Die Ethik des rationalen Drogenkonsums (1) Einleitung

Die Ethik des rationalen Drogenkonsums

Teil 1 von 6: Einleitung

Der Konsum von psychoaktiven Substanzen/Drogen ist Teil fast jeder Kultur, egal ob es sich dabei um indigene Völker, religiöse Vereinigungen oder die moderne Gesellschaft handelt. Die einen konsumieren Drogen, um mit ihren Vorfahren in Verbindung zu treten, andere aus historischen und kulturellen Gründen oder des puren Genusses wegen. Dabei wird der Drogenkonsum je nach Substanz und Weltbild verschieden moralisch bewertet. Während für die Indianer Nordamerikas zum Beispiel der meskalin- und antibiotikahaltige San Pedro Kaktus ein Sakrament darstellt, mit dem sie Krankheiten heilen und spirituelle Erfahrungen induzieren, ist dieser und sein aktives Alkaloid Meskalin in den meisten westlichen Ländern ein verpöntes und illegales Halluzinogen. Mormonen dürfen keine abhängig machenden Drogen nehmen, und damit auch kein Kaffee, Tabak oder Alkohol konsumieren, dafür ist Mormonentee, hergestellt aus der Ephedrapflanze, deren Wirkstoff nah verwandt mit Amphetamin ist, ein fester Bestandteil ihrer Glaubensgemeinschaft. Im Islam ist der Konsum sämtlicher berauschender und benebelnder Drogen, insbesondere Alkohol, verboten, während im Christentum Wein und Myrre eine wichtige Rolle spielen. Im Amerika und Großbritannien des 19. Jahrhunderts war Opium eine Massendroge, die überall erhältlich war und von Millionen von Menschen konsumiert wurde. Im darauffolgenden Jahrhundert wurde sie verboten. Wie man sehen kann, ist die Herangehensweise an Drogen von Kultur zu Kultur und von Zeitgeist zu Zeitgeist verschieden und unterliegt starken Schwankungen.

Im Folgendem wird versucht, den Konsum von Drogen frei von kulturellen oder ideologischen Vorurteilen ethisch und rational zu bewerten. Ausgeklammert sind dabei der Drogenerwerb und -besitz, sowie die daraus resultierenden Fragen bezüglich der Rechtslage und des Ursprungs der Drogen. Es geht in diesem Essay ausschließlich um den Konsum und seine Folgen für den Konsumenten und ob es für den Konsumenten rational ist überhaupt und wenn ja, unter welchen Umständen, Drogen zu konsumieren.

Zu berücksichtigen ist bei der ethischen Betrachtung des Drogenkonsums, dass man differenzierend vorgehen muss. Nicht für jede Substanz und jedes Individuum und jedes Motiv und jeden Einzelfall lassen sich universelle Regeln anwenden, weshalb der Leser und Konsument dazu angehalten wird, stets selber nachzudenken und seine Urteile demnach zu fällen, statt sich dogmatisch an Idee von Autoritäten zu orientieren.

Generell kann man sich aufgrund rationaler Überlegungen darauf einigen, dass Drogenkonsum immer eine Belastung für die Psyche und den Körper des Konsumenten darstellt und daher nach Möglichkeiten vermieden werden sollte. Es gilt also herauszuarbeiten, wann Drogenkonsum gerechtfertigt werden kann und er so sinnvoll ist, dass sein Nutzen die negativen Effekte und Risiken überwiegt. Dazu muss man sich ansehen, welche Arten von Drogen es gibt und wann und wozu sie genommen werden.

Die Varietät der Motive und der Arten von Drogen scheint auf den ersten Blick unüberschaubar. Wenn man allerdings genauer betrachtet, warum Menschen Drogen nehmen und dies vergleicht mit der Art der Drogen, die sie nehmen, sowie deren Wirkung, so kann man drei Muster erkennen. Diese drei werden hier Prinzipen genannt, namentlich das Hedonistisch-Soziale, das Zielorientierte-Pragmatische und das Psychonautisch-Erforschende, auch wenn es zwischen den drei Prinzipien Überschneidungen gibt. Im Folgenden werden wir uns mit den einzelnen Prinzipien beschäftigen.

Hier geht es weiter zu Teil 2

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