Interview bei Creepy Creature Reviews am 25.12.2017

Am 25.12.2017 erschien auf dem Blog des BookTubers Creepy Creature Reviews ein Interview mit mir. Ihr findet es unter https://florian-jung.wixsite.com/creepy-creatures/single-post/2017/12/25/Interview-mit-Leveret-Pale Darin erzähle ich unter anderem, wie ich zum Schreiben kam, und warum ich Zigarren rauche und keine Videospiele spiele. Viel Spaß beim Lesen 😉

EDIT vom Juli 2018:

Da Florian offensichtlich seinen Blog geschlossen hat (vermutlich im Rahmen der DSVGO-Problematik etc.), lässt sich das Interview dort leider nicht mehr nachlesen. Damit ihr es trotzdem noch lesen könnt, kopiere ich es euch hier rein:

Florian: Du hast schon früh angefangen zu schreiben und noch vor dem Abitur deine ersten Romane und Storysammlungen veröffentlicht. Wann hast du gemerkt, dass da ein Autor in dir steckt? Wie hast du es gemerkt?
Dass in mir ein Autor steckte, das war schon irgendwie von Anfang an angelegt, auch wenn es etwas dauerte, bis ich mir dessen bewusst wurde. Meine ersten Geschichten schrieb ich im Alter von vier Jahren zusammen mit meiner Mutter. Ich konnte schon als kleines Kind oft nicht einschlafen, also hat mir meine Mutter immer vorgelesen oder Geschichten erzählt. Ich begann die Geschichten weiterzuspinnen und dann zeichnete ich Comics dazu oder diktierte ihr die Texte am Computer, sodass wir sie ausdrucken und zusammenheften konnten. Das erste längere Buch, welches ich selber schrieb und illustrierte, stellte ich im Alter von zehn Jahren über die Herbstferien her. Es war eine Art Lexikon über Fabelwesen, die ich aus allen möglichen Filmen, Büchern und Mythen zusammentrug, abzeichnete und mit kurzen Texten beschrieb. Danach schrieb ich oft Essays und recht konsequent Tagebücher, vor allem als ich im Internat war. Ich versuchte auch bereits seit dem dreizehnten Lebensjahr mehrmals einen Roman zu schreiben, scheiterte aber dabei immer wieder, weil mir die Disziplin fehlte und ich eh nicht wirklich daran dachte, professioneller Schriftsteller zu werden. Ich begann auch auf der Basis der Handlung ein Videospiel zu programmieren, welches ich aber auch nie fertigstellte. Ich war damals sehr hedonistisch und nihilistisch und sah nicht wirklich viel Sinn, ein Ziel oder Freude im Leben. Die Motivation Bücher fertigzuschreiben und zu publizieren bekam ich erst mit sechszehn. Das wurde glaube ich vor allem durch einen überdosierten Trip auf mehreren psychotropen Substanzen, darunter einem legalen LSD-Analog, ausgelöst. Ich hatte starke Halluzinationen, im Fernsehen lief Alice im Wunderland, im Garten tat sich ein schwarzes Loch auf, die Texturen wellten sich, ich hatte Krämpfe und paranoide Wahnideen. Ich dachte, ich sterbe, und in dem Augenblick kamen mir sehr viele unterdrückte Gedanken und Erkenntnisse, darunter: Das, was ich eigentlich irgendwo unterbewusst immer werden wollte und wofür ich eindeutig dispositioniert war, ohne es wirklich zu realisieren, war ein Schriftsteller. Zwei Tage später fing ich an den ersten Roman zu schreiben, den ich je fertigstellte, nämlich „Der Bunker“. Seitdem arbeite ich hart und konsequent an meiner Schriftstellerkarriere. Insgesamt habe ich in den letzten zweiundhalb Jahren zehn Bücher veröffentlicht, davon drei dickere Romane („Die Rückkehr der Götter“, Crackrauchende Hühner“, „Köngisgambit“). Eine Übersicht meiner Publikationen findet man auf meiner Amazonseite: http://amzn.to/2BfcDmn
Das Abitur habe ich übrigens auch noch nicht. Ich bin gerade achtzehn Jahre alt und werde das Abitur im Juni 2018 ablegen.

