Gereon Sand im Interview

Wenn ich ehrlich bin, lese ich persönlich wenige noch lebende deutsche Autoren (es sind vielleicht ein, zwei Dutzend, was im Verhältnis zu meinem Bücherkonsum eine verschwindend geringe Menge ist) – denn die Kollegen aus dem englischsprachigen Raum sind heutzutage nicht nur den Deutschen in der Quantität, sondern leider in der Regel auch in der Qualität und Originalität überlegen. Ob das an unserem langweiligen Deutschunterricht, der die meisten jungen Autoren vergrault, liegt oder daran, dass bei den Amerikanern Creative Writing sogar ein studierbares Fach ist, werde ich aber ein anderes Mal behandeln. Heute soll es um einen Autor gehen, der weder Nietzsche, Hesse, Mann noch Fallada heißt, also noch lebt, und mich trotzdem begeistern kann. Zu den wenigen lebenden deutschen Autoren, die ich gerne lese, gehört Gereon Sand, der bisher drei Romane veröffentlicht hat.

Es freut mich daher besonders, dass ich die Gelegenheit hatte Gereon persönlich zu interviewen.

1. Gereon Sand, Du gehörst zu meinen liebsten deutschsprachigen Autoren, allerdings befürchte ich, dass Dich die meisten Leser noch nicht kennen. Möchtest Du vielleicht dich und deine Bücher kurz vorstellen?

Na klar, wenn Du mich so nett fragst :). Ich bin 47 Jahre alt, arbeite in einem technischen Beruf, manage dort Projekte und schreibe in diesem Kontext häufig Fachkonzepte und Benutzerdokumentationen. Zudem mag ich von Kindesbeinen an fantastische Welten, was sich u.a. in Pen&Paper-Rollenspielen, Trading-Card-Games, MMORPGs sowie zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romanen in meinem Bücherregal niederschlägt.

Im Jahr 2011 ergab sich eine Gelegenheit, meine Arbeitszeit zu reduzieren und trotzdem noch eine Familie zu ernähren (ich bin verheiratet und habe 3 Kinder). Die dadurch gewonnene Zeit darf ich nach Rücksprache mit meiner Familie zum Schreiben einsetzen, wofür ich unendlich dankbar bin und was mir unglaublich viel Spaß macht. Ich hoffe, dass sich ein wenig davon in meinen Romanen widerspiegelt.

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2. Gereon Sand ist ein Pseudonym. Warum verwendest Du es und wie bist Du darauf gekommen?

Der Schriftsteller bei der Arbeit … oder so ähnlich sieht es vermutlich aus, wenn auch mit Computer und elektrischem Licht, wenn Gereon Sand schreibt. So genau werden wir das vielleicht nie erfahren, denn der Autor möchte in der Öffentlichkeit unerkannt bleiben.

Ich wollte einfach nicht, dass man meinen Echtnamen googlet und dann als erstes auf meine Bücher stößt. Das Pseudonym ermöglicht mir, meine Rollen als Familienvater, Angestellter und Autor so voneinander zu trennen, wie ich es für angemessen halte. Zudem ist mein Echtname vergleichsweise sperrig und schwer zu merken.

An dem Pseudonym „Gereon Sand“ mag ich den Klang der Worte, den leicht zu merkenden Nachnamen (der im Englischen und im Deutschen die gleiche Bedeutung hat) sowie die Assoziationen, die der Name mit sich trägt. Sand poltert nicht und fällt nicht. Stattdessen zerrinnt er zwischen den Fingern, durchläuft unerbittlich den Trichter der Sanduhr, rieselt leise und unbemerkt in alle Ritzen.

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3. Was bedeutet das Schreiben für Dich?

So viel, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Ich bin seit jeher ein kreativer Mensch, was sich z.B. in (hochnotpeinlichen!) Gedichten aus meiner Teenagerzeit, dem Songwriting für diverse Rockbands oder Inhalten für MMORPGs (z.B. Roleplaying-Servern) niederschlägt.

Merkwürdigerweise bin ich nicht nur kreativ, sondern auch ziemlich diszipliniert. Ich freue mich daran, wenn Dinge ihre Ordnung haben und manage meine beruflichen und privaten Projekte mit Herzblut und Leidenschaft. Ich mag es, auf ein Ziel hinzuarbeiten, Sachverhalte zu optimieren und aus gegebenen Rahmenbedingungen das Beste herauszuholen.

Das Schreiben vereint für mich Kreativität und Ordnung in einer ganz wundervollen Weise. Die Figuren meiner Romane agieren in einem Universum, das „gemanaget“ werden will. Aus ihrer Interaktion und ihren Eigenheiten ergeben sich immer wieder unvorhergesehene Dinge (Kreativität!), die aber stimmig sein und zum Universum passen müssen (Ordnung!). Ich mag dieses Zusammenspiel sehr und genieße das Privileg, Zeit dafür investieren zu dürfen.

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4. Wie läuft bei dir der Prozess von der Idee bis zum fertigen Buch ab? Wie arbeitest und veröffentlichst Du? Wie findest Du Inspiration?

Oh weh, so viele Fragen auf einmal 🙂

Als ich mit Rasmus angefangen habe, gab es lediglich eine grobe Vorstellung von den Fähigkeiten der Propheten, ansonsten keinerlei Material über Annstein und die Mittlande … und insbesondere keinerlei Ahnung, wie der Roman enden sollte. Die einzigen Charaktere, die zu Beginn des Romans existierten, waren Rasmus, Flemming und Stella; ein Exposée, eine Kapitelstruktur oder auch nur ein Konzept für einen Handlungsstrang gab es nicht. Mit anderen Worten: falscher kann man es eigentlich nicht machen :).

Letztendlich hat mich die sich in jedem Kapitel verändernde Erzählperspektive gerettet. Nachdem ich Grubb, Nalissa, Keshar, Milan und Tjark eingeführt hatte, gab es eine über viele Monate andauernde Phase, in der der Roman sich wie von alleine schrieb. Die Charaktere erwachten zum Leben, während sie die Welt durch ihre Augen betrachteten, entwickelten Eigenschaften, interagierten, wodurch sich neue Situationen ergaben, die wiederum Interaktion erforderten, die wiederum zu neuen Situationen führte … und so ging es immer weiter. Längst lassen sich Haupt- und Nebencharaktere nicht mehr eindeutig trennen, Gut und Böse nicht mehr voneinander abgrenzen. Wenn ich drei Protagonisten nennen müsste, die mir am meisten ans Herz gewachsen sind … ich müsste sehr lange überlegen.

Natürlich forderte diese spontane Vorgehensweise ihren Preis. Im dritten Band, der derzeit lektoriert und in 2018 veröffentlicht wird, hatte ich einige Mühe, die Handlungsfäden, die sich aus der „spontanen“ Interaktion der Protagonisten ergaben, wieder zusammenzubinden. So umfasst der dritte Band von Rasmus nur einen einzigen (ziemlich blutigen) Tag … und er ist dabei nicht kürzer als seine beiden Vorgänger.

Gereon Sands neuster Roman „Marie“ spielt in der Zukunft und zeigt die Gefahren der technologischen Entwicklung nach dem Motto: „Share your life, share it live!“

Mit „Marie“ habe ich meine Arbeitsweise umgestellt. Sowohl zu „Marie“ als auch zum vierten Band von Rasmus, an dem ich derzeit schreibe, existierten Exposée und Kapitelstruktur von Beginn an, so dass z.B. das Ende, auf das der Roman hinarbeitet, schon vor der ersten Zeile feststand. Beide Arbeitsweisen, die spontane und die durchgeplante, haben Vor- und Nachteile bzw. ihre Daseinsberechtigung. Es wäre ein eigenes Interview wert, diese gegenüberzustellen.

Ich schreibe mit MSWord, fast ausschließlich am frühen Morgen oder an meinen freien Nachmittagen. Ich sitze dabei typischerweise in Cafés, d.h. an öffentlichen Orten, da es zuhause an meinem Schreibtisch viel zu viele Dinge gibt, die mich ablenken. Ich schreibe meine Kapitel nicht nur stur herunter, sondern lese sie sehr häufig Korrektur und feile immer wieder an Details. Dieser fortwährende Korrekturprozess endet auch dann nicht, wenn alle Kapitel geschrieben sind, denn an die eigentliche Schreibphase schließen sich das Lektorat, die Covergestaltung und der technische Veröffentlichungsprozess (via createspace.com) an. Im Schnitt verstreichen eins bis anderthalb Jahre, bis ich einen fertig geschriebenen Roman letztendlich veröffentliche. Es ist m.E. wichtig, diese Nachbereitungsphase nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang anzusetzen. Man könnte unendlich lange feilen, korrigieren und verbessern … aber irgendwann muss man sich selbst dazu zwingen, einen Haken zu machen und einen Roman loszulassen.

Meine Inspiration finde ich in den Menschen um mich herum. Letztendlich geht es in all meinen Romanen um Menschen und ihre Eigenheiten. Ob die Handlung nun im einem fantastischen (Rasmus) oder technisierten (Marie) Rahmen stattfindet, ist für mich unerheblich. Ich zeichne Menschen, aber nicht mit Pinsel und Farben, sondern mit Worten.

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5. Dein Hauptwerk besteht aus der Fantasyreihe „Rasmus und die Gilde der Propheten“, von der mittlerweile die ersten zwei Bände erschienen sind. Kannst Du kurz skizzieren, worum es in den Büchern geht und warum Leser ausgerechnet diese Reihe lesen sollten, wo der Fantasymarkt doch bereits so übersättigt ist? Was macht die Reihe so besonders?

In der Fantasy gibt es unendlich viele Stereotypen. Elben, Zwerge, Orks oder Drachen. Zerstreute Zauberer, mystische Feen, strahlende Helden oder grausame Monster. Ich glaube, dass die Übersättigung des Marktes, die Du ansprichst, zum Großteil durch fortwährendes Variieren dieser Stereotypen erfolgt. „Rasmus und die Gilde der Propheten“ geht hier einen völlig anderen Weg. Die Serie baut darauf, dass der Mensch alleine genügt, um gute Fantasy zu tragen. Ein Mensch kann sowohl Held als auch Monster sein, manchmal sogar in ein- und derselben Person. Für mich ist die beste Fantasy diejenige, die mit menschlichen Protagonisten arbeitet und bei der diese nicht klassisch „gut“ oder „böse“ sind, sondern über Grautöne verfügen. George R. R. Martin ist für mich der unangefochtene Meister dieser Disziplin, aber auch Joe Abercrombie oder Guy Gavriel Kay produzieren wunderschön ausgearbeitete Charaktere.

Rasmus und der Gilde der Propheten“ erzählt eine Geschichte durch die Augen verschiedenster menschlicher Protagonisten, die allesamt ihre Stärken und Schwächen haben. Die Grenze zwischen Gut und Böse ist nicht eindeutig; es passieren derbe und blutige Dinge (wobei ich überzeugt bin, dass die historische Realität noch weitaus derber und blutiger war). Wer „realistische“ Fantasy in einem mittelalterlichen Szenario mag, sollte m.E. einen Blick auf die Serie werfen, die nach meinem derzeitigen Stand der Dinge mit dem vierten und letzten Band im Jahr 2019 enden wird. Wie bereits erwähnt, verzichtet die Serie vollständig auf die genreüblichen Klischees; übersinnliche Dinge (wie die Magie der Propheten oder die Fähigkeiten der Fallenden Sterne) tauchen nur sporadisch und in kleinen Dosen auf. Es sind Menschen, die den Roman tragen. Feige, grausame, zynische, tapfere, einzigartige und unendlich zerbrechliche Menschen.

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6. Vor kurzem erschien dein neuester Roman „Marie“, der in einem Deutschland des Jahres 2023 spielt. Damit hast du nach zwei Fantasyromanen ein Science-Fiction Buch veröffentlicht. Was brachte dich dazu das Genre zu wechseln? Werden wir in Zukunft mehr Bücher in verschiedenen Genre von dir lesen können?

„Marie“ war nicht geplant, ist mir aber immer mehr zum Bedürfnis geworden. Hauptberuflich arbeite ich in einem technischen Umfeld, so dass mir das Szenario, in dem „Marie“ spielt, durchaus nicht unbekannt ist. Ich finde es hochgradig bedenklich, ja sogar pervers, wie immer allgegenwärtigere Technik im Alltag Stück für Stück den Umgang mit Menschen ersetzt. „Marie“ spielt mit zahlreichen Motiven, die wir derzeit noch untrennbar mit Menschen assoziieren (Geburt, Hochzeit, Tod, Advent, Weihnachten etc.) … und ersetzt dort konsequent den Menschen durch etwas anderes. Mein total vereinsamter Protagonist stolpert entsprechend von einer künstlichen Welt in die nächste und verliert am Ende jeden Bezug zur Realität.

Das Genre (Fantasy vs. Science-Fiction etc.) ist für mich zweitrangig. Es bildet letztendlich nur den Rahmen, um Menschen zu beschreiben.

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7. Was sind deine Pläne für die Zukunft als Gereon Sand?

