragödie und moralisch nicht zu akzeptieren.

2. Posthumanismus. Das Leben überlebt, allerdings werden biochemische Lebensformen auf Kohlenstoffbasis, einschließlich der Menschen, durch welche aus Metallen ersetzt.

Die Menschheit entwickelt künstliche Intelligenz und damit Bewusstsein und damit letztendlich Leben auf der Basis von Metall. Ob das überhaupt möglich ist, können wir aktuell nicht wissen; aber sollte es das sein, wird diese neue Form des Lebens die alte ersetzen (können). Maschinen bzw. Lebewesen aus Metall sind perfekt dafür geeignet, um das Universum zu kolonialisieren. Sie können Jahrtausende durch den Weltraum fliegen und sich mit nuklearer Energie am Leben erhalten, ohne dass Strahlung, Kälte, Sauerstoffmangel oder Trockenheit ihnen etwas ausmachen können. Des Weiteren lassen sich Materialien wie Eisen und Energieressourcen wie Wasserstoff auf fast jeden Planeten in ausreichenden Mengen für die Vermehrung und Weiterentwicklung finden. Des Weiteren könnten künstliche Intelligenzen durch Selbstoptimierung sich exponentiell schnell stetig weiterentwickeln und ein kollektives Bewusstsein entwickeln und damit kognitive Fähigkeiten, die im Vergleich zu denen der Menschen göttlich wären. Man stelle sich eine Entität vor, die innerhalb von Sekundenbruchteilen ganz Wikipedia und mehr abrufen und mit seinen Verstand ganze Städte oder Planeten steuern kann.

Allerdings stellt sich hierbei das Problem, ob künstliches Leben und künstliches Bewusstsein überhaupt möglich sind. Geht man von einem reduktionistischen Materialismus aus, so ist Bewusstsein lediglich ein Emergenzphänomen und daher auch mit anderen Materialien und Mechanismen als dem bekannten biochemischen System auf Kohlen-/Wasserstoffbasis erzeugbar. Allerdings sprechen gegen so einen Reduktionismus nicht nur die subjektiven Erfahrungen jedes Menschen, sondern auch liefert die Wissenschaft teilweise Indizien dafür, dass der Geist nicht rein materiell ist, wie zum Beispiel die Studien des amerikanischen Psychiaters Dr. Rick Strassman mit dem endogenen Hormon Dimethyltryptamin. Dies spielt anscheinend eine große Rolle bei Geburt und Tod. Die exogene Gabe des Hormons führt zu außerkörperlichen und mystischen Erfahrungen, die sich rein neurologisch nicht erklären lassen und darauf hindeuten, dass Bewusstsein eventuell etwas ist, das in das Gehirn „geladen wird“ und nicht nur auf der von uns beobachtbaren rein materiellen Ebene existiert. [7] So oder so, haben wir bisher praktisch kaum Verständnis davon, woher Leben und Bewusstsein ursprünglich kommen, weshalb es riskant wäre die Zukunft den Maschinen zu überlassen. Ganz abgesehen davon, dass dabei die Menschlichkeit und damit so schöne und wertvolle Sachen wie Liebe,Kunst, Mitgefühl und Gefühle im allgemeinen verschwinden könnten.  Letztendlich leben wir durch Arbeit und Produktivität, aber für die Liebe, den Sinn, die Geimeinschaft und die Schönheit.

3. Transhumanismus. Die Menschen werden selbst zu Göttern, wozu sie eins mit der Technologie werden müssen.

Wenn wir nicht aussterben oder von einer göttlichen K.I. ersetzt werden wollen, müssen wir uns selber weiterentwickeln. Dabei wäre eine Verschmelzung mit Technologie gar kein großer oder revolutionärer Schritt, sondern die Fortsetzung jenes Prozesses, der uns von den Tieren abgespalten und zu dem gemacht hat, was wir sind. Bereits jetzt sind wir mit unserer Technologie verbunden, und benutzen sie, um die menschlichen Schwächen zu überwinden und mehr zu leisten und besser zu leben, als unsere Vorfahren. Bereits jetzt gleichen wir mehr Göttern, als den ersten Menschen, die noch vor 70.000 Jahren als sprachlose Wesen  die Prärie durchstreiften. Brillen verbessern unsere Sehkraft. Bücher und Festplatten speichern das Wissen, das nicht mehr in unsere Köpfe passt. Prothesen erlauben es Gliedmaßen zu ersetzen. Der leistungssteigernde Kaffee wird vom Großteil der Bevölkerung täglich getrunken. Ritalin macht Schüler, Studenten und Professoren leistungsfähiger. Ultraschall, Impfungen,  Bluttests, Antibiotika und Röntgen erlauben es uns Krankheiten schneller festzustellen und zu heilen. Smartphones erweitern uns um den ständigen Zugang zu Informationen und speichern Ideen, die wir sonst vergessen würden. In den USA debattieren Juristen bereits, ob Smartphones nicht als Teil der Persönlichkeit ihrer Besitzer betrachtet werden sollten, da die Menschen immer größere Teile ihrer Kommunikation, ihres Denkens, ihrer Erinnerungen und Handlung über die Geräte ausführen und speichern. [8] Mithilfe von Gentechnik, Implantaten, SmartDrugs und Vernetzung können wir unsere Intelligenz, Gesundheit und Lebenserweiterung noch weiter steigern und mithilfe von Raumfahrttechnik das Universum kolonialisieren und unsere Technologien immer weiter entwickeln. Wir können den Planeten verlassen, überleben und besser leben. Wir können die Lebensqualität und das Glück der gesamten Population dauerhaft maximieren. Genetisch modifizierte Menschen, die mithilfe von Implantaten sich miteinander und mit dem Internet verbinden können, würden nicht nur länger leben, mehr wissen, sondern auch mehr verstehen und sich besser in andere einfühlen können. Psychische und physiologische Krankheiten könnten fast komplett aus der Welt geschafft werden. Stupide Arbeiten würden Roboter und Algorithmen übernehmen, während das Forschen und Kolonialisieren des Weltraums Jahrmillionen an Jahren und Generationen in Anspruch nehmen und beschäftigen würde. Viel unnötiges Leid und die Abhängigkeit von der Erde als Lebensort könnten für immer abgeschafft werden, genauso wie rückständiges Denken und Ideologien, wie Islam oder Nationalismus, und damit dauerhafter Weltfrieden etabliert werden. Natürlich werden dabei neue Probleme entstehen, vor allem ethische und gesellschaftliche, aber es liegt an uns, wie wir diese lösen.

Abgesehen von den offensichtlichen Verbesserungen der Lebensqualität und des Glücks, verpflichtet uns jedoch nicht nur der Utilitarismus zu einer transhumanistischen Wende.

