Warum wir eine liberale EU brauchen

Bürger- und Menschenrechte, die Freiheit der Märkte und der Gedanken, Rechtsstaatlichkeit, Individualismus, der Glaube an Aufklärung, Diskurs, Toleranz und Fortschritt. Das sind die Kernwerte des Westens – und die des klassischen Liberalismus. Der Etablierung und Umsetzung dieser Werte haben wir es zu verdanken, dass die Menschen im Westen, das heißt vor allem in Nordamerika, Australien und Europa, in einem Glück leben, wie es einzigartig in der Welt ist. Fast nirgendwo sonst können die Menschen so viel Freiheit genießen; sei es bei der Wahl ihres Berufs, der Wahl ihrer Liebesbeziehungen, ihres Wohnortes oder bei der schlichten Entscheidung, welches Produkt sie aus dem überfüllten Supermarktregal nehmen sollen, während sie zugleich frei von den Schrecken eines Krieges oder eines Terrorregimes in Frieden leben können.

Vor allem wir jungen Menschen in Europa nehmen diese Freiheit und den Frieden oft als etwas Selbstverständliches an; doch leben wir im Gegenteil nicht nur in einer geographischen Filterblase, sondern auch in dieser in einer einzigartigen historischen Neuheit. Noch vor etwas über 30 Jahren litt halb Europa hinter dem Eisernen Vorhang unter den Schrecken des Kommunismus und die ganze Welt lebte in Angst vor dem nuklearen Damoklesschwert; in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts starben Millionen, um die Werte der Freiheit gegen Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus zu verteidigen. Die EU und ihre Vorgängerinstitutionen haben in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass das vergossene Blut nicht umsonst war und die einzigartige Freiheit, der Wohlstand und der Frieden in Europa prosperieren konnten. Es ist jedoch alles andere als gewiss, ob diese historische Phase des Friedens und der Prosperität nicht doch nur eine kurze Episode ist und nicht der Beginn einer friedlicheren Weltordnung, wie wir es sonst anzunehmen geneigt sind. All diese Errungenschaften stehen nämlich heute auf dünnem Eis und von allen Seiten schlagen Krisen gefährliche Risse, die Europa erneut zurück in die Barbarei zu stürzen drohen.

Der demographische Wandel und unkontrollierte Migration erdrücken die arbeitende Bevölkerung, Zentralisierung, Nepotismus und Protektionismus zerstören die Märkte, der Klimawandel den Planeten. Digitalisierung und K.I.s machen die Zukunft des Arbeitsmarkts scheinbar unberechenbar; russische, islamische und chinesische Expansionsbestrebungen, und zeitgleich der Vertrauensverlust in die USA, drängen Europa aufgrund ihrer vernachlässigten Verteidigungspolitik wieder als potentielles Schlachtfeld in das Zentrum der globalen Machtkämpfe. Hedonistische Dekadenz und Ignoranz gegenüber der Geschichte und den Werten Europas, gepaart mit der Propaganda ausländischer Mächte und den Ideologien der Neuen Linken, treiben die Jugend wie eine Herde bekiffter Schafe über die kulturelle Klippe, in den Abgrund von Nihilismus und Selbstzerstörung. Populismus und Identitätspolitik von Links und Rechts spalten in Folge die Bevölkerung und die Parlamente. Spätestens seit dem Brexit werden die nicht unberechtigten Befürchtungen lauter, das Überleben der EU angesichts so vieler innerer und äußerer Feinde sei in Gefahr.

Dabei ist der größte Feind der Europäischen Union die Europäische Union selbst. Sie ist nämlich in den vergangenen Jahren zu einem bürokratischen Monster geworden, das still und heimlich immer mehr Macht an sich reißt. Diese Entwicklung hat zu der Politikverdrossenheit und dem Populismus geführt, die viele der Krisen in der EU um Euro, Migration und Rechtsstreitigkeiten verschärft haben und auch mitunter unlösbar machen. Vor allem die Migrationskrisen stürzten die EU in innere Konflikte und trieben viele Menschen in die Arme von Rechtspopulisten, die einfache Lösungen versprechen. Um das Problem der Migration zu bewältigen, helfen allerdings weder die linkspopulistischen und naiven Forderungen nach komplett offenen Grenzen, noch die rechtspopulistischen und ebenso irren Forderungen nach totaler Abschottung und Zersplitterung. Gleiches trifft ebenso auf die anderen aktuellen Krisen der EU zu, sei es die Verteidigungspolitik, der Klimawandel, der Brexit oder der Umgang mit China und Russland. Populistische, einfache Antworten sind ungefähr so effektiv, wie sich einen Fuß abzusägen, weil der kleine Zeh gebrochen ist – sie führen uns, genauso wie die Populisten und Utopisten des vergangenen Jahrhunderts es immer wieder taten, eher zurück in die Schützengräben, wenn nicht gar in eine nukleare Wüste, als dass sie jemals eines ihrer Utopieversprechen einlösen. Auch eine konservative “Weiter so”-Politik, die an der Vergangenheit festhält, wie sie im Deutschland der letzten Jahren grandios gescheitert ist,  kann keine konstruktiven Lösungen bieten. Wir leben in einer Welt, die sich immer schneller entwickelt und taktet und sich in einer technologischen Revolution befindet, deren Ausgang möglicherweise zurzeit unvorstellbare Veränderungen des Menschen durch Gentechnik, künstliche Intelligenzen und Gehirn-Computer-Schnittstellen sein wird. Darauf muss die Politik aktiv reagieren, wenn der Fortschritt an Europa und seinen Bürgern nicht vorbeiziehen soll.

Die konstruktive Antwort auf die existierenden und kommenden Herausforderungen Europas können deshalb nur liberale Reformen der EU liefern. Die Europäische Union ist als Soft Power und Koordinationsnetzwerk der europäischen Staaten eine einzigartige und nicht mehr wegzudenkende Errungenschaft, vor allem im Hinblick darauf, dass sich Europa nur geschlossen gegen die Machtspiele der USA, der islamistischen Staaten,  Russlands und Chinas bewähren kann. Sie abzuschaffen wäre daher Selbstmord – sie aber in ihrem jetzigen Kurs weiter gewähren zu lassen, wäre eine sichere Nominierung für den Darwin-Award. Die Eigendynamik der überflüssigen EU-Bürokratie muss in seinem immer perverser werdendem Wachstum eingedämmt werden; und ebenso muss den Träumen einiger Linker aus Europa eine neue Sowjetunion oder einen anderweitig dysfunktionalen Zentralstaat zu machen, Einhalt geboten werden. Europa kann sich in den komplizierten Zeiten, die uns bevorstehen, weder einen regressiven Rückfall in die Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts leisten, noch einen erstickenden, das Leben und damit die Produktivkräfte ausbremsenden Bürokratiekoloss.

Europa braucht stattdessen eine starke, liberale EU, die die europäischen Werte von Freiheit und Recht verteidigen kann, die sich nicht auf die Gefühle einiger laut schreiender Extremisten, sondern auf das aufklärerische Ideal der Vernunft verlässt; die nicht der Versuchung der Macht erliegt, sondern der spontanen Ordnung und den regionalen Politikern gewähren lässt und zugleich aufgeschlossen gegenüber der Zukunft und den damit einhergehenden notwendigen Veränderungen ist. Nur so kann langfristig der Wohlstand gemehrt, mit Innovationen die Umwelt gerettet und Frieden und Freiheit bewahrt werden. Und auch nur ein stabiles und funktionierendes Europa ist am Ende auch in der Lage, den Wohlstand und die Freiheit auch in andere Länder zu verbreiten und so auch die gesamte Welt besser zu machen.

Liberale Politik bedeutet nämlich nicht nur freie Märkte schaffen – auch wenn diese essentiell sind, da es kaum freie Menschen ohne einen freien Markt geben kann. Liberale Politik bedeutet vor allem Mut zu notwendigen Veränderungen, die Verteidigung der Errungenschaften der Freiheit, der Glaube an die Zukunft und den Wert der Bildung, sowie an die Verantwortung und die Rechte des Individuums. Und das brauchen wir heute in Europa so dringend, wie vielleicht noch nie zuvor.


Dieser Artikel erschien ursprünglich am 09.03.2019 auf dem Blog des Magazins „Peace Love Liberty“: https://peace-love-liberty.de/liberale-eu/ Und ist mehr oder weniger die Zusammenfassung der politischen Forderungen, die sich aus meinem Essay „Der Nihilismus der Freiheit“ ergeben, aber auch aus meiner Islamkritik.


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#kunterbunteleserschaft – Die Bloggerin Frollein von Kunterbunt im Interview

Vor kurzem erschien auf dem Blog Frollein von Kunterbunt ein Interview mit mir zu meinen Lesegewohnheiten. Dieses Interview war mein Beitrag zu ihrem Projekt #kunterbunteleserschaft. Doch was sind die Hintergründe und Ideen hinter diesem Projekt und wer ist die Bloggerin dahinter? Dieses Interview soll etwas Licht ins Dunkle bringen.

Du betreibst den Blog https://frolleinvonkunterbunt.wordpress.com. Worum geht dort und was hat dich zum bloggen gebracht?

Der Weg zu meinem eigenen Blog war ein schleichender Prozess. Ich habe vor vielen Jahren mit Instagram angefangen und dort irgendwann bemerkt, dass es eine ziemlich große Bücher-liebende Community gibt. Ich fühlte mich endlich verstanden und fing an, mich mit anderen sogenannten „Boostagrammer*innen“ zu vernetzen und meine Leidenschaft auszuleben, indem ich eben auch vermehrt Bücher zeigte und empfahl. Aus den kurzen Snippets resultierten irgendwann zunehmend Nachfragen zu konkreten Büchern, Autoren und Genren, sodass ich dann im Frühjahr des letzten Jahres beschloss, meinen eigenen Blog zu starten und meine Buchempfehlungen und Rezensionen dort zu teilen. So können diejenigen, die Interesse daran habe, dort ausführliche Blogposts lesen und mein Instagram-Account bleibt weiterhin eine  kunterbunte Mischung aus meinem Alltag und Dingen, die mich glücklich machen. Zusätzlich zu Büchern findet man auf meinem Blog aber auch noch kleine Auszüge aus meinem zweiten, kleinen Hobby: der Makrofotografie. Die dabei entstandenen Bilder zieren nicht nur meinen Header, sondern haben sogar einen eigenen, kleinen Bereich bekommen.

Was ist dein Lieblingsbuch und warum?

Der kleine Prinz“, immer und immer wieder! Manchmal braucht es kleine Fluchten aus dem Alltag, wenn einem mal wieder alles über den Kopf wächst und man den Glauben an die Menschheit verliert. In diesen Momenten kehre ich gerne zu dem Prinzen auf seinem kleinen Planeten zurück, der so herzergreifend positiv und rein ist, dass er sämtliche Zweifel und Trauer sofort wegwischt.
Dazu kommt, dass man mit jedem gewonnenen Lebensjahr neue Dinge in diesem kleinen Büchlein entdeckt, sodass man auch als vermeintlich erwachsener Mensch jedes Mal aufs Neue Dinge dazu lernt, anders sieht und anschließend neue Perspektiven einnehmen kann. Der kleine Prinz rückt alles entweder wieder gerade, oder in ein neues Licht, je nachdem, was man gerade braucht.

Du hast vor einiger Zeit das Projekt #kunterbunteleserschaft gestartet. Worum es geht dabei und wie kam es dazu?

In dem Projekt geht es darum Leser*innen vorzustellen. Das klingt im ersten Moment total banal, aber mich hat schon immer fasziniert, wie viele unterschiedliche Lesertypen es gibt. Und es ist eigentlich ziemlich egal was man liest, da uns alle eines eint: die Liebe zu Büchern.
Ich habe bei vielen anderen Bookstagrammer*innen mitbekommen, dass sie oftmals für ihre Wahl an Büchern und Genren kritisiert oder gar angefeindet wurden und habe nie verstanden, warum Menschen sowas machen. Es gibt keine richtige und keine falsche Literatur. Es ist egal, ob man vermeintlich triviale Literatur liest oder nur Sachbücher ins eigene Bücherregal einziehen. Kein Buch, möge es in den eigenen Augen noch so seicht oder auch zu hochtrabend erscheinen, verdient es seinen Platz abgesprochen zu bekommen, ebenso wenig wie die Leser*innen dieser Bücher.
Daher habe ich mich irgendwann entschieden, dieses Projekt ins Leben zu rufen. Es ist zum einen meinem persönlichen Interesse und meiner subjektiven Faszination geschuldet, zum anderen ist es aber auch ein „in die Bresche springen“ für jeden einzelnen Leser und jede einzelen Leserin dort draußen.
Die Interviews, die dabei entstanden sind, ordne ich dabei extra möglichst so an, dass jede Woche unterschiedliche Sichtweisen aufeinander folgen. Der Krimi-Fan folgt auf jemanden, der mit Krimis überhaupt nichts anfangen kann. In deinem Interview, Nikodem, erzählst du beispielsweise, dass du mit vermeintlicher Trivialliteratur überhaupt nichts anfangen kannst. In der Woche zu vor hat jemand jedoch ungewollt eine Art Plädoyer für genau diese Art von Büchern geschrieben, und das mit so viel Herzblut, dass einem einfach klar wird, dass man niemanden für seine Wahl an Büchern und seinem Leseverhalten kritisieren kann.

Du postest immer wieder über Feminismus auf deiner Instagramseite. Was ist deine Definition von Feminismus und was ist dein wichtigstes Argument dafür?

Diese Frage lässt sich nicht mit wenigen Worten beantworten und auch ich selbst stehe noch ganz am Anfang meiner Reise. Selbst wenn man sich schon seit einigen Jahren mit dem Thema beschäftigt, und das tue ich bereits, so lernt man doch immer wieder Neues.
Im Feminismus geht es für mich um die Gleichbehandlung aller Menschen. Niemand sollte auf Grund seines Geschlechts, seines Genders, seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Einkommens, seiner sexuellen Orientierung etc. anders behandelt werden oder weniger Chancen bekommen. Dies bedeutet nicht nur die „Emporhebung der Frauen“, wie oftmals vermutet, sondern bringt auch Vorteile und Weiterentwicklung der Männer mit sich. Zudem wollen wir Frauen auch nicht empor gehoben oder anders gestellt werden als die Männer, sondern fordern einzig und allein die gleiche Behandlung, die Männern bereits zugutekommt. Leider wird das oftmals übersehen oder willentlich ignoriert, um Feminist*innen zu diskreditieren.
Das Ganze ist ein furchtbar komplexes Thema mit unfassbar vielen unterschiedlichen Facetten und Auslegungen. Ein Blick hinter die Reichweite des Patriarchats zu werfen ist ein Schritt, der unglaublich schwer fällt, da uns die Andersbehandlung von Männern und Frauen von Kindesbeinen an beigebracht wird, ich sagen nur ‚blau ist für Jungs und rosa für Mädchen‘. Die Systematik dahinter zu verstehen ist nicht einfach, aber augenöffnend und macht einen zu einem toleranteren Menschen.
Ein für mich wichtigstes Argument für den Feminismus gibt es nicht, mal ganz abgesehen davon, dass die Gleichbehandlung der Menschen eh unser Ziel sein sollte . Es ist ein Konglomerat aus tausenden von Gründen. Was mir damals die Augen geöffnet hat war die Tatsache, dass es mir anerzogen wurde, dass ich als Frau nachts im Dunkeln nicht alleine nach Hause gehe. Für mich ist es Alltag, mich zu „bewaffnen“, um den Weg nach Hause anzutreten. Für Millionen von Frauen in  Deutschland und überall anders auf der Welt ebenso. Das wir als Gesellschaft den Frauen beibringen, dass sie sich vor übergriffigen Männern schützen müssen, statt den Männern beizubringen, sich so zu verhalten, dass Frauen nachts keine Angst haben müssen, ist einfach falsch. (Dies soll übrigens keine Pauschalisierung von Männern sein, bitte nicht so verstehen. Nur hat mich meine eigene Erfahrung und die vieler Freundinnen zu sehr geprägt.) An dem Punkt habe ich verstanden, dass in unserer Gesellschaft etwas nicht richtig läuft und der Stein des Anstoßes war gelegt und hat noch viele weitere ins Rollen gebracht.

Was können Leser in Zukunft auf deinem Blog erwarten?

Viele weitere Rezensionen von hoffentlich guten Büchern, noch mehr Literaturempfehlungen, wünschenswerterweise jeden Montag ein Interview im #kunterbunteleserschaft Projekt, immer mal wieder Makrofotografien und Blogposts zu Dingen, die mich beschäftigen. Mein Blog ist und bleibt kunterbunt – so wie mein Leben es nunmal auch ist.


Vielen Dank Tina für die Beantwortung der Fragen 🙂 Wenn ihr mehr über den Blog und das Projekt #kunterbunteleserschaft erfahren wollt, könnt ihr das direkt auf dem Blog: https://frolleinvonkunterbunt.wordpress.com/ oder auf Tinas Instagramseite: https://www.instagram.com/frollein_von_kunterbunt/


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Über die Verantwortung von Autoren und den Wert der Erfahrung

Vor kurzem fragte der BookTuber Florian Jung auf seiner Instagramseite, welche gesellschaftlichen Verantwortung (Horror-)Autoren in der heutigen, seiner Meinung nach zunehmend verrohenden Zeit haben. * Einen Ausschnitt meiner Videoantwort darauf könnt ihr in seinem neusten Video sehen.

Aufgrund des Umfangs musste er leider meine fast viertelstündige Erklärung auf einen rund eineinhalb Minuten langen Ausschnitt reduzieren. Dieser stellt daher nur einen Teil der meiner Aussagen dar, weshalb ich es mir nicht nehmen lasse hier auf dem Blog meine Gedanken ausführlich und vollständig zu elaborieren – und noch um die ein oder andere Einsicht zu ergänzen, die vor allem für junge Autoren, aber auch Leser interessant sein sollte, da ich mich auf Belletristik-Autoren und Publizisten im Allgemeinen beziehe.

Ich schreibe unter dem Pseudonym Leveret Pale selber Horror und Science Ficition, und auch ich greife mit meinen Büchern immer wieder aktuelle philosophische und politische Themen auf, allerdings glaube ich nicht, dass ein Autor von Belletristik, wozu Horror zählt, im Bezug auf die Gesellschaft mit seinen Werken eine allgemein definierbare extrinsische Verantwortung hat, sondern nur eine intrinsische Verantwortung gegenüber dem eigenem Schaffensprozess aus der sich dann eine gesellschaftliche Funktion ergibt.

Natürlich ist jeder Autor auch Bürger. Als Bürger sollte er sich mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Bürger auseinandersetzen und diese erfüllen – allerdings ist es eine andere Frage, ob der Autor zusätzlich zu den bürgerlichen Pflichten noch weitere, für seine Tätigkeit spezifische Verantwortungen hat, und falls ja, inwiefern und wie er diese wahrnehmen kann.

Belletristik-Autoren im Vergleich zu anderen Schriftstellern

Vor allem bei metaphysischen Angelegenheiten (hier: der Kirchenvater Hieronymus) kann es – so zumindest einige zynische Stimmen – schwierig sein die Grenze zwischen Kreativität und Wahrheitssuche zu definieren.

Für die Beantwortung der Frage nach der Verantwortung von (Horror-)Autoren ist es essentiell erstmal festzustellen, worin ihre Tätigkeit eigentlich besteht.

Das kreative Schaffen von Romanen, Gedichten und Erzählungen, wie es Autoren von Horror und anderen belletristischen Genre betreiben, ist nämlich ein anderer Prozess des Schreibens, als das publizistische Schaffen von Artikeln, Essays oder wissenschaftlichen Abhandlungen.

Während letztere vor allem Sachtexte sind, die mithilfe der Rhetorik, Argumenten und Objektivität klare Sachverhalte und bewusste Gedanken und Erkenntnisse ausformulieren, handelt es sich bei den literarischen oder lyrischen Erzählungen von Horrorautoren um Texte, die Geschichten erzählen. Im Gegensatz zu Sachtexten appellieren Geschichten nicht primär an den Verstand (Logos) des Lesers, sondern an seine archaischen und unterbewussten Intuitionen und das, was man im allgemeinem Sprachgebrauch als das Herz oder die Seele eines Menschen umschreibt und in der Rhetorik auch als Pathos bezeichnet wird. Entsprechend haben die meisten und besten literarischen Geschichten ihren Urpsrung nicht im Verstand des Autors, sondern in seinen Gefühlen und in seinem Unbewussten.