Hast du Bücher über das Schreiben gelesen, Workshops besucht oder hast du einfach frei Schnauze geschrieben?

Das einzige Buch, welches ich über das Schreiben gelesen habe, war „Über das Leben und das Schreiben“ von Stephen King, und das ist sogar mehr eine Biographie als ein handfester Ratgeber. Ich bin einen etwas anderen Weg gegangen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass 99% der Workshops und Schreibratgeber von Autoren stammen, die entweder selber nicht einmal etwas publiziert haben, also meist Literaturwissenschaftler sind, die alles nur in der Theorie kennen, oder von den Autoren sind, deren Bücher so schlecht und unerfolgreich sind, dass sie sich ihr Gehalt mit solchen Ratgebern und Seminaren aufbessern müssen. Das mag zwar etwas arrogant klingen, aber ich wollte nicht von den Versagern lernen, sondern wenn überhaupt, dann von den Besten. Ich las also sehr viel und sah mir an, wie die großen und erfolgreichen Autoren wie Dostojewski, Poe, King, Lovecraft usw. es machten, las ihre Bücher, analysierte ihren Stil, und dann schrieb ich einfach los. Die fertigen Texte und Kapitel stellte ich dann ins Deutsche Schriftstellerforum und auf andere ähnliche Onlineplattformen, wo ich dann sehr viel konstruktives Feedback von erfahrenen Autoren erhielt. Ich nahm diese Kritik auf, überarbeitete die Texte, gab sie anderen Autoren zum lesen, verteilte sie an Testleser und Bekannte, nahm deren Feedback an und verbesserte weiter meine Texte. Mit der Zeit entwickelte ich durch das ständige Feedback und das viele Lesen und Korrigieren von Texten anderer Amateure und Schreibanfänger ein Gefühl fürs Schreiben und mit der Zeit auch einen eigenen Stil. Die ersten meiner Geschichten lasen sich noch etwas wie die Imitate von Lovecraft, Poe oder Stephen King, aber ich habe sehr schnell einen eigenen Stil entwickelt, wobei ich auch immer wieder neue Stile und Erzählperspektiven ausprobiere oder neue kreiere. Also, man könnte sagen, ich habe frei nach Schnauze geschrieben, mir aber dabei immer wieder von Leuten eins draufgeben lassen, um herauszufinden, ob ich mich in die richtige Richtung bewege. Von der Vernetzung mit vielen Autoren und dem gegenseitigen Korrekturlesen profitiere ich weiterhin. Ich denke, für einen Autor ist es sehr wichtig immer kritisch mit seinen Texten zu sein. Es ist wie ein Leistungssport. Man muss immer am Ball bleiben, schreiben, trainieren, optimieren, sonst erschlaffen irgendwann die Schreibmuskeln, und da hilft einem die Theorie auch nicht mehr weiter.

Was ist dir bei deinen eigenen Geschichten am wichtigsten: Handlung, Charaktere, Sprache oder was ganz anderes?

Das hängt von der Geschichte ab. Generell will ich natürlich alle drei Aspekte möglichst gut und stimmig gestalten. In den meisten Geschichten ist mir allerdings die Idee dahinter am wichtigsten. Also, was ich dem Leser an Konzepten, Gedanken und Gefühlen mit dem Text vermitteln möchte. Dies liegt vor allem daran, dass ich in meine Geschichten oft philosophische oder psychologische Konzepte verwebe. Die Charaktere und die Handlung sind dann Manifestationen dieses Unterbaus. Die Sprache folgt dann dem Erzähler und dem Setting. In meinem Roman „Crackrauchende Hühner“, zum Beispiel gibt es Kapitel, die in verschiedenen Formen und Stilen geschrieben sind, um die mentale Zersetzung der Handlung und das Eindringen des Übernatürlichen in die Welt der Charaktere zu verdeutlichen. Ich habe aber auch schon Psychogramme und Gedichte geschrieben, bei denen dann entsprechend die Charaktere oder eben die Sprache im Mittelpunkt standen.