Die moralische Verpflichtung zum Überleben

Ein Eisbär kann nicht den Weltraum kolonialisieren. Er schafft es nicht einmal sich an die verändernden Umweltbedingungen anzupassen, und wird daher bald zu den über 99% aller bereits ausgestorbenen terrestrischen Spezies gehören.
Die Menschen können allerdings sich extrem schnell und effizient durch Technologie ihrer Umwelt anpassen und sie verändern. Sie können mithilfe von Technologien unnötige Arbeiten an Maschinen abladen und das Lebensglück, die Gesundheit und die Erfüllung aller Individuen steigern. Und nicht nur das, sie können auch dafür sorgen, dass der Eisbär nicht ausstirbt, indem sie seine DNA konservieren.
Leben ist mehr als Individuen und ihr Lebensglück; Leben ist mehr als ein Emergenzphänomen der Materie. Leben ist das größte und komplexeste Wunder des Universums; ohne Leben wäre das Universum ein toter und bedeutungsloser Raum, dessen Wunder nicht beobachtet werden können. Die Menschen sind die einzigen, die das Leben dauerhaft erhalten können, vor allem, wenn man davon ausgeht, dass die Erde, der einzige Planet mit intelligentem Leben ist. Das bedeutet, dass das Schicksal bzw. die Zukunft des Lebens im Universum in den Händen der Menschheit liegt. Damit tragen wir Menschen kollektiv und individuell eine moralische Verpflichtung das Leben weiterzutragen und zu erhalten. Wenn wir keine interstellare Spezies werden und das Leben über die Grenzen der Erde hinaustragen, wird es untergehen.
Des Weiteren könnte Leben langfristig die Hoffnung auf Ewigkeit sein. Soweit wir wissen, wird das Universum eines Tages zwangsläufig durch Entropie an einem Wärmetod sterben und sich dabei in einen leeren, kalten, reaktionslosen Raum verwandeln. Entropie steigt in einem geschlossenen System irreversibel an. Leben könnte die einzige Hoffnung sein, diesen Prozess aufzuhalten oder zu verändern und damit die Welt unsterblich zu machen. Wenn sich die Technologie immer weiter entwickelt, könnte es sein, dass sie eines Tages die Manipulation von Zeit und Raum ermöglicht, und damit die Erschaffung von neuen Universen oder Systemen, die die Entropie unseres aufnehmen, oder die Möglichkeit sich in der Zeit hin und her zu bewegen oder die Menschheit in ein neues Universum zu befördern oder mithilfe uns noch unbekannter Kräfte Energie aus dem Nichts zu erzeugen und so die Entropie zu umgehen. Das mag jetzt lächerlich und unmöglich klingen und es widerspricht dem, was wir zurzeit über Thermodynamik und allgemein das Wesen unseres Universums wissen, aber hätte man vor zweihundert Jahren einem damaligen Wissenschaftler versucht Atomkraftwerke, das Internet, Antibiotika und Raumfahrt zu erklären, er würde es weder glauben noch verstehen können.
Wenn die Menschheit versagt und ausstirbt, dann wird das zuerst zum Untergang jedes Bewusstseins und langfristig zur Annihilation jeden Seins führen. Daher haben wir die moralische Obligation uns weiterzuentwickeln und zu überleben. Da wir niemals bestimmen können, ob künstliche Intelligenz echtes Bewusstsein ist, können wir auch nicht zulassen, dass Maschinen die Macht übernehmen, da das sonst zu der Entfesselung eines Prozesses führen könnte, der nicht nur uns, sondern jegliches anderes, potentiell existierendes Leben auslöschen und durch kalte Maschinerie ersetzen würde. Technologischer Stillstand hingegen würde zwangsläufig dazu führen, dass wir aussterben und unnötig leiden werden. Transhumanismus ist damit die einzige Möglichkeit das maximale Lebensglück, die maximale Anzahl an Lebewesen und das Überleben des Lebens und möglicherweise des Universums zu sichern.

Die meiner Generation und ich werden das alles wahrscheinlich nicht mehr erleben und auch nicht mehr von Gentechnik vollständig profitieren können, allerdings gehöre ich zu jener Generation, die bereits von der verbesserten Lebensqualität profitieren und die die Weichen für die Zukunft stellt. Wir werden die ethischen Regeln und Grenzen definieren, die vorhandenen Technologien weiterentwickeln, diese Technologien möglichst gerecht der gesamten Menschheit zur Verfügung stellen und die ersten Kolonien innerhalb unseres Sonnensystem gründen müssen. Es gibt viel zu tun und zu entscheiden, was letztendlich entscheiden wird, auf welchen der drei möglichen Pfade wir enden werden. Daher sehe ich es in unserer Verantwortung diese Zukunft zu ermöglichen und vorzuformen und ich hoffe, dass die Menschen in den kommenden Jahren die richtigen Entscheidungen fällen und sich nicht selbst vernichten werden.

EDIT vom 13.05.2019: Wenn man sich tiefer mit Themen beschäftigt und auch älter wird, ändert man oft seine Meinung und erweitert seinen Horizont, wobei man auch manchmal einen dialektischen Wandel durchgeht. Mittlerweile halte ich eine genetische oder technologische Aufrüstung des Menschen für eine sehr große Gefahr und lehne die Utopie des Transhumanismus ab. Ich werde in der Zukunft nochmal auf dieses Thema in Form eines Essays, der diesen wiederlegt, eingehen. Ich thematisierte die Problematik allerdings bereits literarisch, so zum Beispiel in meiner Kurzgeschichte „XN4-DMT“ in der SadWolf Anthologie Noir 1 und der Kurzgeschichte „Die finale Lösung der Menschenfrage“ in der Hybrid-Verlag Anthologie Vollkommenheit.


Dieser Artikel wurde von einem Laien erstellt. Auch wenn bei der Recherche größte Sorgfalt aufgewandt wurde, kann die Richtigkeit der darin enthaltenen Informationen nicht garantiert werden. Wenden Sie sich bei medizinischen Fragen an ihren Arzt oder Apotheker. Nehmen Sie keine Drogen oder Medikamente ohne Rücksprache mit einem Arzt ein.

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Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/gsfc/15056614365/in/photostream/

[1] https://www.space.com/32793-intelligent-alien-life-probability-high.html
[2] https://de.sputniknews.com/wissen/20160511309767433-bewohnbarer-planeten-milchstrasse/
[3] https://www.youtube.com/watch?v=wWSJYr1Lr0E
[4] http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/magazine/7544915.stm
[5] https://motherboard.vice.com/de/article/wnxvy5/astrobiologen-legen-bisher-traurigste-loesung-fuer-das-fermi-paradoxon-vor-634
[6] https://www.derstandard.de/story/2000075135345/naechstgelegener-erdaehnlicher-exoplanet-wird-von-flares-gegrillt

[7] http://amzn.to/2G2chi0

[8] https://aeon.co/ideas/are-you-just-inside-your-skin-or-is-your-smartphone-part-of-you

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Fermi-Paradoxon#Selbstausl%C3%B6schung

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus

[11] Homo Deus http://amzn.to/2oUPmNm




Die #sortyourselfout Gegenkultur des Dr. Jordan Peterson

Our next speaker certainly does not need any introduction. He is the man you cornered by his seat, he is the man you cornered in the foyer, and he is the man you cornered outside the bathroom, so please put your hands together for Doctor Peterson*“, mit diesen Worten leitet der Moderator am 4ten November 2017 bei der Students For Liberty Canada West Regional Conference die Rede von Jordan Peterson ein, den die anwesenden Studenten mit Applaus begrüßen. Einundhalb Stunden lang erzählt der kanadische Psychologieprofessor der UoT über die neuen Medien im Internet und seine Erfahrungen damit. Er selbst leitet die Rede damit ein, dass er kein Medienexperte sei. Dennoch hören die Studenten gebannt zu, als der klinische Psychologe, dessen Forschungsschwerpunkte eigentlich auf Persönlichkeitsentwicklung und – verbesserung sowie die psychologischen Mechanismen von ideologischen und religiösen Systemen liegen, über YouTube und SocialMedia redet. Es gibt nämlich zurzeit wenige Personen, die die Effekte dieser Technologien in letzter Zeit so intensiv erlebt und genutzt haben, wie Jordan Peterson. Der Professor ist dank ihnen in den letzten einunhalb Jahren zu einer einflussreichen Internetpersona aufgestiegen, mit über 630.000 Abonennten auf YouTube, zahlreichen Memes, Fanseiten und Auftritten in Podcasts, bei TED-Talks und im Fernsehen.