Diese Unterscheidung ist nicht immer ganz möglich, allerdings trotzdem wichtig, da an den Verstand eines Kulturkritikers, Journalisten oder Wissenschaftlers andere Maßstäbe der Verantwortung gesetzt werden müssen und können (z.B. die Verpflichtung zur Wahrheit und Belegbarkeit), als an das Herz eines Poetens, da sie über andere Wege wirken und schaffen und andere Funktionen für die Gesellschaft erfüllen. Während ein Journalist mit seinem Schreiben die Funktion erfüllt Öffentlichkeit herzustellen, zu berichten und zu beurteilen, und ein Wissenschaftler die Funktion erfüllt Wissen zu generieren, zu überprüfen und aufzuarbeiten, erfüllt der Horrorautor – obwohl er auch schreibt wie die andern – eher die Funktion eines Künstlers. Während Wissenschaftler, Journalisten und Politiker die Verantwortung haben die bewussten Probleme der Gesellschaft zu lösen, ist die Aufgabe der Künstler allerdings diese Probleme zu generieren.

Der Schatten der Gesellschaft bei C. G. Jung

Der schweizer Psychiater Carl Gustav Jung entwickelte die analytische Psychologie, die zwar zu Teilen auf der freudschen Psychoanalyse aufbaut, sich allerdings differenzierter mit archetypischen Strukturen der Kultur und der Psyche beschäftigt

In der analytischen Psychologie gibt es einen interessanten Ansatz, was den Künstler und seine Rolle in der Gesellschaft angeht – und Autoren von Geschichten sind ja Künstler, wenn auch ihre Leinwand das Papier und ihre Farben die Worte sind.

Folgt man den Ideen von analytischen Psychologen wie Otto Rank und Carl Jung entstehen Krisen in Gesellschaften unter anderem dadurch, dass in einer Kultur kollektiv bestimmte Themen und Ideen verdrängt werden. Mißstände, die nicht in das Selbstbild der Gesellschaft passen, werden sozusagen kollektiv ins Unbewusste abgeschoben. Der Mensch neigt ja nicht nur als Einzelner, sondern auch als Gemeinschaft dazu, sich ein falsches Lächeln aufzusetzen und so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre, obwohl es das nicht ist. Dadurch entsteht eine Dissonanz, also ein  Unterschied zwischen der Wirklichkeit und der Persona, also der Maske, die sich die Menschen jeden Tag aufsetzen.

Die Summe dieses Verdrängten und des archetypisch angelegten Unbewussten bezeichnet die analytische Psychologie als Schatten. Trotz dieses düsteren Namens ist der Schatten nicht rein negativ. Der Schatten enthält nach Carl Jung das, was dem positiven (und meist naiven) Selbstbild und der Maske / Persona eines Individuums oder Kollektivs entgegensteht.  Außer dem „Bösem“ können daher im Schatten auch positive Entwicklungsimpulse lauern. So kann zum Beispiel der Schatten neben verdrängten Ängsten, Trieben, Ressentiments und Mordfantasien, auch das Streben nach Selbsterfüllung oder Mut beinhalten, wenn das Ich-Bewusstsein von Angst oder schädlichen Hemmungen dominiert wird.

Das Gefährliche am Schatten ist, dass wenn man ihn zu lange ignoriert, er immer mächtiger wird, da das Ausblenden von verdrängten Sachverhalten, vor allem wenn immer mehr Beweise für sie auftauchen, viel Energie kostet . Das führt zu psychischen Spannungen, einer Entfremdung vom wahren Selbst, der Selbstwahrnehmung und der Persona. In der Folge kommt es zu sozialen Konflikten. Einem Dämon gleich sabotiert der Schatten das Leben, wenn man ihn ignoriert.

Psychische Gesundheit kann bei Jung nur bestehen, wenn man seine dunklen Seiten, also den Schatten, als wichtigen Teil seiner Selbst anerkennt und integriert. Ein ähnliches Konzept findet man im Daoismus bzw. in dem Konzept Taijitu als Ganzheit von Yin und Yang.

Fast jeder kennt zum Beispiel jene Vorfälle, bei denen man sich mit seiner Freundin, den Eltern oder einem Freund streitet und sich danach selbst fragt, was für ein Dämon da in einen gefahren ist: Irgendeine Kleinigkeit passiert, einer der Beteiligten rastet aus und die Konversation eskaliert zu einem gegenseitigen Anschreien. Nach dem Streit bemerken die Beteiligen dann oft, dass es eigentlich gar nicht in dem Streit um diese Kleinigkeit ging, die ihn ausgelöst hat, also nicht um etwas was direkt davor passiert ist oder die beim Streit erhobenen Vorwürfe, sondern dass da mehr dahinter steckt. Dieses mehr ist meist ein Teil des Schattens, der im Unterbewusstsein rumort und nie ausgesprochen wurde. Manchmal wird man sich bewusst, was die Natur dieses Schattenaspekts ist und man realisiert verdrängte Gefühle oder Traumata, aber umso häufiger wundern sich alle Beteiligten, warum sie eigentlich so wütend aufeinander sind und woher diese Spannungen zwischen ihnen ihren Ursprung haben. Oft lassen sich keine Antworten finden, da die Wahrheit ein Teil des Schattens ist, den man ausblendet, um das etablierte Bild von sich Selbst und den Anderen zu wahren. Solange der Schatten aber ausgeblendet wird, können die Spannungen auch kaum gelöst werden. Ein psychisch gesunder Mensch und damit eine psychisch gesunde Gesellschaft kann daher nur existieren, wenn man sich selbst überwindet und seine dunklen Seiten anerkennt und den Schatten kontinuierlich integriert und so den lebenslangen Prozess der Selbstwerdung beziehungsweise Individuation auf sich nimmt. Nur wenn man akzeptiert, dass in jedem Menschen – auch einem selbst – sowohl das Potential dazu steckt, so gutmütig wie Mutter Theresa als auch so hasserfüllt und böse wie Adolf Hitler oder Ted Bundy zu sein, kann man vernünftig mit den inneren Trieben und Komplexen umgehen. Sinngemäß schreibt Carl Jung: „Man wird nicht dadurch erleuchtet, daß man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern durch Bewusstmachung der Dunkelheit.“

Die besondere Gabe des Horrautors als Wortkünstler

Was den Künstler und in dem Fall den (Horror-)Schriftsteller nun ausmacht ist nach Jung, dass er intuitiv ein Gefühl  für den Schatten (oder zumindest einen Teil davon) seiner Gesellschaft hat. Mehr noch: dieser Schatten ergreift wie ein Dämon Besitz vom Künstler. Dieses Besitzergreifen wird von vielen Autoren oder anderen Kreativen mit so Phrasen umschrieben wie: „Das Buch musste einfach raus.“, „Es wollte geschrieben werden.“ oder „Ich konnte nicht anders.“ oder einfach wie bei Poe, als Monomanie beschrieben.  Der Künstler fasst in seiner Besessenheit den Schatten in eine Form, bietet einen Weg ihn als Bild oder Werk auszudrücken und bringt ihn so zurück in die Gesellschaft. Die Kultur kann in Folge den Schatten wieder integrieren. Die Integration ist oft mit Komplikationen verbunden, führt aber letztendlich zu einer Auflösung der Konflikte und langfristig zu einer besseren psychischen Gesundheit beziehungsweise gesellschaftlichen Stabilität.

Entgegen dieser etwas mystisch klingenden Metaphern, begründen sich die besondere Begabung des Künstlers und die Mechansimen des Schattens nicht in irgendwelchen übernatürlichen Kräften. Bei dem Künstler sind – um es umgangsprachlich zu sagen – einfach ein paar Schrauben locker, in dem Sinne, dass Verdrängungs- und Filtermechanismen nicht so gut funktionieren und sein Gehirn Details registriert und miteinander assoziert, die die meisten anderen Menschen einfach ausblenden oder nicht weiter beachten würden. Diese Fähigkeit bzw. dieser Defekt erklärt auch die Neigung vieler Kreativer zu Hypersensibilität und psychischen Erkrankungen. Kreativität basiert nunmal darauf in der Lage zu sein Probleme, Zusammenhänge und Lösungen zu sehen, die andere nicht sehen können und deren Anblick auch nicht besonders gut tut.

Für die Gesellschaft macht der Künstler durch seine von der Intuition und Subjektivität getriebenen Einsichten in den Schatten also die Dunkelheit bewusst, damit andere Menschen, wie zum Beispiel Wissenschaftler, objektive Methoden entwickeln können, um die Dunkelheit zu lösen. Das unterscheidet auch wahre Literatur und Kunst von Propaganda wie Gemälden von Führungspersonen und politischen Narrativen oder von dem Design von Produkten. Propaganda und Design bedienen sich zwar künstlerischer und literarischer Methoden, allerdings meist mit dem bewusst definierten Ziel die Menschen blind zu machen für die Dunkelheit, um sie so in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Der Schlaf der Vernunft bringt die Monster des Menschen hervor – aber diese Monster sind auch dann da, wenn die Vernunft wach ist. Manchmal muss man daher die Vernunft kurzzeitig verlassen, um die Monster erkennen und später mit Vernunft bekämpfen zu können.

Folgt man nun der Theorie vom Künstlers als Erkenner und Integrationsbeauftragter des Schattens weiter, so ist der Horrorschriftsteller als Subtyp des Künstlers im Bezug auf die Gesellschaft besonders dafür zuständig die verdrängten und aktuellen Ängste aus dem Schatten zu extrahieren und aufzuarbeiten.

Das kann man dann auch tatsächlich an den prägenden Horrorwerken einer Zeit sehen.

So sind zum Beispiel Werke wie E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann in denen Menschen zu Maschinen werden, zur Zeit der Industrialisierung entstanden. Edgar Allan Poes etwas psychotischen, eitrigen Krimigeschichten sind in einer Zeit geboren, als die Menschen ihre Gesichter puderten und imperiale Dekadenz vorspielten, während sich gleichzeitig Syphilis und Tuberkulose epidemiehaft ausbreiteten und die ersten Serienkiller auftauchten. Lovecraft schrieb seinen Kosmischen Horror als durch die Elektrisierung in Amerika und die Hochkonjunktur der Physik – vor allem durch die damals neue Relativitätstheorie von Einstein – die Winzigkeit der Erde im riesigen Universum in das Mainstreambewusstsein drang und die Leute verunsicherte. Die Serie Walking Dead erschien 2010, kurz nachdem die Probleme mit Migrationskrisen im Westen richtig aufflammten. 2010 hat Obama bereits Soldaten an die Mexikanischen Grenzen schicken müssen, um der Lage dort Herr zu werden (so ähnlich wie Trump 2018) und dann kam die Flüchtlingskrise auch nach Deutschland, und Walking Dead wurde zum Bestseller bzw. Blockbuster, weil es einfach dieser unbewussten, rassistischen Angst Ausdruck gab, dass die menschliche bzw. westliche Zivilisation von blutrünstigen Massen überrannt und zerstört wird.

Die Aufgabe des Horrorautors ist also solche verdrängten Ängste aufzuspüren, zu beschreiben und auszuformulieren und damit der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, damit sie erkennt, von welchen irrationalen Ängsten sie gerade in dumme Entscheidungen getrieben wird – oder zumindest ein Ventil dafür zu schaffen, wie die Katharsistheorie proponiert. Der gute Horrorautor zeichnet sich demnach dadurch aus, dass er besonders gut darin ist, die aktuellen Ängste seines Zeitgeistes aufzuspüren und sie wortkünstlerisch auszuleben.

Das ist auch das, was in meinen Augen Stephen King so großartig macht. In seinen Geschichten, insbesondere bei Es und jetzt wieder in Der Outsider, geht es meist um Dinge, die lange verdrängt und weggeredet werden, bevor sie ausbrechen oder eskalieren und gefährlich werden. Dabei hat King ein gutes Gespür für den Geist der Zeit und den Schatten der amerikanischen Kultur. Seine Bücher sind nicht nur Unterhaltung, sondern auch immer eine Warnung an die Leser die irrationalen Ängste nicht zu verdrängen sondern bewusst auseinanderzunehmen.

Warum man gesellschaftliche Verantwortung und Politik beim kreativen Schreiben ausblenden muss

Wie die Literaturgeschichte und auch die analytische Psychologie zeigen, ist der Autor meist derjenige, der am wenigsten versteht, warum er etwas Bestimmtes geschrieben hat. Wenn wir Lovecraft fragen könnten, warum er seinen kosmischen Horror entwickelt hat, oder King warum er diese oder jene Geschichte geschrieben, dann würde keiner von denen sagen, dass er das gemacht hat, weil er irgendwo ein Problem in der Gesellschaft gesehen hat und es ansprechen wollte. Genausowenig haben die Drehbuchautoren von Walking Dead wahrscheinlich bewusst daran gedacht, dass die sich gerade entwickelnden Migrationskrisen eine klasse (wenn auch rassistische) Analogie auf eine sich daher gut verkaufende Zombieapokalypse wären.

Wenn Autoren im Nachhinein erklären, wie ein Buch entstand, handelt es sich bei ihren Erklärungen meist entweder um merkwürdig anmutende Konstruktionen wie die Eisbergtheorie von Hemingway oder Lovecrafts Theorie der Angst vorm Unbekannten (die ich einer wissenschaftlichen Arbeit widerlegt habe) oder komische psychoanalytische Monologe wie in meinem Fall. Nur selten sind Autoren so ehrlich zu sich selbst und anderen wie Stephen King, der zugibt, dass er sich aufgrund von Drogenkonsum an das Niederschreiben einiger seiner Romane nicht erinnern kann und bei den meisten anderen frei nach Gefühl geschrieben hat und auch nicht so genau weiß, wie das im Detail funktioniert. (Stephen Kings biographischer Schreibratgeber Das Leben und das Schreiben ist meiner Erfahrung nach der einzige nützliche Schreibratgeber auf dem Markt, weil er einen nicht mit irgendwelchen kruden, realtitätsfernen Theorien zuhäuft – wie es einige Literaturprofessoren tun, die selber noch nie einen guten Roman geschrieben haben, aber glauben anderen erklären zu können wie es geht – sondern einfach nur mit Kings brutaler Ehrlichkeit und Erfahrung gefüllt ist.)

Die meisten und die besten Schriftsteller schreiben das, was sie (vom Schatten besessen) intuitiv für richtig und wichtig halten. Ich denke, das ist auch das, was belletristische Autoren tun sollten. Ein Autor sollte dem Schatten seine Arbeit tun lassen. Dafür muss er jede Zensurschere aus dem Kopf werfen und frei vom Herzen und der Intuition folgend die Geschichten erzählen. Wenn die Muse dann verlangt, dass das Manuskript voll mit Kettensägenmorden sein muss, dann sollte der Autor das auch so ausformulieren. Würden (alle) Autoren gegen die Muse ankämpfen und sich selbst zensieren oder von der Vernunft geleitet umschreiben, dann würden gesellschaftskritische Werke wie American Psycho wahrscheinlich nicht existieren, geschweige denn ihre Wirkung entfalten können. Letztendlich entscheiden die Leser selber, ob sie etwas lesen oder nicht. Sich Sorgen zu machen, dass man mit einem gewalttätigen Buch seine Leser gewalttätig macht, ist nicht nur aus empirischer Sicht zweifelhaft, sondern auch wenn man bedenkt, wie brutal der Mensch in seiner Grundveranlagung ist, absurd.

Die Intuition ist ja ein Produkt des Unbewussten und damit weiß sie, wie die Schattentheorie zeigt, oft mehr als unser bewusstes Ich, vor allem wenn es eben um komplexe Zusammenhänge geht. Autoren sollten einfach ihre Geschichten schreiben, nicht überlegen, was andere darüber denken würden, nicht versuchen politisch korrekt zu sein, sondern einfach machen, der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und damit auf bisher nicht beachtete Probleme hinweisen. Der kreative Autor ist wie ein Bergarbeiter, der aus den Tiefen der menschlichen Psyche und des kollektiven Unterbewussten die Probleme aus dem Schatten an das Tageslicht des Bewusstsein schürft. Ein konstruktive Lösung für diese Probleme zu finden, ist danach die Aufgabe der Wissenschaftler, Journalisten und anderer Experten, die im Lichte des Verstands mit objektiven Werkzeugen arbeiten.

Wenn man als Autor versucht aufgrund eines extrinsischen Verantwortungsgefühls politische Ideen oder eine Analyse oder Lösung der Probleme in ein belletristisches Werk einzubauen oder vorzuschlagen, dann verfälscht man meist nicht nur unabsichtlich die von der Intuition vorgegebenen Wahrheiten, man neigt auch dazu das Narrativ zu zerstören und oberflächliche und nicht ausdifferenzierte politische Statements aneinanderzureihen. Dadurch verliert der Roman meist nicht nur seine Authentizität und Tiefe. Auch der Leser fühlt sich erschlagen, denn da wo er einen Roman erwartete, bekommt er langatmige Erklärungen. Ein Roman überzeugt allerdings nicht mit Argumenten, sondern mit den Narrativen und Gefühlen, die er aufbaut, und den Archetypen und anderen tiefenpsychologischen Strukturen, die er damit im Leser berührt. Natürlich kann man einen Roman auch mit philosophischen Dialogen versehen, aber wenn diese nicht von selbst kommen und sich aus dem Narrativ ergeben, sondern plump reinkonstruiert werden, so wird der Roman oft statisch und trocken oder wirkt inkonsistent. Als Beispiel dafür wie politische und philosophische Ideen Geschichten ruinieren, können die zwar populären, aber nüchtern kaum lesbaren Romane von Ayn Rand, insbesondere Atlas Shrugged, genannt werden. Als gelungenes Beispiel dafür, dass schwere Themen durch Geschichten und Dialoge vermittelt werden können und man dafür keine Agenda forcieren muss, sind die Romane von Irvin Yalom, Hermann Hesse und Fijodor Dostojewski aufzuführen.

Politiker, Journalist und Wortkünstler in einer Person zu sein ist nicht unvereinbar

Auch wenn er heutzutage vor allem als Politiker bekannt ist, war Winston Churchill auch als Romanautor, Kriegsberichterstatter und Biograph tätig. Insgesamt schrieb er zwanzig Bücher und erhielt 1953 den Literaturnobelpreis.

Die Natur des kreativen Schreibens als subjektiver, vom Unbewussten getriebener Prozess, fordert allerdings nicht, dass sich Autoren komplett aus der Politik, Wissenschaft oder Philosophie heraushalten oder ihren logischen Verstand wegballern sollten. Sie sollten es nur, wenn es darum geht, fiktive Romane und Geschichten zu schaffen, denn gute Erzählungen benötigen höchste Konzentration und die Schöpfung eben jener tiefenpsychologischer Archetypen und Intuitionen. Wenn ein Autor außerhalb seines belletristischen Schaffens politische, wissenschaftliche oder journalistische Werke, wie Essays, Artikel und dergleichen schafft, oder wie Churchill als Politiker oder wie Yalom als Wissenschaftler tätig ist oder wie Goethe sowohl als Politiker als auch Wissenschaftler, so spricht nichts dagegen. Wichtig ist lediglich, die Funktion des Autors als Verfasser von Erzählungen von der Funktion derselben Person als Urheber nicht-belletristischer Texte und nicht-literarischer Tätigkeiten zu trennen.

Ich bin zwar vor allem als Schriftsteller unter dem Pseudonym Leveret Pale bekannt, selber allerdings in meiner Person als der Bürger Nikodem Skrobisz politisch sehr engagiert. Ich schreibe politische Artikel für diverse Magazine und bin unter anderem Redakteur für das liberale Studentenmagazin Peace Love Liberty. Darüber hinaus bin ich als Local Coordinator für European Students for Liberty in Jena tätig und fungiere als PR-Berater für mehrere liberale Organisationen; nebenbei bin ich Vorstandsmitglied des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen e.V. und engagiere mich für Autorenrechte. Dennoch trenne ich diese intellektuellen und politischen Tätigkeiten bewusst von meinem kreativen Prozess beim Schreiben meiner Romane und Kurzgeschichten. Selbstverständlich fließt die Beschäftigung mit Politik trotzdem in meine belletristischen Texte ein – sie ist ja auch fest in meiner Psyche verankert – doch so behält die Belletristik ihre Authentizität und ihre Funktion. Würde ich bewusst versuchen meine Agenda in die Romane einzuweben oder mir missfallende Themen herauszuschneiden, so befürchte ich, würden die Romane unauthentisch und langweilig werden. Entweder weil sie zu politischen Pamphleten verkommen würden oder in ihrer Komplexität künstlich beschnitten wären.