Am meisten freue ich mich aber, wenn Leser mir berichten, dass das Buch ihnen nicht nur Spaß gemacht hat, sondern sie auch zum Nachdenken anregte.

Du hast mal gesagt, dass du nicht davon ausgehst, mit dem Schreiben mal Geld verdienen zu können. Siehst du das immer noch so?

So wie die Dinge sich entwickeln, könnte ich mir vorstellen, dass ich in paar Jahren sogar tatsächlich vom Schreiben genug zum Leben verdienen könnte. Bisher nehme ich kaum mehr ein, als ich ausgebe, da gutes Selfpublishing sehr teuer ist und sich meist erst ab mehreren tausend verkauften Exemplaren anfängt zu rentieren. Vor allem in den letzten Monaten sind allerdings meine Bekanntheit und damit die Verkäufe stark gewachsen. Ich glaube, dass da noch sehr viel Luft nach oben ist, wenn man bedenkt, dass ich erst achtzehn bin und damit noch ganz am Anfang meiner literarischen Laufbahn und Entwicklung stehe. Allerdings möchte ich nicht vollberuflich als Schriftsteller arbeiten. Ich befürchte, dass das Schreiben an Qualität verlieren könnte, wenn ich davon finanziell abhängig wäre, dass ich dauernd etwas veröffentlichen muss. Des Weiteren würde ich sehr gerne eine akademische Karriere anstreben bzw. Psychologie studieren und dann in dem Fach promovieren, um in die Forschung und Lehre gehen zu können. Neben dem Schreiben habe ich eine große Leidenschaft für das Aneignen von Wissen und für das Referieren. Ich rede sehr gerne vor Klassen und erkläre gerne anderen Menschen komplexe Sachverhalte, was mir meist sehr gut gelingt. Des Weiteren würde ich mich gerne in der Forschung betätigen, da ich die menschliche Psyche hochspannend finde und in dem Bereich sehr gerne das vorhandene Wissen erweitern würde.

Hast du literarische Vorbilder, die dich inspiriert haben?
Ja, und da ich so ziemlich alles lese und schreibe, sind das sehr viele. Die wichtigsten sind wahrscheinlich Friedrich Nietzsche, Irvin Yalom, William S. Burroughs, Stephen King, Albert Camus, H.P. Lovecraft, Edgar Allan Poe, Philip K. Dick und Hunter S. Thompson.

Du schreibst in vielen Genre – was reizt dich gerade an den phantastischen Literaturgattungen?
Phantastische Literatur ist ein sehr weiter Überbegriff, dem man sehr viele Genre wie ScienceFiction, Horror und Fantasy unterordnen kann. Fast alles, was ich geschrieben habe – von einigen wenigen Kurzgeschichten, Novellen und meinen Sachbüchern abgesehen – lässt sich daher der Phantastik zuordnen. Dies liegt daran, dass ich an der Phantastik schätze, dass man in ihr anders als in der klassischen Belletristik seiner Kreativität freien Lauf lassen und die Geschichten wirklich poetisieren kann. Sie ist so vielseitig, dass man fast jede Art von Handlung in ein phantastisches Setting versetzen kann. Von der biederen Realität bekommen wir ja jeden Tag im Alltag bereits mehr als genug. Selbst wenn man sich mit hochaktuellen oder komplexen Themen wie Politik, Philosophie oder Psychologie auseinandersetzen will – was ich auch oft mache – kann man diese sehr gut in ein phantastisches Szenario projizieren und so noch anschaulicher, intensiver oder spannender gestalten. Des Weiteren ist das phantastische Genre dadurch sehr zeitlos. Während aktuelle Gegenwartsliteratur in der Regel sehr schnell in der Versenkung verschwindet, sind die meisten Klassiker der Weltliteratur phantastisch. Homer, Shakespears Hamlet, Das Niebelungen Lied, Philip K. Dick, Edgar Allan Poe und Geothes Faust werden wir wahrscheinlich noch in hunderten von Jahren lesen, weil sie durch ihre phantastische Elemente uns viel mehr bewegen und inspireren, als es eine Beschreibung der Realität jemals könnte. Ich finde es daher sehr schade, dass das deutsche Feuilleton so selten über phantastische Bücher schreibt – das liegt allerdings wahrscheinlich aber auch daran, dass viele deutsche Autoren das Potential des Genres kaum ausnutzen, sondern immer wieder die gleichen oberflächlichen Romane schreiben, die vielleicht viele unterhalten, aber wenig bewegen.