Seit 2012 ist Dr. Jordan Peterson auf Quora aktiv. Seit 2013 lädt er die Aufzeichnung seiner Lesungen und Vorträge an der University of Toronto und zahlreiche gesonderte Videos auf YouTube hoch. Mittlerweile  finden sich allein auf seinem Kanal über 700 Stunden Videomaterial. Darin erklärt er nicht nur die klassischen Prinzipien und Inhalte der Psychologie. Er gibt auch aktiv Lebensratschläge, erklärt anhand der Jung´schen Psychoanalyse die Archetypen, die die Gesellschaft zusammenhalten und veranschaulicht diese mit Klassikern der Weltliteratur und Disneyfilmen. In den Mythen und großen Texten finden sich laut ihm die Antworten darauf, wie man seine Persönlichkeit im Angesicht des Leidens und Chaos des Lebens entwickeln und ein gutes Leben führen kann. Immer wieder argumentiert er dabei gegen den Relativismus und Nihilismus der Postmoderne, gegen Politische Korrektheit, gegen Verantwortungslosigkeit und appelliert an den Verstand, den Logos, den die Philosophen der Postmoderne und die modernen Neomarxisten (so zumindest Petersons Standpunkt) zum Feind erklärt haben. Oft humorvoll kontert er dabei die Argumente seiner Gegner mit wissenschaftlichen Fakten und anschaulichen Beispielen. So erklärt er anhand von Hummern, dass Hierarchien keine gesellschaftlichen Konstrukte sind, wie von den Postmodernisten oft behauptet, sondern in unserer Biologie fest verwurzelte psychologische Mechanismen.

Über seine Medienpräsenz und Lehr- und Forschungstätigkeit hinaus, ist er Verfasser des Buches „Maps of Meaning„, welches analysiert wie Ideologien und Religionen entstehen und unser Leben bestimmen, und des erst gestern erschienenen „12 Rules for Life„. Über seine Webseite bietet er unter anderem ein Selfauthoring Programm und einen Persönlichkeitsevalutationstest an. Durch dieses Engagement und seinen wertvollen Content ist Jordan Peterson Vielen, die Interesse an Psychologie und Philosophie hegen wie mir, bereits seit Jahren bekannt.

Schlagartige und weitreichende Berühmtheit erlangte er jedoch erst Juni 2017, als er gegen die Verabschiedung des Bill C-16 durch die kanadische Regierung protestierte. Er argumentiert, dass das Gesetz die Redefreiheit unterdrückt und keine wissenschaftliche Grundlage besitzt. Dieses Gesetz stellt es unter Strafe, wenn man eine Person nicht mit dem von ihr erwünschten Geschlechts-Pronomen anspricht.  Dies mag zwar auf dem ersten Blick wie eine vernünftige Maßnahme zum Schutz vor Diskriminierung von Minderheiten wie Transsexuellen wirken, bietet jedoch auch sehr viel Missbrauchspotential. Vor allem in neomarxistischen Kreisen und der gegenwärtigen amerikanischen Jugendkultur ist der Glaube verbreitet, das Geschlecht wäre lediglich eine soziale Konstruktion und deshalb frei wählbar. In der Folge dessen gibt es teilweise über 400 erfundene Geschlechteridentitäten, wie Molligender („ein Geschlecht, das weich und subtil ist“), Hydrogender („ein Geschlecht, das wie Wasser ist“) oder Affectugender („ein Geschlecht, das von der Stimmung bestimmt wird“), die in der Regel nur angenommen werden, um sich selbst besonders zu fühlen, (da man nicht mehr männlich oder weiblich oder trans zu sein glaubt), ohne dass die Benutzer dieser unwissenschaftlichen Selbstbezeichnungen biologische oder psychologische Grundlagen dafür hätten. Vor allem von Linken wird dies im Rahmen des neuen Kulturmarxismus instrumentalisiert, in denen aus den klassischen Klassen der „bösen Kapitalisten“ nun „heterosexuelle, weiße Männer“, und aus den „Arbeitern“ nun Frauen, sexuelle und ethnische Minderheiten geworden sind. Wenn dann jemand sich weigert willkürliche und undefinierte Pronomen wie „They“ oder „Ze“ für die fiktiven Geschlechtskonstruktionen zu verwenden oder wagt diese zu kritisieren, fühlen sich die Anhänger der linksextremen Ideologien angegriffen. Personen, die es an amerikanischen Universitäten wagen auf die biologischen Unterschiede und Merkmale von Männern und Frauen hinzuweisen, wie Chromosome oder Hormonhaushalt oder Genitalien, werden mitunter angegriffen und als Nazis beschimpft. Gegen die gesetzliche Unterstützung dieses Trends, der von linksextremen und postmodernistischen Studenten vorangetrieben und instrumentalisiert wird, ging Peterson vor, um seiner Aussage nach die Meinungsfreiheit zu erhalten. Tausende linksextreme Demonstranten marschierten daraufhin gegen Peterson auf, doch noch mehr Menschen, darunter viele echte Transgender, stellten sich auf die Seite des populären Professors. Mit diesem Kampf und der Propagierung von Rationalität und Selbstverantwortung zog Jordan Peterson jedoch nicht nur die Aufmerksamkeit der Medien auf sich, er hat auch eine ganze Gegenkultur-Bewegung losgetreten.

 

Während man zunehmend das Gefühl hat, dass die Mainstream-Jugendlichen zurzeit in der westlichen Welt in kurzsichtigen Hedonismus wie Drogen, SocialMedia und Berieselung mit Netflix und Co. versumpfen, verwirrt nach einer Identität suchen in Zeiten von Relativismus und hunderten Geschlechteridentiäten, und in ihrer Opfermentalität nur Ansprüche an die Gesellschaft stellen und mimosenhaft auf jede Beleidigung reagieren, überstresst und deprimiert sind oder sich zunehmend extremistischen Bewegungen im linksradikalen Spektrum, wie der Antifa oder den SJW / Social Justice Warriors, anschließen, nehmen die Anhänger von Jordan Peterson das Leben mit einem radikalen Individualismus an sich in Angriff. Statt das Glück zu jagen, von anderen kostenlose Versorgung ohne Gegenleistung zu verlangen oder sich mit fragwürdigen Methoden oberflächlich selbstdarzustellen und kollektivistischen Identitäten nachzulaufen, versuchen sie ihr Leben zwischen Chaos und Ordnung zu balancieren und ihren Charakter weiterzuentwickeln und so ihr Leben und die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

 

Unter dem Slogan #sortyourselfout (frei übersetzt: Krieg dein Leben auf die Reihe) krempeln überall in Kanada und den USA zurzeit vor allem junge Männer von Peterson inspiriert ihr Leben um. Sie fangen an ihr Zimmer aufzuräumen. Denn wer nicht einmal sein eigenes Zimmer in Ordnung halten kann, der sollte laut Peterson gar nicht erst daran denken die Welt irgendwie in Ordnung zu bringen. Die Verbesserung der Welt und die Bewältigung des existenziellen Leid und der Identitätssuche kann nur aus dem Inneren geschehen, durch Integration dessen, was Carl Jung den Schatten nennt, durch Selbstverbesserung und durch Bildung, durch die Erfüllung des eigenen Potentials. Die Anhänger Petersons lesen Klassiker von Dostojewski, Orwell, Nietzsche, Jung und anderen großen westlichen Denkern (oder sehen sich zumindest Petersons Analysen dazu an, der über einen einzigen Paragraphen von Nietzsche eine Stunde lang referieren kann). Sie übernehmen Verantwortung für ihr Handeln, überlegen wie sie sowohl für sich und die Gesellschaft etwas Gutes tun können und feiern Jordan Peterson wie einen Propheten des Logos. Einen modernen Propheten natürlich, dessen Ideen mit Memes, Hashtags und Videos verbreitet werden. Viele seiner Sprüche wie „Clean your room“ oder „Sort yourself out“, sind zu viralen Hits geworden. Doch im Gegensatz zu vielen Internetphänomenen unserer Tage, hat dieser Hype die Möglichkeit die Welt nachhaltig zu verbessern. Er kann den Westen eine Alternative zum Nihilismus und Extremismus bieten, mit denen er seit dem Niedergang des Christentums ringt. Er kann einer Generation, die zwischen unzähligen Glaubenssystem und Lebensstilen umherirrt, einen Weg zur Verbesserung der Welt zeigen.

