#kunterbunteleserschaft – Die Bloggerin Frollein von Kunterbunt im Interview

Vor kurzem erschien auf dem Blog Frollein von Kunterbunt ein Interview mit mir zu meinen Lesegewohnheiten. Dieses Interview war mein Beitrag zu ihrem Projekt #kunterbunteleserschaft. Doch was sind die Hintergründe und Ideen hinter diesem Projekt und wer ist die Bloggerin dahinter? Dieses Interview soll etwas Licht ins Dunkle bringen.

Du betreibst den Blog https://frolleinvonkunterbunt.wordpress.com. Worum geht dort und was hat dich zum bloggen gebracht?

Der Weg zu meinem eigenen Blog war ein schleichender Prozess. Ich habe vor vielen Jahren mit Instagram angefangen und dort irgendwann bemerkt, dass es eine ziemlich große Bücher-liebende Community gibt. Ich fühlte mich endlich verstanden und fing an, mich mit anderen sogenannten „Boostagrammer*innen“ zu vernetzen und meine Leidenschaft auszuleben, indem ich eben auch vermehrt Bücher zeigte und empfahl. Aus den kurzen Snippets resultierten irgendwann zunehmend Nachfragen zu konkreten Büchern, Autoren und Genren, sodass ich dann im Frühjahr des letzten Jahres beschloss, meinen eigenen Blog zu starten und meine Buchempfehlungen und Rezensionen dort zu teilen. So können diejenigen, die Interesse daran habe, dort ausführliche Blogposts lesen und mein Instagram-Account bleibt weiterhin eine  kunterbunte Mischung aus meinem Alltag und Dingen, die mich glücklich machen. Zusätzlich zu Büchern findet man auf meinem Blog aber auch noch kleine Auszüge aus meinem zweiten, kleinen Hobby: der Makrofotografie. Die dabei entstandenen Bilder zieren nicht nur meinen Header, sondern haben sogar einen eigenen, kleinen Bereich bekommen.

Was ist dein Lieblingsbuch und warum?

Der kleine Prinz“, immer und immer wieder! Manchmal braucht es kleine Fluchten aus dem Alltag, wenn einem mal wieder alles über den Kopf wächst und man den Glauben an die Menschheit verliert. In diesen Momenten kehre ich gerne zu dem Prinzen auf seinem kleinen Planeten zurück, der so herzergreifend positiv und rein ist, dass er sämtliche Zweifel und Trauer sofort wegwischt.
Dazu kommt, dass man mit jedem gewonnenen Lebensjahr neue Dinge in diesem kleinen Büchlein entdeckt, sodass man auch als vermeintlich erwachsener Mensch jedes Mal aufs Neue Dinge dazu lernt, anders sieht und anschließend neue Perspektiven einnehmen kann. Der kleine Prinz rückt alles entweder wieder gerade, oder in ein neues Licht, je nachdem, was man gerade braucht.

Du hast vor einiger Zeit das Projekt #kunterbunteleserschaft gestartet. Worum es geht dabei und wie kam es dazu?

In dem Projekt geht es darum Leser*innen vorzustellen. Das klingt im ersten Moment total banal, aber mich hat schon immer fasziniert, wie viele unterschiedliche Lesertypen es gibt. Und es ist eigentlich ziemlich egal was man liest, da uns alle eines eint: die Liebe zu Büchern.
Ich habe bei vielen anderen Bookstagrammer*innen mitbekommen, dass sie oftmals für ihre Wahl an Büchern und Genren kritisiert oder gar angefeindet wurden und habe nie verstanden, warum Menschen sowas machen. Es gibt keine richtige und keine falsche Literatur. Es ist egal, ob man vermeintlich triviale Literatur liest oder nur Sachbücher ins eigene Bücherregal einziehen. Kein Buch, möge es in den eigenen Augen noch so seicht oder auch zu hochtrabend erscheinen, verdient es seinen Platz abgesprochen zu bekommen, ebenso wenig wie die Leser*innen dieser Bücher.
Daher habe ich mich irgendwann entschieden, dieses Projekt ins Leben zu rufen. Es ist zum einen meinem persönlichen Interesse und meiner subjektiven Faszination geschuldet, zum anderen ist es aber auch ein „in die Bresche springen“ für jeden einzelnen Leser und jede einzelen Leserin dort draußen.
Die Interviews, die dabei entstanden sind, ordne ich dabei extra möglichst so an, dass jede Woche unterschiedliche Sichtweisen aufeinander folgen. Der Krimi-Fan folgt auf jemanden, der mit Krimis überhaupt nichts anfangen kann. In deinem Interview, Nikodem, erzählst du beispielsweise, dass du mit vermeintlicher Trivialliteratur überhaupt nichts anfangen kannst. In der Woche zu vor hat jemand jedoch ungewollt eine Art Plädoyer für genau diese Art von Büchern geschrieben, und das mit so viel Herzblut, dass einem einfach klar wird, dass man niemanden für seine Wahl an Büchern und seinem Leseverhalten kritisieren kann.