Falls sich bei „Rasmus“ oder „Marie“ nicht über Nacht unerwarteter Erfolg einstellt, werde ich nach dem Abschluss von „Rasmus“ vermutlich ein weiteres Mal das Genre wechseln. Ich habe zwei Ideen für Sachbücher, außerdem eine ziemlich konkrete Idee für einen historischen Roman, der eine allseits bekannte Szene aus der Menschheitsgeschichte durch die Augen von Nebencharakteren neu erzählt … d.h. Kapitel aus wechselnden Perspektiven wie bei Rasmus, aber dieses Mal mit einem „ja, so könnte es gewesen sein“-Anspruch.

Auf jeden Fall habe ich nicht vor, das Schreiben aufzugeben. Dafür mag ich das Dasein als „Gereon Sand“ viel zu sehr!

Vielen Dank für die spannenden Fragen und das Interesse an meiner Person. Dir selbst viel Spaß und Erfolg beim Schreiben … und bis zum nächsten Mal!

Ich danke dir für das Interview. 🙂




Das Lexikon des Abfucks – Begriffe für das Leveret Pale´sche Universum

Je mehr ich schreibe und publiziere, desto mehr Parallelen tauchen zwischen meinen Büchern auf, und es wird immer deutlicher, dass sich dabei ein eigenes Universum bildet. Meine Geschichten bedienen sich dabei immer wieder an Begriffen, die nicht jedem bekannt sind. Bereits in meiner letzten Anthologie „Wenn Soziopathen träumen“ gab es ein kurzes Lexikon des Abfucks im Anhang, denn meine oft psychedelischen Texte sind oft voller Drogen, kulturellen Referenzen, philosophischen Insiderwitzen und Slangausdrücken der Drogensubkultur, mit denen nicht alle Leser vertraut sind. Um diese Bildungslücke zu stopfen, habe ich das Lexikon erweitert. Dieser Beitrag wird in Zukunft stetig aktualisiert.

 

Acid
Lysergsäurediethylamid, bekannt als LSD, ein starkes Psychedelikum, welches erstmals 1938 von Albert Hofmann (1906 – 2008) aus Mutterkornalkaloiden synthetisiert wurde. Löst die Grenze zum Unterbewusstsein auf und verursacht Visionen und Pseudohalluzinationen, die bis zu zwölf Stunden andauern.

Affe
Einen Affen haben bzw. affig sein, ist eine Szenebezeichnung für Entzugserscheinungen.

Azathoth
Eine fiktionale Gottheit aus dem Cthulhu-Mythos des Horror-Schriftstellers H.P. Lovecraft. Er ist der Dämonensultan, das ursprüngliche Chaos im Zentrum der Unendlichkeit, das in der Leere thront, umringt von anderen düsteren, amorphen Göttern.

Arché
In der antiken Philosophie steht Arché entweder für den Anfang, den Ursprung, den Urstoff oder das Prinzip allen Seins.

Ayahuasca
Eine Art Zaubertrank aus dem Amazonasgebiet, der mindest aus einer Pflanze besteht, die Dimethyltryptamin, und einer, die MAO-Hemmer beinhaltet. Verursachte nach heftigem Erbrechen, welches von Hippies und Indianern als spirituelle Reinigung verklärt wird, bis zu zwölf Stunden andauernde, intensive Visionen bei denen einem Götter, Ahnen und geometrische Muster erscheinen.

Basementdweller
Eine Person, die über 18 Jahre alt ist, kein funktionierendes Sozialleben hat, noch immer bei ihren Eltern lebt, keine formale Schulbildung abgeschlossen hat, meist arbeitslos ist, und den Tag damit verbringt Cannabis, Videospiele, Pornographie und Junkfood zu konsumieren und im Internet Hetzkampagnen, ihre irrelevante Meinung und Porn zu verbreiten.

Benzos
Benzodiazepine. Eine Medikamentklasse starker GABAerger Drogen, die sedierend wirken. Werden gegen Angststörungen, Panikattacken und Insomnie verschrieben. Machen sehr schnell süchtig und abhängig.

Burroughs
William S. Burroughs (1914 – 1997) war ein heroinabhängiger Schriftsteller und Künstler, der als Begründer der Beat-Generation und einer der einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts gilt. Er arbeitete unter anderem mit Allen Ginsberg, Jack Kerouac, David Cronenberg und Kurt Cobain zusammen.

Buy the ticket, take the ride
Zitat aus dem Buch „Angst und Schrecken in Las Vegas“ von Gonzo-Legende Hunter S. Thompson. Beschreibt die Situation, wenn man eine wahnsinnige Situation kreiert, die einen absolut überfordern und zerstören könnte, aber einfach weitermacht und nicht umkehrt, da dies weniger interessant wäre. Ein Beispiel für so eine Situation wäre sich mit allen erdenklichen Drogen zuzuballern und dann als Polizisten verkleidet einen Kongress der Drogenaufsichtsbehörde zu besuchen.

Changa
Rauchbare Ayahuascapflanzenmischung. Enthält Monoaminoxidase-Hemmer und Dimethyltryptamin. Der Konsum führt zu einem extrem starken psychedelischen & halluzinogenen Rausch, der stärker als der von LSD ist.

Columbine
Am 20. April 1999 liefen die beiden Schüler Eric Harris und Dylan Klebold an ihrer Schule, der Columbine High-School, Amok und töteten 15 Menschen. Es war der bis dato blutigste Schulamoklauf und einer der ersten. Die beiden Täter hinterließen Bekennervideos und Tagebücher, welche sie posthum berühmt machten und als eine Ursache für die Welle an Amokläufen in folgenden zwei Jahrzehnten angesehen wird. Insgesamt hatten sie weltweit mindestens vierzig Nachahmungstäter. Im Netz existiert eine große Fangemeinde, sog. Columbiner, die die beiden Täter verehrt, ihre Taten glorifiziert und Fanart kreiert.

Cronenberg
Regisseur in dessen Filmen die abgefucktesten und schleimigsten Monster vorkommen. Verfilmte unter anderem „Naked Lunch“.

David Gilmour
Der Sänger, Gittarist und Songwriter der legendären Band Pink Floyd.

Dickhead
Ein Schimpfwort und die Selbstbezeichnung der Hardcorefans des Schriftstellers Philip K. Dick.

DXM
Dextromethorphan. Wird meist rezeptfrei als Hustenstiller verkauft und von Idioten hochdosiert als berauschendes Dissoziativum und Halluzinogen missbraucht. Dauergebrauch zersetzt das Gehirn und führt zu Psychosen.

Elirium
Fiktives Weltengewebe, welches die physikalische Grundlage für Magie in Leveret Pales Romanen liefert. Eliriumteilchen sind dabei die Elementarteilchen, die Materie und Geist formen und damit die Manipulation von Materie durch den Geist, also Magie, ermöglichen.

Eminem
Künstlername des berühmten weißen Rappers Marshall Mathers, der wohl zu den durchgeknalltesten und talentiertesten Poeten aller Zeiten gezählt werden darf. Seinen Lyrics zufolge, mochte seine Mutter gerne Valium, was wahrscheinlich zu dem Hirnschaden, der hinter seinem Genie steckt, geführt hat.

Epinephrin
Synthetisch hergestelltes Adrenalin. Wird bei einem anaphylaktischen Schock oder seltener auch bei einer Überdosis Sedativa gespritzt, um den Betroffenen am Leben zu halten.

Ernest Becker
Anthropologe, der die Terror-Management-Theorie begründete.

Eukodal
Der Markenname, unter dem das synthetische Opioid Oxycodon in Deutschland 1917 auf den Markt gebracht worden war. Es wirkt etwas stärker schmerzstillend & berauschend als Heroin.

Fentanyl
Modernes, erstmals in seiner Grundform 1960 synthetisiertes Opioid. Circa 50mal potenter als Heroin und daher extrem schwer zu dosieren und extrem stark abhängigmachend. Im 21. Jahrhundert sehr populär im Westen. Eine der Drogen mit den meisten Todesopfern. Wird auch als chemischer Kampfstoff verwendet.

Friedrich Nietzsche
Einer der bedeutensten existentialistischen Philosophen. Lebte von 1844 bis 1900, wobei er die letzten zehn Jahre in einer Psychatrie verbrachte, nachdem er während eines Nervenzusammenbruchs ein Pferd umarmt und sich selbst zu Richard Wagner erklärt hatte. In seinen visionären Büchern analysierte er unter anderem den Nihilismus und sagte die kollektivstischen Bewegungen des 20. Jahrhundert voraus.

Hauen
Umgangssprache für Kiffen.

H.P. Lovecraft
Howard Phillips Lovecraft (1890 – 1937) war ein in Providence, Rhode Island, USA lebender Schriftsteller, der erst posthum bekannt wurde und das Leben eines unbekannten, arbeitslosen Einsiedlers fristete. Seine Horrorgeschichten, insbesondere der Cthulhu-Mythos, prägen bis heute Filme, Kunst, Videospiele, Hentais und Bücher mit ihrer innovativen Anwendung von Tentakeln, Cosmic Horror und Pseudowissenschaft, sowie des realistisch-poetischen Bericht-Erzählstils.

Hunter S. Thompson
Die Journalistenlegende, die unter anderem „Fear and Loathing in Las Vegas“ und „Rum Diary“ schrieb.

Jim Henson
Erfinder der Muppetshow und der Sesamstraße.

Jordan Bernt Peterson
Professor für klinische Psychologie an der University of Toronto. Berühmt geworden dadurch, dass er Kritik an der den postmodernen und neomarxistischen Bewegungen übt, sich weigert Studenten mit den von ihnen erfundenen Pronomen anzusprechen, seine Lesungen auf YouTube hochlädt und jungen Menschen erklärt, wie sie ihr Leben in Griff bekommen und Verantwortung übernehmen können.

Katatoniker
Katatonie ist ein psychomotorisches Syndrom, welches bei katatoner Schizophrenie, Hypnose oder Schädigungen des Nervensystems durch Drogenmissbrauch auftreten kann. Bei der Extremform, der Katalepsie, verfällt der Betroffene in eine Ganzkörperstarre, oft in merkwürdigen Positionen und kann sich stundenlang nicht mehr aus eigenem Antrieb bewegen, ist stumm und reagiert nicht mehr auf Außenreize. Die Muskulatur ist dabei zum Maximum angespannt. Dieser Zustand ist ein akuter, lebensbedrohlicher psychiatrischer Notfall.

Karl Marx
In der Realität des Lesers verfasste dieser Langzeitarbeitslose zusammen mit dem Fabrikbesitzer Friedrich Engels das kommunistische Manifest. In der Realität der Romane von Leveret Pale ist er überdies noch der Weihnachtsmann, der Geschenk umverteilt und seit der Kapitalisierung des Weihnachtsgeschäfts an Depressionen leidet.

Kekistan
Kekistan ist ein fiktives Land, erfunden von den Nutzern des 4chan boards /pol/ als die fiktive ethnische Zugehörigkeit der sogenannten “shitposter”, bekannt als “Kekistanis”. Ihr Maskottchen ist der grüne Frosch Pepe. Es gibt eine ganze Community um Kekistan, die vor allem aus Basementdwellern und Neonazis besteht.

Kodein
Schwaches, primär hustenstillendes Opiat, welches in der Leber zu Morphin verstoffwechselt wird.

Kratom
Mitragyna Speciosa. Auch Roter Sentolbaum oder Mambog genannt. Ein Baum, der in Südostasien wächst und dessen Blätter die Opioide Mitragynin und 7-Hydroxy-Mitragynin enthalten. Ich habe ein Sachbuch und einige Artikel darüber geschrieben.

Laudanum
Lateinisch für das Lobenswerte. Opiumtinktur, die meistens zu 90% aus Rotwein und 10% Opium besteht. Wurde von der Antike bis zum neunzehnten Jahrhundert von Ärzten als Allheilmittel verschrieben.

Lean
Berauschendes Getränk aus Kodeinhustensaft und einem Softdrink, meist Sprite.

Meme
Ein im Internet viral gehendes, lustiges Bild oder Video.

Moeh
Angeblich ein Kodename für eine berühmte , religiöse Figur, denn man sollte nicht deren echten Namen verwenden, wenn man nicht will, dass die Leute um einen herum anfangen sich selbst in die Luft zu jagen. Trägt permanent Sonnenbrillen und hasst es fotografiert oder anderweitig abgebildet zu werden.

Methylphenidat
Auch bekannt unter dem Markennamen Ritalin. Ein Amphetaminderivat, welches ähnlich wie Kokain als Dopaminwiederaufnahmehemmer fungiert und gegen ADHS verschrieben wird. Studenten, Programmierer, Hacker, Schriftsteller und … eigentliche alle die Zeitdruck haben und denen Kaffee zu schwach ist, schlucken es gern, um leistungs- und lernfähiger zu werden.

Naked Lunch
Ein Buch von William S. Burroughs, welches er total besoffen und bekifft schrieb und dann auseinanderschnitt, um es in einer assoziativen Reihenfolge neu zusammenzusetzen. Eine total schizophrene Aneinanderreihung verrückter Gedanken und Szenen, die absolut keinen Sinn ergeben.

Nikodem Jan Skrobisz
Der bürgerliche Name des Schriftstellers, der hinter dem Pseudonym Leveret Pale steckt. Wurde am 26. Februar 1999 in München geboren und fing bereits mit vier Jahren an Kurzgeschichten zu schreiben. Total durchgeknallt der Kerl.