Das ist nicht das erste Mal, dass ein Psychologieprofessor ein weltverändernde Jugendbewegung initiiert. In den 60ern verteilte der Psychologieprofessor Timothy Leary in Harvard LSD an Studenten und erweckte damit die Gegenkultur der Hippies zum Leben. Nun verteilt der Psychologieprofessor Jordan Peterson, der selber auch einst an Harvard lehrte, bewusstseinserweiternde Bücher und Ideen und erweckt damit eine Gegenkultur zum Leben, die wir dringend brauchen. Während die Hippies die Gesellschaft von vielen repressiven Mechanismen befreiten, bringt Jordan den Sinn und die Vernunft zurück zu den Menschen. Seine Bewegung gibt Halt im Kampf gegen das Chaos und das Leiden des Lebens. Jordans Gegenkultur verwirklicht die Ideale der großen Denker und der Aufklärung wie kritisches Denken und Tugenden. Nützlichsein und etwas aus sich machen, die Werte von Freiheit und Individualismus sind die von ihm geformte Gegenkultur.

Allerdings ist Dr. Peterson natürlich nicht ganz der Heilige, für den ihn viele seiner Anhänger halten.

Manche seiner Aussagen widersprechen sich selbst, manche wirken manchmal etwas reaktionär, manche unterstützen die Postmoderne, die er sonst bekämpft. Obwohl seine Theorien sonst sehr logisch und kohärent sind, bezeichnet er sich selber als einen nichtpraktizierenden Christen. Dann behauptet er bei einer anderen Gelgenheit, dass Religion für nicht so erfolgreiche und eher weniger intelligente Individuun als moralischer Kompass notwendig ist, er selber aber nicht daran glaube – als Atheisten bezeichnet er sich selber dann trotzdem nicht, weil Atheismus in seinem symbolischen Denken mit Nihilismus und Amoralität gleichgesetzt ist. Ab und zu werden seine Anti-marxistischen Vorträge von einer etwas irrationalen Paranoia geprägt – bei anderen Debatten gibt er aber dann wieder zu, dass auch Linke eine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllen.

Er selber sagte aber auch, dass das Sein viel zu kompliziert ist, als das es von einem einzigen Individuum vollständig verstanden werden könnte. Und letztendlich sind die meisten von ihn vertretenen Prinzipien und Werte und seine Meinungen nichts Neues, sondern ein Neuaufguss der traditionellen Denkweise des Westens, vor allem geprägt von Nietzsche, Aristoteles und Kierkegaard, synergetisch kombiniert mit Carl Jungs Psychoanalyse und einigen postmodernen Ideen von Denkern wie Wittgenstein und Adler. Von seinen (vor allem linken) Kritikern wird daher Dr. Peterson oft als Konservativer und sogar Vertreter der Neuen Rechten oder Neonazi bezeichnet. Jordan Peterson bezeichnet sich selber als einen klassischen Liberalen und Individualisten. Wenn man sich auch mit seiner Arbeit genauer auseinandersetzt, wird einem sehr schnell klar, dass er zwar etwas konservativ ist und einige seiner Überlegungen, die über die Psychologie hinausgehen, nicht sehr ausgereift sind, aber alles andere als ein Nazi.

Einen Großteil seiner akademischen Laufbahn hat Jordan Peterson mit dem Studium und der Analyse von totalitären Systemen verbracht, allen voran der Sowjetunion und Nazi-Deutschland. Der Gedanke an das Zerstörungspotential der Menschheit stürzte ihn im Laufe seines Lebens immer wieder in Depressionen. Der Kampf gegen rechten und linken Totalitarismus und Nihilismus ist sein persönliches Anliegen. Er argumentiert sowohl gegen Rechts, als auch Links (wobei letzteres in Kanada zurzeit weiter verbreitet ist). Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturkritikern unserer Zeit, begnügt er sich nicht mit simplen, monokausalen, populistischen Erklärung der Probleme, sondern analysiert die Dinge gründlich. Seine Videos dauern daher oft mehrere Stunden (z.B.: allein seine Analyse der Bibel und ihrer psychologischen Bedeutung ist insgesamt 38 Stunden lang); eine Zeit, die leider viele seiner Kritiker gar nicht investieren, um zu verstehen, was sie kritisieren. Jordan Peterson ist ein Mann mit einer unglaublichen interdisziplinären Allgemeinbildung, die über das Fach Psychologie weit hinausgeht. Dies kann man immer wieder in Podcasts und Diskussionen erleben. Er ist in der Lage aus dem Stegreif Weltliteratur zu zitieren und über alle möglichen Themen, von Biologie, Wirtschaft, Neurologie, Politik bis hin zu Beziehungen, zu debattieren. Die Essenz dieses immensen Wissen, angeeignet durch ein akademisches Leben, gibt er an seiner Zuhörer weiter und hilft sie zu kontextualisieren. In einer postfaktischen Zeit, in der Gefühle oft als wichtiger wahrgenommen werden, als die Realität, liefert Dr. Peterson knallharte Erkenntnisse und Fakten. Vor allem in der Sozialpsychologie, sind viele dieser Fakten oft alles andere als politisch korrekt und damit nicht unbedingt gern gesehen. Teilweise bedient sich Jordan Peterson dabei auch sehr umstrittenen Quellen wie dem Buch „The Bell Curve„, welchem oft Rassismus vorgeworfen wird. Gelgentlich lehnt er sich auch weit aus dem Fenster, wenn er über Themen redet, die wenig mit seinem Fachgebieten zu tun haben. Durch diese Herangehensweise verursachte Jordan Peterson viele Kontroversen, und man sollte wie bei allen anderen Denkern auch, stets kritisch bleiben, bei dem was er sagt. Jeder Mensch hat irgendwo Fehler in seinen Ansichten. Vor allem, wenn es bei Peterson nicht nur um Psychologie geht, sollte man kritisch beim Zuhören sein. Bei vielen politischen und gesellschaftlichen Themen gibt er sich ignorant und in einer Debatte mit dem Philosophen Sam Harris, konnte er mit seiner Argumentation über die Natur der Wahrheit nicht überzeugen.

Insgesamt ist Jordan Peterson definitiv ein Denker, mit dem man sich, vor allem als junger Mensch, wenn auch kritisch auseinandersetzen sollte. Er regt zum Handeln und zur Beschäftigung mit dem Leben an und viele seiner Ideen sind sehr wertvoll. Die Effektivität seiner Prinzipien zur Verbesserung des Lebens wird tagtäglich von seinen Anhängern in Internetforen wie Reddit bestätigt, allerdings sind sie sicherlich auch nicht für jeden geeignet. Für jungen Menschen ist wahrscheinlich sein Video „2016/11/08: My Message to Millenials: How to Change the World — Properlyein interessanter Einstieg. Man sollte jedoch stets im Hinterkopf behalten, dass man es mit einem stark vom Christentum und einigen reaktionären Ideen geprägten Denkern zutun hat.

Gestern erschien Jordan B. Petersons zweites Buch „12 Rules for Life: An Antidote to Chaos„, in welchem er seine 12 wichtigsten Regeln für ein stabiles Leben zwischen Ordnung und Chaos erläutert. Dieses Buch ist das Konzentrat seiner Arbeit der letzten Jahre. Ich lese das Buch zurzeit, und obwohl ich vieles aus den Videos und Podcasts wiedererkenne, entdecke ich auch immer neue Ideen und Aspekte – von denen ich aber nicht ganz so überzeugt bin, wie von dem, was ich bisher von Peterson gehört habe. Jordan Peterson ist nach Nietzsche der Denker, der mich in den letzten Jahren am meisten dazu inspiriert hat, mein Schreiben zu intensiveren und mein Weltbild zu überdenken. Anfangs sah ich seine Videos vor allem an, weil mich Psychologie fasziniert und ich dieses Fach selber studieren will. Durch Peterson habe ich allerdings entdeckt, welche weitreichenden Einsichten dieses Fach über die menschliche Natur und das Leben an sich ermöglicht. Des Weiteren hat er mich dazu gebracht, viele Aspekte meines Lebens zu überdenken und mich mit vielen neuen Themen auseinanderzusetzen.