Wenn ich also kreativ schreibe, lasse ich die Handlung von meiner Intuition diktieren und räume von meinem Schreibtisch die aktuellen politische und philosophischen Texte beiseite, um nicht in Versuchung zu geraten sie in den Text einzubauen. Wenn ich Geschichten erzählen will, erzähle ich Geschichten – wenn ich argumentieren und analysieren will, schreibe ich Arbeiten und Artikel. Beides zu vermischen würde weder mir, meinen Texten noch meinen Lesern gut tun. Der kritische Verstand ist bei einem belletristischen Text, der eine Geschichte erzählt, erst wichtig, wenn es an das Korrigieren und Lektorieren geht, aber auch das sollte nur dazu dienen eine Geschichte verständlicher und lesbar zu machen und nicht in ihrem Kern zu verändern.

Welche Verantwortung hat der (Horror-)Autor nun?

„The best teacher is experience and not through someone’s distorted point of view.“- Jack Kerouac

Neben dem ehrlichen und aufrichtigen Schreiben, ist die größte Verantwortung für einen Autoren sein Unbewusstes auch ausreichend mit dem Zeitgeist und Erlebnissen zu füttern. Die meisten Menschen erleben nur einen kleinen Ausschnitt des Lebens und der Welt. Wenn ein Autor über tiefere Wahrheiten schreiben will und über mehr, als den gewöhnlichen kleinen Ausschnitt, so muss er ihn vergrößern und sein Unbewusstes und damit die Quelle seiner Kreativität mit viel mehr Wissen und vor allem mit viel mehr Erfahrungen als der gewöhnliche Mensch speisen. Die Betonung liegt dabei vor allem auf Erfahrung. Nichts ist entweder fader und langweiliger oder fanatischer und gefährlicher, als die Produkte des von der Welt abgekapselten Theoretikers, der nur liest und schreibt und nichts selber erlebt hat. *2

Die größten und lesenswertesten Werke der Menschheitsgeschichte stammen von jenen Menschen, die selber Geschichte erlebten und gestalteten – Marcus Aurelius, Goethe, Winston Churchill, Jack Kerouac, George Orwell, Ernest Hemmingway, Hunter S. Thompson und William Burroughs, um einige zu nennen – und nicht von irgendwelchen Bücherratten, die die Realität nur aus zweiter Hand und die menschliche Natur nur aus dem Spiegel kannten. Echte Literatur schreibt sich nicht allein mit schönen Worten und eingeübten Konstruktionen (,wie es einem Literaturprofessoren manchmal einreden wollen, deren eigenen Werke meist nach wenigen Jahren in Vergessenheit geraten), sondern vor allem mit Herzblut und Lebenserfahrung.

Du willst ein guter Autor werden und deine Verantwortung als Autor gegenüber deinem Werk erfüllen? Dann schmeiß den Fernseher aus dem Fenster, die Spielkonsole direkt hinterher und kündige dein Netflixabo. Wahrheit und Kreativität findet man nicht im digitalen Opium – höhsten im echten. Lies mindestens zwei Bücher die Woche, schreibe jeden Tag, um das Schreibhandwerk zu meistern und vor allem: geh nach draußen und erlebe etwas – rede mit Menschen, mit denen du sonst nicht reden würdest; tue Dinge, die du sonst nicht tun würdest oder beobachte zumindest andere dabei, und schreib über die Dinge, die du wirklich verstehst, in deinem Herzen fühlst und mit deiner eigenen Haut überprüft hast, weil sonst kommt nur Quark raus.

Du willst Liebesromane schreiben? Dann gehe hinaus in die Welt und lerne die Höhen und Tiefen der Liebe kennen. Du willst mit deinen Ideen die Welt zu einem besseren Ort machen? Lerne zuerst dein eigenes Leben in Ordnung zu bringen und dich selbst zu einem besseren Menschen zu machen. Du willst über Angst, den existentialistischen Kern der menschlichen Existenz und ähnliche tiefgründige Themen des Lebens schreiben? Dann gehe hinaus, und lass dich vom Leben zerschmettern und wiederaufbauen, durch Angst und Freude, Illusion und Enttäuschung jagen. Erst wenn du was erlebt hast, kannst wirklich einen Platz am Lagerfeuer der ehrlichen und für die Gesellschaft nützlichen Geschichtenerzähler einnehmen. Ansonsten kannst du höchsten mit paar schönen, aber falschen Worten als Hochstapler und Schwätzer Karriere machen und dich einreihen in die endlose Kolonne nutzloser Literaten, die vielleicht von paar Deutschlehrern, einigen Feuilletonisten und anderen abgehobenen Sprachfetischisten geliebt werden, aber von der Welt ungefähr genauso gebraucht werden, wie der Plastikplunder auf dem Kitschmarkt.

Die Verantwortung eines belletristischen Autors liegt in meinen Augen ausschließlich darin, ehrlich und aufrichtig mit seiner Kreativität umzugehen, sie nicht für Geld oder Ideologien zu verhuren oder aus Angst oder Eitelkeit zu verfälschen, und vor allem darin, nicht zu einem trockenem Literaten zu werden.


Anmerkungen:

* Ich glaube im Gegensatz zu Florian Jung nicht, dass wir in zunehmend verrohenden Zeit leben, sondern im Gegenteil, die Welt aktuell so friedlich und die Menschen in den westlichen Ländern so verweicht und zimperlich, also so nicht-roh, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte sind. Gewalt, Drogenkonsum und Sex unter Minderjährigen sind genauso wie die globale Armut und die prozentuelle Anzahl von Menschen, die in Kriegsgebieten oder ohne Dach überm Kopf leben müssen, zum Beispiel auf historischen Tiefstand. Der Welt geht so gut zurzeit, wie noch nie, auch wenn wir die Sensationslust der Medien das nicht immer realisieren. Vielleicht sind die Filme und Bücher, die wir konsumieren brutaler, aber das ist eher eine Kompensation der ereignislosen Alltagsrealität der meisten Menschen. Allerdings sehe ich auch, dass der Umgangston und die Wahrnehmung zunehmend roher werden. Das liegt allerdings nicht in einer faktischen Verrohung der Welt, sondern meiner Meinung nach eher in der Veränderung der subjektiven Wahrnehmung dieser (in den Medien und in Filmen und Büchern wird für den Nervenkitzel immer mehr Gewalt gezeigt) und daran, dass ein Gros der Menschen heutzutage dünnhäutig und rückgratslos geworden ist. Man könnte wieder mit Jung sagen, dass wir vieles, was die tragenden Säulen unserer Kultur sind – Ehre, Aufrichtigkeit, Individualismus, Rationalität, Freiheit, Mut, klare Geschlechterrollen, Verteidigung der eigenen Werte – in den Schatten zugunst einer politisch korrekten, sozialistisch-progressiven Wunschutopie verdrängt haben, was nun zurückschlägt durch die radikale Antwort in Form der Neuen Rechten, die aber mit ihren radikalen-reaktionären Ideen mindestens genauso toxisch sind wie die Neuen Linken mit ihren radikalen-progressiven Ideen. Durch die Polarisierung der Öffentlichen Meinung, der Politisierung des Privatlebens durch die Omnipräsenz von digitalen Medien und Identitätspolitik und der medialen Dynamik der Eskalation und Sensationslust, bauen sich in Folge dessen zunehmend Spannungen auf. Diese können letztendlich tatsächlich langfristig zu einer faktischen Verrohung der Gesellschaft führen, auch wenn nicht glaube, dass dieser Prozesse bereits ausgelöst wurde, aber wir sind nah dran, weshalb ich die Frage von Florian Jung trotzdem für aktuell und wichtig halte. Weitere Kommentare und Anmerkungen von mir zu diesen Aussagen findet ihr als Kommentare unter dem Video von Florian.

*2 Ein berühmtes Beispiel, wohin ein Defizit an entsprechender Lebenserfahrung und der Versuch, die Methoden des kreativen Schreibens auf das wissenschaftliche Schreiben zu übertragen, führen können, ist Karl Marx. Dieser Theoretiker entwickelte eine realtitätsfremde Arbeitswerttheorie und baute darauf das hochkomplexe Narrativ eines Klassenkampfes und politische Forderungen auf – während er selber niemals wirklich gearbeitet hat und sich sein Leben lang von dem Farbikbesitzer Engels durchfüttern ließ, also praktisch keine eigene Erfahrung in Bezug auf Wirtschaft und Arbeit hatte. Einem Propheten gleich verkündete er mit geschickter und pathetischer Rhetorik seine Ideen und überzeugte zahlreiche Menschen davon. Da diese Ideen jedoch auf realitätsfernen Prämissen und einem Defizit an empirischer Überprüfung basieren, führte und führt bis heute jeder Versuch diese Ideen der Realität aufzuzwingen zu Elend, Blutvergießen und unermeßlichen Leid. Marx Ideen halten sich wie eine Religion trotz ihrer empirischen Mängel hartnäckig in vielen Köpfen der Menschen, weil die Marxisten wie religiöse Fanatiker an ihren deterministischen Dogmen festhalten und alles andere zugunsten dieser verdrehen. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass auch Wissenschaftler, die mit dem Verstand arbeiten, praktische Erfahrung sammeln und ihre Ideen empirisch durch Experimente und Studien prüfen müssen. Reine Theoretiker und Bücherratten, egal ob in der kreativen Literatur, der Philosophie oder in der Wissenschaft, verlieren langfristig den Bezug zur Realität, was dann letztendlich auch ihre Theorien nutzlos macht. Deswegen kann auch ein Marcus Aurelius in seinen Büchern die stoische Philosophie besser erklären, als jeder Philosophieprofessor. Während der Professor davon lebt Menschen über Philosophie zu unterrichten und sich in seinen vom Staat bezahlten Sessel in Ideen zu vertiefen, hat Marcus Aurelius diese Dinge nebenbei auch getan, doch er musste die Ideen vor allem auch praktisch anwenden und konnte sie so überprüfen. Als römischer Kaiser schrieb er den Großteil seiner philosophischen Texte über das Ertragen von Leid und die Stoa während seiner Kriegszüge abends im Zelt, umgeben von Feinden und sterbenden Freunden. Ebenso sind die Vorschläge zur Verbesserung des eigenen Lebens von einem Klinischen Psychologen wie Jordan Peterson viel überzeugender und wirkungsvoller, als die eines moralisierenden Lifestyle-Journalisten, da Peterson sein theoretisches Wissen testen und ausdifferenzen konnte, weil er im Laufe seiner Karriere tausenden Patienten helfen musste. Und um bei Autoren zu bleiben: Die Bücher des Journalisten und PR-Berater Walter Lippmann zum Thema Public Opinion bzw. Öffentliche Meinung erschienen in den 1920er Jahren und sind nicht nur klarer und verständlicher geschrieben, sie decken auch bereits alle „Erkenntnisse“ ab, die Jahrzehnte später die Berufsakademiker der Kritischen Theorie wie Jürgen Habermas in ihren sperrigen Texten präsentierten. Genauso geht ein Unternehmer, wenn er den falschen Vorstellungen und Theorien über das Wirtschaften anhängt, sehr schnell in die Insolvenz, denn die praktische Realität zögert nicht ihn eines Besseren zu belehren. Ein Professor oder Wirtschaftstheoretiker wird hingegen selten dazu gezwungen seine Theorien, Lebensratschläge oder philosophischen Ideen praktisch an der eigenen Haut zu überprüfen und kann daher ungeschoren realitätsferne Phantasmen produzieren.


Weiterführende Literatur:

Der Mensch und seine Symbole von Carl Jung (klasse Einführungswerk in die analytische Psychologie.)

Terror-Management in der Fall Charles Dexter Ward von Nikodem Skrobisz (Eine Analyse des einzigen Romans von H.P. Lovecraft durch meine Wenigkeit anhand der Terror-Management-Theorie und Ansätzen aus der analytischen Psychologie.)

Das Risiko und sein Preis – Skin in the Game von Nassim Taleb (Geniales Buch, das zeigt, wie Asymmetrie bei der Risikoverteilung in der Gesellschaft dazu führt, dass reine Theoretiker und Bürokraten den Kontakt zur Realität verlieren und andere ihre Irrtümer ausbaden müssen.)

Kunst und Künstler: Studien zur Genese und Entwicklung des Schaffensdranges von Otto Rank (geht viel tiefer und weiter als Carl Jung mit seiner analytischen Psychologie, wenn es darum geht den Schaffensdrang und die Mechanismen hinter der Kreativität von Künstlern aufzudecken. Macht nicht unbedingt Spaß zu lesen, wenn man ein kreativer Mensch ist, verhilft aber zu sehr tiefen Einsichten.)

Angst und Schrecken in Las Vegas von Hunter S. Thompson (Das literarische Manifest des Gonzo-Journalismus, bei dem Realität, Gesellschaftskritik und Fiktion, Künstlertum und Journalismus ineinander krachen, um ein einzigartiges literarisches Feuerwerk abzubrennen.)

Öffentliche Meinung: Wie sie entsteht und manipuliert wird von Walter Lippmann (Standardwerk darüber wie Propaganda, PR und Journalismus funktionieren, mit tiefen Einsichten in die Mechanismen der menschlichen Psyche und den inherenten Problemen der Kommunikation.)


Quelle des Beitragsbild: https://pixabay.com/photo-1261572/

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Verantwortung und Brücken bauen – HybridVerlag im Interview

Im Dezember erschien beim Hybrid Verlag die Anthologie „Vollkommenheit“, an der ich mich mit der Kurzgeschichte „Die finale Lösung der Menschenfrage“ beteiligte. Zurzeit bereite ich zusammen mit dem Verlag, dem BVjA und einigen anderen beteiligten Autoren (darunter Monika Loerchner) eine Lesung der Anthologie bei der Leipziger Buchmesse 2019 vor. Die perfekte Gelegenheit, um den Verlag im Interview mit dem Geschäftsführer Paul Lung besser kennenzulernen.

Der Hybrid Verlag ist ja ein relativ junger Verlag. Wofür steht er ein und was unterscheidet ihn von anderen Verlagen?

Das Kernteam des HybridVerlag: Paul Lung (u.l.) Geschäftsführer, Lektorat Robby Jünger (u.r.) Design, Marketing, Rechtliches Sylvia Kaml (o.r.) Lektorat, Buchsatz, Marketing Michael Spitzer (o.l.) Lektorat, Rechtliches, Marketing

Nun, jung ist ein gutes Stichwort. Auch wenn manche unserer Mitstreiter nicht mehr ganz jugendlich sind, so stehen wir dennoch für Flexibilität und Engagement, für Neues und Außergewöhnliches.

Was uns im Wesentlichen aber von anderen Verlagen unterscheidet, ist die Kombination aus drei wesentlichen Punkten, die wir verkörpern.

Wir wollen die deutschsprachige Literatur fördern. Keine Übersetzungen aus anderen Sprachen, sondern authentische Bücher mit ausdrucksvoller Sprache. Deutschsprachige Autoren haben viel zu bieten, und dem wollen wir Rechnung tragen.

Zum Zweiten steht bei uns stets die Idee, das Projekt im Vordergrund. Wir wollen Bücher nicht in Genreschubladen quetschen, um eine genau definierte Leserschicht zu erreichen, sondern freuen uns über Bücher, die oft gar nicht so einfach einem klassischen Genre zuzuordnen sind. Das sind außergewöhnliche Projekte, voll Authentizität und dementsprechend Unikate unter der Vielzahl sich ähnelnder Bücher.

Und als dritter Punkt steht bei uns auch die Verantwortung für andere im Fokus. Nicht nur für Leser und Autoren. Deswegen unterstützen wir die Initiativen „We are one“ und „Tierheimhelden“.

In Kombination dieser drei Pfeiler verstehen wir uns als Brückenbauer. Zwischen Autor und Leser, zwischen unterschiedlichen Genres und zwischen Menschen generell. Und genau das leben wir auch in unserem gesamten Handeln.

Du bist selber auch als Autor unterwegs. Unter anderem hast Du den Roman Das Eden Projekt geschrieben. Wie kamst Du zum Schreiben und was sind deine Tipps für angehende Autoren?

Ich kam vermutlich zum Schreiben wie viele andere auch. Ich lese seit meiner Kindheit gerne und als Jugendlicher wuchs dann auch der Wunsch, selbst die eigenen Fantasien zu Papier zu bringen. Die ersten Versuche waren rückblickend natürlich fürchterlich, aber die Begeisterung für das Schreiben hält bis heute an.

Als Tipp kann ich auch genau das weitergeben: Schreibt, was euch begeistert. Nicht das, was vielleicht im Moment angesagt ist. Aber auch: Schreiben ist ein kreativer Prozess. Und dennoch einer, bei dem man viel lernen und üben muss. Es gibt große Talente, aber als Meister wurde noch niemand geboren.

Unter dem Motto „Hybrid Hilft“ beteiligt ihr euch als Verlag immer wieder an Spendenaktionen und Kooperationen mit gemeinnützigen Organisationen. Was ist die Idee dahinter?

Wie eingangs bereits erwähnt, sehen wir uns auch in der Verantwortung, zu unterstützen, wenn es uns möglich ist. Wenn es bedeutet, dass wir mit unserer Leidenschaft für Bücher zusätzlich anderen helfen können, ist das doch eine wunderbare Chance, die wir jederzeit gerne ergreifen.

Warum sollten Autoren bei euch veröffentlichen wollen?

Weil wir mit ihnen an ihren Werken arbeiten, sie unterstützen und ihre Texte zu spannenden und außergewöhnlichen Büchern machen wollen. Die Arbeit an Manuskripten macht uns Spaß und genau das wollen wir auch den Autoren weitergeben. Es soll eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe sein, eine die Freude macht und die Leidenschaft für das Schreiben noch weiter entfacht.

Was sind die Ziele des HybridVerlags für 2019?

Kurzum: Größer werden. Wir wollen sowohl unser Buchsortiment, als auch die Zahl unserer Mitarbeiter vergrößern. Wir wollen stärker in den stationären Buchhandel gehen, mehr auf Messen präsent sein und das weiterhin mit viel Enthusiasmus. 2018 wurden viele Grundsteine gelegt, auf die wir 2019 aufbauen wollen. Und ein paar Überraschungen haben wir auch noch auf Lager. 😉


Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielen Dank Paul für dieses Interview. 🙂

Wenn ihr mehr über den HybridVerlag und ihre Bücher erfahren wollt, könnte ihr sie auf ihrer Webseite http://www.hybridverlag.de/  besuchen. Ihre Bücher könnt ihr unter anderem bei ihrem eigenem Verlagsshop bestellen.


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Vom Schreiben und Polarisieren – April Nierose im Interview

Wer sich auf Instagram in der deutschen #tomorrowsauthors-Szene bewegt, kommt um April Nierose nicht herum. Vor allem in Instastories von jungen Autorinnen taucht immer wieder ihre erfolgreiche Buchreihe „Verfall“ auf. Bei den Planet Awards Berlin 2018 kürten sie die Leser zur Autorin des Jahres. Im Interview erzählt die erfolgreiche Selfpublisherin wie sie zum Schreiben kam, warum sie polarisiert und was wir in Zukunft von ihr erwarten können.

Wann und warum hast du mit dem Schreiben angefangen?

Lesen und schreiben konnte ich bereits in einem Alter von vier Jahren, aber dass es mir Spaß macht, eigene Geschichten zu verfassen, erkannte ich deutlich später. Ich dürfte zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich im Rahmen einer Hausaufgabe einen kurzen Aufsatz schreiben sollte. Ich schrieb drauf los und plötzlich waren es fünf Seiten geworden, ohne dass ich es merkte. Das ist etwas, was mir bis heute noch immer und immer wieder passiert.

Etwa in dieser Zeit entstanden einige Figuren, die man heute in abgewandelter Form in Verfall wiederfindet und die ersten Ideen zum Plot. Allerdings habe ich erst mit 17 Jahren begonnen, die Geschichte niederzuschreiben und das völlig frei Schnauze. Ich kannte weder Ratgeber noch Schreibtipps. Hätte ich sie gekannt, hätte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sofort das Interesse am Schreiben verloren, denn Regeln ersticken meine Kreativität.

