Vom Schreiben und Polarisieren – April Nierose im Interview

Wer sich auf Instagram in der deutschen #tomorrowsauthors-Szene bewegt, kommt um April Nierose nicht herum. Vor allem in Instastories von jungen Autorinnen taucht immer wieder ihre erfolgreiche Buchreihe „Verfall“ auf. Bei den Planet Awards Berlin 2018 kürten sie die Leser zur Autorin des Jahres. Im Interview erzählt die erfolgreiche Selfpublisherin wie sie zum Schreiben kam, warum sie polarisiert und was wir in Zukunft von ihr erwarten können.

Wann und warum hast du mit dem Schreiben angefangen?

Lesen und schreiben konnte ich bereits in einem Alter von vier Jahren, aber dass es mir Spaß macht, eigene Geschichten zu verfassen, erkannte ich deutlich später. Ich dürfte zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich im Rahmen einer Hausaufgabe einen kurzen Aufsatz schreiben sollte. Ich schrieb drauf los und plötzlich waren es fünf Seiten geworden, ohne dass ich es merkte. Das ist etwas, was mir bis heute noch immer und immer wieder passiert.

Etwa in dieser Zeit entstanden einige Figuren, die man heute in abgewandelter Form in Verfall wiederfindet und die ersten Ideen zum Plot. Allerdings habe ich erst mit 17 Jahren begonnen, die Geschichte niederzuschreiben und das völlig frei Schnauze. Ich kannte weder Ratgeber noch Schreibtipps. Hätte ich sie gekannt, hätte ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sofort das Interesse am Schreiben verloren, denn Regeln ersticken meine Kreativität.

Es war nicht mein Plan oder mein Wunsch, eine gefeierte Autorin zu werden oder überhaupt zu veröffentlichen. Viel eher brauchte ich ein Ventil, um meine Konflikte mit mir selbst auszutragen und um meine Wut in eine nicht destruktive Richtung zu lenken. Ehe ich mich versah, hatte ich die heutigen Bände 1 und 2 der Verfall-Reihe sowie einen groben Entwurf vom heutigen Band 3.

Dein Pseudonym „April Nierose“ ist ein Anagramm auf Polarisieren. Inwiefern polarisierst du?

Das ist eine Eigenschaft, die mir in der Jugend oft zugeschrieben wurde. Das Pseudonym an sich entstand aus einem Zufall heraus, als ein Kumpel, dem ich zuvor berichtet hatte, dass mir kein Pseudonym einfalle, auf die Idee kam, alle Begriffe, die er mit mir in Verbindung brachte, in einen Anagramm-Generator einzugeben. Dann schickte er mir seine Ergebnisse und ich wählte meinen heutigen Künstlernamen aus der Liste aus. Im Nachhinein bin ich froh darüber, diese Entscheidung getroffen zu haben, denn diese polarisierende Wirkung habe ich mit meiner Protagonistin aus Verfall tatsächlich gemeinsam. Entweder mögen Menschen mich oder sie können mich nicht leiden. Erfahrungsgemäß erlebe ich keine neutralen Reaktionen, weder auf mich selbst noch auf meine Bücher. Womöglich dachte der Kumpel bei dem Begriff „polarisieren“ auch an mein ganz junges Ich, das versuchte, sich in der Grundschule für die Abschaffung christlicher Symbolik im Klassenraum einzusetzen und die Lehrerinnen in den Wahnsinn trieb, weil es der Ansicht war, dass sie sich unfair verhielten. Somit habe ich früher auch mit meinen Handlungen tatsächlich stark polarisiert. Heute hält sich diese Eigenschaft eher in Grenzen.

Worum geht es in deiner Romanreihe „Verfall“?

Das ist vermutlich die schwierigste Frage, die man mir stellen kann, denn die Reihe ist noch nicht abgeschlossen und würde ich jetzt verraten, worauf alles hinauslaufen soll, würde ich spoilern. An erster Stelle kristallisierte sich für mich bereits bei den ersten Überarbeitungen heraus, dass ich Action und Charakterentwicklung in meinen Büchern bevorzuge. Damit greife ich auf die typischen Eigenschaften von Thrillern und Romanen zurück, die sich in der literarischen Praxis beinahe zu widersprechen scheinen.

Es geht um Ereignisse, die viele Fragen aufwerfen sowie um eine komplexe Situation, die aus einem Verbrechen heraus entstanden ist. Es geht aber auch um das, was derartige Ereignisse mit den Menschen machen. Verfall handelt somit von Liebe und Hass, Freundschaft und Intrigen, eben von allem, was uns Menschen bewegt. Im Zentrum steht meine Protagonistin Hanna, die versucht, auf ihre Weise mit den vergangenen und neu eintretenden Ereignissen zurechtzukommen.

Du hast die Reihe „Verfall“ als Selfpublisherin veröffentlicht. Warum hast du dich für diesen Weg entschieden und willst ihn beibehalten?

