Konsum psychoaktiver Substanzen und schulische Leistungsfähigkeit

Letztes Jahr habe ich bereits einen sehr ausführlichen und mit persönlichen Anekdoten angereicherten Artikel über die Wirkung von Drogen auf die Kreativität, vor allem im Bezug auf schriftstellerisches Schaffen, publiziert, und bereits davor setzte ich mich mit den Kosten-Nutzen-Verhältnis von Drogen in meiner Schrift zur Ethik des rationalen Drogenkonsums auseinander. In anderen Artikel befasst ich mich mit der rechtlichen Lage von Badesalzen und mit der Behandlung von LSD-Flashbacks.

Nun konnte ich mich in den vergangenen Monaten auch im schulischen Rahmen mit dem Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Schulnoten und generell der Wirkung auf die jugendliche Psyche beschäftigen. Im Rahmen meines Psychologiekurses, den ich als Profilfach nun bereits das zweite Jahr belege, organisierte ich mit vier anderen Schülern ein Seminar für eine zehnte Klasse unserer Schule. Darin gingen wir darauf ein, wie man ohne die Verwendung von Stimulanzien wie Ritalin, seine Konzentrations und Leistungsfähigkeit verbessern kann. Mein vier Kollegen behandelten wie ausreichend Schlaf, die richtige Organisation und der richtige Lebensstil allgemein dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, und führten mit den Schülern diverse Übungen durch. Am Schluss hielt ich einen Vortrag über die Folgen vom Konsum psychoaktiver Substanzen auf die Gehirnentwicklung und die akademische und schulische Leistung. Erwartungsgemäß zeigten sich die Schüler sehr interessiert an diesem kontroversen Thema, und die meisten von ihnen waren sich davor gar nicht bewusst gewesen, wie schädlich vor allem auch legale Drogen wie Tabak und Alkohol für das Gehirn sind, dessen Entwicklung erst mit dem 25ten Lebensjahr abgeschlossen ist.

Auf der Basis der Evaluationen, die wir mit den Schülern vor und nach dem Seminar durchführten, und der sehr intensiven Recherche zu dem Thema, verfasste ich in den Faschingsferien 2018 eine Arbeit zu dem Thema „Konsum psychoaktiver Substanzen und schulische Leistungsfähigkeit„, die meine Schulaufgabe im zweiten Halbjahr ersetzte, und die ich euch nicht vorenthalten will, da sie doch den ein oder anderen Leser interessieren und helfen könnte.

Die Arbeit kann unter dem Dropboxlink https://www.dropbox.com/s/mtsqe5otwe27esa/geschw%C3%A4rztPsychologiearbeit%20von%20Nikodem%20Skrobisz%20%C3%BCber%20Psychoaktive%20Substanzen.pdf?dl=0 heruntergeladen werden. Sensible Daten, sowie die Evaluationsergebnisse sind stellenweise geschwärzt, um die Privatspähre der Schüler zu achten.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen 🙂

 

 


Dieser Artikel wurde von einem Laien erstellt. Auch wenn bei der Recherche größte Sorgfalt aufgewandt wurde, kann die Richtigkeit der darin enthaltenen Informationen nicht garantiert werden. Wenden Sie sich bei medizinischen Fragen an ihren Arzt oder Apotheker. Nehmen Sie keine Drogen oder Medikamente ohne Rücksprache mit einem Arzt ein.