Es war nicht mein Plan oder mein Wunsch, eine gefeierte Autorin zu werden oder überhaupt zu veröffentlichen. Viel eher brauchte ich ein Ventil, um meine Konflikte mit mir selbst auszutragen und um meine Wut in eine nicht destruktive Richtung zu lenken. Ehe ich mich versah, hatte ich die heutigen Bände 1 und 2 der Verfall-Reihe sowie einen groben Entwurf vom heutigen Band 3.

Dein Pseudonym „April Nierose“ ist ein Anagramm auf Polarisieren. Inwiefern polarisierst du?

Das ist eine Eigenschaft, die mir in der Jugend oft zugeschrieben wurde. Das Pseudonym an sich entstand aus einem Zufall heraus, als ein Kumpel, dem ich zuvor berichtet hatte, dass mir kein Pseudonym einfalle, auf die Idee kam, alle Begriffe, die er mit mir in Verbindung brachte, in einen Anagramm-Generator einzugeben. Dann schickte er mir seine Ergebnisse und ich wählte meinen heutigen Künstlernamen aus der Liste aus. Im Nachhinein bin ich froh darüber, diese Entscheidung getroffen zu haben, denn diese polarisierende Wirkung habe ich mit meiner Protagonistin aus Verfall tatsächlich gemeinsam. Entweder mögen Menschen mich oder sie können mich nicht leiden. Erfahrungsgemäß erlebe ich keine neutralen Reaktionen, weder auf mich selbst noch auf meine Bücher. Womöglich dachte der Kumpel bei dem Begriff „polarisieren“ auch an mein ganz junges Ich, das versuchte, sich in der Grundschule für die Abschaffung christlicher Symbolik im Klassenraum einzusetzen und die Lehrerinnen in den Wahnsinn trieb, weil es der Ansicht war, dass sie sich unfair verhielten. Somit habe ich früher auch mit meinen Handlungen tatsächlich stark polarisiert. Heute hält sich diese Eigenschaft eher in Grenzen.

Worum geht es in deiner Romanreihe „Verfall“?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage, die man mir stellen kann, denn die Reihe ist noch nicht abgeschlossen und würde ich jetzt verraten, worauf alles hinauslaufen soll, würde ich spoilern. An erster Stelle kristallisierte sich für mich bereits bei den ersten Überarbeitungen heraus, dass ich Action und Charakterentwicklung in meinen Büchern bevorzuge. Damit greife ich auf die typischen Eigenschaften von Thrillern und Romanen zurück, die sich in der literarischen Praxis beinahe zu widersprechen scheinen.

Es geht um Ereignisse, die viele Fragen aufwerfen sowie um eine komplexe Situation, die aus einem Verbrechen heraus entstanden ist. Es geht aber auch um das, was derartige Ereignisse mit den Menschen machen. Verfall handelt somit von Liebe und Hass, Freundschaft und Intrigen, eben von allem, was uns Menschen bewegt. Im Zentrum steht meine Protagonistin Hanna, die versucht, auf ihre Weise mit den vergangenen und neu eintretenden Ereignissen zurechtzukommen.

Du hast die Reihe „Verfall“ als Selfpublisherin veröffentlicht. Warum hast du dich für diesen Weg entschieden und willst ihn beibehalten?

Obwohl ohne Verlag veröffentlicht, geht die Verfall-Reihe begleitet von zahlreichen begeisterten Rezensionen bald in die vierte Runde

Die Entscheidung, Selfpublisherin zu werden, traf ich aus eigenem Entschluss. Ich habe mich bisher bei keinem einzigen Verlag beworben. Mir wurde relativ früh klar, dass ich viele fachlich verbreitete Ansichten zwar nicht ablehne, doch in meinen eigenen Büchern für untragbar halten würde. Im Internet fallen mir oft Phänomene auf, die ich als bürokratische Verkrustung beschreiben würde. Es wird ein einziger richtiger Weg propagiert, was aus meiner Sicht dem Kunstverständnis widerspricht. Würde ich einen Verlagsvertrag unterschreiben, dann wüsste ich nicht, was auf mich zukommt, ob man versuchen würde, mir als Autorin meine künstlerische Freiheit auf Kosten besserer Vermarktbarkeit zu nehmen. Wenn das passieren würde, befände ich mich in einem ständigen Kriegszustand mit dem entsprechenden Verlag, müsste meine Werke verteidigen und das aus einer unterlegenen Position heraus. Zumindest sieht mein Worstcase-Szenario so aus. Natürlich kann es auch anders kommen, aber das Risiko wäre mir mit einer Buchreihe einfach zu groß.

Dann gibt es noch die Tatsache, dass ich – und das ist eine charakterliche Angelegenheit – ungern um etwas bitte, sondern durch mein eigenes Engagement etwas erreichen will.

Oft stresst es mich, für alles verantwortlich zu sein, was meine Bücher betrifft, denn treten Fehler auf, kann ich mich hinter niemandem verstecken. Aber auf der anderen Seite genieße ich genau das, weil die Erfolge einzig und allein meine Leistung spiegeln und nicht das geschickte Marketing eines Verlags.

Von daher möchte ich diesen Weg möglichst beibehalten, auch wenn ich dadurch nur wenige Leser erreiche.

Du bist als Autorin vor allem sehr auf Instagram aktiv (ähnlich wie ich). Warum hast du dich ausgerechnet für diese Plattform entschieden und was macht Instagram insbesondere für Autoren interessant?

Tatsächlich war es eine persönliche Vorliebe für diese Plattform. Ich mag Facebook einfach nicht, obwohl es aus Sicht einiger Autoren wesentlich besser für das Marketing geeignet sein soll als Instagram und ich dort nach langem Ringen mit mir selbst sehr positive Erfahrungen gemacht habe.  

Was mir vor einigen Jahren bei Instagram im Verlauf meiner privaten Nutzung aufgefallen ist, war die Größe der Autoren- und Lesercommunity, also habe ich kurzerhand nach dem Entschluss, meine Bücher zu veröffentlichen, eine Instagram-Seite angelegt. Ich schätze Instagram wegen der einfachen Bedienung sowie der Verknüpfung von Bild und Text. Man kann dort hervorragend Zitate aus den Büchern posten, die den potenziellen Lesern ein Gefühl dafür vermitteln sollen, worum es in meinen Büchern in etwa geht. Zugleich kann man mit der Community kommunizieren. All diese Funktionen sind für mich sehr wertvoll, wenngleich diese auch von Facebook geboten werden. Im Idealfall sollte man vermutlich beide Medien und weitere Plattformen darüber hinaus verwenden, um eine möglichst große Leserzahl zu erreichen.

Woran arbeitest du zurzeit?

Zurzeit überarbeite ich Band 4, der mehr oder weniger fertig ist, schreibe an Band 5 sowie an einigen anderen Projekten, die nichts mit der Verfall-Reihe zu tun haben.

Was können wir in der Zukunft von dir an Büchern und Projekten erwarten? Hast du schon Pläne, über die du etwas verraten willst?

Es werden auf jeden Fall noch einige Verfall-Bände kommen. Parallel nehmen andere Projekte Form an, bei denen es sich um Einzelbücher handeln soll. Ich bin an einem Punkt, an dem ich etwas Neues ausprobieren möchte, auch wenn ich dadurch die sichere Komfortzone der vertrauen Verfall-Reihe verlassen würde. In meinem neuesten Projekt, das noch nicht weit fortgeschritten ist, geht es um einen Serienmörder – mehr möchte ich vorerst nicht verraten. Meine weiteren Bücher werden weiterhin einen hohen Thriller-Anteil beinhalten, denn ganz ohne Blutvergießen möchte ich nicht arbeiten, aber ich möchte auch weiterhin dem Fokus der Charakterentwicklung treu bleiben.


Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielen Dank April für dieses Interview. 🙂

Wenn ihr mehr über April Nierose und ihre Bücher erfahren wollt, könnte ihr sie auf Facebook https://www.facebook.com/aprilnierose oder Instgram https://www.instagram.com/aprilnierose/ besuchen. Ihre Bücher könnt ihr hier kaufen: https://amzn.to/2Ry5K7Y


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Interview mit dem SadWolfVerlag

Interview mit dem SadWolfVerlag auf der Frankfurter Buchmesse am 13.10.2018

In dem von etablierten Großverlagen und Übersetzungen dominierten deutschen Literaturbetrieb haben es neugegründete Verlage oft schwer Fuß zu fassen, und die wenigsten schaffen es über den Status eines Kleinverlages hinauszuwachsen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der junge deutsche SadWolfVerlag. Benannt nach den beiden Gründern Johannes Wolfers und Etienne Sadek hat sich der Verlag darauf spezialisiert Bücher zu verlegen, die die Noir Side of Life zeigen. Stetig wachsend und immer neue Erfolge verzeichnend, hat sich der ehemalige Insidertipp innerhalb von nun vier Jahren zu einer festen Größe in der Literaturlandschaft etabliert und betritt dieses Jahr mit der Veröffentlichung der englischen Bestsellerautorin Helen Hollick die internationale Bühne. Was ist das Erfolgsgeheimnis dahinter, und was können junge Verleger und Autoren daraus lernen? Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 nahmen sich die beiden idealistischen Verleger die Zeit mir für das Mitgliedermagazin des BVjA QWERTZ einige dieser Fragen zu beantworten.

 

Zusammen habt ihr beiden vor fast vier Jahren, also am 14. November 2014, den Verlag gegründet. Wie kam es dazu und wie fandet ihr diese Nische des Noir?

 

Etienne: Ich bin vom Herzen her selber Schriftsteller und lehre auch im Kreativen Schreiben, und Johannes ist Musiker. Wir hatten damals zusammen angefangen an einem dystopischen Science-Fiction-Roman zu schreiben und dabei haben wir gemerkt, dass wir zwar damit weitermachen wollen, aber auch dass viele Autoren von großen Verlagen oft kaum Mitspracherecht haben und halt nur ein kleines Rädchen im Getriebe sind.

 

Johannes: Vor allem junge Autoren haben ja auch kaum Chancen bei größeren Verlagen unterzukommen.

 

Etienne: Genau. Und eines Abends haben wir ein paar Gläser viel Whisky getrunken, und haben uns dann gesagt, wir wollen das ändern und machen etwas Eigenes. Die Entscheidung war dann zwischen Musiklabel oder Verlag. Wir konnten uns nicht entscheiden, also haben wir eine Münze geworfen, und sie fiel für den Verlag. Aber dann gab es tatsächlich schon das nächste Problem, nämlich wir hatten kein Geld. Was macht man, wenn man halb nüchtern ist und man hat zu große Träume? Man geht einfach ins Casino und spielt Poker. Wir haben dann dort tatsächlich das Gründungskapital von großartigen und weltbewegenden hundert Euro zusammengetragen, und damit haben wir den SadWolfVerlag gegründet. Die Nische das Noir kam dann erst danach, also wir hatten erst den Namen, und dann haben wir erst das Konzept entwickelt. Am Anfang haben wir alles selber machen müssen. Johannes hat korrigiert, die Webseite gemacht und gelayoutet, und ich habe lektoriert und auch korrigiert und gelayoutet. Es gab natürlich Hürden und wir haben viele Fehler gemacht, aber wir haben von Anfang gesagt, wir machen Fehler und wir machen gerne Fehler, denn aus Fehlern lernt man.

 

Johannes: Wir haben den Verlag ja vor allem aus Idealismus heraus gegründet.

 

Etienne: Genau. Und klar, am Anfang waren die Zeiten schwer, wir hatten zwölf Stunden, vierzehn Stunden Tage, und auch durchgearbeitete Tage und Nächte gab es zu Haufen. Aber wir merken immer daran, dass die Autoren auf uns zählen, dass das uns Kraft gibt. Wir sind daher kein normaler Verlag, sondern mehr wie eine Familie mit den Autoren. Weil wir einfach sagen, dass die Autoren von A bis Z Mitspracherecht haben und deshalb ist der Kontakt viel größer und stärker. Mittlerweile haben wir mehrere Mitarbeiter, sogar eine Praktikantin, und es ist großartig zu sehen, wie es sich entwickelt. Das hört sich vielleicht platt an, aber wenn man Träume hat, die groß sind, dann können sie in Erfüllung gehen. Dass wir nun auf der Frankfurter Buchmesse mit einem Stand sind mit unseren Büchern, und es gibt Leute, die kommen hierher um unsere Autoren zu sehen – das ist ein großartiges Gefühl.

Aber ohne Johannes hätte ich das nie geschafft, so viel wie wir an Nächten durchgearbeitet haben, das hätte ich von keinem anderen erwartet. Und dahinter steht auch noch ein ganzes Team: Petra, Patrick, Jasmin, Stephanie, Chantal, Mel, Sabine, Sarah, die Lektoren, die Designer. Alle im Team sind hochbegeistert und hochtalentiert, und wir hatten auch einfach Glück mit unseren Autoren. Sehr viele und junge Talente, wie Petra Renée Meineke, Dominique Stalder, Vivienna Norna und Sophie Nuglisch, oder Arif Kryeziu – ein verkanntes Genie, und der ist selber Flüchtling, was zurzeit ein sehr wichtiges Thema ist. Der kam mit nichts nach Deutschland, und kann seine bitteren Erfahrungen mit so viel Herz schildern. Das ist einfach schön solchen Autoren eine Plattform bieten zu können.

 

Was ist das Wichtigste, was ihr während der Gründungszeit gelernt habt, und was würdet ihr anderen raten, die nun gerade ebenfalls einen Verlag gründen wollen?

 

Etienne: Wenn du einen Traum hast, glaube daran und arbeite daran. Du musst jeden Tag 100% geben und gute Qualität abliefern. Qualität setzt sich durch. Man muss immer dran glauben und lernen: Fehler machen und Hinfallen ist nicht schlimm. Es ist genau wie bei einem Kleinkind. Denn wie lernt ein Baby laufen? Es steht auf, geht ein paar Schritte, fällt hin, und steht wieder auf, immer wieder, bis es es irgendwann kann. Das ist ein Prozess und man darf niemals Angst davor haben, Fehler zu machen.

 

Das ist eigentlich eine Weisheit, die man auch auf das ganze Leben übertragen kann, egal ob Verlagsgründung, die Arbeit an einem Roman, Sport oder Beruf.

 

Etienne: Richtig. Aber natürlich muss man auch dafür brennen, was man tut, und herausfinden, was man im Leben liebt, und wofür man bereit ist teilweise auch achtzehn Stunden am Stück zu arbeiten.

 

Neugegründete Verlage und Kleinverlage im Allgemeinen haben es ja in den letzten Jahren sehr schwer gehabt. Euch geht es aber anscheinend entgegen dieses Trends ziemlich gut. Was ist euer Geheimnis?

 

Etienne: Einerseits natürlich diese spezialisierte Nische, durch die wir Bücher verlegen können, die nicht in die klassischen Genreschubladen der großen Verlage passen und gerade deshalb viele Leser finden. Aber am Ende ist es vor allem harte, harte Arbeit und ein tolles Team. Vor allem Johannes ist unglaublich perfektionistisch und er schafft es, immer wieder aus dem Minimalsten das Maximum herauszuholen. Johannes ist super still, weil er mehr der Vorausplanende von uns beiden ist und nicht mit seinen Erfolgen prallen will, aber wir beide sind mit unserer Leidenschaft für den Verlag beide auf der gleichen Wellenlänge, was es möglich macht so hart zu arbeiten. Man muss halt bereit sein, sein letztes Hemd zu geben und bis zum Burnout zu arbeiten, und auch darüber hinaus, denn wenn man es liebt, dann kriegt man auch keinen richtigen Burnout. Das ist letztendlich im Kern das ganze Geheimnis. Und wenn man das richtige Team hat, fragt man sich irgendwann: Ist etwas zwischen dir und mir?

 

 

Anfang 2018 kam das Reboot eures Verlags mit einer neuen Webseite und einem neuen Blog. Was hat es damit auf sich und was ist eure Vision für die Zukunft des SadWolfVerlags?

 

Johannes: Wir haben vor allem die Webseite mit einem professionelleren Design neuaufgesetzt, weil die Alte nicht mehr unser Konzept wiedergespiegelt hat. Dabei haben wir auch einen Newsletter eingerichtet und bauen gerade eine Bloggerliste auf, um auch unseren Blog regelmäßig zu füllen und unsere Reichweite auszubauen.

 

Etienne:  Wir arbeiten jetzt auch mit Verlagsvertretern zusammen, damit unsere Bücher bekannter werden und mehr in den Buchhandel kommen. Wir haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass auch Buchhändler richtig begeistert auf uns zukommen, weil Leser unsere Bücher haben wollen. Der Markt ist nämlich bereits ziemlich gesättigt von den normalen Büchern, was ja gar nichts Schlechtes ist, aber wir bringen halt mal was Anderes. Das Ziel des Reboots ist vor allem bekannter zu werden, aber wir wollen dabei auch nicht zu schnell wachsen, sondern nur so schnell, dass wir auch die Qualität unserer Bücher und die enge Zusammenarbeit mit unseren Autoren aufrechterhalten können. Wir haben uns auch Gedanken gemacht darüber, wer sind wir und wofür stehen wir? Und wir wollen einfach, dass der Leser genau weiß, er kauft ein Buch von SadWolf und erwartet eine bestimmte Qualität, und auch die Autoren haben unglaublich große Anforderungen an uns, und die wollen wir erfüllen. Das ist das Ziel. Darüber hinaus arbeiten zurzeit daran einzelne Bücher ins Englische zu übersetzen, wie jetzt 7 Tage mit Gott, und auch aus dem Englischen ins Deutsch zu übersetzen, wie jetzt mit Helen Hollick.

 

Johannes: Es geht aber auch um die Verpackung. Das Design der Cover und der Webseite sollen mit dem Konzept übereinstimmen und eine gewisse Eleganz haben.

 

Etienne, du bist selber schriftstellerisch tätig und unterrichtest auch kreatives Schreiben, weshalb wir ja auch zurzeit im Gespräch sind, dich für eins unserer Seminare einzusetzen. Was ist dein wichtigster Schreibtipp für junge Autoren?

 

Etienne: Es dauerte Jahre, teilweise Jahrzehnte, um über Nacht berühmt zu werden. Schreiben ist vielleicht 10% Talent und 90% Handwerk. Man muss sich mit dem Handwerk auskennen und sich bewusst machen, dass das ein langer Weg ist. Viele Leute werden einen nicht verstehen wollen. Man geht zum Beispiel nicht mehr auf Partys. Viele Leute waren damals irritiert, als ich mit 17 mein erstes Buch geschrieben habe, als ich gesagt habe, ich gehe heute nicht mit, sondern lese heute ein Buch oder arbeite an meinem Manuskript. Man muss auch seine eigene Stimme finden und man muss bereit sein den Preis dafür zu bezahlen und einfach dran bleiben und an sich selber glauben, auch wenn die Leute einem sagen, dass man es nicht schaffen wird. Wenn man dranbleibt und die Geduld behält, dann schafft man es auch.

 

 

Johannes: Es ist auch wichtig, dass man nicht nur seinen Verstand einschaltet, sondern auch sein Herz und dass man die Emotionen anspricht. Man muss wirklich das fühlen, was man schreibt. Wenn man Menschen berühren kann, dann hat man es eigentlich erreicht. Und selbst wenn man nur einen Leser hat, der daraus was mitnehmen kann, der richtig ergriffen ist, dann ist man ein erfolgreicher Autor.

 

Warum sollten Autoren bei euch veröffentlichen wollen?

 

Johannes: Es ist vor allem das Mitspracherecht und, dass man nicht in der Masse untergeht, wie bei anderen Verlagen. Wir machen auch nicht sehr viele Bücher, sodass die Qualität im Vordergrund steht und wir auch immer ansprechbar für unsere Autoren sind.

 

Etienne: Ja, es kann sein, dass größere Verlage mehr Budget haben, aber wir sind deutlich flexibler, auch wenn es darum geht, um auf die Wünsche der Autoren einzugehen. Wir zahlen auch immer faire Tantiemen, nämlich 10% vom Buchpreis, also wenn das Buch 15€ kostet, dann bekommt der Autor auch 1,50€. Man sollte sich niemals unter Wert verkaufen, und da ich selber Schriftsteller bin, weiß ich wie viel Zeit und Mühe da drin steckt.