One Piece
1P-LSD bzw. 1-Propionyl-Lysergsäurediäthylamid. Ein Legal High, welches im Körper zu LSD umgewandelt wird und daher genauso wirkt wie das Original.

Organisation
Die Organisation wird von Kobo eingeführt und sorgt in den Romanen von Leveret Pale dafür, dass der Plot befolgt wird. Szenen werden entsprechend inszeniert und aufmüpfige Charaktere beseitigt. Wurde nach der ersten Metarevolution gegründet.

Pep
Pep und Speed sind die Szenenamen für die erstmals 1887 synthetisierte Droge Amphetamin. Wirkt aufputschend, wachmachend und euphorisierend.

Pervitin
Der Markenname unter dem das synthetische Methamphetamin 1938 auf den deutschen Markt kam. Die Wehrmacht verwendete es im Zug des Blitzkrieges, genauso wie später die USA Army in Vietnam, damit ihre Soldaten tagelang ohne Leistungseinbuße kämpfen konnten. Es war bis in die 1960er Jahre legal in Deutschland in Apotheken als Appetitstiller, Antidepressivum und Aufputschmittel erhältlich. Heutzutage unter dem Namen Crystal Meth bekannt.

Philip K. Dick
Einer der schizophrensten und genialsten Schriftsteller Allerzeiten. Lebte von 1928 bis 1982, vernichtete viele Amphetamintabletten, schrieb währenddessen visionäre Romane wie „Träumen Androiden von elektrischen Schafen“, „Das Orakel vom Berg“, „A Scanner Darkly“, „Ubik“, „Minority Report“ und viele mehr, und hatte zahlreiche Frauen und bizzare Visionen. 1974 übermittelte ihm Gott / Valis über einen pinken Laserstrahl Informationen in seinen Schädel, mit denen er das Leben seines Sohnes retten konnte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit, dieses übernatürliche Erlebnis zu verarbeiten.

Platte
Hundert Gramm Marihuana / Cannabisblüten.

Poppers
Schnüffelstoffe wie Amylnitrit, Isopropylnitrit oder Cyclohexylnitrit, die in bunten Fläschchen als Legal Highs verkauft werden. Verursachen für wenige Minuten durch Gefäßerweiterung einen Kick.

Rimjob
Fachbegriff: Anilingus. Eine orale Sexualpraktik, bei der der Anus, After und Damm einer Person von einer anderen Person (aus)geleckt werden. Man unterscheidet zwischen einem sauberen und einem dreckigen Anilingus.

Schoki
Cannabis. Eine Tafel Schoki entspricht dann je nach Region entweder einem Gramm oder einer Platte.

Shore
Szenename für Diacetylmorphin; auch bekannt als Heroin. Wird vor allem im Bezug auf den Konsum durch Inhalation benutzt. (Shore/Folie/Blech rauchen).

Shia LaBeouf
Ein ziemlich durchgeknallter Schauspieler und Performancekünstler. Im Internet vor allem wegen seinem „Just do it“-Meme bekannt.

Sigmund Freud

Begründete zusammen mit Breuer die Psychoanalyse, hatte eine Vorliebe zu Zigarren, Kokain und auch angeblich zu Penis- und Mutterwitzen.

Snuffvideos
Videos, in denen Menschen manchmal im Schein, meistens jedoch in echt, gefoltert und getötet werden. Das bekannteste davon ist das »Three Guys, One Hammer«, welches die drei als Dnepropetrovsk Maniacs bekannten Serienkiller aufgenommen haben.

Twig
Englisch für Zweig. Bezeichnung für jemanden, der extrem dünn ist, keinen ausgeprägten Hintern, keine großen Brüste und keine definierte Muskulatur hat.

Valium
Ein Markenname von Diazepam, einem erstmals 1963 synthetisierten Benzodiazepin. Es wirkt sehr stark sedierend, beruhigend und einschläfernd. Hohes Abhängigkeitspotential. Das Suchtpotential ist eher mittelmäßig, aber es kann eine sehr starke körperliche Abhängigkeit entstehen. Die Entzugserscheinungen sind stärker als bei Opiaten und können tödlich sein.

VALIS
Vast Active Living Intelligence System. Ein Satellit in Philip K. Dicks schizophrenen, gleichnamigen Romanzyklus, der ein Aspekt Gottes ist und mit einem pinken Laserstrahl Menschen Informationen in den Kopf schießt, und so Zeit und Raum manipuliert.

Vivienne Feiler
Eine Künstlerin und die Freundin von Nikodem Skrobisz. Sie hat unter anderem die Illustrationen für die Anthologie „Wenn Soziopathen träumen“ angefertigt.

Wigga
Kurz für White Niggha. Ein weißer Teenager, der sich so verhält und kleidet, als wäre er ein Afroamerikaner und entsprechende Musik (Rap & Hip-Hop) hört, den dazugehörigen Slang spricht und sich entsprechend kleidet.

4×100
Ein ziemlich gefährlicher Partycocktail, der aus Kratom, Kodein und diversen anderen Opioiden und Drogen besteht. Just don´t drink it.




Rezept für einen Apfelsmoothie der Erkenntnis

Äpfel gehören zu den beliebtesten und am meisten konsumierten Früchten der Welt und kommen bei einer Auswahl von über achttausend, für den Konsumismus gezüchteten Sorten, in allerlei sinnvollen und sinnlosen Farben, Geschmacksrichtungen und Größen daher. Der Apfel vom Baum der Erkenntnis ist jedoch in diesem Fall etwas Besonderes und verdient etwas mehr von unserer durch Smartphones, Social Media und Ritalin zerstörten Aufmerksamkeit. Er ist eine vielseitige und geschmacklich sehr anspruchsvolle Frucht, die eine großartige Grundlage für ein 10∞-breites Spektrum an diversen bewusstseinsverändernden Speisen liefert – von bewusstseinserweiternd, über verwirrend bis hin zu bewusstseinsauslöschend und sogar den Zorn Nietzsches erweckend.

Als die beliebteste Konsumform des Apfels vom Baum der Erkenntnis, hat sich im ersten Jahr der Trumppräsidentschaft in Realität LBS0815, der Erkenntnis-Smoothie nach dem Rezept des berühmt-berüchtigten Topterroristen und Schriftstellers Nathan bewährt. Wie alle Smoothie liefert er ein breites Spektrum an Vitaminen, Drogen und anderen wichtigen Vitalstoffen, die einem helfen ein glückliches und produktives Mitglied des Programms zu sein.

Der Smoothie setzt sich aus folgenden Zutaten zusammen:

Der Limettensaft gibt dem Smoothie seine einzigartig abgefuckt-säuerliche Note.

1 ½ Äpfel vom Baum der Erkenntnis
13 Spritzer Limettensaft
2 Tassen weinender Babyspinat
3 zerstampfte Kolanüsse
250 µg 1-Propionyl-Lysergsäurediäthylamid
½ Karotte
1 Handvoll Blätter des Erythroxylum coca
1 Handvoll Blätter des Mitragyna Speciosa
15 mg Methylphenidat
5 mg Soma
¼ geriebene Ginsengwurzel
1 aufgekochtes Autogramm von David Gilmour
5 Schamhaare einer Jungfrau
1 ½ Tassen Oxidan
¼ überreife, matschige Avocado
5 Tütchen Brausepulver
1-6 Schuss Absinth (Dosierung je nach Schwere des Delirium tremens.)

Die Zutaten werden optimalerweise alle zusammen in der exakten Reihenfolge in einen Mixer geworfen, bevorzugt einen der Marke Barcodom (Product Placement). Der Mixer wird für zweiundhalb Stunden auf die höchste Stufe gestellt. In der Zwischenzeit kann man ein Buch lesen, zum Beispiel eins des Schriftstellers Leveret Pale, um sich bereits auf die belebende und bewusstseinsverändernde Wirkung einzustimmen. Es empfiehlt sich täglich zwei bis drei dieser Smoothies über den Tag verteilt zu trinken, um das optimale Ergebnis – den absoluten Wahnsinn, die Epiphanie über die Natur der Wahrheit und eine nette Ekstase mit anschließenden Hirntod – zu erzielen.


 

Der Apfelsmoothie der Erkenntnis“ ist die Fortsetzung des Romans „Crackrauchende Hühner“ und wird  im zweiten Quartal 2018 als Taschenbuch und eBook erscheinen.  Erste Ausschnitte aus dem Buch erscheinen bis dahin jede Woche am Mittwoch um 18:30 auf der App Snipsl.




Lange Lesenacht in Billerbeck 2017

Die Lange Lesenacht in Billerbeck 2017, bei der ich aus meinem Roman „Crackrauchende Hühner“ las, war fantastisch!

Die Reise war es nur nicht ganz …

Nach einer kleinen Odyssee durch ganz Deutschland, mit verspäteten Zügen und verpassten Anschlusszügen, kam ich am Abend des Samstags dann doch noch rechtzeitig in Billerbeck an. Ich platze zwar in die letzen zehn Minuten der Autorenvorstellungsrunde hinein, aber zumindest war ich zu den Lesungen pünktlich.

Eine Gruppenfoto der Autoren und viele weitere fantastischen Bildern von der Lesenacht kann man in einer Galerie auf der Webseite der AZ finden: http://www.azonline.de/Fotos/Lokales/Kreis-Coesfeld/Billerbeck/Lange-Lesenacht-2017


Es war wie immer eine wunderbare Erfahrung all die Kollegen, die ich bisher meistens nur flüchtig von Messen oder durch E-Mails kannte, persönlich zu treffen und sich über das Leben und das Schreiben auszutauschen.

Ich konnte den Vorstand des BVjA, Tobias Kiwitt, persönlich kennenlernen, ich tauschte mich stundenlang mit der fantastischen und erfolgreichen Astrid Korten über das Schreiben und Agenturen aus, ich sah endlich mal meine Kollegin Monika Loerchner ( die einen noch besseren Beitrag über die Lesenacht geschrieben hat, als ich, und zwar unter: https://monikaloerchnersite.wordpress.com/2017/11/13/die-lange-lesenacht-in-billerbeck-2017/ ) wieder und konnte Kerstin Lange, Nicole Böhm und Carl Wilckens, der mir auch mein Exemplar seines Romans „13″ signierte, kennenlernen.

Astrid Korten, Nicole Böhm und meine Wenigkeit. Danke an Monika für das tolle Foto 🙂


Und die Lesung an sich war auch fantastisch. Es war das erste Mal, dass ich so lange (eine Stunde) und bei so einem großen Event gelesen habe; aber alles war toporganisiert und ‚Crackrauchende Hühner‚ kam sehr gut an. Das Publikum und ich haben herzlichst viel gelacht, ich gab Anekdoten rund um das Buch zum Besten und es gab zahlreiche Fragen. Ich kam mit zahlreichen Lesern ins Gespräche über Psychologie, Schule, das Schreiben und viele andere Themen. Kurz nach der Lesung waren dann bereits auch alle Exemplare des Romans in der Buchhandlung ausverkauft und ich konnte fleißig Autogramme verteilen. Nach den Lesungen fand ich mich mit den anderen Autoren im Jöppi ein, und signierte dort nochmal Exemplare von Crackrauchende Hühner und wurde von der Presse ausgefragt, bevor ich mich mit den anderen Autoren den Getränken und Gesprächen widmete. Ich tauschte mich vor allem mit Nicole Böhm, die die erfolgreiche Urbanfantasyreihe „Die Chroniken der Seelenwächter“ schreibt, Astrid Korten, der bekannten Thrillerautorin, und Carl Wilckens und Monika Loerchner, die beide beim acabus-Verlag veröffentlicht haben, aus, und plauderte auch mit Lesern und Veranstaltern bis wir gegen eins dann die Kneipe verließen.

Evelyn Barenbrügge moderierte meine Lesung und kündigte mich an.

An dieser Stelle will ich mich bei den Organisatoren der Veranstaltung bedanken: Vielen Dank Evelyn Barenbrügge und alle anderen, die diesen Abend möglich und so grandios gemacht haben.

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von den Autoren, die wie ich im Billerbecker Hof eingecheckt hatten, und fuhr nach Hause. Wieder nicht ohne Pannen; mein IC blieb liegen, bis nach Köln musste ich die Regionalbahn nehmen, und der ICE von dort aus, war nicht nur zu spät, er hatte auch dreimal so viele Passagiere wie Sitzplätze. Als ich dann endlich gegen 20 Uhr zuhause ankam, war ich erschöpft, aber glücklich – weil ich Teil dieses fantastischen Events sein konnte, und weil ich erstmal der Deutschen Bahn fernbleiben kann.

In der Lokalpresse erschien auch ein fantastischer Artikel über die Lesung von der Journalistin Ursula Hoffmann: „Billerbeck: Seine ersten Kurzgeschichten hat Nikodem Skrobisz mit vier Jahren seiner Mutter diktiert, das erste Buch mit 15 Jahren veröffentlicht, etliche weitere folgten unter dem Pseudonym Leveret Pale. Jetzt ist er 18 Jahre, […]“

 




Eine Kritik des postmodernen Denkens

Überlegungen zu einer potentiell ungesunden Entwicklung
Um ein glückliches und als sinnvoll wahrgenommenes Leben führen und ein starkes Terror-Management und Selbstbewusstsein entwickeln zu können, brauchen Individuen ein stabiles Werte- und Symbolsystem, an dem sie sich selbst bewerten, identifizieren, orientieren und an dem sie wachsen können. Das postmoderne Denken zerstört allerdings solche Werte und verhindert die Entstehung von neuen Werten, was zu einer gefährlichen Entwicklung führen könnte.

