Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (3) Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte Prinzip

Das Zielorientierte-Pragmatische Prinzip ist das zweithäufigste Konsummuster in der westlichen Gesellschaft. Hierbei werden Drogen nicht zum Spaß oder um geistig zu wachsen benutzt, sondern als Werkzeuge, um bestimmte objektive, langfristige Ziele zu erreichen. Klassische zielorientierte Drogen sind Schmerzmittel und Stimulanzien, die genommen werden, um leistungsfähig zu bleiben und ein relevantes Ziel zu erreichen.

Diese Anwendung ist in den meisten Fällen als akzeptabel anzusehen, da sie nicht zu Konformität und Unmündigkeit verleitet und die Nutzen in der Regel die Risiken überwiegen.

Als weitverbreitetes Beispiel kann man hier den Konsum des Stimulans Koffein anführen, welches übrigens die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz der Welt ist. Koffein erhöht die Leistungsfähigkeit, Konzentration und Ausdauer, sodass der Konsument in der Lage ist, mehr Arbeit in kürzerer Zeit und effektiver zu verrichten. Auf der körperlichen Seite, belastet es den Kreislauf und die Nebennieren, aber verursacht keine gravierenden körperlichen Schäden. Das größte Risiko bei Koffein ist, dass es körperlich abhängig macht, weshalb man es nicht jeden Tag konsumieren sollte, sondern nur, wenn es absolut nötig ist, da der Konsument sonst irgendwann nicht mehr in der Lage ist, ohne die Substanz zu funktionieren, was ihn unfrei macht und von vielen unangenehmen und hinderlichen Nebenwirkungen begleitet wird. Neben den Entzugserscheinungen sind die Begleiterscheinungen bei Koffeinabhängigkeit Reizbarkeit, Nervosität, Herzklopfen, Schlafstörungen und schneller Herzschlag. Psychisch ist Koffein bei moderaten Konsum ebenfalls relativ sicher. Erst bei regelmäßigen Konsum erhöht es, wie alle Stimulanzien, das Psychoserisiko. Die Nutzen-Risiken-Bilanz ist also bei unregelmäßigen Konsum höher, als bei absoluter Abstinenz und als beim regelmäßigen Konsum.

Weitere zielorientierte Drogen können andere Stimulanzien wie Methylphenidat, Amphetamin und Kokain sein, oder auch sogenannte Nootropika, Substanzen wie Modafilin, Phenibut und Kratom, die die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Psyche erhöhen. Wie immer, sollte man den Konsum möglichst geringhalten und nur betreiben, wenn es situationsbedingt absolut nötig ist z.B.: wenn man eine Arbeit innerhalb kürzester Zeit verfassen muss, oder, wenn man ein Soldat im Krieg ist, der für einen strategischen Vorteil drei Tage ohne Schlaf durchstehen muss, während er sich durch ein feindliches Gebiet kämpft. (Dies wurde zum Beispiel von der Wehrmacht beim Blitzkrieg und den U.S. Streitkräften im Vietnamkrieg praktiziert, indem man den Soldaten Methamphetamin gab, was sie aggressiver und leistungsfähiger machte). Allerdings sollte es bei dem situationsbedingten, unregelmäßigen Konsum bleiben und nicht zu einem täglichen oder hedonistischen Konsum ausufern, da dies zur Sucht und damit zu mehr Schaden, als Nutzen führen kann und damit selbstzerstörerisch und irrational ist.

Ein weiteres Anwendungsgebiet des Zielorientierten Prinzips ist die Medizin, in der z.B.: Narkotika verwendet werden, um Operationen sicherer und schmerzlos durchführen zu können. Dies ist in der Regel rational und ethisch absolut in Ordnung, da das Wohlergehen des Patienten damit sichergestellt wird. Allerdings muss natürlich auch hier je nach Situation abgewogen werden, ob es sinnvoll ist bestimmte Substanzen zu verwenden oder nicht.

Ein umstrittenes Gebiet ist hier besonders die Psychiatrie, in der häufig mit Drogen/Medikamenten lediglich die Symptome einer Störung unterdrückt werden, allerdings oft auf Kosten des langfristigen Wohlergehens des Patienten und ohne auf die eigentlichen psychologischen Ursachen der Probleme einzugehen.

Einen Schizophrenen mit Neuroleptika ruhigzustellen, ist für die Ärzte und sein Umfeld einfacher, schneller und billiger, als ihn mit einer langwierigen und anstrengenden psychoanalytischen Behandlung zu kurieren. Allerdings führt die Behandlung von Neuroleptika auf Dauer zu einer Degeneration des Gehirns und nicht selten zu einer Verschlimmerung der Symptome beim Absetzen der Mittel. Ähnliches lässt sich über die Behandlung von unruhigen Kindern mit ADHS durch Methylphenidat sagen. Hier werden die Erwartungshaltungen der Gesellschaft durch chemische Methoden auf ein Kind forciert, welches sich der Konsequenz noch gar nicht bewusst sein kann. Dies führt häufig dazu, dass diese Kinder unfreiwillig abhängig werden von Medikamenten und starke Nebenwirkungen entwickeln, an denen sie mehr leiden, als an dem nüchternen Anderssein.

In Fällen von echten psychischen Beeinträchtigungen, wie wirklich stark ausgeprägtem ADHS, ist es natürlich sinnvoll und sogar wegweisend, entsprechende Medikamte zu nehmen.

Auch ist die tendenziell immer häufigere und leichtsinnige Verschreibung von Antidepressiva anzuführen und kritisch zu betrachten, bei denen eine der häufigsten Nebenwirkungen Suizid ist.

Psychopharmaka sollten in der Psychiatrie nur dann eingesetzt werden, wenn es unausweichlich ist.

Hier muss man daher die tendenzielle Herangehensweise der modernen Psychiatrie verurteilen sofort und immer häufiger, ohne Alternativen abzuwägen, Medikamente zu verschreiben. Dies macht den Patienten häufig, statt ihn wirklich zu kurieren, zu einem Abhängigen, bei dem lediglich die Symptome unterdrückt werden, so dass er für die Gesellschaft noch vom Nutzen ist, aber er nicht mit sich selbst ins Reine kommen kann.

Ähnliches muss man aber auch denjenigen Individuen vorwerfen, die sich selbst mit Drogen behandeln. Wer zum Beispiel an einer Sozialphobie leidet und, statt diese zu konfrontieren und für alle Zeit zu überwinden, sich mit Beruhigungsmitteln selbsttherapiert, der verschlimmert diese Phobie auf Dauer nur und stürzt sich selbst in eine Abhängigkeit. Ergo er handelt langfristig gesehen selbstzerstörerisch und damit irrational.

Generell ist der Einsatz von Drogen im Zielorientierten Prinzip oft der Weg des geringsten Widerstandes, um ein Problem zu lösen, aber auch häufig der, der langfristig gesehen eher schadet als nützt. Zielorientierter Konsum ist nur akzeptabel und rational, wenn er die beste mögliche Option darstellt.

Hier geht es weiter mit Teil 4

 

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