 

Johannes: Die Rechte für die Bücher laufen auch nur zwei Jahren und werden nicht automatisch verlängert. Das war uns auch sehr wichtig, dass wir keine Knebelverträge haben und die Autoren nicht an uns gebunden sind. Auch wenn sie den Vertrag auflösen möchten, sind wir immer gesprächsbereit. Damit setzen wir uns auch deutlich ab.

 

Etienne: Wir wollen Autoren, die gern bei uns sind und auch gerne zu uns wiederkommen, und deswegen bieten wir ihnen eine gewisse Freiheit, damit sie ihre Visionen auch richtig umsetzen können. Zufriedene Autoren schreiben nämlich gute Geschichten, und von guten Geschichten leben wir.

 

Vielen Dank für das Interview.

Die Interviewantworten wurden aus redaktionellen Gründen stellenweise gekürzt und editiert. Dieses Interview erschien usrpünglich in der QWERTZ-Ausgabe 2018/4. Das QWERTZ ist das Mitgliedermagazin des BVjA. Das Beitragsbild wurde von Etienne Sadek zur Verfügung gestellt.

Webseite des SadWolfVerlags: https://sadwolf-verlag.de


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Warum ich Jordan Peterson gegenüber skeptisch geworden bin

Vor beinahe einem Jahr stellte ich in einem Artikel Dr. Jordan Peterson  und seine Ideen vor. Bereits damals betitelte die englischsprachige Presse ihn als den wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit. In den vergangenen Dezemberwochen zogen nun auch deutsche Leitmedien (Spiegel, Zeit, WELT usw.) nach und berichteten erstmals ausführlich über den kanadischen Psychologieprofessor und Philosophiepopstar.

Wie auch schon zu Beginn dieses Jahres sind die Kontroversen und die Polarisierung um Peterson groß. Für die einen ist er ein gefährlicher Neurechter, für andere der Frontmann der Culture Wars, der den Westen rettet, für andere einfach nur ein stinknormaler Intellektueller oder gar ein Scharlatan. Abgesehen davon, dass J.B.P nun noch berühmter ist, die Kontroversen noch heftiger und er mit seinem neuen Bart aussieht, als würde er jeden Morgen mit brennenden Büschen Zwiesprache halten, ist im Kern also alles relativ beim Alten geblieben.

Zumindest für Jordan Peterson. Ich selbst habe mich seitdem viel verändert, habe das Abitur gemacht, ein Studium aufgenommen und mein Leben neu ausgerichtet (#sortyourselfout). Auch meine Sicht auf ihn hat sich in der Zwischenzeit mehrmals gewandelt. Ich bin skeptisch geworden. Eine Zeit lang hatte ich mich sogar komplett von Peterson abgewandt, bis mir mein Vater zum Abitur VIP-Tickets für das Pangburn-Philosophy-Event „War of Ideas“ in Dublin schenkte, bei dem Sam Harris, Douglas Murray und Jordan Peterson auf der Bühne debattierten. Eigentlich wollte ich dort vor allem wegen Sam Harris hin, aber während des Events und als ich danach mit Murray und Peterson einige Worte wechseln konnte, flammte meine alte Begeisterung für Peterson wieder auf.

Ich ließ mir meine Ausgabe von 12 Rules signieren und las sie nochmal (unbedingt bei 12 Rules einen großen Bogen um die deutsche Übersetzung machen. Die ist leider nicht sehr gut und verzerrt die Aussagen) und dazu noch Maps of Meaning. Seitdem beschäftige ich mich wieder öfters mit Peterson, auch weil er zunehmend in Deutschland ankommt und unter den Studenten in Jena diskutiert wird.

Ich bin überzeugt, dass Jordan Petersons Wirken insgesamt bisher überwiegend positiv ist. Er hat vielen Menschen geholfen und sein Auftreten hat die Philosophie ein Stück zurück in den Mainstream gebracht und viele Leute dazu angeregt sich mehr mit den wichtigen Fragen des Lebens zu beschäftigen. Das daraus entstandene Intellectual Dark Web  trägt dazu bei, dass Philosophen und Intellektuelle wieder in der Öffentlichkeit so bedeutend und einflussreich werden wie zuletzt zu Zeiten von Sartre und Camus. Eine Entwicklung, die nur zu begrüßen ist, vor allem in einem Jahrhundert, in welchem durch das Internet Verschwörungstheorien wie noch nie grassieren und die meisten Menschen im Westen vom Konsum und linker Propaganda betäubt in Filterblasen dahinvegetieren, statt die schöne neue Digitalität dazu zu nutzen sich weiterzubilden und aufzuklären.

Dennoch bin ich weiterhin sehr skeptisch, was Jordan Peterson angeht – und werde es von Tag zu Tag immer mehr. Und das liegt nicht nur daran, dass seine Rohrschachrhetorik bzw. seine Argumentationsweise, bei genauerer Betrachtung sich oft als logisch ungefähr so dicht wie der Bug der Titanic erweist. Oder daran, dass ich nun durch das Studium vemehrt mit den Werken von weniger berühmten aber mindestens genauso scharfsinnigen Denkern in Berüherung komme. Es gibt mehrere negative Entwicklungen und Eigenschaften, die auch den Kern der Kontroversen rund um Peterson ausmachen und mich von Anfang an störten. Jordan Peterson ist zweifelsohne eine hochintelligenter und charismatischer Mensch, allerdings ist er in meinen Augen wahrscheinlich nicht der wichtigste, sondern der überbewerteste Intellektuelle unserer Zeit – und wenn die Probleme, die ich in seinem Wirken sehe, sich weiterentwickeln, möglicherweise bald der gefährlichste Denker unserer Zeit.

Die Hauptprobleme

1. Seine Anhängerschaft

Das ist ein Problem für welches man Peterson nicht direkt verantwortlich machen kann, aber sehr wohl dafür, dass er dagegen nichts unternimmt. Jordan Peterson hat viele junge Menschen dazu inspiriert sich mit Philosophie zu beschäftigen und eine Orientierung im Leben zu finden. In einer Zeit, die von Nihilismus und der Dekonstruktion vieler Werte und etablierter Strukturen geprägt ist, ist diese Führung durch das Chaos des Lebens etwas, was vor allem die heutige Jugend nicht nur aktiv sucht, sondern auch braucht. Dr. Peterson hat diese Lücke gefüllt und ist dadurch innerhalb der letzten Jahren zu der Vaterfigur einer ganzen Generation avanciert. Dies bringt allerdings die Schattenseite mit sich, dass er von vielen wie ein Guru oder Kultführer verehrt wird. Vor allem jene für die Jordan Peterson der bisher einzige Zugang zur Philosophie und Psychologie war – also der Großteil seiner jungen, männlichen Zielgruppe – reagieren mitunter empfindlich aggressiv auf Kritik an Peterson. Kritiker des Kanadiers werden im Internet schnell mit Shitstorms und Hasskommentaren überzogen. Darüber hinaus bieten viele seiner Aussagen Futter für Memes der Neuen Rechten. Seine Anhänger tun also oft genau das, wovor Peterson eigentlich in seinen Vorträgen zum Radikalismus, Faschismus und Kollektivismus warnt. Das Problem hat Peterson nach wie vor nicht direkt angesprochen. Würde er allerdings differenzierter und selbstkritischer vorgehen, würde der Personenkult um ihn herum wahrscheinlich auch nicht so extreme Formen annehmen – was zu seinem eigenen Nachteil wäre, schließlich profitiert er immens davon. Aber dieser Mangel an Differenziertheit und Reflexion, der zu der Entstehung des kultartigen Verhaltens seiner Fans beiträgt, findet sich nicht nur im Umgang mit sich selbst, sondern auch mit seiner Opposition.

2. Feindbilder, Paranoia und falscher Postmodernismus

Jordan Peterson beschwört in seinen Reden und Texten immer wieder das Feindbild einer neomarxistischen Weltverschwörung herauf und hetzt gegen die „Postmodernisten“.  Am besten kann man das in seinem Video „Dangerous People Are Teaching Your Children“ für Prager U sehen. Zwar sind viele seiner Kritikpunkte berechtigt, aber er begeht dabei viele Fehler und seine Aussagen grenzen fast schon an Verschwörungstheorien mit denen er die Gesellschaft polarisiert und Argumente für die Neuen Rechte liefert. Wen man seine Vorträge genau ansieht, merkt man, dass seine sonst eher ruhige Art durch ein aggressives, wütendes Auftreten verdrängt wird, wenn er über das Thema spricht. Ich befürchte daher, dass er sich was seine Ansichten zum Postmodernismus angeht, von den aktuellen neurechten und reaktionären Strömungen und Ideologien mitziehen lässt. Bezeichnend ist dafür vor allem, dass er als Quelle für seine Ansichten immer wieder das Buch Explaining Postmodernism: Skepticism and Socialism from Rousseau to Foucault zitiert. Dieses Buch reduziert Postmodernismus von einer philosophischen Strömung auf eine manipulative Argumentationsstrategie der radikalen Neuen Linken. Ich weiß nicht, ob Peterson auch noch andere Bücher über Postmodernismus gelesen hat, aber ich bezweifle es, denn ansonsten würde er etwas differenzierter mit dem Thema umgehen und nicht dauernd die kollektivistische Identitätspolitik und Kulturmarxismus mit Postmodernismus gleichsetzen. Und vielleicht bemerken, dass viele seiner eigenen  Argumentationsweisen und seine relativistischen Definitionen, vor allem, was Wahrheit und Realität angeht, von sehr postmodernen Standpunkten ausgehen. Wenn er zum Beispiel seine religiösen Ansichten mit der Aussage „scientific truth is different from religious truth“ verteidigt, dann greift er ein Argument des neomarxistischen und postmodernen Philosophen Jean-François Loyotard auf. (nachzulesen in The Postmodern Condition). 

Diese unkritische Verurteilung von ganzen philosophischen Schulen, Schaffung von Feindbildern und das Verbreiten seiner Verschwörungstheorien einer neomarxistischen Weltverschwörung, polarisieren die Gesellschaft und vergiften den Diskurs – ganz abgesehen davon, dass sie zu großen Teilen falsch sind. Es stimmt zwar, dass diese nihilistische und antiwestliche Mentalität, die Peterson beschreibt, an Universitäten sehr weit verbreitet ist – nicht nur in den USA, wie ich von dort lebenden Verwandten und Freunden bestätigt bekommen habe, sondern wie ich selber auch hier in Deutschland erlebe – aber Peterson übertreibt, zeichnet eine schwarz-weiße Welt und schürt gezielt Angst mit seiner Wortwahl. Er gießt damit nur mehr Öl ins Feuer, statt es löschen. Er tut selber das, was er den „Postmodernisten“ vorwirft: An seiner eigenen dogmatisch Ideologie festhalten und andere Ideen ausblenden.

Aber dass Peterson von akademischer Philosophie nicht allzuviel versteht und Schwierigkeiten damit hat zu reflektieren, haben die meisten spätestens bei seinem Auftritt im Podcast Waking Up von Sam Harris hoffentlich bemerkt. Das führt uns gleich zum nächsten Punkt.

3. Überschreiten der Kompetenzen und Desinformation

Peterson beklagt immer wieder, dass er als politischer Intellektueller oder Philosoph aufgefasst wird, was er aber weder wäre noch sein wolle. Er betrachte sich selber lieber als Psychologen und Theologen.

Es stimmt zwar durchaus, dass Peterson als klinischer Psychologe kein Experte für Politik ist – dennoch verhält er sich wie einer und wird entsprechend so wahrgenommen. Und er tut auch nichts dagegen. Er wurde schließlich durch die Kontroversen um Bill C16 berühmt und seine Kritiken an der Neuen Linke und Justin Trudeau. Auch kommentiert er aktiv politisches Tagesgeschehen auf Twitter und postete Videos während der Kongresswahl 2018 in den USA, in denen er zu den Demokraten Stellung bezog. Politik war und ist für Jordan Petersons intellektuelle Tätigkeit und seinen Ruhm essentiell. Wenn er also sagt, er wäre kein politischer Intellektueller, handelt es sich dabei entweder um eine Form von kognitiver Dissonanz oder um eine bewusste Lüge. Es wäre nur konsequent und ehrlich, wenn er entweder sich dazu bekennt ein politischer Aktivist zu sein oder sich bei der Politik zurückhält.

Peterson mag vielleicht etwas anderes behaupten, aber er inszeniert sich abgesehen davon auch gern als Universalgenie. Das kann man bereits in seinem Grundwerk Maps of Meaning sehen. Darin vermischt er Ideen aus Anthropologie, Philosophie, Psychologie, Politik und Theologie zu einer Weltformel – die allerdings an vielen Stellen mangelhaft ist, da sie judeochristlichen Mythen eine archetypische Universalität zuspricht, für die sich zahlreiche Gegenbeweise finden lassen. Dafür reicht es sich Asien oder die indigene Kulturen Südamerikas anzusehen – was Peterson natürlich eher verschweigt.

Jordan Peterson ist mit Sicherheit ein sehr kompetenter Psychologe, was man an dem Erfolg seiner Selbsthilferatschläge sehen kann – aber in vielen anderen Dingen ist seine Kompetenz eher gewöhnlich. Deshalb ist es so gefährlich, wenn er seine Kompetenz verlässt und für ihn fachfremde Themen kommentiert.

Weil viele Menschen positive Erfahrungen aus seinen psychologischen Ratschlägen ziehen (die oft sehr universell oder zumindest im Westen gültig sind), glauben sie, dass seine Ansichten auch in anderen Gebieten richtig sein müssten. Vor allem die radikalen Anhänger, die ihn regelrecht verehren, übernehmen dann oft unkritisch seine Meinungen und wollen seine Ansichten zu allen Aspekten des Lebens wissen. Entsprechend wird Jordan Peterson auch zu anderen Themen befragt – und statt wie ein perfekter Intellektueller sich über Themen, zu denen er wenig Expertise besitzt, auszuschweigen, gibt er zu allem eine Antwort. Meist bedient er sich dabei einer Rhorschachrhetorik, die seine Aussagen so formlos und vieldeutig macht, dass jeder alles reinintepretieren kann. Oft macht er aber auch klare Aussagen, die dafür dann umso fataler sind.

Das beste Beispiel sind  seine Ernährungsvorschläge. Fairerweise muss man anfügen, dass er zumindest hierbei selbst sagt, er wäre kein Ernährungsexperte – was ihn aber nicht davon abhält seine anekdotischen Erfahrungen auszubreiten, die von keinen wissenschaftlichen Studien unterstützt werden. So ernähren sich Dr. Peterson  und seine Tochter angeblich ausschließlich von Fleisch und preisen diese Diät öffentlich an. Seine Tochter verdient mittlerweile Geld damit, dass sie Menschen berät, wie sie auf diese aus Steaks bestehende Diät umsteigen. Abgesehen davon, dass es ökologischer und ökonomischer Sicht ziemlich unverantwortlich ist, seine Ernährung zum Großteil auf Fleisch aufzubauen, so muss man kein Ernährungswissenschaftler sein, um zu sehen, dass das kompletter Nonsens ist, denn die wissenschaftliche Studienlage dazu ist recht klar, während Peterson nur Anekdoten vorbringt. Absolut keine Kohlenhydrate zu essen, wie die beiden vorschlagen, ist laut dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Konsens gefährlich. Wenn man absolut keine Kohlenhydrate mehr zu sich nimmt, verfällt der Körper in einen Stoffwechselzustand namens Ketose, bei dem er die Kohlenhydrate durch das Auseinanderbrechen von Proteinen und Fetten gewinnt. Als Langzeitnebenwirkung dieses Stoffwechsels entstehen giftige Abauprodukte wie Aceton, die den ganzen Körper schädigen. Bei manchen Erkrankungen kann eine kurzzeitige ketogene Diät, die der von Peterson ähnlich ist, zwar laut einigen Studien tatsächlich hilfreich sein, aber langfristig und ohne ärztliche Kontrolle ist sie keine Lösung, sondern schlicht wahnsinnig. (Also eine Diät, die ausschließlich aus Fleisch besteht. Eine normale ketogene bzw. low Carb Diät ist je nach Studienlage relativ sicher und sogar mitunter gesund.)

Wobei Jordan Peterson bei seinem Auftritt bei Joe Rogan behauptete, 25 Tage lang nicht geschlafen zu haben, nachdem er einmal Cider getrunken und damit gegen seine Diät verstoßen hatte – dabei liegt aktuell der Weltrekord für die längste Zeit ohne Schlaf bei 11 Tagen. Also, entweder Peterson überdramatisiert und lügt mit seiner Diät, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, oder sie schadet ihm mittlerweile kognitiv.

Die Ernährungsratschläge sind sicherlich das extremste Beispiel, aber sie stehen exemplarisch für zahlreiche andere Themenfelder auf denen Jordan Peterson sich bewegt, ohne die Expertise dafür zu besitzen und daher auch oft veraltetet und wiederlegte Theorien verbreitet. Um nur einige zu nennen: seine Aussagen zu wirtschaftlichen Problemen, zu Gödels Unvollständigkeitssatz, zu Atheismus, zu Philosophie und zu sehr viel, was mit Politik zutun hat.

Ein aufrichtiger und ehrlicher Intellektueller würde zu Themen, mit denen er sich nicht auskennt, und vor allem bei so sensiblen Sache wie Ernährung und Politik, sich zurückhaltender zeigen oder sich zumindest gründlicher informieren. Bei Peterson bekomme ich zunehmend aber das ungute Gefühl, dass die Fähigkeit zur Reflexion mit dem steigendem Ruhm sinkt und die Anzahl der radikalen und polarisierenden Ansichten steigt.

 


Weiterführende Artikel:

https://leveret-pale.de/dr-jordan-peterson

https://www.theatlantic.com/health/archive/2018/08/the-peterson-family-meat-cleanse/567613/

https://www.psychologytoday.com/us/blog/in-excess/201307/celebrity-worship-syndrome

https://www.zeit.de/2018/52/jordan-peterson-hummer-gesellschaft-hierarchie-natur-menschen

https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/einflussreicher-psychologe-jordan-b-peterson-genie-oder-scharlatan

https://www.psychologytoday.com/intl/blog/hot-thought/201803/jordan-petersons-murky-maps-meaning


Dieser Artikel wurde von einem Laien erstellt und gibt nur meine persönliche, subjektive Meinung wieder. Auch wenn bei der Recherche größte Sorgfalt aufgewandt wurde, kann die Richtigkeit der darin enthaltenen Informationen nicht garantiert werden.

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Students for Solidarity im Interview

Am 24. November 2018 fand in der Friedrich-Schiller-Universität Jena die alljährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland statt. Wie bereits letztes Jahr regte sich gegen die Konferenz Protest und unter dem Namen Students for Solidarity formte sich eine Gegenkundgebung. Um die Ursachen des Konflikts aufzudecken, habe ich mit beiden Seiten gesprochen. Im Folgenden könnt ihr das Interview mit den Organisatoren der Students for Solidarity lesen.

Vielen Dank, dass Ihr euch die Zeit für das Interview nehmt. Wer sind die Students for Solidarity, wer steht dahinter und was sind eure Ziele?

Wir sind ein gruppenübergreifender, anlassbezogener Zusammenschluss bestehend aus in verschiedenen Kontexten organisierten, politisch aktiven Einzelpersonen. Wir sehen es als unsere Aufgabe, dem irreführenden Freiheitsbegriff der „Students for Liberty“ auf friedliche, demokratische Weise unser Verständnis von Freiheit entgegen zu halten. Für uns bedeutet Freiheit im Gegensatz zu den „Students for Liberty“ nämlich nicht Ausschluss von Gerechtigkeit. Aufrichtige Freiheit liegt in der gerechten Freiheit des/der anderen und somit in der Solidarität.[i]

Unser vorrangigstes Ziel ist es dabei, möglichst viele Menschen über die fragwürdigen, ideologischen Wurzeln der Students for Liberty aufzuklären.

Wer sind die Students for Liberty aus eurer Sicht?

