Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (2) Das Hedonistische Prinzip

Das Hedonistische Prinzip

Das am weitesten verbreitete Prinzip des Drogenkonsums in der modernen westlichen Gesellschaft ist das Hedonistisch-Soziale. Das Motiv des Drogenkonsums ist hier das Erreichen von Freude, und das Vergessen von Sorgen und, aber nicht zwangsläufig, die Sozialisierung mit anderen Individuen. Dies wird auch häufig betrieben, um Gruppenzwang zu entsprechen oder um Schwächen zu kompensieren oder um sich in Feierstimmung zu versetzen, was aber alles letztendlich auch auf das Ziel Freude heruntergebrochen werden kann.

Das Individuum strebt also primär schnelles Glück und Freude an, und konsumiert entsprechend primär euphorisierende Drogen.

(An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass, entgegen eines weitverbreiteten Irrglaubens, nicht alle Drogen euphorisierend und betäubend wirken. Vor allem im Psychonautischen Spektrum findet man viele Drogen, wie z.B.: Salvinorin A[i], die dysphorisch und psychedelisch wirken.)

Die am häufigsten konsumierte und markanteste der hedonistisch genutzten Droge ist in den Industrienationen kulturell bedingt Ethanol/Trinkalkohol in Form von Wein, Bier und Spirituosen, weshalb dessen Betrachtung am geeignetsten ist, um das hedonistische Prinzip zu veranschaulichen.

Ethanol betäubt die Sinne, versetzt den Konsumenten in ein angeheitertes Delirium, bei dem er mit steigender Berauschung die Kontrolle über seine Handlung verliert. In diesem Zustand ist er nicht in der Lage klar zu denken und neigt zu emotionalen Ausbrüchen, was sich unter anderem daran widerspiegelt, dass 40% aller Gewalttaten in Deutschland von alkoholisierten Tätern begangenen werden.[ii] Dieser Zustand hat, abgesehen von Euphorie und der verstärkten Sozialisierung mit anderen Berauschten, die aber auch nüchtern erreicht werden können, keinen erkennbaren Mehrwert. Des Weiteren schadet Alkohol der persönlichen Entwicklung und kann einen Menschen unmündig machen, da es ihn vergessen lässt, was ihn an sich selbst und seinem Leben missfällt, statt ihn damit zu konfrontieren oder die Kraft zu geben sein Leben zu verändern. Wie alle euphorisierenden und betäubenden Drogen, verleitet Ethanol zur Konformität und Akzeptanz von Missständen. Wer das Glück einfach aus der Flasche kriegen kann, ist prinzipiell weniger daran interessiert Glück und Erfolg durch harte Arbeit zu erringen. Sich selbst mithilfe einer Substanz glücklich zu machen, ist Selbstbetrug, da man eigentlich nichts getan hat, worüber man glücklich sein könnte. Des Weiteren senkt ein einziger Vollrausch die Leistungsfähigkeit für mehrere Wochen und erhöht die Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken signifikant.

Auf der körperlichen Seite verursacht dieses Mittel als Zellgift bereits in nicht berauschenden Dosierungen Schäden im gesamten Körper des Konsumenten, was sich daran wiederspeigelt, dass allein in Deutschland jedes Jahr 74.000 Menschen an den Folgen von Ethanolkonsum sterben. Hinzu kommt, dass Ethanol als GABA-errege Droge körperlich abhängig machen kann und ein hohes Sucht- und Abhängigkeitspotenzial besitzt. Dieses hohe Abhängigkeitspotential wird durch die hohe kulturelle Akzeptanz und Integration der Substanz in den westlichen Industrienationen abgemindert, trotzdem gibt es allein in Deutschland 9,5 Millionen Menschen, die einen problematischen Ethanolkonsum aufweisen, von denen ungefähr 1,3 Millionen abhängig sind.[iii] Der Entzug bei Alkoholabhängigkeit kann mitunter tödlich verlaufen.