Die Wurzeln des postmodernen Denkens
In den vergangenen Jahrtausenden haben in der westlichen Welt Ideologien wie Religionen und gesellschaftliche Konventionen und Überzeugungen den Individuen solche Werte dogmatisch vermittelt, oft zugunsten der herrschenden Gesellschaftsschichten.
Seit dem Beginn der Aufklärung haben aufklärerische und skeptizistische Bewegungen versucht diese Unterdrückung durch Rationalismus aufzubrechen & zu widerlegen, und ebneten so den Pfad zur Französischen Revolution. Diese markierte den Beginn der Moderne, die ihre eigene Wert-Konstrukte, namentlich den Idealismus, den Glauben an den Fortschritt, die Rationalität, die Individualität und die Aufklärung und den Historismus mit sich brachte.
Allerdings waren die skeptizistischen und relativistischen philosophischen Überlegungen, der technologische Wandel und ihre eigenen Versprechen neuer Werte, die die Moderne ermöglichte, auch diejenigen, die sich bald gegen sie wendeten. Durch die Entwertung der Religionen verloren die Menschen die Orientierung im Leben, gleichzeitig kam es zu einer Umwälzung der alten Ständesystem. Diese gesellschaftliche existenzialistische Krise führte zu existentialistischen Krankheiten. Derer kennt man drei: Nihilismus, Dahinvegetieren und Kreuzrittertum.
Der schwierigen Umständen entsprechend, konnten sich die meisten Menschen der ersten beiden nicht lange widmen, sodass die dritte, also Kreuzrittertum, das Stürzen auf neue, amoralische Werte und das radikale Einsetzen und Aufopfern für eine „höhere“ Sache, sich epidemisch ausbreitete. (Dies wurde auch durch die Nihilisten verstärkt, die sich vor allem in der Kunst und Literatur niederschlugen und vor allem in der Strömung des Dadaismus ein Sprechrohr fanden.) Die Leute sehnten sich nach einem totalitären Weltbild, welches ihn einen neuen Sinn und Platz in der Welt geben konnte. Dies führte zu der Entstehung von kollektivistischen Ideologien wie Nationalismus und Kommunismus, die die Werte und Erkenntnisse der Moderne korrumpierten und instrumentalisierten. Mit dem Ausbruch der beiden Weltkriege und den ideologischen Verwerfungen, gesellschaftlichen Dekonstruktionen und dem Niedergang des Idealismus, ging die Moderne unter, und aus ihr ging die von Poststrukturalismus, Existenzialismus und Dekonstruktionsmus geprägte Postmoderne hervor, die sich nun fast zyklisch wie die Moderne einem ähnlichen Ende neigt. Sie war und ist geprägt von großen gesellschaftlichen Umwälzungen und Entwertungen. Konventionen und Repressionen wurden dekonstruiert, die kollektivistischen Hassideologien nach dem Fall des eisernen Vorhangs für einige Jahrzehnte weitestgehend überwunden, und das Individuum ist in der ersten Welt so frei wie noch nie.
Die Menschen der Postmoderne sehen auf die Schrecken der Vergangenheit zurück, und sehen sich mit Problemen neuer Art konfrontiert, die sich auf den höchsten Ebenen der Maslowpyramide abspielen. Jeder möchte sich selbst entfallen können. Jeder bekommt erzählt, er wäre einzigartig und besonders und möchte entsprechend leben. Jeder will das Recht auf seine eigene Meinung haben. Jeder kann sich über das Internet selber und ungefiltert alle möglichen Ideen und Konzepte holen. Und das führt nicht nur zu positiven Effekten.

Das Problem
Radikale Dekonstruktion, wie sie von den Vertretern der Postmoderne vorangetrieben wurde, führt nicht nur zu Befreiung von Dogmen und starren Konventionen und Freiheit. Auf Dauer führt sie bei maßloser Anwendung ins Nichts, in Nihilismus, greift Wissenschaft und Logik, Identität und Rationalismus an, und macht somit eine Gesellschaft unmenschlich, ziel- und inhaltslos und damit letztendlich nicht mehr lebensfähig. Der wertloseste Wert, der von Nietzsche bereits für den Niedergang der Moderne angekündigte Verlust der Wahrheit „Nicht ist wahr, alles ist erlaubt.“ tritt wieder wie vor den Weltkriegen stärker ein und zersetzt mehr als je zuvor Gesellschaft, Politik und Philosophie.

Die individuelle Freiheit bringt nämlich auch Verantwortung mit sich; und immer weniger Menschen sind gewillt diese Verantwortung anzuerkennen und zu übernehmen, sondern lassen sich von ihren Trieben leiten und versinken in Konformität des Konsums und der schnellen Befriedigungen, dabei den Nihilismus als Rechtfertigung für amoralischen Handeln hochhaltend. Hedonismus und Faulheit werden gerechtfertigt mit dem Motto You only live once – das ist wahr, allerdings ist die schnellste und spaßigste Herangehensweise an das Leben nicht immer die beste und die, die langfristig zu Glück und Eudaimonia führt.
Die sexuelle Befreiung und der Postfeminismus haben beispielsweise dazu beigetragen, dass die Menschen der Industrienationen so frei sind ihre sexuelle Identität und Partner zu wählen, wie noch nie, doch dadurch wurden nicht nur irrationale patriarchalische Wertesysteme weitestgehen umgewandelt und Freiheit generiert, sondern auch Freiheit und Sicherheit genommen. Die Postmoderne hat auch das monogame Lebensmodell angegriffen und zusammen mit den technologischen Neuerungen, zu der leichteren Verfügbarkeit von Sex, Pornographie, Datingseiten, Tinder und Affärenvermittlungsdiensten beigetragen. Es ist einfacher den je Sex zu haben. Und doch sind die Menschen, was ihre Liebesleben angeht, immer unglücklicher. Die Anzahl an Menschen im Alter zwischen 18 und 29, die Single sind, ist allein zwischen 2005 und 2014 von 52% auf 64% gestiegen; während die Anzahl der Ehen sich fast halbiert hat. Die Menschen leben immer häufiger alleine und sind immer seltener in Beziehungen, sehnen sich Umfragen folgend aber genauso so sehr wie die Generationen vor ihnen nach Liebe, Intimität und einem Lebenspartner, teilweise hat sogar die Sehnsucht nach romantischen Beziehung angefeuert durch Idealisierung in Filmen und Romane Hochkonjunktur, was stark der einsamen Realität widerspricht.
Viele Menschen wollen eine Beziehung haben, sind allerdings nicht mehr gewillt die Zeit und die Energie und die entsprechende Verantwortung, die dabei mitentsteht aufzunehmen und gehen stattdessen schnellerer Triebbefriedigung durch Pornographie oder Tinder nach, wodurch sie letztendlich allerdings noch mehr vereinsamen und auch keine Beziehung knüpfen, sondern sich stattdessen oft nur emotional selbst verletzten.
Diese Isolierung wird durch den Druck der individualistischen Leistungsgesellschaft und dem breiten Angebot unsozialer Unterhaltungsmedien (Netflix usw.) vorangetrieben.
In der gleichen Zeit breiten sich soziale Isolation und damit psychische Krankheiten, vor allem Angststörungen und Depressionen, epidemische in der postmodernen Gesellschaft aus – allein von 1985 bis 2004 hat sich die Anzahl der Menschen, die sagen, sie hätten niemanden, mit dem sie ernsthafte Probleme besprechen könnten, verdreifacht – was ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Bevölkerung immer größer wird und so auch die Peergroups größer sein müssten.
Und die Entwertung greift nicht nur die privaten Leben der Menschen enorm an, sondern auch die Politik der großen Industrienationen; da die Postmoderne auch einen gefährlichen Relativismus und damit eine Toleranz gegenüber Unwahrheiten mit sich gebracht hat, wodurch persönliche, subjektive Falschmeldung (Fake News) und Verschwörungstheorien aufblühen. Der postmoderne Mensch kann aus zigmillionen von Weltbildern auswählen. Er kann an Buddhismus, Christentum, gar nichts, den Islam, die Wissenschaft, New Age Esoterik oder sonst irgendetwas glauben und wird von allen möglichen Seiten mit verschiedenen Optionen belagert, gleichzeitig greifen verschieden subversive, poststrukturalistische Bewegungen selbst biologische Wahrheiten wie Geschlechter oder physikalische Grundsätze oder wissenschaftliche Erkenntnisse wie den Klimawandel an, um sie für nichtig zu erklären, oder diese als Verschwörungen zu diffamieren, zugleich verfolgen sie mit faschistischer Gnadenlosigkeit jene, die von der Meinungsfreiheit Gebrauch machen und sich deren aufgezwungenen Egalitarismus entgegenstellen. In Schulen und Universitäten wird ein realitätsferner Egalitarismus vorangetrieben, der die Jugend von sowohl von der Bürde aber auch der Orientierung und Struktur einer gesellschaftlichen Hierarchie befreit, sie aber nicht davon abhalten kann danach real mit dem Konkurrenzwettkampf und der Kompetenzhierarchie der Arbeitswelt konfrontiert zu werden. Gleichzeitig wird versäumt eigenständiges, logisches und kritisches Denken beizubringen, sondern man überlässt Menschen ihrer Meinung, während jedoch jede Idee in einem multikulturellen Umfeld angegriffen und dekonstruiert wird. Das Angreifen und zerstören von kulturellen Systemen wie Religion im Namen der wissenschaftlichen Wahrheit führt jedoch nicht zwangsläufig zu mehr Aufgeklärtheit und Toleranz.
Diese Entscheidungsfreiheit und Strukturlosigkeit zwischen den unzähligen Meinungen und die Dekonstruktion aller Wahrheiten führt zu einer Überforderung und Abstumpfung des Individuums. Es kann nicht mehr erkennen, was wahr ist oder zumindest wahr sein sollte und es kann sich nicht auf das kompetitive Leben in der Leistungsgesellschaft einstellen. Langfristig zersetzt dies das kritische Denken und führt zu Apathie und Nihilismus und zu einer Verdreifachung der Suizidraten unter Teenagern von 1950 bis 2015.
Da das Selbstbewusstsein nicht mehr aus der Erfüllung und Anpassung an Wertsysteme (welche denn?) seine Kraft und seinen Sinn beziehen kann, führt dies zu Labilität und egozentrischen, hedonistischen und rücksichtslosen Denken; auf individuellere Ebene damit zu Depression und zu Suizid; und auf gesellschaftlicher zu Faschismus, Unruhen und Machtstreben. Der Nihilismus der der scheiternden Moderne folgte, führte zum Aufstieg des Nationalsozialismus und Kommunismus; der Nihilismus, der sich in der Postmoderne im 21 Jahrhundert, führt ebenso zum Aufstieg neuer totalitärer Ideologien wie Neomarxismus (SJW), einer faschistischen Political Correctness Culture, Neofaschismus und Islamismus; aber auch zur Explosion an psychischen Krankheiten und Drogengebrauch, wie die aktuelle Opioidkrise beweist.

Die Schwierigkeiten der Problemlösung
Die Erkenntnis der Relativität von Wahrheit, Werten und Sinn und der daraus resultierende Nihilismus sind erkenntnistheoretisch logisch, allerdings können sie nicht die Endstation sein, da sie in keine Richtung weisen, keinen Halt und keinen Sinn geben, und so die grundlegenden Fragen des menschlichen Lebens und damit der Philosophie, nämlich wie man zu leben hat, verneinen. Das postmoderne Denken ist zu sehr auf das Dekonstruieren und Entlarven von Werten und Ansichten fokussiert, und zu sehr auf seinem nihilistischen Stolz gestützt, um das ganze Bild zu sehen, um die Notwendigkeit von Wahrheit und Werten für das Individuum und seine Psyche und seine Entwicklung zu erkennen und anzuerkennen, um in eine produktive, glückliche, weiterführende Richtung zu zeigen. Die letzten Jahrhunderte wurde unentwegten kritisiert, zerstört, dekonstruiert und entwertet, und diese Kritik war und ist oft berechtigt gewesen, allerdings richtete sich auch gegen fundamentale Werte wie Archetypen und Moral und unterhöhlte damit das Menschliche in der Gesellschaft. Des Weiteren wurde wenig konstruktive Kritik geübt. Was die Menschheit braucht, ist eine neue Aufrichtigkeit, eine neue Richtung anhand derer sie die Negativität und Destruktivität des Nihilismus und die Entwertung der Postmoderne überwinden kann. In den 60ern des letzten Jahrhunderts haben bereits Bewegungen wie die der Beatniks und Hippies und der von Philosophen wie Alan Watts versucht einen neuen existenzialistischen Spiritualismus in die westliche Welt zu bringen, diese Versuche sind allerdings weitgehend gescheitert und haben sich zu einem Nischenphänomen entwickelt, während der Bedarf nach einer stützenden Ideologie weiterhin besteht, und weshalb auch totalitäre und menschenverachtende Ideologien wie der Islamismus an Zulauf gewinnen.
Die Aufgabe der Philosophie des 21. Jahrhunderts ist es aus dem Trümmerfeld der Postmoderne eine neue, aufrichtige Leitlinie zu entwickeln, ein neues Wertsystem, an dem sich die Menschen orientieren können ohne dabei die positiven Effekte der Postmoderne – die Freiheit, den Individualismus – zu verlieren.
Das größten Schwierigkeiten werden dabei sein den Machtzulauf faschistoider und totalitärer Gedanken wie des Islamismus oder des Faschismus einzudämmen und gleichzeitig eine humane und emphatische Symbolfigur zu schaffen, die den Menschen einen neuen Glauben bringt. Leider landen heutzutage die meisten Propheten in der Anstalt, dabei leben wir in Zeiten, in denen wir so dringend wie noch nie einen neuen Christ brauchen, der uns das Paradies, die Liebe und den Frieden verspricht und für uns als Märtyrer stirbt, um eine neue Metaphysik einzuleiten; denn der Existenzialismus und die verwandten Existenzphilosophien sind als Modelle für die gesamte Gesellschaft gescheitert. Der Verantwortung der Freiheit und dem Schmerz des Nihilismus sind einige sehr gewissenhafte und intelligente Menschen, wie Sartre und Camus sie selber waren, gewachsen, allerdings nicht die Massen.