Du bist noch keine 20 Jahre alt und bist bereits einer nicht geringen Zahl an Lesern und Bloggern bekannt. Wie hast du das gemacht?
Das Bekanntwerden war wahrscheinlich der schwierigste Teil meiner schriftstellerischen Arbeit, denn auch wenn ich mir immer wieder Mühe gebe, liegt mir die Selbstvermarktung nicht. Ich habe allerdings wohl das Glück, dass viele meiner Leser für mich gute Mundpropaganda betreiben. Das tun sie wahrscheinlich, weil meine Bücher nicht in den Mainstream passen und damit eine Nische füllen, die vielen Lesern gefällt, aber die sonst kaum erschlossen ist.
Die wenigen Leser, die meine ersten Bücher lasen, bewerteten diese bei Lovelybooks und Amazon überwiegend sehr gut. Ich hatte sehr großen Spaß dabei mich mit ihnen auszutauschen und konstruktive Kritik zu erhalten. Davon motiviert schrieb ich weiter, lernte aus meinen Fehlern und verbesserte konstant meine Qualität. Ich begann dann auch ab und zu Blogger anzuschreiben, Leserunden bei Lovelybooks zu veranstalten und auf Instagram und Facebook etwas über mein Autorenleben zu posten. Mit vielen Lesern und Autoren entwickelte ich mit der Zeit auch soetwas wie Brief- bzw. E-Mailfreundschaften. Zunehmend kommen auch auf mich auch Personen zu, weil sie meine Texte mögen. Auf diese Weise kam ich dann auch zu einigen Artikeln, Lesungen und Interviews. So las ich zum Beispiel bei der Langen Lesenacht von Billerbeck aus meinen Roman „Crackrauchende Hühner“, nachdem die Organisatorin mich dazu eingeladen hatte, weil ihr gefiel, was ich schrieb. Bei der Lesung war auch die Autorin und Redakturin Astrid Korten, die mir dann anbot, mich für ihr Magazin frauenpanorama.de zu interviewen.
Im Allgemeinen tue ich mir allerdings damit schwer auf Menschen groß zuzugehen, da für mich der Hauptfokus dann doch auf dem Schreiben liegt und ich mit den Klausuren, meiner Freundin und dem restliche Leben bereits mehr als genug ausgelastet bin. Ich bin daher meiner Leserschaft und Bloggern, wie dir, sehr dankbar, dass sie die Werbung sozusagen für mich übernehmen.

Was sagen eigentlich deine Eltern zu deinen Ambitionen?
Sie unterstützen mich dabei. Sie lesen alle meine Texte und sind – glaube ich zumindest – ziemlich stolz auf mich. Ich war nie ein einfaches Kind, aber sie hatten viel Geduld mit mir und haben mich sehr liberal erzogen. Dadurch konnte ich meine Grenzen selbst erfahren und mich sehr frei entfalten. Das hat sich nicht nur positiv auf meine schriftstellerische Entwicklung ausgewirkt. Ich bin mittlerweile auch ein sehr guter Schüler, der in fast allen Prüfungen vierzehn oder fünfzehn Punkte bekommt. Sie können als schonmal nicht meckern, dass ich fürs Schreiben die Schule vernachlässigen würde. 🙂