Sobald ich das Buch durchgelesen habe, welches die Basis einer neuen Bewegung sein könnte, die die Welt statt durch Revolutionen und Gewalt, mit individueller Charakterentwicklung zum Positiven verändern könnte, werde ich hier auf meinem Blog eine Rezension dazu posten.

Jetzt muss ich aber erstmal mein Zimmer aufräumen, denn während ich den Artikel geschrieben habe, versank es erneut im Chaos.

 

*Übersetzung: Unser nächster Redner braucht sicherlich keine Einführung. Er ist der Mann, den ihr an seinem Sitz in die Enge getrieben habt, er ist der Mann, den ihr in der Eingangshalle in die Enge getrieben habt, und er ist der Mann, den ihr vor dem Badezimmer in die Enge getrieben habt, also ich bitte um Applaus für Dr. Peterson.

 

 

 


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Die progressive Universalpoesie in der digitalisierten Postmoderne

Auf den ersten Blick erscheint die Welt seit der Aufklärung und spätestens nach der Niederlage der Hippies und dem globalen Siegezug des Kapitalismus und der Digitalisierung, wie ein kalter, unromantischer Ort: Technik überall, Bildschirme, Vereinsamung. Maschinen übernehmen die Arbeit. Der Mensch wird durch Technologie entmenschlicht. Nur einige störrische Ethikräte verhindern bisher, dass der feuchte Traum aller Transhumanisten, ein genetisch modifizierter Übermensch, im Labor gezüchtet wird. Gott ist tot, und dank der Wissenschaft können wir uns einigermaßen sicher sein, dass es keine Einhörner gibt.
Jegliche Magie und Mystik scheinen auf den ersten Blick aus der Welt verschwunden oder werden nur noch von esoterischen Spinnern verfolgt. Die Ideen der Romantik, der Gegenbewegung zur gefühlslosen, rationalen Aufklärung scheinen überholt.* Der Ansatz der progressiven Universalpoesie die Realität mit Kunst, die Wissenschaft mit den Gefühlen, und die Kunstformen untereinander zu vermischen, und so das Leben zu poetisieren, scheint auf den ersten Blick gescheitert.
Das ist allerdings nur der Schein, denn tatsächlich ist unser Leben heutzutage in den westlichen Ländern so von Universalpoesie durchzogen, wie noch nie. Zwar sind aufklärerische, nüchterne Gedanken extrem dominant in Politik und Beruf, allerdings ist das irrationale und romantische Antidot immer da und dominiert jede freie Sekunde, das Denken und die Freizeit, auch wenn tatsächlich leider eine ziemliche emotionale Abkühlung feststellbar ist.
Natürlich ist das auch eine Frage der subjektiven Herangehensweise des Individuums, allerdings ermöglicht unsere moderne multikulturelle Gesellschaft, jedem Individuum seine eigene Weltsicht zu wählen. Und so kann man auch argumentieren, dass es heutzutage so viele Wege und Türen zur Romantik, zur Poesie, zur Ästhetik, zur Fantasie und zur Metaphysik gibt, wie noch nie in der Menschheitsgeschichte; sodass die meisten von uns die Universalpoesie bereits leben, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Das fängt damit an, dass Ästhetik und Kunst in Form von Produktdesign überall um uns herum sind; geht weiter damit, dass wir über unsere Smartphones jeden Tag mehr Bilder, Geschichten, Ideen, Musikstücke und Kunstwerke, kurz: Poesie, konsumieren, als in früheren Zeitaltern ein Mensch in seiner gesamten Lebensspanne; und endet noch lang nicht damit, dass wir umgebend sind, von einer riesigen Blase aus fiktiven Geschichten, Symbolen und Welten; seien es Emoticons, Lieder und Instagrampics oder Videospiele, Filme und Serien, die an Komplexitität, Quantität, Qualität und Tiefe sämtliche Sagen der Antike und mitunter sogar die Stücke Shakespeares in den Schatten stellen und dabei auch noch die Ansprüche der romantischen, progressiven Universalpoesie erfüllen, indem sie Philosophie, Wissenschaft, Bildung und verschiedene Kunstformen miteinander fusionieren.
Dies alles wird durch den technologischen Fortschritt erst ermöglicht und beschleunigt. Die größte dieser technologischen Errungenschaften, nämlich das Internet, ist dabei selbst ein universalpoetischer Kochtopf, der Technologie, Realität, Kunst, Gesellschaft, Individuum, Literatur und Fiktion miteinander verkocht und verbindet und das Leben um eine gewaltige metaphysische Ebene erweitert.
Die zweitegrößte, das Smartphone, integriert diese Universalpoesie komplett in unseren Alltag und ermöglicht es uns, jederzeit darauf zuzugreifen. Genug Akku und Kopfhörer vorausgesetzt, können wir unser Leben konstant mit Musik aus unserer Spotifyplaylist poetisieren und emotional aufladen, oder uns an den unendlichen verschiedenen Medienenformen zerstreuen und erfreuen. FanArt, Kommentarfunktion, Cosplay, Conventions und SocialMedia intergrieren den Konsumenten in die Fiktion und tragen sie in die Realität.
Insbesondere sind hier Serien interessant zu betrachten, wie zum Beispiel das avantgardistische Hackerdrama Mr. Robot, welches man exemplarisch als Ausblick darauf nehmen kann, was auf uns zukommt, und wie die progressive Universalpoesie in unserer postmodernen Medienlandschaft aufblüht. (Zum Trailer auf YouTube)
Mr. Robot vereint wie die meisten Serien die Künste Literatur, Filmkunst, digitale Poesie, Musik, Tontechnik, Baukunst, Animationstechnik und viele mehr miteinander – damit hätten wir die universale, romantische Vermischung der Künste.
Des Weiteren fließen auch philosophische und sozialkritische Konzepte in die Serie ein. Der Zuschauer wird beiläufig über Themen gebildet, mit denen er sich sonst wahrscheinlich nicht beschäftigen würde: Psychische Krankheiten, Netzwerksicherheit, Nihilismus, Isolation, Kritik an der digitalisierten, anonymisierten Welt und der Dekadenz des Establishments, sowie der Vereinsamung in der Leistungsgesellschaft.
Mr. Robot kritisiert den Status Quo und spielt mit philosophischen Ideen herum – damit erfüllt sie Schlegels Forderung, Kunst&Literatur müssten nicht nur unterhalten, sondern auch bilden und philosophische Fragen stellen.
Außerdem verschmilzt die Serie einmal mit der Handlung und durch SocialMedia, die Marketingaktionen und FanFics auch mit der Realität und mit anderen Formen der Kunst.
In der Serie kommt es zum Einsatz postmoderner Stilmittel wie Metafiktion und Metareferenzen. Der Protagonist spricht direkt mit Zuschauer und Episoden parodieren stellenweise andere Serien. Dadurch werden die Grenzen zwischen Zuschauer, Protagonist, Handlung und Realität aufgelöst; dabei entwickelt sich die Handlung und die Komplexität progressiv mit jeder weiteren Staffel.
Solch ein intelligentes Filmerlebnis, das dem Zuschauer nicht nur auf innovative Art und Weise unterhält, sondern auch interessante philosophische Fragen aufstellt und mit anderen Kunstformen verschmilzt, wird zunehmend populärer. Als Beispiele dafür kann einmal Serien wie Westworld nehmen, aber insbesondere auch Quantum Break, welches sowohl als Serie als auch als Videospiel erzählt wird, wie mittlerweile auch die meisten größeren Franchise wie GoT oder The Walking Dead, oder aber auch die kommenden Umsetzungen von Stephen Kings Der dunkle Turm Romanreihe als Serien, Comics und Filme. Die Medien werden anspruchsvoller und gleichzeitig universaler. Die Geschichten werden parallel in mehreren Medien erzählt, ganze fiktive Universen kreiert. Die Grenzen verwischen, wie es die Romantiker forderten, auch wenn ihnen noch die Technologie dafür fehlte. Sie konnten Musik nicht mit Bild und Text verschmelzen, das ermöglichte erst die moderne Filmkunst. Sie konnten nicht den Alltag der Leser mit den Geschichten ausfüllen, das ermöglichten erst das moderne Merchandising und Smartphoneapps.
Flaches, pures Entertainment wird weniger, gleichzeitig entwickeln sich gegenwärtige Film- und Kunstformen weiter. Neue Technologien, wie OculusRift und ArgumentedReality ermöglichen es komplett in fiktiven Welten zu versinken. StartUps tüfteln am intelligenten Lesen und eReadern, die die Augen der Leser tracken und bei entsprechenden Stellen Hologramme, Geräusche und Grafiken aufpoppen lassen. Sogar das klassische Lesen wird digitalisiert und um neue poetische und ästhetische Ebenen erweitert. Durch das Smartphone und seine Kameralinsen, Snapchat, WhatsApp, Instagram, Pinterest, reddit, 9gag, sind wir mittlerweile konstant mit dem Internet und seiner reichen Fülle an Ästhetik und Poesie verbunden. Das Individuum wird konstant mit digitalem Entertainment und Kunst konfrontiert und verschmilzt dabei selber mit dem Internet und seiner eigenen digitalen Persona.
Und sobald Technologien wie VirtualReality, ArgumentedReality und Videospiele noch besser werden, wird unser Leben immer mehr mit der Fiktion und dem Internet und der Wissenschaft verschmelzen; wir werden durch Implantate, Wohlstand,Schulbildung und Smartphones immer klüger, freier, aufgeklärter und gebildeter und haben ununterbrochen Zugang zu dem gesamten Wissensschatz der Menschheit. Gleichzeitig versinken wir immer dichter einem Netz aus Fiktion, Entertainment und Ästhetik und werden immer freier dabei unsere Gefühle auszudrücken. Jeder** kann heute Bücher veröffentlichen, einen tumblr-Blog führen, sich selbst künstlerisch in seiner Freizeit und im Rahmen seiner Kompetenzen verwirklichen und mit jeder Person eine Liebesbeziehung eingehen, ohne Verfolgung fürchten zu müssen oder reich zu sein, wie noch die adeligen Autoren der Romantik. Auch steht uns eine viel größere Breite an kreativen Stimuli und Umsetzungsmöglichkeiten zur Verfügung, sodass auch die Fiktion immer komplexer wird.
Klingt das nicht, wie eine moderne Umsetzung der progressiven Universalpoesie?

„Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennten Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren und die Formen der Kunst mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen und durch die Schwingungen des Humors beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch ist, vom größten wieder mehrere Systeme in sich enthaltenden Systeme der Kunst bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosem Gesang. […] Nur die romantische Dichtkunst kann ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden.“
-Friedrich Schlegel, 116tes Athenaeumsfragment (1799)

Und auch das Mystische und das Unendliche sind noch immer am Leben; anders, aber nicht weniger als vor dreihundert Jahren. Außerirdische, Psychedelizismus, die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach der Kontinuität von Zeit&Raum, Multiversen und was überhaupt real ist und was nicht, sind die neuen romantischen und unlösbaren Fragen, die uns in die dunklen und fantastischen Reiche des Unbekannten führen, wie eindrucksvoll Arrival, Matrix, Doctor Strange und die geniale Serie Rick and Morty porträtieren. Quantenphysik ist die neue Alchemie; Existentialismus die neue Quelle der Angst; Game of Thrones ist das neue Hamlet; der Tod ist noch immer der Übergang ins Ungewisse.

Dabei dringen wir tiefer zu den eigentlichen, existentialistischen und wichtigsten Fragen um die menschliche Natura vor. Moderne Medien konzentrieren sich verstärkt auf die Psychologie und das Individuum. Damit kommen sie wieder der romantischen Unviersalpoesie und dem Menschen näher:
„Das wunderbarste, das ewige Phänomen, ist das eigene Dasein. Das größeste Geheimnis ist der Mensch sich selbst […]. Die höchste Aufgabe der Bildung ist, sich seines transzendentalen Selbst zu bemächtigen, das Ich seines Ich’s zugleich zu sein. Um so weniger befremdlich ist der Mangel an vollständigem Sinn und Verstand für Andre. Ohne vollendetes Selbstverständnis wird man nie andere wahrhaft verstehn lernen.“
Novalis, Fragmente und Studien (1797)

Das Mystische lebt z.B.: auch weiter in Horrorserien wie Stranger Things oder Fantasiereichen von Videospielen wie The Witcher 3 oder Skyrim, oder dem Konsum von Legal Highs und Halluzinogenen wie LSD, wie er in den letzten Jahren wieder populärer geworden ist. Und auch die Wissenschaft verschmilzt mit der Fiktion, wie man zum Beispiel daran sehen kann, das selbst renommierte Dozenten, mitunter Serien und Filme benutzen, um ihren Schülern komplexe Sachverhalte zu erkläre. So z.B.: der Psychiater Dr. Eric Bui, der den StarWars-Charakter Anakin Skywalker als Musterbeispiel benutzt, um die Borderline-Persönlichkeitsstörung zu erklären; oder aber auch der YouTube-Kanal WiseCrack mit seiner Serie The Philosophy of …., der anhand von Serien, Animes und Filmen komplexe soziologische und philosophische Fragen erläutert. (Beispiel: The Philosophy of Attack on Titan – WiseCrack Edition)

Zusammenfassend kommt man zu dem Schluss, dass die Ideen Schlegels in unserer heutigen, postmodernen Welt schleichend Realität werden. Zwar können wir durch die Aufklärung nicht mehr an Märchen und Sagen glauben, aber es gibt noch immer Dinge, die wir niemals verstehen können werden; wie z.B.: dissoziative, außerkörperliche Rauschzustände, auch genannt Astralprojektion, wie sie intensive Meditation oder der Konsum von Atztekensalbei induzieren; oder was sich nach dem Tod befindet, oder was vor dem Urknall war, oder wie Zeit eine Dimension sein kann, oder ob wir in einer Matrix sind; oder ob wir überhaupt real sind und nicht das Hirngespinst eines bekifften Einhorns, das im Garten Eden chillt und Äpfel mampft. Die Welt, die Abgründe unserer Psyche und der Ursprung der Welt bleiben für immer mystisch, egal wie viel wir erforschen. Des Weiteren kreieren wir mehr Kunst und Ästhetik, als je zuvor und erschaffen uns damit metaphysische Reiche. Technologie, Kultur und Mensch gehen eine Synergie ein, sie verschmelzen, und damit auch die Welt des rationalen Verstandes und die Welt der Gefühle und das Mystische, wie es die Romantiker wollten. Denn die Romantik wollte keine Herrschaft der Emotionen, sondern einen harmonischen Ausgleich zwischen ihnen und dem Verstand. Sie forderten ein Equilibrium, und es sieht so aus, als würde dies nun Wirklichkeit werden. Man muss sich nur darauf einlassen.

Wir werden eins mit der Technik, und dadurch werden wir eins mit unserer Kultur und damit mit der Poesie. Gentechnik und Digitalisierung werden uns zu Göttern machen und mit Computern werden wir unsere eigenen Welten erschaffen. Das ist etwas Wunderschönes. Das ist positiv, das ist die Verwirklichung des uralten Menschheitstraums, Gott zu werden.