Aus unserer Sicht handelt es sich bei den „Students for Liberty“ zuallererst um eine Organisation privilegierter Personen, denen es um den Erhalt bzw. die Verschärfung des eigenen Status quo geht und die entsprechend Ideen eines entfesselten Kapitalismus im Anschluss an die sozialfeindliche Ideologie des Libertarianismus[ii] vertreten und verbreiten. Bei Gesprächen mit ihren Anhängern und der Auseinandersetzung mit den ideengeschichtlichen Ursprüngen ihrer Organisation wird schnell ersichtlich, dass sie explizit eine andere Gesellschaftsform anstreben und grundlegende gesellschaftliche Errungenschaften für die Menschenrechte wie das Recht auf Wohnen, das Recht auf Nahrung oder aber auch das Recht auf Bildung grundlegend ablehnen. Man braucht nun absolut kein*e Sozialist*in zu sein, um die essenzielle Bedeutung dieses sozialstaatlichen, demokratischen Grundkonsens anzuerkennen. 

Dabei machen es sich die „Students for Liberty“ zu Nutze, dass der ursprünglich aus dem angloamerikanischen Raum stammende und dort auch populärere Libertarianismus im europäischen Raum noch wenig bis kaum bekannt ist und sie somit ihren pervertierten Freiheitsbegriff samt ultrakapitalistischer Interessen unter die Leute bringen können. Sie verbreiten bewusst Fehlinformation und versuchen die Öffentlichkeit zu blenden mit allgemein positiv besetzten, mehrdeutigen Forderungen wie denen nach „Frieden“ und „Freiheit“. Dabei geben sie sich auch als Graswurzelbewegung aus und verschleiern so, dass es sich bei ihnen um eine streng hierarchische Top-Down Organisation handelt, die von ihren höchsten Ämtern als „Leaders“ spricht. 

Sie missbrauchen die Begrifflichkeit absolut notwendiger, kritischer Auseinandersetzung mit den Zuständen in realsozialistischen Staaten um ihre sozialist*innenfeindlichen Vorstellungen zu verbreiten, im Zeichen des antikommunistischen Moments ihrer Ideologie. So deuten sie sich selber als die libertäre Speerspitze, als den logischen und einzig gerechtfertigten Gegenpunkt zum aus ihrer Sicht immer zutiefst negativen Sozialismus. 

Dabei setzen sie alle sozialen Bewegungen gleich und diffamieren Gewerkschaften, Mieterinitiativen, politische Gegner*innen etc. als „Gleichmacher“.

Kurz gesagt unterstellen wir den „Students for Liberty“, ideologisch den Klassenkampf[iii] von oben vorzubereiten. 

In eurem Aufruf kritisiert ihr konkret die Teilnahme des Professor Michael Dreyer aus Jena. Warum?

Bei unserer Kritik an Professor Dreyer geht es uns dezidiert nicht um ihn als Person, sondern darum, dass er sich scheinbar unkritisch ins Zeichen dieser doch klar auf Ideologiebildung abzielenden Veranstaltung stellt. Gerade ihm als Ideengeschichts-Professor, der auch bekannt ist für seine vielen wissenschaftlichen Reisen in den US-amerikanischen Raum, muss der schwer ideologische, menschen- und demokratiefeindliche Ursprung des Libertarianismus und der Unterschied zum Liberalismus vollkommen bewusst sein.

Von daher ist es uns absolut unerklärlich, wie er sich auf diese Gruppierung einlassen, dieser dadurch Legitimation verschaffen und dabei den Kontext seines Auftritts so völlig verkennen kann. Offensichtlich sieht er nicht, dass der humanistische Freiheitsbegriff Schillers, über den er dort referiert hat, für das ultrakpitalistische, eigentumszentrierte Weltbild der „Students for Liberty“ keinerlei Bedeutung hat, sondern er ihnen lediglich als Aushängeschild zwecks Prestige und Normalisierung dient.

Seine Argumentation, dass er auch genauso in anderen politischen Kontexten auftreten würde, halten wir aus oben genannten Gründen und der implizit antidemokratischen Agenda der Libertären für Augenwischerei.

Gerade weil wir ihn für eine ansonsten demokratische, wirklich liberale Person halten, ist er so zentraler Adressat unserer Kritik.

 

Bereits letztes Jahr gab es im Rahmen der damaligen Konferenz der SfL diverse Konflikte, weshalb die Konferenz dieses Jahr von Beginn an unter Polizeischutz stand. Was haltet ihr davon? Sollten in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft nicht auch die Students for Liberty, selbst wenn sie fragwürdige pro-kapitalistische Ansichten vertreten, das Recht haben ihre Meinung frei zu äußern, ohne Polizeischutz zu brauchen?

Selbstverständlich gilt auch für uns das Recht der Rede- und Meinungsfreiheit als fundamentales Prinzip. Auch wenn wir die „Students for Liberty“ und ihre Ideen als implizit menschenfeindlich ablehnen sollte es auch ihnen möglich sein ohne Polizeischutz zu tagen. Und genau da liegt auch der Punkt:

Wir haben von Anfang an klargestellt, dass es sich bei unserem Vorhaben um eine dezidiert friedliche Veranstaltung handelt. Weder haben wir den „Students for Liberty“ in irgendeiner Weise Gewalt angedroht, noch ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in Frage gestellt. Die Realität sieht sogar so aus, dass sie uns durchgehend verleumden, beschimpfen, zutexten und persönlich angehen. Unsere Persönlichkeitsrechte haben sie konsequent durch unerlaubtes Filmen und Fotografieren missachtet und unsere Kundgebung versucht zu stören bis zu dem Punkt, dass die anwesende Polizei intervenieren musste. Somit wird recht deutlich, wer hier wen versucht einzuschüchtern und wo der Unterschied liegt zwischen klassischem Liberalismus und der aggressiven Ideologie der Libertären.

Ihr kritisiert in eurem Aufruf, dass die Students for Liberty mit Rechtsradikalen aus der „Friedrich A. von Hayek – Gesellschaft“ vernetzt wären, und selber antifeministisch und rassistisch agieren würden. Allerdings spalteten sich genau deswegen 2015 die Liberalen von der damals zunehmend rechts werdenden Hayek-Gesellschaft ab und gründeten die Nous-Gesellschaft. Die führenden deutschen SfL-Mitglieder (wie zum Beispiel Rick Wendler) sind alle in der Nous, distanzieren sich also damit klar von den Rechten. Darüber hinaus setzten sich die Students for Liberty bei ihren Veranstaltungen und in ihrem Magazin Peace Love Liberty immer wieder für offene Grenzen, Frauenrechte, Antifaschismus und die Legalisierung von Drogen ein und verurteilen in dort publizierten Essays den Überwachungsstaat und Trumpwähler. Das wirkt ja eigentlich nach genau dem Gegenteil von dem, was ihr ihnen vorwerft. Wie erklärt ihr euch das?

Wir halten diese Distanzierungen seitens der „Students for Liberty“ für reine Lippenbekenntnisse. Zum einen sind nach wie vor Redner*innen der Hayek-Gesellschaft[iv] eingeladen und die Veranstaltung wird weiterhin durch eben diese auch gefördert. Zum anderen arbeiten sie unter dem Vorwand einer „liberalen“ Auseinandersetzung aktiv gegen Feminismus und Antifaschismus und versuchen diese in ihrer Bedeutung zu delegitimieren.

Außerdem muss man sehen, dass sowohl Drogenpolitik, Überwachungsstaat als auch Grenzpolitik ihnen vor allem deshalb ein Dorn im Auge sind, weil sie ihren eigenen ultrakapitalistischen Interessen zuwiderlaufen und nicht etwa wegen der tatsächlichen Bedeutungen für Individuen und Gesellschaft.

Tatsächlich verbirgt sich hinter den leeren Phrasen von „Frieden, Liebe und Freiheit“ eine krasse Ungleichheitsideologie, die auf Vorstellungen von der Ungleichwertigkeit der Menschen und der Durchsetzung der Privilegierteren fußt.

Die Eliminierung staatlicher Regelungen zwecks Zementierung des eigenen Lebensstandards auf Kosten der Schwächergestellten unserer Gesellschaft wird dabei zur obersten Maxime.

Vor diesem Hintergrund wird klar, warum es sich bei dem nach außen getragenen Image der „Students for Liberty“ um pure Verblendung handelt.

 

Rückblickend: Wie bewertet ihr eure Kundgebung am 24.11.2018? Konntet ihr eure Ziele erreichen und gab es irgendwelche Zwischenfälle? Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Ablauf unserer Kundgebung. Abgesehen von den vergeblichen Störversuchen seitens der „Students for Liberty“ konnten wir in Ruhe unsere Redebeiträge halten und waren sehr glücklich über die zahlreiche Unterstützung dabei, ein Zeichen zu setzen für ein solidarisches Freiheitsverständnis. Wir haben um die 50 Leute gezählt aus verschiedensten Gruppen und waren froh eine so bunte Menge erreichen und zusammenbringen zu können.

Wie wir konkret als Students for Solidarity in Zukunft auftreten werden, halten wir uns noch offen. Feststeht aber, dass wir auch weiterhin unter dem Namen Projekte starten werden. So schnell werden uns die „Students for Liberty“ nicht mehr los.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt die Fragen so ausführlich zu beantworten.

Foto: Dominik Itzigehl ( https://www.instagram.com/d.itzi/ )

Das Interview mit Rick Wendler, den Chairman der Students for Liberty, findet ihr unter folgendem Link: https://leveret-pale.de/students-for-liberty-im-interview

Das Interview führte Nikodem Skrobisz und wurde von zwei Organisatoren der SfS beantwortet, welche jedoch anonym bleiben wollen. Wer sich selbst ein Bild machen will von den Argumenten der Gegner und der Konferenz der Students for Liberty, der findet die Texte der Kundgebung auf der Facebookseite des Students for Solidarity: https://www.facebook.com/StudentsforSolidarity-1454873574642976/ und die Videoaufnahmen der Vorträge bald auf dem YouTube Kanal der Students for Liberty: https://www.youtube.com/channel/UCpEYEFggK3cUpeRsBmnRw .

 Worterklärungen:

[i] Solidarität:   Laut Duden das unbedingte Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele, und in der linken Bewegung die sich auf das Zusammengehörigkeitsgefühl und das Eintreten füreinander gründende gegenseitige Unterstützung.

[ii] Libertarismus: Politische und philosophische Strömung, die Ideologie umfasst, die alle an der negativen Freiheit als Ziel festhalten und vom Selbsteigentum als Grundlage ausgehen. Negativ meint damit „Frei sein von“, also vor allem frei sein von Unterdrückung und Reglementierung durch den Staat. Innerhalb der Libertären gibt es sowohl anarchokapitalistische Ideologien, die den Staat komplett abschaffen wollen, als auch diejenigen die ihn stark begrenzen wollen. Diese Ideologie ist vor allem in den USA weit verbreitet und hat viele Anhänger in der republikanischen Partei, wobei es auch eine Libertarian Party gibt, die nach den Demokraten und Republikanern die drittgrößte Partei in den USA ist.

[iii] Klassenkampf: Begriff aus dem Marxismus, der davon ausgeht, dass die Gesellschaft aus einer ausgebeuteten Arbeiterklasse und einer ausbeutenden Kapitalistenklasse besteht, deren Interessen antagonistisch sind und die sich daher gegenseitig bekämpfen. Laut Marx wird der Klassenkampf letztendlich zu einer Revolution der Arbeiterklasse führen, die dann im Kommunismus alle Klassenunterschiede aufhebt.

[iv] Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft: Nicht zu verwechseln mit der Friedrich August von Hayek-Stiftung für eine freie Gesellschaft oder der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung. Eine Organisation, die sich der akademischen Förderung und Vernetzung wirtschaftsliberalen Denkens verschrieben hat, allerdings in den letzten Jahren in einige Kontroversen geraten ist, weil prominente AfD-Politiker wie Beatrix von Storch, Mitglieder sind. 2015 spaltete sich die Stiftung und es entstand die Nous.


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Students for Liberty im Interview

Am 24. November 2018 fand in der Friedrich-Schiller-Universität Jena die alljährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland statt. Wie bereits letztes Jahr regte sich gegen die Konferenz Protest und unter dem Namen Students for Solidarity formte sich eine Gegenkundgebung. Um die Ursachen des Konflikts aufzudecken habe ich mit beiden Seiten gesprochen. Im Folgenden könnt ihr das Interview mit Rick Wendler, dem Chairman der Students for Liberty Deutschland, lesen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Magst du dich kurz vorstellen und deine Position bei den Students for Liberty erläutern?

Gern! Ich bin ursprünglich aus Berlin, habe hier in Jena und in Dublin Jura studiert und arbeite jetzt an meiner rechtsphilosophischen Doktorarbeit. Ich habe zusammen mit ein paar anderen vor gut zwei Jahren die Hochschulgruppe Students For Liberty Jena gegründet und bin zurzeit auch Vorsitzender der Students For Liberty Deutschland.

Welche Ziele verfolgen die Students for Liberty? Für welche Werte stehen sie ein und was unterscheidet sie von etablierten liberalen Organisationen, wie den JuLis und der FDP?

Wir verstehen uns selbst als Liberale und wollen Anlaufstelle für alle am Liberalismus Interessierten sein. Ein solches Interesse kann sehr vielseitig sein, vom klassisch Liberalen über den Neoliberalen, bis hin zum libertären Anarchisten. Liberalismus ist zwar vielseitig, aber deswegen nicht beliebig. Der Kernwert bei den Students For Liberty ist die individuelle Freiheit, also die Freiheit jedes einzelnen Menschen. Das hat natürlich politische, ökonomische und soziale Dimensionen.

Politisch gehören dazu beispielsweise Rechtsstaatlichkeit oder die Meinungsfreiheit – letztere nicht nur als Abwehrrecht gegen den Staat, sondern auch als ein liberaler Wert, der in der gesellschaftlichen Sphäre gepflegt werden muss. Das meint einen Diskurs, bei dem der Austausch von Argumenten im Mittelpunkt steht und der geprägt ist von gegenseitigem Respekt, um sich derart auf die Perspektive des Gegenübers einlassen und eventuell etwas lernen zu können. Das muss zumindest als Möglichkeit immer im Hinterkopf bleiben, wenn man sich mit anderen Menschen auseinandersetzt.

Ökonomisch meint das vor allem die Prinzipien der Marktwirtschaft. Es meint, dass wenn Menschen freiwillig miteinander kooperieren, das Wirtschaften kein Nullsummenspiel ist, sondern dass der Wohlstand aller Beteiligten steigt. Marktwirtschaft ist nicht nur die Ursache unseres Wohlstands und verantwortlich dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten in nie dagewesener Weise auf der ganzen Welt große Teile der Menschheit aus bitterer Armut entkommen sind. Sie ist auch wichtig als wirtschaftliche Freiheit, die den Menschen Autonomie und vielseitige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gibt. Das heißt nicht, dass es perfekte Märkte gäbe oder keine Probleme – aber ein System, das besser wäre als eines, das auf den Prinzipien der Marktwirtschaft basiert, ist schlicht nicht ersichtlich.

Gesellschaftliche Freiheit bedeutet für uns, grob gesagt, dass jeder sein Leben nach den eigenen Vorstellungen leben kann, so lange er damit niemand anderem einen unmittelbaren Schaden zufügt – egal ob als schwules Pärchen, als Hippie in der Kommune oder als traditionelle Familie.

Eine solche Freiheit ist unübersichtlich und herausfordernd. Sie ermöglicht keine einfachen Antworten und klaren Zielvorgaben. Manche sind von dieser Herausforderung auch überfordert und verfallen dann in antiliberale Reflexe. Um das zu verhindern und die Vorzüge der individuellen Freiheit zu verdeutlichen, engagieren wir uns als Students For Liberty.

Wir sind völlig parteiunabhängig, stehen also keiner Partei per se nahe oder sind gar organisatorisch angebunden – auch nicht an die FDP. Parteien haben grundsätzlich den Nachteil, dass sie an starre Strukturen gebunden sind und immer mit wenigstens einem Auge auf die nächste Wahl schielen müssen. Wir sind da freier. Wir können uns ganz unabhängig von äußerem Druck überlegen, welche Themen relevant sind und wie wir am besten unsere Mitmenschen damit erreichen können. Wir zielen auch nicht darauf ab, dass unsere Ideen unmittelbar in politische Maßnahmen umgesetzt werden, die dann anderen von oben herab diktiert werden. Wir wollen die Menschen in unserer Gesellschaft davon überzeugen, dass Liberalismus und individuelle Freiheit nichts sind, wovor man sich fürchten muss; dass sie niemals selbstverständlich sind und dass es sich lohnt, sich für sie einzusetzen. Deswegen setzen wir vor allem auf Bildungsveranstaltungen, wie Vortragsabende und Diskussionsrunden – oder eben unsere Konferenz, bei der wir einen ganzen Tag ein dichtes Programm mit vielen verschiedenen Formaten anbieten.

 

Warum findet eigentlich die jährliche Konferenz der Students for Liberty Deutschland eigentlich in Jena statt und was ist ihr Zweck?

Die Konferenz findet immer an wechselnden Orten statt. Für Jena sprach vor allem, dass wir hier eine große Lokalgruppe mit vielen aktiven Mitgliedern haben – denn so eine Konferenz zu organisieren ist schließlich viel Arbeit. Es hat uns aber auch gefreut, zum ersten mal eine Students-For-Liberty-Konferenz in Ostdeutschland abzuhalten, wo ja oft antiliberale Vorurteile noch weit verbreitet sind.

Wir wollen damit vor allem einen Austausch über unsere Ideen ermöglichen und dadurch auch neue Gedanken anstoßen. Bei uns können sich Gleichgesinnte und Interessierte treffen und gegenseitig inspirieren. Zu unseren Konferenzen kommen jedes Jahr junge Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und auch der Schweiz.

Was sagst du zu den Vorwürfen die Students for Liberty hätten Verbindungen zur rechtsextremen Szene, vor allem zur Identitären Bewegung und zur „Friedrich A. von Hayek – Gesellschaft“, zu der auch mehrere prominente AfD-Mitglieder, wie Alice Weidel und Beatrix von Storch, gehören? Und wie sieht es mit Rassismus und Antifeminismus in euren eigenen Reihen aus?

Wir stellen uns entschieden gegen jede Form des Rassismus, weil er in eklatantem Widerspruch zu unseren Werten steht. Wir haben uns in Veranstaltungen auch schon intensiv mit Rechtsextremismus in Deutschland auseinandergesetzt. Der Vorwurf, die Students For Liberty wären rechtsradikal oder hätten Kontakte zur rechtsextremen Szene, entbehrt jeder Grundlage. Mir ist kein einziger Kontakt und keine einzige Kooperation mit der identitären Bewegung bekannt. Das gleiche gilt für die AfD. Die Hayek-Gesellschaft gehört sicher nicht zur rechtsextremen Szene. Meines Wissens haben weder Beatrix von Storch noch Alice Weidel einen nennenswerten Einfluss in der Hayek-Gesellschaft. Aber der entscheidende Punkt ist, dass wir weder Frau von Storch, noch Alice Weidel, noch einen anderen AfDler zu unserer Konferenz eingeladen haben. Man versucht mit solchen vagen Verbindungen eine Nähe zu konstruieren, die tatsächlich nicht besteht. Ich finde außerdem, dass eine derartige Inflationierung des Rechtsextremismus-Vorwurfs sehr gefährlich ist. Man sollte nicht einfach alle, die eine andere Meinung haben, als Nazis beschimpfen. Das verharmlost nämlich die wirklichen Nazis und lässt die Menschen abstumpfen hinsichtlich tatsächlich gefährlicher Entwicklungen.

