Kratom mit synthetischen 7-Hydroxymitragynin versetzt?

Vor kurzem erschien eine Studie im „Journal of Medical Toxicology“ , welche zu der Schlussfolgerung kommt, dass viele kommerzielle Kratomprodukte mit synthetischen 7-Hydroxymitragynin versetzt sein könnten.

Über Kratom habe ich bereits einen Artikel und sogar ein ganzes Buch verfasst, weshalb ich hier nicht mehr ausführlich darauf eingehen werde, was Kratom genau ist.

Kratom wird in Europa und den USA kommerziell in der Regel in der Form von Pulver verkauft. Seine Wirkung, vor allem der Opium-ähnliche Effekt in hohen Dosen, wird primär durch das Kratomalkaloid 7-Hydroxymitragynin verursacht.

Für die Studie haben Wissenschaftler verschiedene kommerzielle Kratompulver erworben und ihren 7-Hydroxymitragyningehalt mit dem von natürlichen, unverarbeiteten Kratomblättern verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass sehr viele der gekauften Pulver eine viel, viel höhere Konzentration an dem psychoaktiven, aber auch abhängigmachenden Alkaloid 7-Hydroxymitragynin enthielten, als die rohen Blätter.

Daraus lässt sich schließen, dass Kratom möglicherweise heutzutage oft mit synthetischen Kratomalkaloiden versetzt wird, um es überhaupt vermarktbar zu machen, da natürliches Kratom einfach zu inpotent ist, um als Rauschdroge dienen zu können.

Das würde auch erklären, warum Kratom vor zwanzig Jahren noch unbekannt war und jetzt extrem populär wird, und auch warum es in den Opiumkriegen keine relevante Rolle spielte, obwohl es, zumindest heutzutage, in der Lage wäre, Opium ernsthafte Konkurrenz zu machen.

Allerdings hat Thailand bereits 1943 Kratom verboten, weil es der thailändischen Opiumproduktion tatsächlich Konkurrenz machte, also scheint bereits Kratom damals zumindest ähnlich potent gewesen zu sein, wie heute. Die Synthese von 7-Hydroxymitragynin war damals noch nicht möglich, ganz abgesehen davon, dass eine Verschwörung, die seit damals jede Kratomproduktion mit synthetischen Alkaloiden versetzt hat und noch immer versetzt, unrealistisch ist.

Des Weiteren gibt es gesicherte Berichte über die Verwendung von Kratom seit Jarhunderten in Südostasien.

Anderseits könnte bei Kratom der gleiche Effekt aufgetreten sein, wie bei Cannabis und seinem aktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol. Der THC-Gehalt von Cannabis lag vor rund 80 Jahren noch im Durchschnitt bei 5 – 15 %, heutzutage sind Sorten mit 18-25%, wie z.B.: White Widow oder Blue Dream, sehr weit verbreitet und dominieren den Markt. Durch die starke Kommerzialisierung und Industrialisierung von Kratom, könnten die Sorten potenter geworden sein. Es erscheinen auch immer wieder neue Kratomsorten und Kreuzungen, wie z.B.: Kratom mit gelben Venen oder Borneo Kratom mit gezackten Blättern, die es beide vor zwei Jahren noch nicht auf dem Markt gab.

Doch es könnte auch möglich sein, dass das Kratom gar nicht mit 7-Hydroxymitragynin versetzt wird und auch noch nicht durch Züchtung potenter geworden ist. Das wäre auch etwas unwahrscheinlich, da der Syntheseaufwand es möglicherweise unrentabel machen würde und eine solche Hochzüchtung ein langwieriger Prozess ist. Des Weiteren hat der Autor dieses Textes Kontakt zu einigen indonesischen Kratombauern und konnte darüber nichts über eine Versetzung von Kratom mit synthetischen Mitteln, noch eine gezielte Ausselektion minderpotenter Kratombäume herausfinden.

Es könnten den Forschern zwei Fehler unterlaufen sein, und auch wenn sie beide sehr unwahrscheinlich sind, sind sie die  plausibelsten Erklärungen, die der Autor dieses Artikel finden kann:

Erstens gibt es viele sogenannte Enhanced oder Super Sorten von kommerziellen Kratom, insbesondere in den USA, wo die Studie durchgeführt wurde. Bei diesen wird das Kratompulver mit Kratomextrakten versetzt, um es potenter zu machen, sodass der Konsument weniger von dem ekelhaft schmeckendem Kratom konsumieren muss. Vielleicht haben die Forscher bei ihren Untersuchungen nicht zwischen den puren Kratomsorten und den „verbesserten“ unterschieden. Von Letzteres gibt es logischerweise viel mehr Variationen, von etwas verstärkten bis hin zu sehr stark versetzten. Ob differenziert wurde, geht aus der Studie leider nicht hervor, aber falls nicht differenziert wurde, dann ist der Fall recht einfach gelöst.

Zweitens variiert der Alkaloid bzw. Mitragyningehalt von Kratom extrem stark je nach Wind, Regenfall, Luftfeuchtigkeit, Jahreszeit und vieler anderer Faktoren. Wenn man in Foren nachliest, wie zum Beispiel dem LdT, in denen Kratomkonsumenten sich austauschen, erfährt man recht schnell, dass die Potenz der Ernten extremen Schwankungen unterliegen kann. Dieselbe Kratomsorte kann in einem Monat hochpotent und im nächsten kaum mehr als wirkungsloses Pflanzenmaterial sein. Mittlerweile gehen viele Kratomhändler gegen diese Schwankungen vor, indem sie mehrere Erneten mischen, um eine ausgeglichene und konstante Wirkung zu erzielen. Möglicherweise waren die Vergleichsdaten der Forscher von einer minderpotenten Ernte. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass seriöse Wissenschaftler eine derartige Schwankung nicht beachten würden, weshalb man davon ausgehen kann, dass in der Studie ein solider Durchschnittswert verwendet wurde.

Es könnte auch sein, dass die Ergebnisse der Studie das Resultat aller der genannten Faktoren sein könnten. Ich werde auf jeden Fall ein Auge auf dem Thema behalten und euch informieren, sobald etwas neues hierzu erscheint.

Die Studie findet sich unter diesen Links:

Link zur Studie: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13181-016-0588-y

und bei PubMed: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27752985

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