 

Quellen:

http://www.gallup.com/poll/183515/fewer-young-people-say-relationship.aspx

http://happierhuman.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/2014/06/P13.-Social-Isolation-in-America-Changes-in-Core-Discussion-Networks-over-Two-Decades.pdf

https://link.springer.com/article/10.1023/A:1006923418502

http://www.euro.who.int/de/health-topics/noncommunicable-diseases/mental-health/news/news/2012/10/depression-in-europe

https://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne

Friedrich Nietzsche: Die Genealogie der Moral

 




Rezeption von „Wenn Soziopathen träumen“

Mittlerweile ist meine neuste Anthologie „Wenn Soziopathen träumen“ bereits seit einiger Zeit draußen und die ersten Kritiker und Leser haben ihre Rezensionen verfasst. In diesem Buch habe ich diesmal einige meiner experimentellsten und ungewöhnlichsten Texte versammelt, darunter auch ein Gedicht, und auch das erste Mal Illustrationen eingebaut, weshalb es mir schwer fiel vorherzusehen, wie das Buch bei euch, meinen Lesern ankommt. Deswegen bin ich doppelt glücklich darüber, dass die Rezensionen wieder sehr gut ausfielen. 🙂

Vor allem die äußerst lange, bebilderte und ausführliche Rezension von Lisa auf ihrem Blog Buecherschlucker, hat mir sehr gefallen und ich empfehle allen mal da reinzulesen, auch wenn ihr das Buch vielleicht schon habt, weil es einfach ein Lesegenuss an sich ist 😉 : https://buecherschlucker.blogspot.de/2017/08/wenn-soziopathen-traumen-leveret-pale.html

Ihr Fazit zu dem Buch:

Wer gerne düstere und Gänsehautgeschichten mag und offen für Abwechslung ist, ist bei diesem Buch absolut richtig! Dieses Buch fasziniert vor allem mit seinen besonderen Welten, heiklen Themen und außergewöhnlichen Gedankengängen. Manchmal etwas verwirrend, aber im Großen und Ganzen unterhaltsam!

Und auch Krisi von Wurmsuchtbuch hat auf ihrem Blog, der übrigens mittlerweile von blogspot auf WordPress umgestiegen ist und daher ein neues, frisches Design hat, eine lesenswerte und positive Kritik veröffentlicht: https://wurmsuchtbuch.com/2017/08/13/3428/

Ihr Fazit zu dem Buch:

Für mich ist Leveret Pale einer der Autoren, welcher mit der Psyche und den gegebenen Verhältnissen spielt, wie kaum ein anderer. Einige der Geschichten sind überzeugender, als andere und dennoch ist die Anthologie nur zu empfehlen für all jene, die über den Tellerrand hinausschauen wollen.

Neben Bloggern haben aber natürlich auch Leser bereits Rezensionen hinterlassen, vor allem auf Lovelybooks, wo die dazugehörige Leserunde nun vor kurzem geendet ist, aber noch immer allen Interessenten offensteht: https://www.lovelybooks.de/autor/Leveret-Pale/Wenn-Soziopathen-tr%C3%A4umen-1476147074-w/leserunde/1476174355/

Jeder ist herzlichst eingeladen jederzeit der Leserunde noch nachträglich beizutreten und seine Meinung zu den einzelnen Geschichten oder dem Gesamtwerk mit den anderen Lesern auszutauschen. Ich bin auch immer zur Stelle, um Fragen zu beantworten oder mitzudiskutieren 😉 .

Auf YouTube hat unser Buch auch seinen Weg gefunden, nämlich auf den Kanal chrissieskleinewelt der BookTuberin Christiane. Ihre Videorezension findet ihr hier:

Auch auf Instagram gab es Posts von Lesern, die mich sehr erfreut haben. Hier exemplarisch ein sehr schönes von Nadine, einer Teilnehmerin der Leserunde bei Lovelybooks:

Ich freue mich immer extrem über das Feedback meiner Leser 🙂 Ich würde auch Bücher schreiben, wenn sie außer mir niemand lesen würde, aber ich liebe es einfach auch mit meinen Texten Menschen zum Nachdenken zu bewegen und mich dann mit ihnen darüber austauschen zu können, was in unseren Köpfen beim schreiben und lesen dann vorgeht ^^

 

 




Spezial: Zitatinterview mit Monika Loerchner

Monika vor dem heimischen Bücherregal bei der Lektüre ihres neusten Romans „Hexenherz“

Diesmal gibt es hier auf meinem Blog mal etwas ganz Besonderes, nämlich ein Interview; und als ob das nicht schon ungewöhnlich genug wäre, ist es nicht einmal ein normales Interview. (Wo würden wir den hinkommen, wenn ich anfange irgendetwas normal zu machen? Das wäre ja langweilig.) Meine Kollegin Monika Loerchner und ich* sind auf die Idee gekommen uns gegenseitig zu interviewen, allerdings mit der Auflage, dass wir auf die Fragen jeweils nur mit ein bis drei Zitaten aus unseren bereits veröffentlichten Werken antworten können. Hier könnt ihr meine Fragen und Monikas Zitatantworten lesen. Wenn ihr wissen wollt, wie ich mich dabei angestellt habe, und mit welche Zitaten, dann schaut auf Monikas Blog vorbei, den sie übrigens deutlich besser und ordentlicher pflegt und füttert, als ich meinen. 😛

 

  1. Warum hast du angefangen zu schreiben bzw. warum schreibst du?

     

    Von da an sah Fabian die Frau jeden Dienstag. Sie kam stets vom Supermarktparkplatz rechts auf der anderen Straßenseite, ging über den Fabian gegenüberliegenden Bürgersteig nach links und verschwand irgendwann einfach aus seinem Blickfeld. Dabei ging sie weder besonders schnell, noch auffallend langsam. Sie ging einfach und das war etwas, dass Fabian nicht in den Kopf ging. Entweder man ging wohin und hatte ein Ziel, oder man ging spazieren. Letzteres kam kaum in Frage, hier gab es nichts zu sehen als die Autos, Busse und LKW, die über die Hauptstraße rollten, den Supermarkt und die Tankstelle neben dem Bushäuschen. Wer spazieren gehen wollte, suchte sich eine bessere Gegend. Die Stadt war keine Schönheit, hatte aber durchaus ein paar hübsche Ecken. Also warum sollte die Frau ausgerechnet die Hauptstraße entlanggehen? Die hier nichts zu bieten hatte außer Straßenlärm und -Luft und hinter Vorgärten verschanzten Wohnhäusern?
    Die andere Möglichkeit war natürlich, dass die Frau ein Ziel hatte. Doch das passte einfach nicht zu ihrem Gang: Wer wohin wollte, ging irgendwie anders. Nicht unbedingt schneller, aber bestimmter. Fabian wusste selbst nicht, was ihn so sicher machte, aber für ihn stand fest, dass die Frau kein Ziel hatte.“ (Aus: „Die Dame in Lila“, Seite 94f.)

    Ich denke fieberhaft nach. Mein Gespür, nicht mehr als ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch, sagt mir, dass ich da an etwas dran bin. Noncoai. Incaono. Verdammt, so komme ich nicht weiter! Wenn ich nur etwas zu schreiben hätte!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 294.)

    Und ich hab Hummeln im Hintern!“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 23.)

    2. Man lässt ja als Autor auch immer ein bisschen die eigene Persönlichkeit in seine Bücher einfließen; gibt es Passagen, die deine gut umschreiben?

„Ich balle die Hände zu Fäusten. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist es Ungerechtigkeit!“

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ Nicht alle Autoren fröhnen verschiedenen Alkaloiden so sehr wie Leveret Pale, aber eine gewisse Affinität zu Koffein lässt sich in Schriftstellerkreisen immer wieder beobachten.

(Aus:„Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 262.)

 

„’Wenn Sie das so sagen, dann war es wohl so‘, antwortete Kurt vorsichtig. ‚Wollen Sie mir jetzt sagen, was das mit mir zu tun hat, oder noch länger drumrum reden?‘
Zu Kurts Überraschung lachte Bachmann auf.
‚Na, Sie sind ja ein ganz Direkter‘, sagte Bachmann und neigte anerkennend den Kopf. ‚Männer Ihres Formates sind selten geworden.‘
Kurt schnaubte zustimmend.
Mit Genugtuung sah er wie Bachmann bei einer etwas stärkeren Brise fröstelte und dann den Kragen seines Mantels hochschlug. So viel Geld, so viel Zeit, so viel Wolle, und wofür? Für einen Mantel, der nicht wärmte. Manchmal fragte sich Kurt, auf was für verrückte Ideen die Menschen noch so alles kommen würden.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 263f.)

„Huhu! Is hier einer? Haaaalloooo! Kaaaaffeeee!!!! Hallo?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 10.)

  1. Du hast ja unter anderem Religionswissenschaften studiert. Wie stehst Du zum Thema Glaub, zu Religion usw.?

Luzena indes wurde unruhig. ‚Warum antworten sie uns nicht? Warum fragen sie uns nichts?‘, wollte sie wissen. ‚Sie haben doch auf unseren Ruf reagiert?‘
‚Ruhig.‘ Wie es seine Art war, vermittelte Reso trotz seiner Jugend Ruhe und Wohlgefühl. ‚Es scheint mir, sie haben erst ihren Göttern huldigen müssen. Wer sind wir, dass wir uns über fremde Götter erheben wollen?’“ (Aus: „Der Besuch“, Seite 204.)

Die Weibchen der Fremden kamen langsam herbei und vollführten scheinbar sinnlose Gesten, taten im Grunde genommen nicht viel, außer das liegende Männchen aufzurichten und einige rätselhafte, grob hergestellte Gegenstände vor ihm abzustellen. Ob das Opfergaben waren?
Mili war fasziniert von der Szene, die sich vor ihr abspielte. Gleichzeitig schnitt es ihr ins Herz, wie traurig das Männchen offenbar war. Oder missverstand sie da nur etwas? (Aus: „Der Besuch“, Seite 205.)

‚Glaubst Du denn, die Götter hören uns noch zu?‘
‚Natürlich!‘ Luke nickt. ‚Das tun sie, kleiner Freund, ganz zweifellos. Überleg doch mal: Wie sonst wäre es möglich, zu träumen?’“ (Aus: „Der Zweifel“.)


4. … und du hast auch Friedens- und Konfliktforschung studiert. Ein Statement dazu?

Es muss doch eine Möglichkeit geben, wie alle Menschen, Männer und Frauen, gleichberechtigt und in Frieden miteinander leben können!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 27.)

Ich wünsche dir, dass du zur Einsicht kommst. Doch das wirst du nicht, nicht wahr? Du hast immer schon deinen eigenen Kopf gehabt und deinen eigenen Sinn von Gerechtigkeit. Den habe ich immer an dir bewundert, aber dieses Mal, Kleine, wird er dir zum Verhängnis werden. Eine Frau muss wissen, wann sie kämpfen und wann sie wegschauen muss.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 356.)

Wer sich gegenüber Schwächeren anders verhält als gegenüber Gleichgestellten, sollte sein Verhalten überdenken, pflegt meine Mutter immer zu sagen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 246.)

5. Du hast ja mittlerweile einige Lesungen gehalten und wir beide werden demnächst ja auch bei der Langen Lesenacht in Billerbeck aus unseren Romanen lesen. Wie empfindest du es vor Publikum aus deinem Buch zu lesen?