Wenn dir dieser Artikel weitergeholfen oder dich unterhalten hat, dann würde es mich freuen, wenn du mir einen Kaffee spendieren würdest, mit dem ich noch mehr solcher Artikel schreiben kann 😉
Kaffee spendieren via Ko-Fi




Paranoia (2): Der Tag danach

Ich grübelte an meinem Schreibtisch, hielt inne und ließ meinen Blick aus dem Fenster schweifen. Ich zuckte zusammen. Auf einem Balkon gegenüber saß ein Mann mit Sonnenbrille. Er gab den Anschein sich zu sonnen, aber instinktiv wusste ich, dass er mich beobachtete. Ich stand auf und rollte die Jalousie herunter. Scheiße, das war sicher ein Zivi. Sie hatten die Aztekensalbei abgefangen oder irgendein Scheißer hatte ihnen gesteckt, ich würde dealen, um für sich selbst eine Strafmilderung rauszuschlagen. Es durchfuhr mich heißkalt und ich bekam eine Gänsehaut. Ich ging zu meinem Bett und legte mich auf den Boden davor. Kurz darauf lag der aufgeschlossene Koffer vor mir. Massenweise Ritalin – die Basis meines Business, die ich mit dreizehn verschrieben bekommen und abgesetzt hatte – und stapelweise Döschen mit verschiedenen Pillen und Kräutern. Manche legal, manche nicht. Kokablätter, Blauer Lotus, ein braunes Hustensaftfläschchen gefüllt mit selbstsynthetisiertem Chloroform, Holzrosesamen, Kratom und eine Platte Hasch, normale Schoki und Knaster, fünf LSD Blotter, 200g pharmazeutisch 100% reines Koffeinpulver zum strecken oder sniffen, Testkits, um Ware auf Streckmittel zu testen, selbstverständlich eine Feinwaage und hunderte durchsichtige Apothekertütchen. Viel. Sehr viel, aber das meiste davon nahm ich selber gar nicht oder nur ein einziges Mal und nie wieder. Ich war Forscher und Unternehmer zusammen mit Tim. Aber das war jetzt Geschichte. Ich würde das Geschäft vollkommen an ihn abtreten. Die Bierproleten hingen mir am Arsch, ich wurde langsam paranoid und Tim… Nein. Tim nahm mich nicht ernst und war ein amoralistischer Psycho, fuhr es mir durch den Kopf. Er hatte mich dazu gebracht die Kanna-Pillen zu nehmen, mich auf dem Horrortrip ausgelacht und im Stich gelassen. Warum sollte ich das Zeug Tim geben? Wir hatten zwar beide zusammen das Business aufgebaut, aber ich hatte die Quellen und Kontakte, kaufte Bitcoins und im DarkNet ein und traf mich mit Großhändlern. Er lieferte nur an die Kunden aus und war selber einer der größten. Er lebte von meinem Geld. Und er nutzte mich aus, realisierte ich. Ich lagerte bei mir, ließ an meine Adresse liefern und er war der Nutznießer, wenn es jedoch hart auf hart kam, ließ er mich in Stich. Ich konnte ihm nicht trauen. Ich spülte die Drogen die Toilette runter. Ich ging zum Gartenschuppen und holte 2kg Thermit aus einer Tüte, die ich dort versteckte. Bevor ich mit Drogen gehandelt hatte, waren Sprengstoffe meine Leidenschaft gewesen, aber ich hatte vor langer Zeit die letzte Rohrbombe gezündet und die letzten Chemikalien in den Restmüll gekippt. Ich packte den Koffer mit dem verbliebenen Beweismaterial voll mit Thermit. Ich entnahm meinem Laptop die verschlüsselte Festplatte und warf sie mit rein. Schade um die Bitcoins.
Bevor ich mich auf den Weg machte, fiel mein Blick auf die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen von Christian Rätsch in meinem Regal. Dieses verdammte, scheiß Buch war zu teuer und schwer, um es zu vernichten. Ich würde es vorerst behalten müssen und später verkaufen.