Obwohl ohne Verlag veröffentlicht, geht die Verfall-Reihe begleitet von zahlreichen begeisterten Rezensionen bald in die vierte Runde

Die Entscheidung, Selfpublisherin zu werden, traf ich aus eigenem Entschluss. Ich habe mich bisher bei keinem einzigen Verlag beworben. Mir wurde relativ früh klar, dass ich viele fachlich verbreitete Ansichten zwar nicht ablehne, doch in meinen eigenen Büchern für untragbar halten würde. Im Internet fallen mir oft Phänomene auf, die ich als bürokratische Verkrustung beschreiben würde. Es wird ein einziger richtiger Weg propagiert, was aus meiner Sicht dem Kunstverständnis widerspricht. Würde ich einen Verlagsvertrag unterschreiben, dann wüsste ich nicht, was auf mich zukommt, ob man versuchen würde, mir als Autorin meine künstlerische Freiheit auf Kosten besserer Vermarktbarkeit zu nehmen. Wenn das passieren würde, befände ich mich in einem ständigen Kriegszustand mit dem entsprechenden Verlag, müsste meine Werke verteidigen und das aus einer unterlegenen Position heraus. Zumindest sieht mein Worstcase-Szenario so aus. Natürlich kann es auch anders kommen, aber das Risiko wäre mir mit einer Buchreihe einfach zu groß.

Dann gibt es noch die Tatsache, dass ich – und das ist eine charakterliche Angelegenheit – ungern um etwas bitte, sondern durch mein eigenes Engagement etwas erreichen will.

Oft stresst es mich, für alles verantwortlich zu sein, was meine Bücher betrifft, denn treten Fehler auf, kann ich mich hinter niemandem verstecken. Aber auf der anderen Seite genieße ich genau das, weil die Erfolge einzig und allein meine Leistung spiegeln und nicht das geschickte Marketing eines Verlags.

Von daher möchte ich diesen Weg möglichst beibehalten, auch wenn ich dadurch nur wenige Leser erreiche.

Du bist als Autorin vor allem sehr auf Instagram aktiv (ähnlich wie ich). Warum hast du dich ausgerechnet für diese Plattform entschieden und was macht Instagram insbesondere für Autoren interessant?

Tatsächlich war es eine persönliche Vorliebe für diese Plattform. Ich mag Facebook einfach nicht, obwohl es aus Sicht einiger Autoren wesentlich besser für das Marketing geeignet sein soll als Instagram und ich dort nach langem Ringen mit mir selbst sehr positive Erfahrungen gemacht habe.  

Was mir vor einigen Jahren bei Instagram im Verlauf meiner privaten Nutzung aufgefallen ist, war die Größe der Autoren- und Lesercommunity, also habe ich kurzerhand nach dem Entschluss, meine Bücher zu veröffentlichen, eine Instagram-Seite angelegt. Ich schätze Instagram wegen der einfachen Bedienung sowie der Verknüpfung von Bild und Text. Man kann dort hervorragend Zitate aus den Büchern posten, die den potenziellen Lesern ein Gefühl dafür vermitteln sollen, worum es in meinen Büchern in etwa geht. Zugleich kann man mit der Community kommunizieren. All diese Funktionen sind für mich sehr wertvoll, wenngleich diese auch von Facebook geboten werden. Im Idealfall sollte man vermutlich beide Medien und weitere Plattformen darüber hinaus verwenden, um eine möglichst große Leserzahl zu erreichen.

Woran arbeitest du zurzeit?

Zurzeit überarbeite ich Band 4, der mehr oder weniger fertig ist, schreibe an Band 5 sowie an einigen anderen Projekten, die nichts mit der Verfall-Reihe zu tun haben.

Was können wir in der Zukunft von dir an Büchern und Projekten erwarten? Hast du schon Pläne, über die du etwas verraten willst?

Es werden auf jeden Fall noch einige Verfall-Bände kommen. Parallel nehmen andere Projekte Form an, bei denen es sich um Einzelbücher handeln soll. Ich bin an einem Punkt, an dem ich etwas Neues ausprobieren möchte, auch wenn ich dadurch die sichere Komfortzone der vertrauen Verfall-Reihe verlassen würde. In meinem neuesten Projekt, das noch nicht weit fortgeschritten ist, geht es um einen Serienmörder – mehr möchte ich vorerst nicht verraten. Meine weiteren Bücher werden weiterhin einen hohen Thriller-Anteil beinhalten, denn ganz ohne Blutvergießen möchte ich nicht arbeiten, aber ich möchte auch weiterhin dem Fokus der Charakterentwicklung treu bleiben.


Da bin ich sehr gespannt drauf. Vielen Dank April für dieses Interview. 🙂

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Nikodem Skrobisz

Nikodem Skrobisz, auch unter seinem Pseudonym Leveret Pale bekannt, wurde am 26.02.1999 in München geboren. Er ist als Journalist und Schriftsteller tätig und hat bereits mehrere Romane und Kurzgeschichten publiziert, die meist philosophische und gesellschaftliche Themen behandeln. Zurzeit ist er Vorstandsmitglied des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V.. und studiert Kommunikationswissenschaften und Psychologie. Halbprivate Einblicke gibt es auf Instagram

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