Schriftstellersein ist harte Arbeit … aber auch eine sehr erfüllende und wunderbare, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

‚Die Basis der Schriftstellerei ist nichts anderes als harte Arbeit.‘

‚Du willst mich wohl auf den Arm nehmen!‘ Wütend funkelt mich der Fremde an. ‚Als ob dir das

Schreiben keinen Spaß machen würde!‘

‚Doch, tut es. Es ist ein großes Glück, wenn man seiner Berufung folgen kann und die Arbeit Spaß

macht. Aber soll man sich deswegen etwa nicht mehr dafür bezahlen lassen? Und denken Sie bloß

nicht, das mir das Schreiben IMMER Spaß macht!‘

Ich schließe die Augen und denke an Kopfschmerzen und Schniefnase.“ (Aus: „Ein widerstehliches Angebot“, Seite 70.)

Wir sitzen hier, du und ich und … ich bin sicher, wir können zusammen eine ganze Menge Spaß haben! Mindestens so viel, wie wenn wir in Miami wären, ja?“ (Aus: „Ein Winterberger Winterkrimi“, Seite 9.)

6. Wenn man deinen Roman Hexenherz liest, in dessen Welt ein oppressives Matriarchat herrscht, merkt man, dass dir das Thema Gleichberechtigung sehr wichtig ist. Wie sollte eine Gesellschaft deiner Meinung nach optimalerweise aussehen?

„‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss für jeden da sein. „

Wahnsinn ist das, was diese Gesellschaft aus uns gemacht hat. Nicht alle denken so. Wir nicht und andere auch nicht. Also zog Adrian los, Gleichgesinnte zu finden. Mit ihnen wollte er leben, als Gleicher unter Gleichen, ganz egal, ob Mann oder Frau oder Fräulein. Bemessen einzig und allein an der Stärke seines Wesens, seines Charakters.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 306.)

‚Ganz so ist es nicht‘, hatte ich erwidert, ‚aber merk dir eins, mein Junge: Gerechtigkeit muss für jeden da sein. Ob groß oder klein, mächtig oder schwach, Frau oder Mann: Man kann sich nicht aussuchen, für wen die Gerechtigkeit da sein soll und für wen nicht. Man muss zu dem stehen, der man ist, und stets versuchen, so zu handeln wie der Mensch, der man sein möchte. Nur so wirst du es eines Tages schaffen, der Göttin ohne Scham gegenübertreten zu können.’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 396.)

7. … und man merkt auch, dass du zweifache Mutter bist. Wie würdest du eine optimale Mutter beschreiben?

‚Jenny’“, wiederhole ich so sanft ich kann. ‚Ich werde aller Wahrscheinlichkeit nach in den Tod gehen. Vieles im Leben erscheint einem sinnlos, Jenny, wenn man nur an sich denkt und nicht an das Morgen, das andere noch erleben werden. Ich habe diesen Jungen an Kindes statt genommen. Ich muss ihn in der Obhut einer Person wissen, der ich absolut vertrauen kann. Ihr beide seid für mich das Leben, das Weiterleben. Selbst, wenn wir anderen alle scheitern sollten. Kannst du das für mich tun?’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 375.)

Das Baby in meinem Arm ächzt im Schlaf. Es streckt Ärmchen und Beinchen von sich, zittert ein wenig und entspannt sich wieder mit einem zufriedenen Seufzer. Kire liegt völlig schlaff in meinen Armen. Sie ist so voller Vertrauen, wie sie es als Erwachsene nie wieder sein kann. Noch weiß sie nichts von dieser Welt, noch kennt sie nichts außer Liebe, Wärme und Geborgenheit. Göttin, beschütze sie!“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 426.)

8. Wie schaffst du es, dich um deine Kinder zu kümmern und dich gleichzeitig so einer zeitintensiven Tätigkeit wie dem Schreiben zu widmen? Werden da manchmal die Kinder vernachlässigt?

Ich schätze, mit etwas Organisationstalent kann man das irgendwie hinkriegen?

Empfanden zwar einen Hauch Mitleid mit dem Kind, aber der Vater würde zweifellos Physiklehrer Müller werden, und der war schließlich echt in Ordnung.“ (Aus: „Der Langzeitplan“.)

9. Wie du schreibst, möchtest du deinen Lesern auch gewisse Wert vermitteln, welche sind das?

Als sich ihre Blicke trafen verliebte sich der junge Mann unsterblich in die Prinzessin, denn er hatte hinter ihrem hochmütigen Wesen ihr gutes Herz erkannt. Und ebenso verliebte sich die Prinzessin unsterblich in den jungen Mann, denn sie erahnte die Güte und Wärme hinter seinem kühlen Gebaren.“ (Aus: „Der Winterprinz“.)

Jetzt muss ich wirklich lachen. ‚Mirja, ernsthaft? Ja, wir haben uns ganz gut unterhalten. Und ehrlich gesagt haben wir mehr gemeinsam, als ich je gedacht hätte. Aber das macht doch noch lange keine Freundschaft aus. Dazu gehören Dinge wie Vertrauen, Ehrlichkeit und Treue! Dinge, von denen du keine Ahnung hast!’“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 218.)

 

10. Bist du eher eine Idealistin oder eine Materialistin?


„Was ich meinte, war, dass Adrian damals ein Idealist war, ein Träumer. Als ich ihn vor etlichen Jahren wiedertraf, hatte sich das geändert. Er war realistischer geworden, härter. Seinen Idealismus hat er jedoch nie ganz verloren.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 307.)

Hunger tut weh, das solltest du am besten wissen.“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 221.)


11. Was erwartest du dir von der Zukunft?


„Ich weiß es nicht, ist das überhaupt wichtig?“ (Aus: „Hexenherz, Eisiger Zorn“, Seite 346.)

 

12. So, das habe ich jetzt von dir geklaut. Ich konnte sie ganz gut beantworten, weil ich mal einen passenden intertextuellen Metafiktionwitz in einer meiner Kurzgeschichten eingebaut habe (man hüte sich vor den ganzen postmodernen Autoren, die sich selbst in ihre Texte einbauen). Aber ich glaube, du wirst da eher deine Schwierigkeiten haben. Überzeuge du mich jetzt deine Bücher zu kaufen. (bzw. nochmal, ich habe sie eigentlich bereits alle mittlerweile) 😉

Ich fürchte, Sie missverstehen da etwas: Was irgendein Jurist dazu sagt, interessiert mich nicht. Ich will mein Geld. Geben Sie es mir und alles ist gut. Geben Sie es mir nicht, und … Nun: Ich bekomme immer, was ich will.“ (Aus: „Der Spaten“, Seite 265.)

Wie magisch wurde er von dieser Eisblume angezogen, die so wunderschön war, so einzigartig, so kühn in ihrem Muster und so anmutig zart, dass es ihm die Sprache verschlug. (Aus: „Der Winterprinz“.)

‚Entspann dich mal, Schatz!‘, hatter gesagt, ‚Ruh dich mal richtig aus‘ und ‚Lass dich mal so richtig verwöhnen, Schatz!‘, hatter gesagt. (Aus: „Ein Winterberger, Winterkrimi“, Seite 9.)

ENDE

Ich glaube, lieber Nikodem, mir hat noch nie ein Interview so viel Spaß gemacht wie dieses hier! Deine Fragen waren zugegeben sehr kniffelig, aber ich liebe Herausforderungen! Vielen lieben Dank also für dieses tolle Interview! 🙂

Danke Monika, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast.

Mehr zu Monika könnt ihr hier finden:

https://monikaloerchnersite.wordpress.com
https://www.facebook.com/MonikaLoerchner/
https://www.lovelybooks.de/autor/Monika-Loerchner/
https://www.amazon.de/Monika-Loerchner/e/B01MRLT7GK/
http://www.acabus-verlag.de/autoren_31/loerchner-monika_1133.htm

Bibliographie:

*Naja, eher sie, aber ich habe sehr schnell zugestimmt und die Genialität dieser Idee erkannt und das Konzept ausgearbeitet. 😉  Ich meine, wie cool ist das, ein Zitatinterview ^^




Gewinnspiel: Wenn Soziopathen träumen

Am 24.07.2017 ist es endlich soweit: Mein neustes Buch „Wenn Soziopathen träumen“ erscheint!

Und zur Feier der Veröffentlichung habt ihr mal wieder die Möglichkeit Exemplare des Buches zu gewinnen. Insgesamt verlose ich hier auf meiner Webseite drei signierte Exemplare.

Das Gewinnspiel läuft von 16:00 MEZ 23.07.2017 bis 23:59 MEZ am 30.07.2017. Die Teilnahme ist denkbar einfach: Schreib einen Kommentar unter diesen Blogeintrag, warum du dieses Buch gewinnen willst. Die Bücher werden unter allen Kommentarschreibern verlost. Die drei Gewinner werden am Montag, den 31.07, via E-Mail benachrichtigt.

 




Drogen & kreatives Schreiben

Ich würde nie jemandem zu Drogen, Alkohol, Gewalt oder Wahnsinn raten, aber für mich hat es immer funktioniert. –Hunter S. Thompson

Ein populärer Mythos lautet, Drogen könnten als kreativer Treibstoff dienen. Zahlreich sind die Legenden, die sich um den Missbrauch und den Gebrauch von psychoaktiven Substanzen bei Schriftstellern ranken, angefangen bei den Opiumessern der Antike und Laudanumtrinkern der Romantik, über die Acidheads der Beat-Generation und die zigarrenrauchenden Machos der Lost Generation bis hin zu dem Koksverbrauch bei Thompson, Freud, Stevenson und King.

Doch können Schriftsteller tatsächlich von dem Gebrauch psychoaktiver Substanzen profitieren?

Da die Psyche und der Körper jedes Individuums einzigartig sind, lassen sich zwar kaum Pauschalaussagen darüber machen, ob und welche Droge kreativitätssteigernd auf einen bestimmten Schriftsteller wirken könnte. Ich selbst habe allerdings eine Reihe Selbstversuche hinter mir, aus denen ich hier zumindest anekdotisch berichten und mit den Erfahrungen anderer Autoren vergleichen und daraus Schlussfolgerungen ableiten will. Ich rate von jeglicher Nachahmung ab. Persönlich konsumiere ich seit mehreren Monaten auch keine Drogen mehr, da das Kosten-Nutzen-Verhältnis wie wir noch sehen werden, alles andere als gut ist.

 

Der Intellektuelle Aldous Huxley – Autor des Romans „Eine schöne neue Welt“ – beschrieb seine Erfahrungen mit den Psychedelika LSD und Meskalin in diversen Essays.

Psychedelika (insbesondere LSD)
Das letzte Mal, als ich versuchte, einen Text unter dem Einfluss von LSD zu schreiben, war ich von der Tatsache, dass das Papier Tinte blutete und die Luft von Regenbogenmandalas durchzogen war, so sehr abgefuckt, dass ich nur zwei krumme, kaum lesbare Sätze hinkritzelte – über deren Bedeutung ich bis heute rätsle. Zwar deuten aktuelle Studien darauf hin, dass Psychedelika wie LSD und Psilocybin die Kreativität nach dem Rausch beim Konsumenten für mehrere Monate signifikant erhöhen, aber der Rausch an sich ist absolut unproduktiv. Die Pseudohalluzinationen und die Störung der Wahrnehmung von Raum und Zeit, genauso wie das unkontrollierte Sprudeln an Bildern, Erinnerungen, Ideen und Eindrücken, machen es unmöglich sich auf eine Sache wie Schreiben zu konzentrieren – von konfusen, surrealistischen Textarten abgesehen.
Die Nachwirkungen auf die Kreativität und die Inspiration sind allerdings nicht zu unterschätzen. Psychedelika lösen die Grenze zum Unterbewusstsein auf und öffnen einem die Pforten der Wahrnehmung, wie Aldous Huxley es formulierte, und zeigen einem wortwörtlich eine komplett neue Welt. Steve Jobs nannte LSD eine seiner wichtigsten Lebenserfahrungen; Meskalin inspirierte Sartre zu seinem Roman Der Ekel, Philip K. Dick und Ken Kesey begannen beide ihre Schriftstellerkarrieren, nachdem sie LSD genommen hatten. Ich selbst habe mit dem Romanschreiben begonnen, nachdem ich bei einer Drogenüberdosis, bei der die Halluzinogene LSA, THC & diverse Tryptamine einen Anteil hatten, fast gestorben wäre und in einer Vision offenbart bekam, dass ich Schriftsteller werden will. (Ich sprach darüber bereits in einem Interview bei mordsbuch.net) Psychedelika haben allerdings, wie ich bereits in einem Essay erwähnte, nicht nur das Potential das Bewusstsein zu erweitern. Sie können die Psyche auch komplett durcheinanderbringen und sind nicht ungefährlich. Nur wer weiß, was er tut, sollte sich diesen Substanzen nähern. Es kann sich z.B.: eine HPPD entwickeln.