Wir sehen uns selbst auch nicht als „Antifeministen“. Aber die eigentliche Frage liegt etwas tiefer, denn es gibt nicht den einen Feminismus. Der klassische Feminismus, der die Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht forderte, ist urliberal und wird von uns bedingungslos unterstützt. Wir haben auch schon Veranstaltungen dazu organisiert, wie ein liberaler Feminismus heutzutage aussehen kann. Nun gibt es aber Leute im linken Spektrum, die eine alleinige Deutungshoheit für alle feministischen Fragen für sich beanspruchen. Dazu gehört in der Regel ein Glaube an das Patriarchat und an einen erbitterten Kampf zwischen den Geschlechtern. Es wird dann versucht, die Menschen zu spalten aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit. In dieser Gedankenwelt werden die Menschen in starr vorgegebene Kategorien eingesperrt, die der Vielschichtigkeit der individuellen Lebensentwürfe gar nicht gerecht werden können. Während das Geschlecht im klassischen Feminismus keine Rolle spielen sollte für die Rechte eines Menschen, wird es im linken Feminismus auf einmal zur alles bestimmenden Eigenschaft. Das Problem bei diesem Verständnis von Feminismus ist, dass er die Zugehörigkeit zur Gruppenidentität überhöht und damit anti-individualistisch ist. Denn die Frau wird dann nicht mehr als Individuum gesehen, das ihre ganz eigenen Präferenzen hat, sondern eben als Repräsentantin der Obergruppe „Frau“ die sich gefälligst an den linken Erwartungen zu messen habe. Es gibt sowohl Männer als auch Frauen, die Karriere machen wollen und das auch schaffen – oder eben auch dabei scheitern. Genauso gibt es sowohl Männer als auch Frauen, die andere Präferenzen haben und gar kein Interesse an einer strapaziösen Karriere haben. Wir finden, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, seinen ganz eigenen Lebensweg zu gehen – unabhängig vom Geschlecht. Wenn man den Menschen die Freiheit gibt, ihr Leben den eigenen Wünschen und Vorstellungen entsprechend zu führen, werden die Ergebnisse ganz unterschiedlich sein. Das ist aus liberaler Perspektive zu respektieren. Wenn alle Menschen aber gleich gemacht werden sollen, anstatt ihnen die gleichen Rechte zu geben, geht das nicht, ohne massiv in das Privatleben und die Freiheit der Bürgerinnen und Bürger einzugreifen.

Aber ein solche differenzierte Auseinandersetzung ist von jenen, die uns hier kritisieren, wohl nicht zu erwarten. Der Vorwurf war ja sogar, wie wären „Maskulinisten“. Das soll wohl heißen, wir würden Privilegien für Männer fordern. Das wurde behauptet ohne irgendeinen Beleg oder direkten Bezug. So etwas ist an Absurdität und Unredlichkeit kaum zu überbieten.

Die Students for Liberty sind eine internationale Organisation, die in den USA gegründet wurde und von dort aus koordiniert wird. Zu den größten Geldgebern gehören die Gebrüder Koch. Inwiefern werden die Students for Liberty dadurch beeinflusst weltweit us-amerikanische Wirtschaftsinteressen, vor allem von den von Erdöl profitierenden Koch Industries, durchzusetzen? Auffällig ist ja zum Beispiel, dass einer der Sponsoren der Konferenz EIKE e.V. ist, welche als Lobbygruppe der Klimaleugnerszene in Deutschland gilt.

Was sind denn US-amerikanische Wirtschaftsinteressen? Freihandelsabkommen, wie sie noch Obama vorangetrieben hat? Oder das Aufkündigen aller Freihandelsabkommen, wie es Trump tut? Die Frage – bzw. der Vorwurf, den sie aufgreift – krankt an einem besorgniserregenden Simplizissimus. Irgendwo im Verborgenen seien geheime Mächte am Werk, die die Geschicke der Welt lenken.

Es stimmt, neben vielen anderen hat auch die Charles Koch Foundation die US-amerikanischen Students For Liberty in ihren Anfangsjahren unterstützt. Ich wüsste aber schon nicht, inwiefern diese Stiftung explizit amerikanische Wirtschaftsinteressen propagiert – noch dazu bei der Zusammenarbeit mit einer Studentenorganisation innerhalb der USA. Die Koch Foundation setzt sich für viele gesellschaftspolitische Belange ein, so zum Beispiel für eine Reform des amerikanischen Strafjustizsystems angesichts eklatanter Probleme wie der überquellenden Gefängnisse. Außerdem ist Charles Koch selbst einer der entschiedensten und einflussreichsten Kritiker Donald Trumps. Aber auch an dieser Stelle sind unsere Kritiker nicht im Ansatz an einer differenzierten Betrachtung interessiert, sondern begnügen sich mit Plattitüden, wie „Eine amerikanische Stiftung? Das muss Imperialismus sein!“, solange sie nur die eigenen Vorurteile bedienen.

Ich habe es eben schon gesagt: Marktwirtschaft ist keine Verschwörung der US-Eliten, sondern der Weg aus der Armut für viele Milliarden Menschen auf der ganzen Welt. Unsere Freunde von den Students For Liberty Africa beispielsweise wären heilfroh, wenn sie mehr wirtschaftliche Freiheit und Zugang zu internationalen Märkten hätten und damit dem Dirigismus[i] der korrupten Autokraten entkämen.

Aber der ganze Vorwurf ist ohnehin eine Farce, denn in Deutschland haben wir nie finanzielle Unterstützung durch die Koch Foundation erhalten. Überhaupt – es wird von uns niemand bezahlt für das, was wir tun. In Deutschland engagieren sich bei Students For Liberty ausschließlich Studenten und das ausnahmslos ehrenamtlich. Es mag für die Linken vielleicht nur schwer vorstellbar sein, aber es gibt tatsächlich auch in Deutschland viele junge Menschen, die sich für den Liberalismus begeistern können und sich für diese Werte einsetzen wollen – ganz ohne finstere Mächte, die im Hintergrund die Fäden ziehen.

Dieser Glaube an Verschwörungstheorien, an verborgene Mächte, die aus dem Hintergrund alle Fäden in der Hand halten ist, ehrlich gesagt, beschämend. Teil dieser Verschwörung seien natürlich auch die Mont Pèlerin Gesellschaft oder die Friedrich-Naumann-Stiftung. Das ist das gleiche Argumentationsmuster, wie man es oft bei den Rechten findet. Mit haargenau den gleichen Ausführungen zieht ein Viktor Orban in Ungarn im Kampf gegen US-amerikanische Wirtschaftsinteressen gegen Stiftungen und Universitäten ins Feld, die von George Soros unterstützt werden. In dieser Hinsicht nehmen sich Linke und Rechte offenbar nichts.

Sie versuchen lediglich ihre eigenen Vorurteile zu reproduzieren und jeder der eine andere Meinung hat als sie, muss ein schlechter Mensch mit bösen Absichten sein. Dazu werden dann allerhand Schlagworte bemüht: neoliberal, rechtsradikal, faschistisch, rassistisch, antifeministisch. Ob davon tatsächlich etwas zutrifft ist ihnen auch ganz gleich. Denn wenn man sich einmal die Mühe macht, die Artikel zu lesen, die die „Students For Solidarity“ als Belege für ihre Behauptungen zitieren, findet sich darin nichts, was dem entsprechen würde. Es handelt sich stets um vage Anspielungen und aufgeblasene Halbwahrheiten, mit denen hier der Diskurs vergiftet wird.

Einen Einfluss auf den Inhalt unserer Konferenz in Jena oder unsere sonstige Arbeit hatte auch EIKE  offensichtlich nicht, wie man unschwer erkennen kann. Auch hier wird scheinbar nur versucht, ein möglichst abschreckendes Stigma zu erzeugen, ohne sich mit unseren Inhalten auseinanderzusetzen.

Bereits letztes Jahr gab es ja im Rahmen der damaligen Konferenz der SFL Konflikte mit dem StuRa der FSU und Probleme mit Demonstranten. Auch dieses Jahr fand eine Gegenkundgebung statt. Wie erklärst du dir diese offene und anscheinend nicht geringe Ablehnung? Wer sind die Demonstranten aus deiner Sicht?

Ich kenne davon niemanden persönlich, daher weiß ich nicht viel über sie – obwohl wir ihnen auch schon im vergangenen Jahr angeboten hatten, dass wir uns bei einem Bier zusammensetzen und die Sache respektvoll miteinander ausdiskutieren.

Sie definieren sich jedenfalls selbst als links und pflegen offenbar eine scharfe Freund-Feind-Unterscheidung. Jeder der nicht ihrer eigenen Ideologie anhängt ist für sie ein Feind und muss bekämpft werden – ganz egal ob es Liberale, Konservative oder wirkliche Rechtsextreme sind.

Dass sie uns Liberale als Feinde betrachten, sagt mehr über sie selbst aus als über uns. Wir haben beispielsweise Veranstaltungen gemacht, bei denen wir mit DDR-Zeitzeugen über ihre Erfahrungen im Sozialismus gesprochen haben. Oder wir informieren darüber, wie dank der Marktwirtschaft nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt der Wohlstand in noch nie dagewesener Weise gestiegen ist und in den letzten Jahrzehnten Milliarden von Menschen der Armut entfliehen konnten – während in sozialistischen Ländern die Entwicklung stagniert oder sogar eine Verelendung einsetzt, wie derzeit in Venezuela. Das bringt natürlich das Gedankengebäude jener, die uns da anfeinden, erheblich ins Wanken und sie wissen sich scheinbar nicht anders zu helfen, als Schimpf und Schande über uns auszuschütten. So waren auch die Texte der „Students For Solidarity“ überwiegend eine bloße Aneinanderreihung von haltlosen Verunglimpfungen. Es ist müßig, jeden dieser Vorwürfe zu entkräften, wenn der Gegenüber gar nicht an einem konstruktiven Diskurs interessiert ist.

Doch obwohl die Ablehnung dieser speziellen Szene tatsächlich nicht unerheblich ist, ist doch das Interesse an unseren Veranstaltungen in der Jenaer Studentenschaft erheblich größer. Wir haben regelmäßig abendliche Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, die mehr als 50 Gäste anziehen. Wir haben dieses Semester so viele Neumitglieder wie noch nie zuvor. Und zu unseren Konferenzen kommen jedes Jahr dreistellige Besucherzahlen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Es stimmt uns sehr positiv, dass unsere Arbeit insgesamt sehr gut angenommen wird und viele junge Menschen ebenfalls bereit sind, unsere Anliegen in ihrer knappen Freizeit zu unterstützen.

 

Rückblickend: Wie bewertest du die diesjährige Konferenz und die Ereignisse drumherum?

Wir hatten einen tollen Tag mit vielen interessanten Vorträgen und spannenden Diskussionen. Es haben sich neue Perspektiven auf alte Probleme eröffnet. Wir konnten sehr angeregt darüber diskutieren, unter welchen Bedingungen Wohlstand und Innovationen entstehen, was wir heute noch von Friedrich Schillers Freiheitsbegriff lernen können, welche Bedeutung Patente in einer freien Gesellschaft haben und vieles mehr. Ich freue mich, dass ich wieder einmal so viele tolle Menschen kennenlernen konnte.

Letztlich ist es schade, dass die Auseinandersetzung drumherum nicht auf einem angemessenen Niveau geführt werden konnte. Da aber alles friedlich geblieben ist, gehört das wohl schlicht zu den Herausforderungen einer liberalen Gesellschaft dazu.

Die Videos zu den Vorträgen und Podiumsdiskussionen werden bald auf unserem Youtube-Kanal zu sehen sein. Da kann sich dann jeder selbst ein Bild machen, wie „neoliberal-faschsitisch“ wir wirklich sind. Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast die Fragen so ausführlich zu beantworten.

Foto: Dominik Itzigehl ( https://www.instagram.com/d.itzi/ )

Das Interview mit den Students for Solidarity könnte ihr nachlesen: https://leveret-pale.de/students-for-solidarity-im-interview

Das Interview führte Nikodem Skrobisz und es wurde von Rick Wendler beantwortet. Wer sich selbst ein Bild machen will von den Argumenten der Gegner und der Konferenz der Students for Liberty, der findet die Texte der Kundgebung auf der Facebookseite des Students for Solidarity: https://www.facebook.com/StudentsforSolidarity-1454873574642976/ und die Videoaufnahmen der Vorträge bald auf dem YouTube Kanal der Students for Liberty: https://www.youtube.com/channel/UCpEYEFggK3cUpeRsBmnRw .

 

Worterklärungen:

[i] Dirigismus: Die vollständige zentrale Lenkung der gesamten Wirtschaft durch den (meist faschistischen) Staat mit dem Instrument der Planwirtschaft. Es werden also Produktion als auch Preise vom Staat diktiert und nicht von Angebot und Nachfrage.


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Warum der Islam kritisiert werden muss

Wer den Islam kritisiert, wird heutzutage schnell als islamophob, politisch unkorrekt oder als Rechter verschrien und mundtot gemacht. Dies ist jedoch nicht nur diametral zu einer vernünftigen Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern auch zu den Grundlagen der modernen westlichen und multikulturellen Gesellschaft, deren Existenz auf den Werten der Aufklärung, des Liberalismus und des Humanismus fußt. Zu diesen gehört nämlich nicht nur berechtigterweise die Religionsfreiheit, sondern auch die Säkularisierung, die Meinungsfreiheit und damit das aufklärerische Ideal sapere aude und die Möglichkeit und Pflicht, alles zu hinterfragen, zu diskutieren und zu prüfen. Sogar liberale Muslime üben daher mittlerweile Kritik an den europäischen Linken, die mit ihrer politischen Korrektheit berechtigte Kritiken am Islam an sich zu unterdrücken versuchen. [26]

Wenn wir nicht die Werte, die der Islam mit sich bringt, hinterfragen, dann geraten wir in Gefahr, dass unsere multikulturelle und liberale Gesellschaft scheitert, weil wir ignorant gegenüber seinen Schattenseiten werden und sie nicht richtig integrieren. Und die Schattenseiten des Islams sind extrem problematisch, da der Islam nicht eine Religion des Friedens ist, wie oft behauptet wird, sondern in seinem orthodoxen Kern eine totalitäre und kriegerische Ideologie.

(Abgesehen in der Form von reformierten Splittergruppen wie den Ahmadiyya, die zwar vor allem in Deutschland medial sehr präsent sind, aber auch dort eine Minderheit darstellen und lediglich ca. 1% der Muslime weltweit ausmachen, und deshalb nicht repräsentativ für die restlichen 99% sind, die sich zu den beiden orthodoxen Hauptströmungen bekennen. In diesem Artikel soll allerdings der Islam als Ideologie an sich kritisiert werden, nicht die Moslems.).

Doch um das zu verstehen, lasst uns erstmal einen Blick in den Koran, das heilige Buch des Islams, werfen. Denn wie kann man sonst einen unverfälschteren Eindruck von dem islamischen Denken bekommen, als durch den Text, welcher dessen Fundament und Zentrum bildet? Ich rate jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen will, sich selber ein Exemplar des Korans zu besorgen, um sich selbst von der Natur des Islams überzeugen zu können. Wenn man durch dieses Buch blättert, wird einem nicht nur die Redundanz und die aphorismenartige Schreibweise auffallen, man muss auch unweigerlich mehrmals innehalten, vor allem bei Passagen wie den folgenden, die leider auch durch den (hier fehlenden) Kontext, nichts Eindeutigkeit einbüßen :


Und tötet sie, (die Ungläubigen) wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie. So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.“ (Sure 2, Vers 192)

Eure Frauen sind euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld, wann und wie ihr wollt. “ (Sure 2, Vers 223)

Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, während es schlecht für euch ist. Und Gott weiß, ihr aber wisst nicht Bescheid.“ (Sure 2, Vers 217)

„Laßt also für Allahs Sache diejenigen kämpfen, die das irdische Leben um den Preis des jenseitigen Lebens verkaufen. Und wer für Allahs Sache kämpft, als dann getötet wird oder siegt, dem werden Wir einen gewaltigen Lohn geben.“ (Sure 4, Vers 74)

Und wenn die verbotenen Monate verflossen sind, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie trefft, und ergreift sie, und belagert sie, und lauert ihnen auf in jedem Hinterhalt. Bereuen sie aber und verrichten das Gebet und zahlen die Zakat, denn gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“ (Sure 9, Vers 5)

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Allah und Sein Gesandter verboten haben, und nicht die Religion der Wahrheit befolgen – von denjenigen, denen die Schrift gegeben wurde –, bis sie den Tribut aus der Hand entrichten und gefügig sind!“ (Sure 9, Vers 29)


Diese und viele weitere explizite Aufrufe zur Gewalt, zur Unterdrückung von Frauen, und zum Krieg gegen Ungläubige, finden sich im Koran, und lassen sich schwer anders interpretieren, als das was sie sind: Alles andere als friedlich. Hinzu kommt, dass im Islam der Koran einen extrem hohen Stellenwert hat und als direktes und unverfälschtes Wort Gottes verstanden wird, also kaum anders als wörtlich ausgelegt werden kann.

Wenn also Terroranschläge, Selbstmordattentate und Vergwaltigungen von Muslimen begangen werden, liegt das Problem nicht primär darin, dass diese Personen Fundamentalisten oder Extremisten oder psychisch Kranke sind, auch wenn das auch eine Rolle spielt. Extremisten einer friedlichen Religion wären ja extrem friedlich und selbstlos, so wie man es beispielweise bei buddhistischen Mönchen oder Anhängern des Jainismus beobachten kann. Wenn Muslime Krieg führen im Namen Allahs, dann liegt das daran, dass der Islam in seinem Kern kriegerisch ist, da ihr Begründer Mohammed ein Warlord war, und seine gläubigen Anhänger diesen kriegerischen Kern und den Glauben, wie er im Koran vorgeschrieben wird, ausleben und wie der Religionsstifter mit dem Schwert verbreiten wollen. Wer an den Islam glaubt und dem Koran konservativ befolgt und sein Leben nach dem von Mohammed ausrichtet, für den sind die Unterdrückung der Frau, das Töten von Andersdenkenden und Märtyrertum moralisch richtige Handlungen. Wer den Koran selbst liest, wird feststellen, dass es extrem viele geistige Verrenkungen und Auslassungen nötigt sind, um den Koran auch nur ansatzweise friedlich zu interpretieren.


Muslime und Islam

Doch leben Muslime wirklich nach dem Text?

Natürlich leben nicht alle 1,6 Milliarden auf diesem Planeten zurzeit lebenden Muslime den Koran wörtlich aus. Auch viele islamische Traditionen wie die Vollverschleierungen lassen sich daher nicht direkt im Koran ableiten, sondern haben sich im Laufe der Zeit aus der Intepretation des Buches ergeben. Die meisten Muslime wollen, wie die meisten Menschen, wahrscheinlich nur friedliche und gute Leben führen, allerdings ist die Zahl der sogenannten moderaten Muslime, die meist westliche Moralvorstellungen angenommen haben, viel geringer, als man in den Medien oft suggeriert bekommt. Imame wie Riza Akdemir [16], die liberale und tolerante Ansichten vertreten, sind leider noch immer Einzelfälle[17]. Im Gegenteil hat sich durch das Internet, die steigende Alphabetisierungsrate und die Migration der letzen Jahre die Radikalisierung von Muslimen weiter verstärkt. Seitdem immer mehr Muslime den Koran selber lesen und sich mit anderen über das Interent darüber austauschen können, verschärfen sich die Probleme. Das kann man zum Beispiel an dem jüngsten Wandel der Türkei von einem säkularen Staat zu einen islamischen Staat unter Erdogan sehen, oder an der zunehmend Verbreitung von Salafismus. Des Weiteren haben sich zwar viele Muslime in Europa nach außen mit den westlichen Werten assimiliert, aber sie tragen oft weiterhin ihre durch den orthodoxen Islam bedingten Vorurteile und regressiven Denkweisen weiter, womit sie fruchtbaren Boden für Extremisten bilden. Des Weiteren verhindern sie oft dadurch, dass sie den Koran als heilig und unantastbar verteidigen, dass berechtigte Islamkritik geübt werden kann.