Ich fuhr zu dem ehemaligen, verlassenen Militärflughafen bei Neubiberg, südlich von München. Ich erinnerte mich, wie ich früher dort mit dem Rucksack voll HMTD oder Apex hingefahren war, um zum Spaß Hundekotmülleimer zu sprengen und Betrunkenen mit Pyrotechnik, Flares und Benzinlachen einen Höllenschiss einzujagen. Allein bei dem Gedanken wurde mir übel und ich bekam trotz der Hitze eine Gänsehaut. Wie hatte ich so leichtsinnig sein können, so etwas Gefährliches zu tun? Allein der Koffer voller Beweismaterial in meiner Hand ließ das Blut in meine Eier sacken. Ich sah mich die ganze Zeit um und schlug Haken durchs Gebüsch, um die Zivis abzuschütteln.
Und früher war ich hier sorglos durch die Gegend gefahren, sogar, wenn ich genug Sprengstoff um eine U-Bahn zu räumen in meinem Rucksack hatte. Warum war ich plötzlich so verdammt ängstlich?

Ich steckte eine Zündschur in den Koffer, und sah mich gehetzt um. Der kleine, durch Gebüsche isolierte Asphaltstreifen lag gut versteckt, dennoch hatte ich Angst, jemand könnte vorbeikommen. Ich wartete. Nichts geschah, also zündete ich die grüne Schnur an, die sofort funkensprühend loszischte.
Ich rannte zu meinem Fahrrad. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Die zischenden Funken verschwanden mit einer kleinen Rauchwolke im Inneren des Koffers. Ich hielt den Atem an. Würde es zünden? Falls nicht, hatte ich ein Problem. Just in dem Moment, als ich glaubte, versagt zu haben, gab es ein lautes Knastern und Zischen. Der Koffer riss auf und eine 2600C° heiße Flammensäule schoss zum Himmel. Ich trat aufs Pedal, raste davon. Meine Schläfen pulsierten. Ich hatte das Gefühl, jeden Moment würde ein Zivi mich vom Rad reißen und mich wegen Brandstiftung einkerkern. Naja, besser als Drogenhandel; den würden sie mir nicht mehr nachweisen können. Ich stürzte mit quietschenden Reifen, keuchend und schweißgebadet von einem Trampelpfad aus dem Gebüsch auf die Straße. Ich bremste und atmete tief durch. Dann fuhr ich langsam und unauffällig weg. Ein Mann mit Sonnenbrille kam mir entgegengeschlendert. Mein Magen verkrampfte sich, aber ich musste trotzdem ein Lächeln unterdrücken. Der war sicher ein Zivi, der mich überwachen sollte, aber alle Beweise und Fingerabdrücke waren gerade eben in Rauch aufgegangen. Sie konnten mir nix mehr. Zu spät, du Hurensohn.

Ich verbrachte viel Zeit auf Wikipedia und las dort über Krankheiten und Vergiftungen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas mit meiner Gesundheit nicht stimmte. Auch brach ich den Kontakt zu Tim und den anderen Dealern ab. Ich hatte das Gefühl, dass er mich nur ausnutzen und irgendwann umbringen wollte. Er hatte mich in die Welt der Drogen eingeführt, aber nur um meiner Gesundheit zu schaden und Profit aus meinen Geschäfts- und Technologieverständnis zu schlagen. Ich war mir plötzlich sicher, dass er beim Klassentreffen die Pillen gar nicht geschluckt hatte und sich nur an meinem Leiden erfreute. Dreckiger, sadistischer Bastard. Wahrscheinlich, nein, ziemlich sicher, würde er mich eines Tages umbringen, denn er war von Serienkillern fasziniert und hatte oft gesagt, er würde gerne wissen, wie es sich anfühlt, zu töten. Ich hatte mir früher dabei nicht viel gedacht, da meine Interessen ähnlich waren und er mein bester Freund, aber seitdem ich entdeckt hatte, dass er mich nur ausnutzte und manipulierte, misstraute ich ihm.