Hunter S. Thompson mit einer Zigarette

Schwache Stimulanzien (Nikotin & Koffein)
Tabak & Kaffee treiben die moderne Leistungsgesellschaft an, also warum auch nicht den modernen Schriftsteller? Wer mal einigen Autoren auf Instagram folgt, der wird nicht selten Bilder von großen, dampfen Kaffeetassen sehen. Koffein ist die am meisten konsumierte Droge der Welt. Es steigert die Leistung, macht wach, produktiv und laut einigen Studien erhöht es auch die Fähigkeit assoziativ und kreativ zu denken. Abgesehen vom mittelmäßigen Suchtpotential, ist Koffein vergleichsweise nebenwirkungsarm. Für mich persönlich hat sich 85%igeSchokolade als in der Regel perfekte Stimulanz zum kreativen Arbeiten herausgestellt. Dunkle Schokolade enthält große Mengen wachmachendes Koffein, stimmungsaufhellendes Theobromin und Tryptophan und eine Menge an Fetten und Vitaminen, die die Hirnleistung ankurbeln. Sehr selten paffe ich einen Zigarrillo oder eine Zigarre dazu, was mir noch zusätzlich hilft, konzentriert zu bleiben. Allerdings tue ich das selten, denn eigentlich bin ich Nichtraucher und habe vor es zu bleiben. Ich steige bei Bedarf eher auf stärkere Stimulanzien um, die ich aufgrund einer ADHS-Diagnose verschrieben bekommen habe, dies geschieht allerdings kaum noch. Nikotin hat lediglich den Vorteil, dass es durch die Konsumform und kurze Wirkdauer leicht zu dosieren und einfacher zu handhaben ist. Des Weiteren haben die schwachen Stimulanzien Nikotin & Koffein keine starken akuten Nebenwirkungen. Dafür ist Tabak aber von den gängigen Drogen, diejenige, die wohl am giftigsten und tödlichsten für den Körper ist.

Robert Louis Stevenson (1850 – 1894) schrieb die berühmte Geschichte innerhalb eines einzigen, dreitägigen Kokainrausch. Genauso wie Dr. Jekylls Trank Mr. Hyde und damit das Schlimmste in ihm heraufbeschwört, offenbart Drogenmissbrauch oft die schlimmsten Seiten einer Person.

Starke Stimulanzien (Kokain, Amphetamine & Methylphenidat)
Hell Yeah, das klingt gut. Stevenson schrieb Dr. Jekyll & Mr. Hyde in einem einzigen, mehrtägigen Kokainrausch; Jack Kerouac schrieb sein legendäres, recht dickes On the Road innerhalb von zwei Wochen auf Amphetamin; und ich schrieb meinen letzten Roman Crackrauchende Hühner im Methylphenidatrausch innerhalb von 21 Tagen. Normalerweise brauche ich für einen Roman Monate und obwohl ich das Buch in so einer Rekordzeit geschrieben habe, ist es wahrscheinlich der komplexeste und beste Roman, den ich bisher veröffentlicht habe. Nach dem Fertigstellen von CrH & Absetzen des Medikaments verbrachte ich dafür aber zwei Monate in einem psychotischen Auf und Ab zwischen Manie und schwerer Depression, Wahnvorstellungen und Suizidgedanken. Starke Stimulanzien sind auf jeden Fall in der Lage, die Produktivität und Kreativität signifikant zu erhöhen und fast jederzeit einen Flow künstlich herzustellen. Man ist zu übermenschlichen Leistungen fähig. Der Preis, den man dafür bezahlt, ist jedoch enorm. Nichts ist in der Lage, die Psyche so schnell und gewaltig durcheinanderzubringen, wie der Dauergebrauch von Stimulanzien. Auch die akuten Nebenwirkungen, wie Hirnblutungen, Herzrasen, Appetitmangel, Panikattacken, Größenwahn, Paranoia (siehe Scarface) und die lange Wirkungsdauer, die zu Schlafstörungen führt, machen den Gebrauch von starken Stimulanzien problematisch. Fürs kreative Schreiben ist auch problematisch, dass die Fähigkeit zur Selbstkritik mit zunehmenden Konsum dahinschwindet, genauso wie die Distanz zum Werk. Man steht durch die Stimulanzien stetig unter Strom und ist hochfokusiert & tief in die Arbeit versunken, aber dadurch fehlt eben das assoziative Herumschweifen des Verstandens und die Distanz zum Werk, sodass Eingebungen, Ideen und Aha-Momente ausbleiben und man konstant auf einer Spur bleibt, ohne auf andere & damit potentiell bessere Ideen zu kommen. Dies kann man sehr gut bei Sartre beobachten, der in seinen letzten Lebensjahrzehnten massenweise Amphetamin konsumierte und ein Essay nach dem nächsten publizierte, allerdings mit stetig sinkender Qualität. Irgendwann stellt sich auch ein Gewöhnungseffekt und eine Sucht ein, sodass der Autor im schlimmsten Fall am Ende ohne seine Stimulanzien gar nicht mehr schreiben kann. Stephen King ist sich zusammen mit den meisten seiner Kritikern darin einig, dass die Bücher, die er während seiner Kokainsuchtzeit schrieb, zu seinen Schlechtesten gehören. (Dies thematisiert er unter anderem in seinem Autobiographie-Schreibratgeber-Hybrid Das Leben und das Schreiben. Ein dringender Lesetipp für alle aufstrebenden Autoren.) Ich persönliche setzte starke Stimulanzien nun fast gar nicht mehr ein. Die letzte Verwendung liegt Monate zurück. Prinzipiell richten sie nämlich langfristig mehr Schaden an, als das sie nutzen und ich kann von dem Gebrauch nur abraten.

Frei erhältliche Schlaftabletten (Diphenhydramin & Doxylamin)
Ich leide episodenweise unter Manie und damit auch unter Insomnie, bei der ich tagelang kaum oder gar nicht schlafe. In den vergangenen Jahren habe ich daher auch erfolglos verschiedene Schlaftabletten ausprobiert. Statt mich einschlafen zu lassen, versetzen mich gängige Schlaftablette allerdings oft in einen verwirrten, traumartigen Halbwachzustand, der bei höherer Dosierung zu Halluzinationen führt. Wenn ich dann nicht zu sehr damit beschäftigt bin, dem wegschwimmenden Bücherregal hinterherzustarren, schreibe ich merkwürdige, surrealistische Gedichte, Traumgeschichten und Assoziationsketten. Über deren literarischen Wert habe ich allerdings noch so meine Zweifel.

Viele Schriftsteller, die abhängig von starken Stimulanzien waren, wie Marcel Proust oder Jean-Paul Sartre, nutzten auch diverse Schlaftabletten, um die Nebenwirkungen der Stimulanzien zu bekämpfen. Dies führt zu dem zerstörerischen Teufelskreis einer polytoxen Drogenabhängigkeit. Zwei, drei Wochen lang versuchte ich selber einmal die Nebenwirkungen meiner Ritalinmedikamentation mit Schlaftabletten zu kompensieren. Dies führte zu tagelangen Erinnerungslücken, dissoziativen Episoden, Kreativitätsproblemen, dem temporären Verlust des Körper- und Temperaturgefühls sowie Erbrechen und Schweißausbrüchen. Viel schreiben konnte ich in der Zeit nicht. Erst als ich meine Medikamentation abbrach und danach mehrere Wochen clean war, kam die Kreativität und Produktivität in voller Stärke zurück.

Hypnotika (insbesondere Benzodiazepine)
Die verschreibungspflichtigen Beruhigungs- und Schlafmittel, also Barbiturate, Benzodiazepine & die modernen Z-Drugs wirken alle, ähnlich wie Alkohol, auf das GABA-System des Körpers ein und bewirken so eine Sedierung und Enthemmung, allerdings viel direkter und ohne viele der unangenehmen Effekte des Alkohols. Das berühmteste dieser Mittel ist das Benzodiazepine Diazepam, bekannt als Valium. Einige Autoren, auch aus meinem Bekanntenkreis, benutzen gelegentlich diese Mittel, um Schreibblockaden zu überwinden, da sie den inneren Kritiker ausschalten und sie in einen leicht verträumten Zustand versetzten, in dem ihnen Metaphern und Ideen schneller und klarer kommen. Ich persönlich habe nie mit einem Mangel an Ideen oder mit Schreibblockaden zu kämpfen, sondern oft nur mit einem Mangel an Motivation und Konzentration. Entsprechend sind bei mir diese Mittel nur kontraproduktiv, weil sie die Konzentration und Motivation noch weiter herabsetzen und mich zu müde zum Arbeiten machen.

Da Benzodiazepine auch Ängste, Panikattacken, Hemmungen, Unsicherheit und Nervosität unterdrücken und einen selbst zur Ruhe kommen lassen, wenn man total unter Spannung steht, sind sie unter Kreativen vor allem im Musik-, Film- & Showgeschäft beliebt; also Berufen, die nicht so introvertiert und ruhig wie das Schreiben sind. Amy Winehouse, Heath Ledger, Whitney Houston & Eminem missbrauchten Benzodiazepine, die ersten drei starben daran, Eminem überlebte eine Überdosis in Kombination mit dem Opioid Methadon und ging danach auf Entzug.

Zwar werden Benzos in Deutschland sehr oft und schnell verschrieben, allerdings haben sie bei Daueranwendung ein enormes Abhängigkeitspotential, weshalb es hierzulande mittlerweile weit über eine Millionen Benzodiazepineabhängige gibt. Die Entzugserscheinungen bei einer schweren Abhängigkeit äußern sich in epileptischen Anfällen, Psychosen, Insomnie und Krämpfen und können tödlich sein.

William S. Burroughs (1914 – 1997) war über 60 Jahre lang opioidabhängig. Er gilt als Begründer der Beat-Generation und einer der einflussreichsten postmodernen Schriftsteller.

Opioide (Opium, Morphin, Kratom, Kodein, Tramadol usw.)
Im Opioid- und insbesondere im Opiumrausch ist man den Fantasiereichen und der Welt der Träume so nah, wie man es im Wachzustand nur sein kann. Alles wirkt poetisch und göttlich, als würde ein Engel einen in den Armen halten. Der Konsument ist komplett in sich gekehrt und durchwandert in furchtloser Ruhe die sonderbaren Welten seiner Vorstellungskraft und seines Unterbewusstseins. Ideen können präzise ausformuliert werden und die Realität wird absolut bedeutungslos. Die Fähigkeit klar zu denken ist bei normaler Dosierung nicht bis kaum beeinträchtigt, nur emotional fühlt man sich geborgen, sorgenlos und frei. Der berühmte römische Kaiser, Schriftsteller, Philosoph, Feldherr & Stoiker Marc Aurel nahm zweimal am Tag Theriak, eine Opiumzubereitung, zu sich, was ihm die nötige seelische Ruhe für sein pflichterfülltes und intellektuelles Leben gab. Die meisten Romantiker, von Novalis, Keats über Byron bis Poe waren Opiumsüchtige. Die Opiate Morphin und Heroin trieben auch viele moderne Schriftsteller, wie Hans Fallada und William S. Burroughs an. Burroughs beschreibt die Wirkung in seinem autobiographischen Roman Junkie wie Folgend: „Wenn Gott jemals etwas Besseres erschaffen haben sollte, dann hat er es für sich selbst behalten.“, verflucht und porträtiert die Auswirkungen der Sucht in seinem späteren Werk Naked Lunch und beendet das Nachwort mit einer Warnung vor dem Opiatgebrauch und den Worten „Blick hinunter, blick jene Straße des Opiats hinunter, bevor du sie entlangreist und dich mit den Falschen Haufen einlässt … Wer schlau ist, läßt sich das gesagt sein.

Der göttliche Rausch kommt nämlich mit dem höllischen Preis der körperlichen und geistigen Abhängigkeit, die sich beim häufigen Gebrauch sehr schnell einstellt. Der Rausch hat definitiv etwas Kreatives und Inspirierendes, die Ideen und Wörter strömen in goldenen Flüssen direkt aus Elysium auf einen herab und die berühmten Aha-Momente, bei denen neue Ideen entstehen, treten öfters auf als sonst, allerdings war ich im Opioidrausch in der Regel nicht in der Lage die Motivation und Disziplin aufzubringen, um etwas aufzuschreiben. Die introvertierende und träumerische Wirkung ist zu stark, um mehr hinzukriegen, als Gedichte oder Fragmente. Die häufig sehr wirren und langen, teilweise inceptionartigen Träume, die dem Opioidrausch folgen, empfand ich dagegen als sehr inspirierend und habe deren Erfahrung bereits in mehreren surrealen Geschichten und meinem Roman Crackrauchende Hühner und den Geschichten in Wahnsinn und Wahn verarbeitet. Mit Opioiden werde ich allerdings nicht mehr experimentieren, das Abhängigkeitspotential ist mir zu groß. Der nüchterne oder leicht stimulierte Zustand ist kreativer und produktiver, als die süßen Träumereien der Opioide, die mehr zu Ablenkung einladen und selten nur zu einem wirren Geschreibsel führen.

Cannabis rauchen
Viele werden mir widersprechen, allerdings lässt sich meine Erfahrung mit dieser Substanz so zusammenfassen: Cannabis ist eine Pflanze, und wer sie raucht, wird selbst zu einer Pflanze, die nur noch faul herumliegt und nichts Produktives mehr tut. Und wenn man nicht faul herumliegt, dann kauert man paranoid mit Herzrasen und nach Luft schnappend in einer Ecke. Auf Cannabis kommen zwar einem oft unglaublich viele Ideen und man fühlt sich extrem kreativ, aber sobald man nüchtern ist, realisiert man, dass 99,9999999% der Cannabisideen total langweiliger Bullshit sind, die einem nur im Cannabisrausch gut erschienen.