Folgt man aktuellen und repräsentativen Umfragen, befürworten weltweit 70% aller Muslime (das sind 1,29 Milliarden Menschen) [1], dass das Sharia-Gesetz in ihrem Land Staatsgesetz sein sollte. Das Sharia-Gesetz ist eine sehr textnahe Auslegung des Korans, die sich darüber hinaus an dem kriegerischen Leben Mohammeds orientiert, wie sie auch der IS auf seinen Gebieten umsetzt. Es sieht die Todesstrafe für Homosexualität, Apostasie und Atheismus vor, während es zugleich Mehrfachehen erlaubt und Männern gestattet sich an unverschleierten Frauen sexuell zu ‚bedienen‘. Sogar in säkularisierten Ländern wie Großbritannien, befürworten mehr als 50% aller der dort lebenden Muslime eine Kriminalisierung von Homosexualität und rund 40%, dass das Sharia-Gesetz wichtiger sein sollte als das nationale britische Gesetz. [2] Auch in Deutschland befürwort ein Großteil der muslimischen Bevölkerung das Sharia-Gesetz, und es gibt sogar mehrere Fälle, in denen deutsche Gerichte daher islamisches Recht für ihre Entscheidungen miteinbezogen. [12]  Immer wieder kommt es allerdings auch zu Ehrenmorden, die dann von den Tätern mit dem Sharia-Gesetz begründet werden;  [15] und Ex-Muslime müssen selbst in Europa um ihr Leben fürchten, da der Koran die Apostasie unter Todesstrafe stellt. [19] Allgemein stimmt die Hälfte aller deutschen Muslime, der Aussage „Das Befolgen der Vorschriften meiner Religion ist für mich wichtiger als Demokratie“ zu. Und 29,9% aller deutschen Muslime können sich “gut vorstellen, selbst für den Islam zu kämpfen” und dafür ihr “Leben zu riskieren”. [14] Vor allem unter jungen Muslimen, sind noch  radikalere Tendenzen immer wieder zu beobachten. So befürworteten 8% aller muslimischen Schüler in Niedersachsen bei einer Umfrage 2016, die Handlungen des Islamischen Staats (IS). [13] Die Entstehung einer islamischen und damit menschenrechteverachtenden Paralleljustiz ist damit ein reales Problem, welches mit dem Islam auftritt.

Dennoch hört man immer wieder, vor allem in den Medien, von linken Ideologen und von Menschen, die sich nicht näher mit dem Islam beschäftigt haben, dass der Islam doch eine Religion des Friedens sei. Schließlich hat der Islam seine Wurzeln bei Abraham, so wie Judentum und Christentum, und ist doch eine Religion, deren Namen sogar übersetzt Frieden bedeutet. Und überhaupt, was ein Mensch privat glaubt, ist doch in einer modernen, multikulturellen und säkularen Gesellschaft egal, schließlich schadet er damit niemanden und hat durch die Religionsfreiheit das Recht auf seinen Glauben.

Das wäre schön so, entspricht aber leider nicht der Realität und ist damit utopisches Wunschdenken. Wer nämlich versucht den Islam mit dem westlichen Verständnis der Religion zu beschreiben, der hat den Islam und Religion nicht verstanden. Wenn wir im Westen von Religionen sprechen, und in dem Zuge auch von religiöser Freiheit, meinen wir damit das Konzept eines ethischen und spirituellen Weltbildes, welches dem Individuum einen Sinn innerhalb der Schöpfung gibt. Diese moralischen Systeme mischen sich in einer säkularen und liberalen Gesellschaft optimalerweise nicht signifikant in die Politik und das gesellschaftliche Zusammenleben ein und können als Privatsache betrieben werden. Dieses Konzept beschreibt sehr gut die traditionellen westlichen Religionen wie Judentum und das reformierte Christentum und auch viele östliche Denktraditionen wie den Buddhismus. Auch der Islam bietet wie diese Religionen ein spirituelles und ein moralisches Fundament für das Leben, allerdings auch viel mehr als das.

Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern auch eine totalitäre und politische Ideologie, die ihre Koexistenz mit westlichen Ideen wie Feminismus, Menschenrechte, Demokratie, Liberalismus und Atheismus aktiv verneint. Der Koran gibt klar vor, wie Staat und Alltag aufgebaut sein müssen, etwas was man in keiner anderen größeren Religion in dieser Form findet. Der Islam ruft aktiv zu der Bekämpfung von Andersdenkenden auf; er hat einen starken Konservatismus eingebaut, der sogar Veränderungen am Arabischen nicht erlaubt, und versucht das Leben seiner Anhänger und aller anderen totalitär zu kontrollieren. Der Islam verspricht Muslimen, die im Kampf gegen Ungläubige sterben, das Paradies. [10] Der Islam schreibt dem gläubigen Moslem nicht nur seinen Glauben vor, sondern sein ganzes Leben, welches allein dem Gehorsam gegenüber Allah und dessen patriarchalisch-theokratischen Gesellschaftsbild ausgerichtet sein soll. Dies zeigt sich bereits daran, dass der Religionsstifter Mohammed selber ein alles andere als friedlicher Kriegsherr war, der den Islam dazu benutzte, seine Anhänger zu indoktrinieren. Mit dem Schwert verbreitete er seinen Glauben und eroberte weite Teile des heutigen Nahen Ostens, um so das erste Kalifat zu schaffen, welches als Vorbild für den heutigen IS und die Rechtsprechung in Staaten wie Iran und Saudi-Arabien dient. Dieser Personenkult, der Reinheitswahn und die gewaltsame Expansion erinnern dabei stark an den Nationalsozialismus. Allein an diesen Staaten, deren Bevölkerung und Rechtssprechung islamisch ist, kann man die potentielle Grausamkeit des Islams gut erkennen:

Im Iran wurden seit der islamischen Revolution 1979 über viertausend Menschen wegen Homosexualität hingerichtet [8], und auch im Sudan, Jemen, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten droht Homosexuellen die Todesstrafe. In Saudi-Arabien werden Menschen, die sich nicht zum salafistischen Islam bekennen wollen, exekutiert. Alle Frauen müssen in der Öffentlichkeit bodenlange Gewänder und Kopftücher tragen. Generell belegen ausschließlich Islamische Länder die untersten 25 Plätze des Global Gender Gap Reports. [9] Nirgendswo sonst werden Frauen, Homosexuelle und Freidenker so stark unterdrückt, wie in den islamisch geprägten Teilen unseres Planeten. Kritiker des Islams und jene, die den Islam verlassen, müssen weltweit um ihr Leben fürchten [23], wie zum Beispiel der indische Ex-Muslim und Schriftsteller Salman Rushdie, der seit dem Erscheinen seines Romans „Die Satanische Verse“ 1989 unter Polizeischutz steht. Zuletzt erhöhten 2012 der Iran das Kopfgeld, welches jener Muslim erhält, der Rushdie tötet, auf 3,3 Millionen Dollar. Der Roman ist dabei nichteinmal ein direkte kritische Schrift gegen den Islam, sondern erzählt die Geschichte eines indisch-muslimischen Immigranten in Großbritannien, die vom Leben des Propheten Mohammed inspiriert ist. [21] 2015 wurden elf Menschen in den Redaktionsräumen des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo von Islamisten dafür erschossen, dass die Redakteure in satirischen Karikaturen den Propheten Mohammed dargestellt hatten. [22] Eine Ideologie, die auf Kritik und Satire mit extremer Gewalt reagiert, ist nicht vereinbar mit dem freiheitlichen Gedanken des Westens Dinge zu hinterfragen und einander und andere Meinungen zu tolerieren. Anbetracht der Tatsache, dass der Islam aufgrund der hohen Geburtenraten unter Muslimen in wenigen Jahrzehnten die dominierende Religion auf der Welt sein wird, ist das eine beunruhigende Entwicklung. Auch, dass islamistische Regime wie der Iran dabei sind, Atombomben zu entwickeln, ist besorgniserregend, da diese im Gegensatz zu der atheistischen Sowjetunion sich nicht davon abschrecken lassen werden, dass der Einsatz von Nuklearwaffen zu ihrer eigenen Vernichtung führen könnte – Märtyrer und muslimische Kollateralschäden kommen schließlich ins Paradies.

Das gibt der Tatsache, dass vor allem liberale Linke den Islam in Europa verteidigen, einen zynischen Beigeschmack, da sie zu den ersten gehören würden, die in einem islamischen Regime einer Steinigung zum Opfer fallen würden. Mittlerweile werden daher die europäischen Linken für ihre Politik der politischen Korrektheit von liberalen Muslimen kritsiert.


Islam im Vergleich zu Christentum und Judentum

Gegen diese Kriegstreiberei und die Opression argumentieren viele, dass auch das Christentum für Kriege verantwortlich war, und die kriegerischen Seiten des Christentums durch die Aufklärung beseitigt werden konnten. Der Islam auch noch früher oder später sich reformieren wird und dazu nur Toleranz und Zeit braucht.

Diese Argumente sind allerdings an sich nicht valid, da ob andere Religionen friedlich sind oder nicht, keinen Einfluss darauf hat, wie man den Islam moralisch bewertet. Nur weil andere Religionen oder Ideologien auch schlechte Seiten haben, heißt das nicht, dass man den Islam nicht für seine eigenen Schattenseiten kritisieren kann. Die Schattenseiten anderer Religionen sind Thema einer anderen Debatte. Da diese Argumente dennoch immer wieder auftauchen, möchte ich hier trotzdem kurz darauf eingehen.

Es stimmt zwar, dass das Christentum im Laufe der Geschichte immer wieder für Kriege instrumentalisiert wurde und an sich selber keine komplett friedliche Religion ist. Zweifelsfrei wurden viele Grausamkeiten von den Christen im Namen ihres Glaubens begannen.

Doch im Gegensatz zum Islam, besitzt das Christentum in seinem Fundament bereits das Potential die friedliche Religion zu werden, die es heute weitestgehend, dank vieler Kritiker und Reformatoren, ist. Zuerst war das Christentum zu Beginn bereits säkular und wurde erst durch die römischen Kaiser und später die Päpste zeitweise politisch, bemüht sich aber allgemein die Profane und Geistige Welt zu trennen und lehnt Theokratien als unchristlich ab. Der Islam hingegen wurde bereits von Mohammed politisch und theokratisch konzipiert.

Weder im alten, noch im neuen Testament finden sich darüber hinaus, abgesehen von einigen Seiten in den fünf Büchern Mose, Aufforderungen jemanden zu töten. Diese Forderungen werden aber auch jeweils von Gesetzmäßigkeiten des Talmuds und der Nächstenliebe-Maxim des Neuen Testaments weitestgehend wieder überschrieben. Im Judentum wird nämlich durch den Talmud das kritische Denken höhergehalten, als der reine Glauben. (Was dazu beiträgt, dass die jüdische Kultur überdurchschnittlich viele brillante Wissenschaftler hervorgebracht hat. Im Gegensatz zum konservativen Islam, ist das Judentum in seinem Kern stärker liberal ausgerichtet und versucht auch nicht aktiv durch Gewalt zu missionieren, sondern macht es im Gegenteil Konvertiten besonders schwer ein Teil der Religionsgemeinschaft zu werden. ) Und Jesus‘ Forderungen der Nächstenliebe stehen im definitiven Kontrast zu jeder Form von Gewalt, vor allem zu Mohammeds Aufrufen zu Mord, Vergewaltigung, absoluten Gehorsam gegenüber ihm und Märtyrertum, welches bereits zu seinen Lebzeiten abertausend das Leben kostete und noch heute bis zu solchen abartigen Grausamkeiten wie den Anschlägen vom 11. September führt. Ganz abgesehen davon, dass sich Jesus bzw. das Neue Testament aus politischen Sachen nahezu raushält und nicht die totalitären Ansprüche des Islams stellt.

Natürlich haben auch Christentum und Judentum trotzdem ihre Schwächen und Nebenwirkungen, weshalb wir im Westen zum Glück es geschafft haben unsere Staaten weitestgehend (wenn auch nicht komplett) zu säkularisieren und den Glauben ins Private zu drängen, wo er möglichst wenig Schäden anrichten kann. Dadurch können auch Atheisten sich leichter zu ihrem rationalerem Weltbild bekennen, da sie nicht befürchten müssen, verfolgt zu werden.

Der Islam lässt sich jedoch aufgrund seiner kriegerischen und totalitären Fundamente nur sehr schwer säkularisieren und aufklären, und hat damit mehr mit den beiden toxischen Ideologien Nationalsozialismus und Kommunismus gemein als mit Christentum. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir den Islam kritisieren und dekonstruieren, und als das entlarven, was er wirklich ist, so wie es die Aufklärer und Reformatoren mit dem Christentum taten. Wenn wir aus Gründen der Toleranz und politischen Korrektheit über die Fehler des Islams schweigen, wird es auch keine Reformen geben.

Und natürlich sind nicht alle Moslems gewalttätige Dschihadisten, aber auch nicht alle Nazis haben in Konzentrationslagern gearbeitet. Trotzdem würde niemand eine Existenzberechtigung des Nationalsozialismus damit rechtfertigen, dass es auch moderate Nazis gab, die nur ihre Heimat und ihre Familien verteidigen wollten und zwar Hitler verehrten, aber das ja nur eine Privatsache ist. Selbst wenn viele Moslems nicht nach den gewalttätigen und primitiven Prinzipien des Korans leben, so tragen sie zum Erhalt dieser menschenverachtenden Religion bei. Die wenigsten Muslime sind sich ihrer Fehler bewusst, sie glauben lediglich das Richtige zu tun, allerdings ist dieses aus humanistischer und liberaler Sicht nicht akzeptabel und muss angesprochen werden.

Eine Gesellschaft, die zurecht Mein Kampf und Hakenkreuze zensiert, eine Gesellschaft, die zurecht die Taten Stalins, Hitlers und Maos verurteilt; diese Gesellschaft kann nicht im gleichen Zug den Koran und den Antisemitismus, den Aufruf zu Gewalt und den Hass tolerieren, den der Islam beinhaltet. Das wäre nicht nur heuchlerisch und inkonsequent. Eine Gesellschaft, die zulässt, dass das regressive und gefährliche Gedankengut des Islams nicht hinterfragt wird, wird langfristig genauso enden, wie die Weimarer Republik, die den Antisemitismus, Aufruf zur Gewalt und den Hass der Nationalsozialisten tolerierte. Daher ist es wichtig den Islam zu kritisieren, um innere Reformen anzuregen. Denn mit der zunehmenden Ausbreitung durch Migration nach Europa und der hohen Geburtenraten in islamischen Ländern, stellt der aktuelle Islam damit neben dem wachsenden Rechtspopulismus die größte Bedrohung für die Zukunft einer freien und humanistischen Welt im 21. Jahrhundert dar. Statt immer wieder mantrahaft zu wiederholen, dass jeder glauben darf, was er will, und dass der Islam eine friedliche Religion ist, sollten wir Anbetracht der Tatsachen eine ernsthafte Debatte über unseren Umgang mit dem Islam beginnen. Und dann stellt sich die Frage, ob wir islamische Kindergärten und Islamunterricht an unseren Schulen als liberale und aufgeklärte Menschen befürworten können, oder ob wir nicht eher in den Schulen Ethik und Philosophie lehren sollten.

Wir dürfen allerdings dabei auch nicht den Fehler zu begehen, in Angst oder Hass auf dem Islam oder dessen Anhänger zu verfallen oder uns  durch scharfe Polizeigesetze, Überwachung und Politische Korrektheit selbst zu versklaven. Das beste, was wir tun können, ist durch Kritik und Analyse sowie Diskurs, die moralischen Verfehlungen des Islams und seine rückständigen Denkweisen anzugreifen, sodass die liberalen und aufklärerischen Kräfte in den muslimischen Gesellschaften an Rückhalt gewinnen. Die Migration und Integration vieler Muslime in Europa ist damit eine Chance, eine Reformbewegung innerhalb des Islams auszulösen und so die liberale Auslegung des Islams, wie sie zurzeit von einer moderaten Minderheit der Muslime praktiziert wird, stärker zu verbreiten, wie es bereits teilweise in den USA gelingt, weil eben Kritik nicht zensiert wird. (Auch wenn weitere Migration das Problem nicht an der Wurzel lösen und viele Probleme mit sich bringen wird). [18] Ein Lichtblick für eine zukünftige Entstehung es weltweit akzeptierten liberalen, menschenfreundlichen und nicht-totalitären Islams sind neue Reformbewegungen wie die säkulare Ahmadiyya-Bewegung[24] [25] oder Reformer wie der ehmalige Muslimbruder Hamed Abdel-Samad [23], die den Mut haben, trotz der Lebensgefahr, den Islam zu kritisieren und so zu dessen Selbstaufklärung beizutragen. Der Islam mag zwar in seinem Kern kriegerisch sein, aber es bedeutet nicht, dass keine Möglichkeit besteht, dies zu ändern. Der erste Schritt zur Verbesserung ist aber immer die Anerkennung des Problems.

Und dafür muss Kritik geübt werden dürfen.

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Und hier noch eine Grafik, die das Problem von Toleranz gegenüber dem Islam sehr schön veranschaulicht: https://i.redditmedia.com/SZT187klyb00UNlabxpbFw8qLNMgchQ5mS2l-5I99eI.jpg?s=b57e3763ddc4cb1c30fac31a9707bf17

 

Wobei hierzu wichtig ist anzumerken, dass Popper nicht Zensur befürwortete, sondern damit die liberale Redefreiheit begründete. Solange wir uns trauen mit Argumenten und rationalen Debatten gegen Intoleranz und gefährliche Ideologien vorzugehen, und uns nicht selber mit Politischer Korrektheit zensieren, brauchen wir auch nicht mit Gewalt (und das wäre unter anderem Zensur) dagegen vorzugehen, vor allem weil diese sehr schnell eskalieren und auch die Falschen treffen kann.

Quellen:

Bildquelle Von Dying Regime from Maldives – Protest calling for Sharia in Maldives, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38161912

: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_public_demonstration_calling_for_Sharia_Islamic_Law_in_Maldives_2014.jpg

Restliche Quellen:

[1] http://www.pewresearch.org/fact-tank/2017/08/09/muslims-and-islam-key-findings-in-the-u-s-and-around-the-world/ (abgerufen am 14.05.2018)

[2] https://www.theguardian.com/uk-news/2016/apr/11/british-muslims-strong-sense-of-belonging-poll-homosexuality-sharia-law (abgerufen am 14.05.2018)

[3] https://www.telegraph.co.uk/news/uknews/1510866/Poll-reveals-40pc-of-Muslims-want-sharia-law-in-UK.html (abgerufen am 14.05.2018)

[4] Die Bibel https://amzn.to/2ImWV84

[5] Der Koran https://amzn.to/2wCDFlH

[6] https://www.youtube.com/watch?v=DpkvNbQjjCM (abgerufen am 14.05.2018)

[7] http://www.spiegel.de/panorama/justiz/homosexualitaet-unter-strafe-iran-will-18-jaehrigen-trotz-falscher-vorwuerfe-hinrichten-a-710753.html (abgerufen am 14.05.2018)

[8] https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-11/iran-homosexualitaet-fs (abgerufen am 14.05.2018)

[9]  http://www3.weforum.org/docs/WEF_GGGR_2017.pdf (abgerufen am 14.05.2018)

[10] https://www.thereligionofpeace.com/pages/quran/suicide-bombing.aspx (abgerufen am 15.05.2018)

[11] https://www.youtube.com/watch?v=LfKLV6rmLxE (abgerufen am 15.05.2018)

[12] https://www.welt.de/politik/deutschland/article13845521/Scharia-haelt-Einzug-in-deutsche-Gerichtssaele.html (abgerufen am 15.05.2018)

[13] https://www.crash-news.com/2018/01/11/islamisierung-in-deutschen-klassenzimmern-viele-muslimische-schueler-fordern-scharia/ (abgerufen am 15.05.2018)

[14] https://www.nzz.ch/feuilleton/zeitgeschehen/radikaler-islam-sympathisanten-des-terrors-ld.83821 (abgerufen am 15.05.2018)

[15] https://www.welt.de/vermischtes/article174477644/Laupheim-Vater-von-niedergestochener-17-Jaehriger-verweist-auf-Scharia.html (abgerufen am 15.05.2018)

[16] https://youtu.be/SSgdW_F9BiI (abgerufen am 15.05.2018)

[17] https://youtu.be/I0dRCzs1hvs?t=9m44s (abgerufen am 15.05.2018)

[18] https://www.youtube.com/watch?v=HrcwdQ5LeqU (abgerufen am 15.05.2018)

[19] https://www.youtube.com/watch?v=3-XXQV3mZlg (abgerufen am 15.05.2018]

[20] https://www.youtube.com/watch?v=wd8BhusSF7c (abgerufen am 15.05.2018]

[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Salman_Rushdie (abgerufen am 15.05.2018)

[22] https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_Charlie_Hebdo (abgerufen am 15.05.2018)

[23] https://www.zeit.de/2017/40/islamkritik-reformen-liberal-bedrohung (abgerufen am 16.05.2018)

[24] https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya (abgerufen am 16.05.2018)

[25] http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wofuer-stehen-die-ahmadiyya-muslime-in-deutschland-15170663.html (abgerufen am 16.05.2018)

[26] https://www.deutschlandfunk.de/samuel-schirmbeck-liberale-muslime-weltweit-sind-von-linken.886.de.html?dram:article_id=429722