[Fortsetzung folgt]

Hier geht es zu Teil 3 ===>




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (6) Widerlegung und Bilanz

Widerlegung und Bilanz

oder

Ein letztes Wort zum menschlichen Drogenkonsum

Drogenkonsum mag in den meisten Fällen irrational, selbstzerstörerisch und sinnlos sein, aber das hat er leider mit der menschlichen Natur gemeinsam, denn der Mensch ist mehr als nur eine rationale, biochemische Rechenmaschine. Vielleicht geht die Menschheit deshalb trotz allem, seit jeher Hand in Hand mit Drogen durch ihre Geschichte, von den Opiumfeldern im heutigen Österreich in der Jungsteinzeit vor 8 000 Jahren, zu den Lotusessern und Bierbrauern des alten Ägyptens, über den LSD-Kult in den 1970er Jahren bis hin zu dem boomenden Research Chemical und Legal High Markt im 21. Jahrhundert.

Aber Rationalität und trockener Rationalismus vermögen alleine nicht viel vollbringen, das Geordnete, Vernünftige, Apollinische alleine führt nur zur Stagnation, Trübsal und Bilanzsuizid. Der Rausch, ob durch Drogen oder durch das Leben an sich, ist die dionysische Quelle alles Schönen, Künstlerischen und Lebenswerten. Drogen und Kunst sind ein Beispiel dafür, dass es auf den verko(r)ksten Pfaden der Menschlichkeit rational sein kann, irrational zu handeln. Allerdings ist es auch rational diese Irrationalität und damit den Drogenkonsum auf den niedrigst möglichen Niveau zu halten.




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (4) Das Psychonautische Prinzip

Das Psychonautische Prinzip

Die psychonautische oder erforschende Anwendung von Drogen ist heutzutage relativ selten. Sie ist am häufigsten bei intellektuellen Individuen und bei indigenen Völkern anzutreffen. Der Konsument verwendet hierbei Drogen, um seine eigene Psyche zu erforschen oder philosophische, spirituelle oder pharmakologische Experimente durchzuführen.

Für diese Ziele sind vor allem Psychedelika am besten geeignet und damit maßgebend. Das Wort psychedelisch bzw. psychedelic wurde 1956 von dem Psychiater Humphry Osmond und dem Schriftsteller Aldous Huxley geprägt und leitet sich von den griechischen Wörtern psychḗ‚ (Seele) und dẽlos (offenkundig, offenbar, manifestiert) ab. Damit soll beschrieben werden, dass Psychedelika die Grenze zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein auflösen. Das bekannteste Psychedelikum ist Lysergsäurediethylamid (LSD), welches, wie die meisten anderen auch, an den Serotoninrezeptoren 5-HT2A/C im Thalamus wirkt. Der Thalamus ist so etwas wie das Kontroll- und Zensurzentrum im Gehirn. Er entscheidet, welche Informationen aus der Umwelt und aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein gelangen und welche nicht. Durch die Wirkung eines serotogenen Psychedelikum wie LSD oder Meskalin wird der Thalamus hyperaktiv und leitet viel mehr Informationen weiter als sonst. Dies führt bei höheren Dosierungen zu den bekannten Pseudohalluzinationen, wie atmenden Wänden, spirituellen Visionen und Synästhesie, da der Visuelle Cortex irgendwann mit der Menge an Informationen überfordert ist. Hierbei handelt es sich allerdings meistens eher um eine Nebenwirkung. Die Hauptwirkung von Psychedelika besteht nämlich dabei, dass der Konsument mit seinem Unterbewusstsein konfrontiert wird. Erinnerungen, Schwächen, eigenen Fehler und mentale Blockaden tauchen auf und werden bewusst. Dies kann ein sehr belastender Zustand sein und unter Umständen, insbesondere bei schlechtem Set (physische Umgebung) und Setting (psychischer Zustand) zu sogenannten Horrortrips führen, bei dem der Konsument überfordert ist und in Panik ausbricht. Solche Horrortrips können zu langfristigen Schäden wie Traumata und Depressionen führen oder latente Psychosen auslösen (auch wenn sie keine Psychosen direkt verursachen können).