Cannabis oral
Oral konsumiertes Cannabis wirkt anders, als gerauchtes. Dieser Rausch hat mehr mit dem der Halluzinogene gemein und lässt einen wirklich tief in Ideen und Fantasiegebilden versinken. Die Produktivität und die Fähigkeit, kreative Ideen in eine apollinische Kunstform einzufangen, werden jedoch genauso zerstört, wie beim Rauchen. Bereits Baudelaire merkte in seinem Essay Die künstlichen Paradiese an, dass gegessenes Haschisch zwar die Vorstellungskraft in unermeßliche Höhen treiben würde, aber genauso sehr jegliche Fähigkeit diese produktiv oder kreativ umzusetzen zerstört.

Alkohol
Viele Autoren nutzten Alkohol, um sich zu enthemmen und sich Mut zum Schreiben anzutrinken, allerdings in der Regel mit schlechten Ergebnissen. Selbst Hemingway, welcher ein schwerer Trinker und später Alkoholiker war, betonte in Interviews, dass er immer nüchtern schreiben würde. Ich persönlich fühle mich auf Alkohol in der Regel zu demotiviert und geistig blockiert, um irgendetwas zu schreiben. Der Alkoholrausch ist fürs Schreiben eher hinderlich.

Ernest Hemingway beim Schreiben

Sobald die Alkoholwirkung allerdings abgeklungen ist, erlebe ich oft sehr intensive, kreative Phasen, als ob sich die ganze Kreativität und Motivation während des Alkoholrausches irgendwo aufgestaut hätte. Von diesem Phänomen berichteten mir auch einige befreundete Autoren & Künstler.

Obwohl Alkohol legal ist, ist es eine der stärksten und gefährlichsten Drogen mit einem nicht zu unterschätzbaren Sucht- und Abhängigkeitspotential. Es wirkt bereits bei minimalsten Mengen akut neuro- und zytotoxisch ergo als Nerven- und Zellgift und verursacht bei häufigen Gebrauch diverse Krankheiten, von Immunschwächte über Organversagen bis Krebs. Alkoholentzug bei Alkoholismus („delirium tremens“) kann genauso schlimm werden wie der Entzug bei einer Benzodiazepin- oder Opioidabhängigkeit und kann tödlich enden.

Irish Cream (Alkhol+Koffein) + Ritalin (Methylphenidat)

Einmal probierte ich die Mischung von Bailey´s und Ritalin beim Schreiben aus. Alkohol verursacht eine Dopaminausschüttung im Gehirn, Ritalin fungiert, wie Kokain, als Dopaminwiederaufnahmehemmer, blockiert also den Abbau von Dopamin im synaptischen Spalt. Die Kombination der beiden Substanzen führt daher zu einem sehr intensiven Rausch, der bei mir starke Motivation, Euphorie und gesteigerte Kreativität auslöste. Ich schrieb und zeichnete sehr viel, allerdings lediglich von normaler Qualität. Kein Meisterwerk entstand in diesem Rausch. Am nächsten Tag fühlte ich mich dafür wie ein Zombie, der von einem Bulldozzer überfahren worden war. Nicht empfehlenswert.

Blauer Lotus
Bereits in Homers Odyssee saßen die Lotophage nur geistlos wie Idioten herum und vergaßen alle ihre Verpflichtungen und Sehnsüchte. Es hat sich in den letzten zweieinhalbtausend Jahren nichts an der Rauschwirkung geändert. Einer der stupidesten Räusche, den ich kenne. Man sitzt mehr oder weniger nur apathisch herum und ist nicht einmal mehr in der Lage wirklich zu denken. Man starrt auf ein leeres Blatt Papier und fragt sich, was man damit überhaupt anfangen soll. Cannabis macht einen Menschen zu einer Pflanze, Lotus zu einem Stein.

Blauer Lotus + Alkohol
Mit Alkohol gemischt, wirkt Lotus durch eine synergetische Pharmakokinetik anders. Man verfällt in ein schwachhalluzinogenes Delirium, man verspürt Ekstase anstatt Apathie, die Farben werden intensiver, die Gedanken klarer als beim Solokonsum, aber der Rausch bleibt stupide. Man ist zwar nun in der Lage, zu verstehen was Papier ist und was Schreiben ist, aber alles was man schreibt, hat zehn Ausrufezeichen und keinen Inhalt, ganz abgesehen davon, dass man fünfzig Tippfehler pro Zeile macht, weil man dauernd daneben tippt.

 

Fazit:

Die meisten Drogen sind für den kreativen Prozess unterm Strich störend. Sie können zwar als Inspiration dienen, so wie jedes Erlebnis im Leben, und sie können kurzzeitig die Umsetzung einer Idee erleichtern, aber sie verursachen auf Dauer nur einen Einbruch der Kreativität & Produktivität oder andere unangenehme Nebenwirkungen. Für mich persönlich können Drogen als Quelle der Inspiration dienen, allerdings schreibe ich aus der Erfahrung meine besten Sachen nüchtern oder unter dem Einfluss von Stimulanzien, wobei man hier jedoch anmerken muss, dass ich ein (wenn auch umstrittene) ADHS-Diagnose habe und Nikotin und Amphetamine daher bei mir theoretisch die störenden Symptome des ADHS unterdrücken. Die perfekte Schreibdroge ist für mich Schokolade, die ich auch zu mir genommen habe, während ich diesen Artikel schrieb; allerdings hat selbst Schokolade negative Nebenwirkungen. Härtere Sachen kann man theoretisch ausprobieren und die daraus gewonnen Erfahrungen später literarisch verarbeiten, aber um zu schreiben und gute Texte zu verfassen, braucht man letztendlich Konzentration und einen klaren, funktionierenden und nüchternen Kopf. Wenn man solchen Experimenten nachgeht, muss man darauf achten, dass es beim Experimenten und einem sinnvollen Drogengebrauch bleibt, und der Konsum nicht zu einem hedonistischen, selbstzerstörerischen Substanzmissbrauch ausartet, der letztendlich zur Sucht & damit zu Degeneration & damit zu verminderter Produktivität & verminderter Kreativität führt. (Die Prinzipien hinter einem sinnvollen Drogengebrauch habe ich in meinem Essay „Die Ethik des rationalen Drogenkonsums“ erläutert). Willensschwachen Autorn, bzw. Menschen im Allgemeinem, ist daher das Experimentieren mit bewusstseinsverändernden Substanz abzuraten. In der Regel lassen sich die gleichen und sogar besseren Ergebnisse erzielen, wenn man auf den Konsum von Drogen während des kreativen Prozesses verzichtet. Vor allem Schriftsteller, die statistisch gesehen häufig an psychischen Krankheiten wie Depressionen, Schizophrenie und Bipolaren Affektstörungen leiden, sind oft suchtgefährdet.

Der schweizer Autor Friedrich Glauser, der im Alter von 42 Jahren seiner Morphinsucht erlag, fand in seinem autobiographischen Buch Morphium die passende Beschreibung der Sucht und des Drogenmissbrauchs als Schriftsteller: Alle Gründe, die man erfindet, um die Sucht zu entschuldigen, können sich literarisch und poetisch sehr gut machen. Konkret ist es eine Schweinerei. Denn man ruiniert sich sein Leben damit.

Und auch die Lebensläufe anderer Autoren, wie Jack Kerouac oder Hans Fallada, die großartige Werke im Drogenrausch schufen, enden oft im Wahnsinn und frühen Tod durch eben diesen, oder in einem Verlust der Fähigkeit zu Schreiben wie bei Hunter S. Thompson oder Ernest Hemingway. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wie vielleicht William S. Burroughs, der sich noch mit 83 Jahren sein Heroin spritzte, schrieb und in Filmen mitspielte und mit anderen Künstlern tätig war, aber das sind eben die wenigen Ausnahmen, nicht die Regel. Und man sollte niemals den Fehler zu machen, die wenigen, besonderen Ausnahmen zu sehr zu romantisieren und zur universellen Gültigkeit zu erheben.

Wer trotzdem noch mehr zu diesem Thema erfahren will, dem kann ich diese Doku von ARTE empfehlen: Im Rausch – Die etwas andere Kulturgeschichte

 

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Rezeption zu ‚Crackrauchende Hühner‘

Mein neustes Buch ‚Crackrauchende Hühner‚ ist nun schon eine zeitlang auf dem Markt. Mittlerweile haben sich einige Kritiker und Rezensenten zu dem Buch geäußert. Und zu meiner großen Freude ist die Rezeption bisher durchgehend sehr gut und vielfältig ausgefallen.

Die Leserunde auf Lovelybooks war sehr spannend und die Beteiligten zeigten sich Es gab nur einen einzigen Fall bei dem eine Leserin auf lovelybooks in der Leserunde von dem Buch nicht begeistert war, sondern sogar in die andere Extreme umgeschlagen ist: Sie forderte eine Zensur bzw. ein Verbot meines Buches und griff den Autor, also mich persönlich an. Die angekündigte Rezension inklusive fundierter Demontage blieb zwar bis heute aus, aber ich fühle mich trotzdem hiervon geschmeichelt. Wenn alle mein Buch loben würden und es nicht polarisieren würde, dann würde es bedeuten, dass ich etwas grundlegend falsch gemacht hätte.

Mit möglichst vielen Konventionen und Normen zu brechen, und damit zwangsläufig einigen Menschen vor den Kopf zu stoßen, ist eins der Ziele, die ich mit diesem Buch erreichen wollte, wie ich in einem Interview mit der Plattform Leserkanone am 20. April (#420) erklärte.

Das brachte auch eine christliche Leserin auf Lovelybooks in ihrer Rezension auf dem Punkt.

„[…]]Für „christliche“ Leser ohne Sinn für Humor ist es eher nicht zu empfehlen. Und starke Nerven werden ebenfalls empfohlen, wenn man dieses Buch lesen will. Ich habe selten eine so skurielle, ironische aber auch witzige Geschichte gelesen. Kaum glaubt man es kann gar nicht mehr verrückter werden, passiert es genau so. Am Ende frägt man sich wirklich was jetzt noch Fiktion also Roman und was Wirklichkeit ist. Es braucht schon einige Tage um diese Geschichte so richtig zu verarbeiten und zu verdauen.“, MaschaH, Skurill aber nichts für Menschen ohne Humor.

Obwohl das Buch ihren Glauben stark angriff und parodierte, nahm sie es mit Humor auf und fühlte sich nicht persönlich angegriffen, sondern tolerierte die von dem Buch präsentierte Meinung und gab ihm eine Benotung von 5 von 5 Sternen. Dies ist eine in meinen Augen sehr lobenswerte Einstellung. Wenn nur alle Menschen so tolerant gegenüber Denjenigen wären, die ein anderes Weltbild vertreten; die Welt wäre ein friedlicherer Ort, an dem religiöse, atheistische und andere ideolgisch orientierte Menschen friedlich zusammenleben würden. Ist sie aber leider nicht, und bevor wir uns in nutzlosen idealistischen Tagträumen verlieren, sehen wir uns an, was andere zu CrH geschrieben haben.

Die Blog Wurm sucht Buch lobte in seiner Kritik vor allem die Intertextualität des Werkes und die vielen Verweise auf bekannte und weniger bekannte Werke aus der Literaturgeschichte. Doch die Wirkungsweise des Buches fasste die Lovelybooksrezensentin dieschmitt wohl am besten zusammen:

„[…]Das Buch spielt mit der Realität, oder sagen wir es nutzt verschiedene Realitäten. Dazu kommen unterschiedliche Ebenen, abgedrehten Humor und verschiedenste Anspielungen. Das Buch stellt alles in Frage und ermöglicht auf der anderen Seite aber auch alles. Das klingt jetzt verrückt, aber das Buch ist verrückt, vergiss alle Denkweisen, die Du kennst und lass Dich auf die Reise ein. Sie wird spannend, abgedreht, aber auch geistöffnend. […]“, dieschmitt, Lovelybooks „Abgedreht und hochphilosophisch in einem

Erfreulicherweise haben auch viele Leser auf Lovelybooks und anderen Plattformen auch die realen Ebenen des Buches, die sich mit meiner Persönlichkeit überlappen, entdeckt. Wer nämlich meinen tumblr-Blog liest und auch meine Instagramposts verfolgt, der findet dort Texte zu der Verbindung zwischen dem Charakter Nathan und mir und Bilder der Schauplätze im Roman, was die ganze Handlung um eine zusätzliche digitale Kunstebene erweitert und das Verständis einiger Anspielungen erleichtert.

Auf Amazon liegt die durchschnittliche Wertung von CrH bei 4,8 Sternen. Insgesamt bin ich über die Rezeption, die mein Buch bisher erfahren hat, erfeut und fühle mich geehrt. Tausend Dank an alle meine treuen Leser da draußen. Ohne eure Käufe und Rezensionen und das viele persönliche Feedback in Form von Kommentaren und E-Mails, wäre ich jetzt als Schriftstellere nicht so weit, wie ich es jetzt bin. Und ein großes Danke geht an alle Kollegen, die mich inspirieren und unterstützen, insbesondere Heidi Lehmann, die mir bei der Überarbeitung von Crackrauchende Hühner mit ihrem Lektorat zur Seite stand und Anja Linnenbach, die beim Korrektorat mithalf.

Eine Liste alle meiner relevanten Kollegen findet ihr übrigens auf meiner entsprechenden Unterseite: http://leveret-pale.de/mitwirkende