In einem Alter, in dem sich andere deiner Altersgenossen für Gaming interessieren, liest du, und rauchst gerne gute Zigarren. Wieso?
Ich nehme an, ich habe eine etwas andere Herangehensweise zum Leben, als die meisten meiner Gleichaltrigen. Ich würde mich als einen eher nachdenklichen, aber auch sehr leidenschaftlichen Menschen bezeichnen. Ich gehe mit dem konstanten Gefühl durch den Tag, dass mein Leben nur eine sehr flüchtige Angelegenheit ist und diese Welt ein sehr kompliziert Ort, der allerdings meine Neugier weckt. Ich würde am liebsten alles verstehen und sehen, was es gibt, allerdings ist das unmöglich. In spätestens hundert Jahren werde ich nicht mehr existieren und keine Möglichkeit mehr haben, mich selbst zu verwirklichen oder zu verstehen, was das Leben eigentlich ist. Lebenszeit ist das kostbarste Gut, welches man als Mensch hat, und das Schlimme ist, dass es uns nonstop zwischen den Finger zerrinnt. Deshalb will ich meinen Leben voll ausleben, ich will mein Potential so weit wie möglich ausschöpfen und meine Zeit auch mit Glück und Sinn füllen. Deshalb lebe ich meinen Leidenschaften aus, wie das Schreiben, das Lesen, das Reisen, die Philosophie und die Psychologie. Ich will lieber ein Leben lang den Dingen nachgehen, die mir wirklich wichtig sind, wie Beziehungen und Literatur, als nur aus Konformität und Faulheit mich dann im Alter darüber aufzuregen, dass ich nie das geworden bin, was ich hätte sein können. Ich will die beste mögliche Version von mir werden. Ich könnte nicht einfach nur da sitzen und irgendwelche Videospiele oder Serien konsumieren. Es würde mich wahnsinnig machen, weil ich mich dabei nicht nur langweilen würde, sondern auch das Gefühl hätte meine Zeit zu verschwenden. Lieber bereise ich mit meiner Freundin Städte, lese Bücher, schreibe Bücher oder führe bei einer guten Zigarre lange und intensive Gespräche mit Freunden. Ich möchte wirklich leben und verstehen und glücklich sein, und letzteres bin ich vor allem dann, wenn ich meinen Leidenschaften nachgehe.
Wobei ich nicht immer so war. Ich war lange Zeit in meinem Leben sehr nihilistisch und hedonistisch. Ich habe zwar bereits immer gelesen und mich für Philosophie und Literatur interessiert, aber ich habe dann doch sehr viel Zeit mit Videospielen, Partys, Drogen, Filmen etc. verbracht. Das änderte sich erst nach meinen ersten oben bereits erwähnten Erfahrungen mit Psychedelika im Alter von sechzehn. Diese Erlebnisse führten zu einer Veränderung meiner Perspektive auf das Leben und waren dann auch die Initialzündung für mich, um mit dem professionellen Schreiben anzufangen. Mittlerweile habe ich seit Jahren kein Videospiel mehr angerührt. Stattdessen lese ich ungefähr zwei, drei Bücher die Woche und arbeite ununterbrochen an meinen Texten und Ideen, verbringe viel Zeit mit Freundin und Freunden, und bin so zufrieden mit meinem Leben, wie nie zuvor.

„Apfelsmoothie der Erkenntis“ und „Crackrauchende Hühner“ – wie kommt man auf solche Titel?

Man könnte auch fragen, wie kommt man auf Geschichten, Charaktere etc.? Der kreative Prozess, wie diese Ideen in meinen Kopf kommen, liegt für mich selber zum Großteil im Dunkeln. Ich schreibe einfach und irgendwann, wenn das Manuskript irgendwo zu Zweidrittel fertig ist, dann kommt mir meist spontan eine Idee, wie der passende Titel lautet. Die beiden von dir gewählten Titel sind allerdings auch die avantgardistischsten Bücher, die ich bisher geschrieben habe. Die Titel sind daher eigentlich, wenn man genau hinsieht, gar nicht so absurd. In CrH gibt es nämlich tatsächlich zwei sprechende Hühner, die Crack rauchen, und relativ wichtige Nebencharaktere sind.