Wenn allerdings ein gutes Set und Setting eingehalten wird und der Konsument den Rausch ernsthaft angeht, kann er aus ihm sehr viel über sich selbst lernen, insbesondere über seine Probleme und wie er sie lösen kann. Auch vermögen Psychedelika den Konsumenten zu rekonditionieren, also tiefsitzende Verhaltensmuster und Gewohnheiten zu verändern. Dies macht man sich in der psycholitischen Psychotherapie zunutze. Dabei wird dem Patienten MDMA[i], Psilocybin oder LSD verabreicht. Während des Rauschzustands nutzt ein dafür ausgebildeter Therapeut dann den Zugang zum Unterbewusstsein, um gezielt Fragen zu stellen und so die Ursache psychischer Probleme zu finden. Diese Therapieform hat sich als höchst effektiv bei der Behandlung von PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung), Depressionen und Drogenabhängigkeit erwiesen. Psychedelikakonsumenten haben sogar statistisch gesehen im Vergleich zum Rest der Bevölkerung ein niedrigeres Depressionsrisko[ii].

Psychedelika können allgemein als zweischneidiges Schwert betrachtet werden. Sie können bei der psychonautischen Anwendung viel Heil bringen, aber auch viel Schaden anrichten, weshalb der Konsum immer gut vorbereitet werden muss. Der Konsument sollte sich gut über das jeweilige Wirkungsspektrum der Substanz informieren und dafür sorgen, dass er während des Rausches sich auf sich selbst konzentrieren kann und nicht gestört wird. Auch setzt die sinnvolle Verwendung von Psychedlika eine gewisse geistige Reife und Stabilität voraus. Sind diese Bedingungen gegeben, so spricht eigentlich rational nichts gegen einen Psychedelikakonsum, da der Nutzen der Selbsterforschung höher ist, als die Risiken, von dem, was man in seinem Unterbewusstsein vorfinden könnte, langfristig geschädigt zu werden.

Auch wenn die körperliche Belastung der meisten Psychedelika sehr gering ist, so ist es bei LSD unmöglich eine tödliche Überdosis zu konsumieren, ist die psychische Belastung enorm.[iii] Der Konsument braucht nach einem psychedelischen Rausch in der Regel eine längere Zeit, um die daraus gewonnen Erkenntnisse zu verarbeiten. Aus empirischen Erfahrungen vieler Konsumenten, ist es nicht sinnvoll und sicher Psychedlika öfters als vier Mal im Jahr zu nehmen. Die meisten Psychedelika sind nicht suchterzeugend oder abhängigmachend und ihr Konsum reguliert sich selber, da die meisten Konsumenten den Konsum von Psychedlika nach einiger Zeit von selbst einstellen, weil sie keine neuen Erkenntnisse mehr daraus gewinnen können.

Einige Substanzen, wie MDMA oder gerauchtes Cannabis, weisen allerdings sowohl psychedelische, als auch euphorisierende und damit hedonistische Merkmale auf und können auch zur Sucht führen. Ihr Konsum sollte vorsichtig betrieben werden, da er schnell von einem psychonautischen zu einem hedonistischen Konsum werden kann und damit an Mehrwert verliert.

Neben den Psychedelika gibt es noch zwei weitere Substanzklassen, die sich für eine psychonautische Verwendung eignen. Dies wären einmal die Dissoziativa, von denen die wichtigsten Vertreter Ketamin, Salvinorin A und PCP sind. Von ihnen ist nur Salvinorin A eine reine psychonautische Droge, während die beiden anderen auch euphorisierend, suchterzeugend und schmerzstillend wirken und daher von den meisten Konsumenten ihm Rahmen des hedonistischen Prinzips benutzt werden. Auch sind Ketamin und PCP neurotoxisch und giftig, während bei Salvinorin A keine giftigen Effekte bekannt sind, weshalb Salvinorin A das einzige Dissoziativum ist, dessen Konsum mehr Nutzen bringen als Schaden anrichten kann, allerdings gelten hier die gleichen Sicherheitsbedingungen von Set und Setting wie bei den Psychedelika.