Dass das Gefahren birgt und schief gehen kann und wahrscheinlich auch wird, ist allerdings offensichtlich. Megakonzerne, die uns mit Fiktion beliefern, werden zu totalitären Regimes wachsen; die Menschheit wird im schlimmsten Fall in einen berauschten Dämmerzustand abgleiten, in der sie nur noch konsumiert und faulenzt, während K.I.s sie am Leben erhalten. Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen denen, die sich Implantate leisten können und denen, die es nicht können, wird die Menschheit zerreißen und wie immer in Blut versenken. Naja, die geringe Chance besteht, dass alles gut ausgeht.
Was das aber für den Menschen an sich bedeutet, und was überhaupt menschlich ist, und welche Rolle Transhumanismus und Emotionen in der Zukunft spielen werden; und warum K.I.s niemals menschlich werden können; dazu werde ich meine Gedanken vielleicht eines Tages in einem zweiten Essay erläutern. Hierbei wird vor allem die Serie Westworld interessant, also wer schon mal etwas spicken will 😉
* (Hier ist nicht der moderne, kitschige Romantikbegriff gemeint, sondern der literarische. Die Romantiker waren der Meinung, dass alles in der Poesie, also Kunst, Kultur, Musik und Literatur, danach strebt, eins zu werden: Die Universalpoesie, und dass die Welt poetisiert werden muss)

** Mit Jeder meine ich natürlich nicht wirklich jeden, sondern nur die privilegierten Menschen der ersten Welt Länder, wie USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Dänemark.


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Ich habe übrigens vor einiger Zeit eine SciFi Novelle geschrieben, die im Jahre 2137 spielt und Themen wie Nihilismus und Transhumanismus behandelt: Das Erwachen des letzten Menschen




How the American Dream turned into a Nightmare – and where it is now

an Essay by Nikodem Skrobisz*, 5th of February, 2017.
One of the driving ideas that pulled millions of immigrants during the course of time into the United States and made the United States of America a great and powerful and prosperous nation, is the idea of the American dream, the vision of a better and freer life for every American citizen, of equality and liberty, an opportunity for everyone to achieve greatness and wealth with hard work, no matter of the background. For a long time, especially in the first half of the 20th century, the american dream somehow worked out, not perfectly and not for everyone, but at least it appeared as it could be one day be finally completely fulfilled. America was the richest nation in the world, jobs were readily available, and the people were free and wealthy and they could see how miser life was in the third world and the Soviet Union and how the Americanisation of Western Europe let it prosper. And when the iron curtain fell, hope raised to bring the Dream not only finally to all U.S. citizens, but also to the whole world.
It didn´t work out. At the time, the dream was already lying in his deathbed, bleeding by the wounds inflicted by the wars in Vietnam and the Near East and the economic and social changes within the States, especially the development of America into a surveillance / police state through the laws made by Nixon, Reagan and later Bush. And the globalisation following the fall of the soviet union and therefore the worldwide conquest of capitalism became the nails in the coffin. Capitalism is a great economical system, but it was the most fertile, when it was still growing up and also exclusive to America. The American capitalism developed to a radical and solitary consumerism. Globalisation and worldwide development all over the globe enabled foreign countries to compete with the US and so the dominant position of the American economy started to crumble. Since then american workers have to compete with the whole, growing world, jobs are harder to get as the needed qualifications are higher. Furthermore, the ugly side effects of radical liberalism and capitalism started to show their face during the financial crisis of 2008. Sadly, liberty always comes at the expense of equality, as in a radical free society, the stronger, smarter, richer and better educated ones, will always outdo the weaker ones, if they do not install a stabilizing system, like free education for all. For a long time, the american society was balanced, but the competition with the entire world and the self imposed role as a peacebringing worldpolice and the introduction of a repressive police and military machinery without adjusting the educational and welfare systems to the new world order, tore a gap in the american society, which is getting bigger every day and turning the USA from the great democratic country it was once into a oppressive and totalitarian state, tattered by inner unrest and social division.
Attempts like the introduction of Obamacare were right, but came too late, the people already lost the faith in the established government. And as the dream is slowly turning into a nightmare, people are getting more and more fearful and desperated. Entire cities like Detroit are turning into looted ghost towns, a devastating opioid epidemic floods the nation, heroinuse among teenagers doubled from 2003 to 2013, fentanyl is eating up rural states like Virginia, where ones the steel and coal industries were at home, before they moved away to china and mongolia, leaving behind a flock of jobless people with now useless qualifications. The US education system, which privileges the ones with money, created an entire generation that either is suffocating under college loans or is sinking into a uneducated life without hope for a well paid job. The American Dream is decaying in the US, turning into a dark nightmare. But instead of searching for a reasonable way to get through this though times and to stabilize and optimize the american society, and to arrange with this world, many Americans turn to demagogues and their simple solutions. They try to stop time or even reverse it, and this is the reason, why conservative parties and people, like Donald Trump, who are hostile to progress, who are hostile to globalisation, who are preaching the return of the great time, when America was the richest and highest developed country in the world, are on the rise. But you can´t stop time, you can´t reverse progress without causing mass destruction and mayhem, and therefore the path America has chosen now is not to become great again, but to decline and drown in the mud of fear, ignorance and melancholia, diving deeper down the hole of the nightmare. Building walls won´t remove problems, it will isolate the States from a world, that is becoming a uniting melting pot, and so it will weaken the US in the long term.
Surprisingly the American Dream isn´t dead, it just left America and settled mainly somewhere else (except of a few areas like California or NYC, where the American Dream is still surviving in America). If you look over to Europe, you will discover that the American dream is alive in the old world. Modern European countries, like Germany, Denmark, Netherlands and Switzerland are providing an environment, that enables to actually live the American dream on the fine line of freedom and equality. These countries managed to do so by adjusting their educational, law and social systems to the demands of the new globalised world and providing their citizens with all necessary things to maintain in the modern world, like e.g. free education. Now History is reversed. America once taught Europe in the World Wars and following decades what democracy and liberty mean and preached it´s dream, and now it seems like the students are outdoing the teacher. …

or at least, they have done it in the last twenty years, but the threatening breakdown of the European Union and the raise of nationalism and far right movements in recent time let one question if the American dream will be able to survive there.

 

*an european student at the age of seventeen




Thoughts on Time, Social Media and the Generosity of Attention

Attention ist the rarest and purest form of generosity.
– Simone Weil

 

Attention ist the rarest form of generosity, because it´s obviously rarely given, and as most rare things, it´s valuebale. The price ist paid with the most precious currency humans have: time.

Time is pitilessly constantly dripping away, no one has enough of it and therefore people tend to be very pitilessly and miserly with everything that costs time. Especially in our modern days society emphasis speed at the cost of depth, chasing the illusion of saving time this way. Texts, books, new products and even relationships and human interactions are consumed quickly, merely scanned and replaced even quicker. In this fast paced world, we often forget to pay attention, not only to politics, but also to our fellow humans. We distract ourselves with a constant stream of often trivial informations, so we don´t have to spend time and energy on thinking about or paying attention to important and often difficult topics or human interactions. We get more and more used to stare on our screens, instead in the eyes of other humans or facing reality. Everyone lives in it´s one bubble. We withdraw ourselves from natural social interactions, till they become strange to us and we are alienated to our neighbors.

Like the river carves the rock, our actings carve our habits and our habits carve our personalities and alle personalities combined form and carve society.

And so society gets colder, more detached from itself and numbed out.

Devoting undivided attention to someone is dedicating a piece of ones valuebale lifetime completly to him or her. This is one of the most generous acts a human is capable of doing, especially in our times. It warms and humanizes the world.

Money can be replaced quickly and thrown around with a shrug, if its avaible, and it can be earned again, if it´s gone. Likes or short texted messages, are thinly digitalsmoke worth nothing but maybe a few cheap seconds and zero thoughts, fading away quickly in the digital abyss and forgotten almost immediatly, leaving nothing than a shallow impression. But the time you a give to someone listening,  will never come back or fade away again.