Du bist als Selfpublisher unterwegs: Was sind die Vorteile gegenüber dem Dasein als Verlagsautor?

Ich bin noch als Selfpublisher unterwegs. Mittlerweile haben Verlage an meinen Texten Interesse bekundet. Ich habe mich überdies auch mit einigen Agenturen ausgetauscht, wodurch sich mittlerweile neue Möglichkeiten für mich aufgetan haben. Es ist also recht wahrscheinlich, dass ich in naher Zukunft kein Selfpublisher mehr sein werde, allerdings gibt es davor noch einiges zu klären und abzuwägen, weshalb ich noch nichts Konkretes sagen kann.
Das SelfpublisherDasein hatte aber bisher sehr große Vorteile für mich. Zwar musste ich mich um alles selber kümmern und viel Geld investieren, aber anderseits konnte ich so schnell sehr viele Erfahrungen sammeln und auch die Bücher schreiben, die ich wollte. Es ist sehr schwer, als sechzehnjähriger von Verlagen ernstgenommen zu werden und es ist noch schwerer mit Bücher zu debüttieren, die sich wie meine sehr weit vom leichtbekömmlichen Mainstream bewegen. Ich hätte wahrscheinlich meine Bücher nur schwer publiziert bekommen und hätte sie unter die Zensurschere legen müssen. Ich wollte mich allerdings in erster Linie kreativ austoben, mich in verschiedenen Genre testen, neue avantgardistische Stile kreieren. Das war alles nur als Selfpublisher in diesem Umfang möglich. Ich hätte nie gedacht, dass meine Bücher so vielen Menschen gefallen. Wenn man Selfpublishing professionell betreibt, dann kann es eine sehr gute Alternative zu einer Verlagsveröffentlichung sein. Ich kenne einige Verlagsautoren, die nun sogar auf SP umgestiegen sind, und damit recht erfolgreich sind. Leider wird Selfpublishing in Deutschland zurzeit noch zu weiten Teilen von sehr dilettantischen oder sogar plagierten Büchern dominiert, die mit ihrer miserablen Qualität die ganze Szene diskreditieren. Es ist dadurch für Selfpublisher – vor allem wenn sie sich noch keinen Namen gemacht haben – teilweise sehr schwer von Kritikern, der Presse und Buchhändlern ernstgenommen zu werden, auch wenn sich in den letzten Jahren da zum Glück einiges getan hat. Um die Standards zu heben und die Selfpublisher in Deutschland zu professionalisieren und besser zu vernetzen, engagiere ich mich mittlerweile auch persönlich. So bin ich seit Oktober 2017 im Vorstand des Bundesverband junger Autoren (BVjA) in dem neugeschaffenen Posten des Vorstandsmitglieds für Selfpublishing tätig.

Worin liegt deiner Meinung nach die Zukunft: dem klassischen gedruckten Buch oder dem Ebook?
Wenn man sich die Statistiken ansieht und die verschiedenen Studien zu eBooks, so zeichnet sich doch recht deutlich ab, dass die meisten Menschen vor allem aus psychologischen Gründen Printbücher bevorzugen. Wir starren sowieso schon den ganzen Tag auf Bildschirme, da wollen die wenigsten auch noch beim entspannten Lesen einen vor sich haben. eBooks bieten aber vor allem für Menschen, die viel lesen und sehr viel unterwegs sind, eine sehr gute und populäre Alternative zu Printbüchern. In der Zukunft wird es beides geben, daran zweifel ich nicht, allerdings bin ich mir recht sicher, dass das gedruckte Buch zumindest für die kommenden Jahrzehnte (wenn nicht sogar Jahrhunderte) die Oberhand behalten wird. Um allerdings alle interessierten Leser zu erreichen, gibt es meine Bücher immer sowohl als eBook, als auch als Print.