Die dritte, große und gefährlichste Substanzklasse der Drogen, die sich für einen psychonautischen Konsum eignen, ist die der oneirogenen (=traumerzeugenden) Drogen. Träume sind Produkte unseres Unterbewusstseins und können uns daher sehr viel über uns erzählen. Es gibt verschiedene Drogen, die Träume auch im Wachzustand erzeugen oder im Schlaf intensivieren können und so einen intensiveren Blick ins Unterbewusstsein eröffnen.

Die stärkste Substanz dieser Art ist das Ibogain, welches einen bis zu zwei Tage andauernden Wachtraumzustand hervorrufen kann und, durch bisher nicht ganz geklärte Mechanismen, sämtliche Entzugserscheinung und das Verlangen nach Drogen bei Abhängigen schlagartig und dauerhaft beseitigt. Diese Substanz wurde lange Zeit in den USA in Entzugsklinken verwendet, wird allerdings heutzutage immer seltener eingesetzt, da sie, insbesondere in Kombination mit anderen Drogen, tödliche Nebenwirkungen haben kann und schwer zu dosieren ist. Ihre Verwendung ohne ärztliche Aufsicht ist kritisch zu betrachten, da die Sicherheit eher gering ist.[iv]

Des Weiteren können einige Opioide und Opiate, insbesondere Opium und Kratom, in höheren Dosierungen zu psychedelischen Halbwachzuständen oder zu intensiven Träumen führen, allerdings wird dies auch von Euphorie und einem hohen Abhängigkeitsrisiko begleitet, weshalb die psychonautische Anwendung dieser Mittel, wenn überhaupt, höchstens alle paar Monate und nur von Konsumenten betrieben werden sollte, die eine starke Willenskraft besitzen.

Fast alle Pflanzlichen Drogen aus dem psychonautischen Spektrum wurden und werden von verschiedenen Völkern auch als Sakramente verwendet, um durch ihre halluzinogene und spirituell reinigende Wirkung vermeintlichen Kontakt mit übernatürlichen Wesen herzustellen. Beispiele dafür sind Mutterkorn im antiken Rom, Peyote in Nordamerika und Ayahuasca in Südamerika. Dieser Konsum ist aus moderner, rationaler und wissenschaftlicher Sicht, eher kritisch zu betrachten, allerdings hängt dies auch davon ab, wie hoch man Kultur und Tradition beurteilt.

 

Als sichere und gesündere Alternative zum psychonautischen Drogenkonsum können philosophische Studien und Meditation, bei der sogar fast identische halluzinogene Zustände erreicht werden können, angeführt werden. Ihre erfolgreiche Anwendung bedarf allerdings Jahrzehnte an täglicher Praxis und hoher Konzentration auf das Ziel.

 

Hier geht es weiter mit Teil 5 von 6

 

[i] The safety and efficacy of ±3,4-methylenedioxymethamphetamine-assisted psychotherapy in subjects with chronic, treatment-resistant posttraumatic stress disorder: the first randomized controlled pilot study

  von Michael C Mithoefer, Mark T Wagner, Ann T Mithoefer, Lisa Jerome und  Rick Doblin

http://jop.sagepub.com/content/25/4/439

 

[ii] Universität Alabama, Journal of Psychopharmacology doi:10.1177/0269881114565653; Jan. 2015

  1. S. Hendricks, C. B. Thorne, C. B. Clark, D. W. Coombs, M. W. Johnson: Classic psychedelic use is associated with reduced psychological distress and suicidality in the United States adult population. In: Journal of Psychopharmacology. 29, 2015, S. 280, doi:10.1177/0269881114565653.