How much are your fellow humans and loved ones worth for you? How often have you given a „Like“ or a brief, shallow textmessage to a friend or familiy member, just to soothe your bad conscience, instead of really talking and listening to him/her? Think about it.

I don´t pledge for abolishing social media or even the internet, nor i want to blame them for anything.

They are great inventions, which have done so much for freeing and educating and connecting humanity. The issue is with humans.

I pledge for questioning our use of this technologies.

Are likes and shares really worth something? How well do you know your neighbores? When was the last time, you had a real, deep conversation with someone instead of just a shallow, quick smalltalk or textexchange? When was the last time you really relaxed instead of consuming and spreading the idea of relaxation by rushing into a hollidaytrip, taking instagram pictures, and rushing back to work? Do just pretend to be happy or are you really happy and satisfied like you and everyone else appears on social media? Have you played a pointless smartphone game, instead of thinking about the coming election?

Or in a nutshell: When was the last time you paid real attention to yourself, your enviroment, your loved ones or the world in general? When was the last time you used your time reasonable?

It would be tragic, if the technologies, which were invented for connecting people, would finally divide and separate humans.

 

 


 

 

 

 




About Machiavellianism and Individualism

Why it´s more important, why a politician is saying something, than what he is saying (machiavellianism, political theory, masses, massmovements, individualism, collectivism)

In the following I will compare two quotes and therefrom derive conclusions, why it´s more important, why a politician is saying something, than what he is saying.

»There is no such thing as society. There are individual men and woman and their families«
– Margaret Thatcher (1925-2013), Prime Minister of the UK

»If a free society cannot help the many who are poor, it cannot save the few who are rich«
– John Kennedy (1917-1963), 35th President of the USA

Before we can compare this two quotes with each other, we must first dissect them individually to not just understand their meaning but also the intention of the authors. Let´s take a look at the first sentence in the quote by Thatcher: There is no such thing as society.

Ontologically you can argue from a materialistic point of view, that this is right, as society is more of a metaphysical thoughtconstruct / an idea than a really existing object. But Thatcher contradicts herself in the following sentence by listening families, which are also an idea. And as Thatcher is a politician she probably didn´t wants to make a philosophical statement, but if any a sociological statement. Furthermore, and even far more important, she wants to influence their audience into a certain direction. (You can here assume a machiavellistic approach)

She wants to remind the people, that the thing called society, to which they plea for help or demand from a comfortable life, consists of individuals. So if you demand something from society, you demand it from other individuals who are more or less like you. If everyone just demands, society can´t function and if you are constantly demanding and taking from society and so from other individuals, you are not better, than a parasite. Furthermore, if there is no such a thing as society, the individual is more or less the only one in charge for his own (misery or) wellbeing (because, why should anyone else care about you). This is a very individualistic point of view, with a liberal waft.

On the other hand, the quote by J.F. Kennedy has a rather socialistic and collectivistic testimony. Kennedy appeals to society as a real thing, so understudies an idealistic ontological position, which implies a responsibility of the stronger/richer individuals/parts of it to support the weaker/poor ones, as otherwise the stronger and society as a whole can´t survive.

Interestingly, no one of these two quotes makes a real moral statement, but rather appeals to reason and reason in this case seems to lead to different results:

The first one says, that you cannot rely on no one else except yourself, the second states, that all humans need to work together as we just can maintain status quo or even develope further by helping each other.

But which of this two is true or right? I dare to claim: both and none, but let me first dwell deeper into the topic, so you can understand my trail of thoughts. At the first glimpse anthropology, sociology and even to certain degree history agree with Kennedys statement, as humans are in general pack animals, who are only really strong and able to reach overall wellbeing and dominion over nature by working together and caring for each other. Of course, it depends on the situation and the perspective. On the other hand, an individual can often gain more for himself (and so under certain circumstances for whole society) by acting individualistic, machiavellistic and selfish, but usually at the expense of others. So a single, strong willed and minded human like eg. Leonardo da Vinci, Alan Turing, Thomas Edison, Abraham Lincoln or Albert Hofmann, can create or do individually things, who push mankind as whole forward, but this is the exception, not the rule. If everyone would behave individualistic, economy would collapse, as it needs the workforce of the collectivistic herd to maintain itself (also the majority hasn´t the preconditions to become a great individual).

As politicians, Kennedy and Thatcher have to take care of a whole nation and help this nation to remain stable and to flourish. Their goals are more or less the same, but why are their statements then so different? The answer lies in the in difference between the society Kennedy had to govern and the society Thatcher had to govern. As Thatcher demands indirectly more selfresponsibility and individualism you can conclude that this is what lacks the people, she´s governing. Kennedy statement implies, that there lack of collectivism   and a growing gap between the rich and the poor, which, if not stopped by acting more socialistically, could tear apart society and economy.

If a society wants to function well, it has to find the right amount of collectivism and individualism, which are necessary determined by factors, like the zeitgeist, the technology and the cultural development at the moment. These two politicians made statements to adjust their citizen’s attitude to reach the necessary/right amount, in Thatcher’s case the regulator pointed too much in the direction of collectivism, while in Kennedys case the regulator pointed too much in the direction of individualism, so both had to counteract.

So this statements weren´t made to declare an universal meaning or incitement, but are bound closely to the circumstances, they have been made. Their goal is to push the people in the direction, which is currently needed to move forward or to reach a certain goal, like power, wealth or stability.  And this is how politics work. Ideologies and Ideas, like Socialism, the concept of Good and Evil, Christianity, Communism or Nationalism are nothing more than ideas and thoughtbuildings inside the heads of some animals called by themselves humans and thus not real from a rational (or moral and political nihilistic or materialistic) position. This thoughtbuildings are neither true nor real, but they are necessary for successful politics and survival, as they are powerful tools to control the herds and prevent them to fall into the nihilistic void or radical hedonism, which would make them useless for society and the ones, who are governing it. And this is not a conspiracy on a large scale.

People by nature crave and create ideas, as they need them to perceive the world. But they are lazy in creating own ideas and so run gladly and automatically into the arms of given ideas and ideologies as long as someone else thinks for them and gives their life meaning.  If you want people to obey, tell them there is an entity called god, who punishes them for not doing so; if you want people to work hard and so make the economy flourish and the taxes bubble up, tell them the story of the american dream; if there are riots because the poor can´t stand their situation, preach socialism; if you want to win an election, tell the people what they want to hear; if you want people to be quiet, give them the illusion of being in power, by installing a system you call democracy, though real democracy would be a deadly state of anomy, as it would mean that the masses were governing, and the masses have no idea of real politics, will and economy, they are like sheep. Kant can preach his sapere aude for millennia, but the majority of humankind will stay forever immature and in need and in search for shepherds and the warm conformity of a simple worldview. The truth, the harsh absurdity and meaningless nature of reality, make it nearly impossible to keep a normal human in line and his life bearable, so the people, especially in crowds, will always need delusions and a feeling of being a part of a collective/bigger idea, which they can follow and live and die for, though individualism is in a long term the only way to make progress, because only strong individuals driven by the will to power (wolfs not sheep) are able to push society forward and invent, explore and create really great and new things and ideas.

So do I believe in any of this two statements? No and yes. From an emotional, political and machiavellistic point of view, i think, everything is allowed to keep order on this planet, even telling lies and creating delusions, because people need delusions to function; from a sociological and political position i understand, that if you want society and mankind to survive, they must balance on the fine line of enough and too much individualism or collectivism; and through looking at social evolution and psychology i can see, how this morals and concepts came into being as defense mechanisms – though as an individualist i am sick of politics and disgusted by collectivism, but I accept their inevitability and  necessity, and at the same time i don´t believe personally, that there is any sense or meaning in anything, so you are free to do everything. This all may sound at first paradox and absurd, but our world is paradox and absurd, too. But that´s all my personal opinion. Dare to question me.

copyright by Nikodem Skrobisz