Du postest immer wieder über Feminismus auf deiner Instagramseite. Was ist deine Definition von Feminismus und was ist dein wichtigstes Argument dafür?

Diese Frage lässt sich nicht mit wenigen Worten beantworten und auch ich selbst stehe noch ganz am Anfang meiner Reise. Selbst wenn man sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema beschäftigt, und das tue ich bereits, so lernt man doch immer wieder Neues.
Im Feminismus geht es für mich um die Gleichbehandlung aller Menschen. Niemand sollte auf Grund seines Geschlechts, seines Genders, seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Einkommens, seiner sexuellen Orientierung etc. anders behandelt werden oder weniger Chancen bekommen. Dies bedeutet nicht nur die „Emporhebung der Frauen“, wie oftmals vermutet, sondern bringt auch Vorteile und Weiterentwicklung der Männer mit sich. Zudem wollen wir Frauen auch nicht empor gehoben oder anders gestellt werden als die Männer, sondern fordern einzig und allein die gleiche Behandlung, die Männern bereits zugutekommt. Leider wird das oftmals übersehen oder willentlich ignoriert, um Feminist*innen zu diskreditieren.
Das Ganze ist ein furchtbar komplexes Thema mit unfassbar vielen unterschiedlichen Facetten und Auslegungen. Ein Blick hinter die Reichweite des Patriarchats zu werfen ist ein Schritt, der unglaublich schwer fällt, da uns die Andersbehandlung von Männern und Frauen von Kindesbeinen an beigebracht wird, ich sagen nur ‚blau ist für Jungs und rosa für Mädchen‘. Die Systematik dahinter zu verstehen ist nicht einfach, aber augenöffnend und macht einen zu einem toleranteren Menschen.
Ein für mich wichtigstes Argument für den Feminismus gibt es nicht, mal ganz abgesehen davon, dass die Gleichbehandlung der Menschen eh unser Ziel sein sollte . Es ist ein Konglomerat aus tausenden von Gründen. Was mir damals die Augen geöffnet hat war die Tatsache, dass es mir anerzogen wurde, dass ich als Frau nachts im Dunkeln nicht alleine nach Hause gehe. Für mich ist es Alltag, mich zu „bewaffnen“, um den Weg nach Hause anzutreten. Für Millionen von Frauen in  Deutschland und überall anders auf der Welt ebenso. Das wir als Gesellschaft den Frauen beibringen, dass sie sich vor übergriffigen Männern schützen müssen, statt den Männern beizubringen, sich so zu verhalten, dass Frauen nachts keine Angst haben müssen, ist einfach falsch. (Dies soll übrigens keine Pauschalisierung von Männern sein, bitte nicht so verstehen. Nur hat mich meine eigene Erfahrung und die vieler Freundinnen zu sehr geprägt.) An dem Punkt habe ich verstanden, dass in unserer Gesellschaft etwas nicht richtig läuft und der Stein des Anstoßes war gelegt und hat noch viele weitere ins Rollen gebracht.

Was können Leser in Zukunft auf deinem Blog erwarten?

Viele weitere Rezensionen von hoffentlich guten Büchern, noch mehr Literaturempfehlungen, wünschenswerterweise jeden Montag ein Interview im #kunterbunteleserschaft Projekt, immer mal wieder Makrofotografien und Blogposts zu Dingen, die mich beschäftigen. Mein Blog ist und bleibt kunterbunt – so wie mein Leben es nunmal auch ist.


Vielen Dank Tina für die Beantwortung der Fragen 🙂 Wenn ihr mehr über den Blog und das Projekt #kunterbunteleserschaft erfahren wollt, könnt ihr das direkt auf dem Blog: https://frolleinvonkunterbunt.wordpress.com/ oder auf Tinas Instagramseite: https://www.instagram.com/frollein_von_kunterbunt/


Wenn dir dieser Artikel weitergeholfen oder dich unterhalten hat, dann würde es mich freuen, wenn du mir einen Kaffee spendieren würdest, mit dem ich noch mehr solcher Artikel schreiben kann 😉.
Kaffee spendieren via Ko-Fi

Nikodem Skrobisz

Nikodem Skrobisz, auch unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt, wurde am 26.02.1999 in München geboren. Er ist als Journalist und Schriftsteller tätig und hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die meist philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln. Zurzeit ist er Vorstandsmitglied des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.. und studiert Kommunikationswissenschaften und Psychologie. Halbprivate Einblicke gibt es auf Instagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.