 

[iii] Lysergic acid diethylamide (LSD) for alcoholism: meta-analysis of randomized controlled trials, von Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen, veröffentlicht 2012

 

Safety and Efficacy of Lysergic Acid Diethylamide-Assisted Psychotherapy for Anxiety Associated With

Life-threatening Diseases, von Peter Gasser, MD,* Dominique Holstein, PhD,ÞYvonne Michel, PhD,þ Rick Doblin, PhD,§ Berra Yazar-Klosinski, PhD,§ Torsten Passie, MD, MA,|| und Rudolf Brenneisen, PhD, veröffentlicht 2014

 

[iv] Screening and safety in ibogaine treated patients, Dora Weiner Foundation, Staten Island, NY

K.R. Alper, H.S. Lotsof, G.M. Frenken, D.J. Luciano, J. Bastiaans 1999 234–42.

  Giannini, A. James: Drugs of Abuse, 2nd, Practice Management Information Corporation, 1997, ISBN 1-57066-053-0.H.S. Lotsof (1995). Ibogaine in the Treatment of Chemical Dependence Disorders: Clinical Perspectives

 




Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (3) Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte-Pragmatische Prinzip ist das zweithäufigste Konsummuster in der westlichen Gesellschaft. Hierbei werden Drogen nicht zum Spaß oder um geistig zu wachsen benutzt, sondern als Werkzeuge, um bestimmte objektive, langfristige Ziele zu erreichen. Klassische zielorientierte Drogen sind Schmerzmittel und Stimulanzien, die genommen werden, um leistungsfähig zu bleiben und ein relevantes Ziel zu erreichen.

Diese Anwendung ist in den meisten Fällen als akzeptabel anzusehen, da sie nicht zu Konformität und Unmündigkeit verleitet und die Nutzen in der Regel die Risiken überwiegen.

Als weitverbreitetes Beispiel kann man hier den Konsum des Stimulans Koffein anführen, welches übrigens die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz der Welt ist. Koffein erhöht die Leistungsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer, sodass der Konsument in der Lage ist, mehr Arbeit in kürzerer Zeit und effektiver zu verrichten. Auf der körperlichen Seite, belastet es den Kreislauf und die Nebennieren, aber verursacht keine gravierenden körperlichen Schäden. Das größte Risiko bei Koffein ist, dass es körperlich abhängig macht, weshalb man es nicht jeden Tag konsumieren sollte, sondern nur, wenn es absolut nötig ist, da der Konsument sonst irgendwann nicht mehr in der Lage ist, ohne die Substanz zu funktionieren, was ihn unfrei macht und von vielen unangenehmen und hinderlichen Nebenwirkungen begleitet wird. Neben den Entzugserscheinungen sind die Begleiterscheinungen bei Koffeinabhängigkeit Reizbarkeit, Nervosität, Herzklopfen, Schlafstörungen und schneller Herzschlag. Psychisch ist Koffein bei moderaten Konsum ebenfalls relativ sicher. Erst bei regelmäßigen Konsum erhöht es, wie alle Stimulanzien, das Psychoserisiko. Die Nutzen-Risiken-Bilanz ist also bei unregelmäßigen Konsum höher, als bei absoluter Abstinenz und als beim regelmäßigen Konsum.

Weitere zielorientierte Drogen können andere Stimulanzien wie Methylphenidat, Amphetamin und Kokain sein, oder auch sogenannte Nootropika, Substanzen wie Modafilin, Phenibut und Kratom, die die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Psyche erhöhen. Wie immer, sollte man den Konsum möglichst geringhalten und nur betreiben, wenn es situationsbedingt absolut nötig ist z.B.: wenn man eine Arbeit innerhalb kürzester Zeit verfassen muss, oder, wenn man ein Soldat im Krieg ist, der für einen strategischen Vorteil drei Tage ohne Schlaf durchstehen muss, während er sich durch ein feindliches Gebiet kämpft. (Dies wurde zum Beispiel von der Wehrmacht beim Blitzkrieg und den U.S. Streitkräften im Vietnamkrieg praktiziert, indem man den Soldaten Methamphetamin gab, was sie aggressiver und leistungsfähiger machte). Allerdings sollte es bei dem situationsbedingten, unregelmäßigen Konsum bleiben und nicht zu einem täglichen oder hedonistischen Konsum ausufern, da dies zur Sucht und damit zu mehr Schaden, als Nutzen führen kann und damit selbstzerstörerisch und irrational ist.