Wenn man nun den Nutzen und die Risiken des Ethanolkonsums miteinander abwägt, so stellt man fest, dass die Risiken und Schäden an Körper und Geist sehr hoch sind, der Konsum aber keinen langfristigen Nutzen oder Mehrwert für die persönliche Entwicklung hat, sondern lediglich einige Stunden sinnloser Euphorie und Verwirrung bescheren kann. Ähnlich verhält es sich mit anderen, rein hedonistischen Drogen, wie Tabak und Heroin und auch mit der hedonistischen Verwendung von tendenziell zielorientierten Drogen wie Kokain oder psychonautischen wie Cannabis. Immer besteht ein hohes Risiko von Sucht, körperlicher Degeneration und moralischer und willentlicher Korrumpierung.

Manch einer mag hierauf gegenargumentieren, dass gelegentlicher und mäßiger hedonistischer Konsum zur Erholung vom Alltagsstress für die psychische Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden förderlich sei. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Trugschluss. Die von Opioiden, Ethanol oder anderen Drogen verursachte Euphorie fühlt sich zwar subjektiv erholend an, stellt aber immer eine zusätzliche objektive Belastung für das Nervensystem dar und untergräbt auf Dauer damit die Stressresistenz des Individuums. Für das allgemeine Wohlbefinden ist absolute Abstinenz von Drogen in der Regel am förderlichsten.

Ein weiteres, starkes Argument, welches hedonistischen Konsum befürwortet, ist, dass dieser häufig enthemmend wirkt und so bestimmte soziale Interaktionen überhaupt erst ermöglicht. Auch ist er ein Teil der westlichen Kultur und des Soziallebens, den man, wenn man daran teilhaben will, nur schwer übergehen kann. Aus rationaler Sicht aber, wäre es für ein Individuum und die Gesellschaft psychisch und gesundheitlich besser, wenn auf euphorisierende Drogen verzichtet werden würde und die Menschen lernen würden, sich selbst ohne chemische Hilfe zu überwinden und daran zu wachsen. Und, jeder kann willentlich entscheiden, ob er nüchtern oder nicht nüchtern am Sozialleben teilnimmt. Beides ist möglich, weshalb es rational gesehen nicht zwingend notwendig ist Ethanol und andere Drogen zu konsumieren.

Die reinrationale Schlussfolgerung hieraus ist also, dass man diese Drogen beziehungsweise das gesamte hedonistische Prinzip, meiden sollte und Drogen niemals aufgrund von Gruppenzwang oder zum Spaß nehmen sollte, da dies Missbrauch von Drogen ist, der mehr schadet, als nützt.

Hier geht es weiter mit Teil 3

 

[i] Bronwyn Kivell, Zeljko Uzelac, Santhanalakshmi Sundaramurthy, Jeyaganesh Rajamanickam, Amy Ewald, Vladimir Chefer, Vanaja Jaligam, Elizabeth Bolan, Bridget Simonson, Balasubramaniam Annamalai, Padmanabhan Mannangatti, Thomas E. Prisinzano, Ivone Gomes, Lakshmi A. Devi, Lankupalle D. Jayanthi, Harald H. Sitte, Sammanda Ramamoorthy, Toni S. Shippenberg, :

Salvinorin A regulates dopamine transporter function via a kappa opioid receptor and ERK1/2-dependent mechanism,

Neuropharmacology, Volume 86, November 2014, Pages 228-240,

ISSN 0028-3908,

http://dx.doi.org/10.1016/j.neuropharm.2014.07.016.

 

[ii] Laut der Webseite der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und den Polizeilichen Kriminalstatistiken 2012, veröffentlicht vom Bundesministerium des Inneren (BMI); Stand: Oktober 2016

 

[iii] Quelle: Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), veröffentlicht im Rahmen des Weltdrogentages 2010

 

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