Ein weiteres Anwendungsgebiet des Zielorientierten Prinzips ist die Medizin, in der z.B.: Narkotika verwendet werden, um Operationen sicherer und schmerzlos durchführen zu können. Dies ist in der Regel rational und ethisch absolut in Ordnung, da das Wohlergehen des Patienten damit sichergestellt wird. Allerdings muss natürlich auch hier je nach Situation abgewogen werden, ob es sinnvoll ist bestimmte Substanzen zu verwenden oder nicht.

Ein umstrittenes Gebiet ist hier besonders die Psychiatrie, in der häufig mit Drogen/Medikamenten lediglich die Symptome einer Störung unterdrückt werden, allerdings oft auf Kosten des langfristigen Wohlergehens des Patienten und ohne auf die eigentlichen psychologischen Ursachen der Probleme einzugehen.

Einen Schizophrenen mit Neuroleptika ruhigzustellen, ist für die Ärzte und sein Umfeld einfacher, schneller und billiger, als ihn mit einer langwierigen und anstrengenden psychoanalytischen Behandlung zu kurieren. Allerdings führt die Behandlung von Neuroleptika auf Dauer zu einer Degeneration des Gehirns und nicht selten zu einer Verschlimmerung der Symptome beim Absetzen der Mittel. Ähnliches lässt sich über die Behandlung von unruhigen Kindern mit ADHS durch Methylphenidat sagen. Hier werden die Erwartungshaltungen der Gesellschaft durch chemische Methoden auf ein Kind forciert, welches sich der Konsequenz noch gar nicht bewusst sein kann. Dies führt häufig dazu, dass diese Kinder unfreiwillig abhängig werden von Medikamenten und starke Nebenwirkungen entwickeln, an denen sie mehr leiden, als an dem nüchternen Anderssein.

In Fällen von echten psychischen Beeinträchtigungen, wie wirklich stark ausgeprägtem ADHS, ist es natürlich sinnvoll und sogar wegweisend, entsprechende Medikamte zu nehmen.

Auch ist die tendenziell immer häufigere und leichtsinnige Verschreibung von Antidepressiva anzuführen und kritisch zu betrachten, bei denen eine der häufigsten Nebenwirkungen Suizid ist.

Psychopharmaka sollten in der Psychiatrie nur dann eingesetzt werden, wenn es unausweichlich ist.

Hier muss man daher die tendenzielle Herangehensweise der modernen Psychiatrie verurteilen sofort und immer häufiger, ohne Alternativen abzuwägen, Medikamente zu verschreiben. Dies macht den Patienten häufig, statt ihn wirklich zu kurieren, zu einem Abhängigen, bei dem lediglich die Symptome unterdrückt werden, so dass er für die Gesellschaft noch vom Nutzen ist, aber er nicht mit sich selbst ins Reine kommen kann.

Ähnliches muss man aber auch denjenigen Individuen vorwerfen, die sich selbst mit Drogen behandeln. Wer zum Beispiel an einer Sozialphobie leidet und, statt diese zu konfrontieren und für alle Zeit zu überwinden, sich mit Beruhigungsmitteln selbsttherapiert, der verschlimmert diese Phobie auf Dauer nur und stürzt sich selbst in eine Abhängigkeit. Ergo er handelt langfristig gesehen selbstzerstörerisch und damit irrational.

Generell ist der Einsatz von Drogen im Zielorientierten Prinzip oft der Weg des geringsten Widerstandes, um ein Problem zu lösen, aber auch häufig der, der langfristig gesehen eher schadet als nützt. Zielorientierter Konsum ist nur akzeptabel und rational, wenn er die beste mögliche Option darstellt.

Hier geht es weiter mit Teil 4